Call 3/2019: Fake News, Manipulation, Propaganda

2019-07-29

Unrichtige, falsche Nachrichten – sogenannte „Fake News“ – zeichnen per se ein unwahres Bild der Wirklichkeit. „Fake News“, manipulierte Information, gezielte Desinformationen, bewusste Lügen, Gerüchte oder Propaganda sind dabei keine Erfindungen der Neuzeit. Intrigen, Manipulationen oder Fälschungen wurden unter den jeweiligen mediensoziologischen Bedingungen seit jeher genutzt, um Machtpositionen zu erlangen oder auszuweiten. So ist im 20. Jahrhundert etwa der Klassiker der Public Relations, Edward Bernays Propaganda (1928), mehrfach eingesetzt worden, um Desinformationen, Lügen und Gerüchte massenpsychologisch wirksam zu verteilen. Auch im Zeitalter der Neurolinguistischen Programmierung (NLP) hat sich daran wenig geändert. Hannah Arendt sprach in diesem Zusammenhang von Wahr-Lügen, Lügen also, die zum Selbstzweck die Wahrheit verleugnen. Damit stehen auch Begriffe wie Objektivität und Subjektivität, Original und Kopie, echt und unecht oder Science und Fiction im Raum. Problembereiche, die durchaus auch in der Analyse von Schulbüchern aufgeworfen wurden, die ihrerseits als Quelle einer bestimmten (durchaus manipulierten) Informationslage ausgewertet wurden.

„Fake News“ werden also oft benutzt, um das Vertrauen in Bewährtes zu erschüttern und den Keim des Zweifels und der Zwietracht zu säen. Je unsicherer die Zeiten, desto notwendiger scheint die Sehnsucht nach Halt und Vertrauen. Auch und gerade durch die heutigen technischen Möglichkeiten kann praktisch jede und jeder beliebig viele Informationen mit anderen teilen, liken bzw. veröffentlichen. „Fake News“, die Emotionen wie Angst, Wut und Empörung auslösen, verbreiten sich im Sinne der Massenpsychologie besonders gut. Derartiges hatte bereits Orson Welles vor Augen, als er 1938 H. G. Wells Krieg der Welten mit einem Hörspiel ins Radio brachte, dass die amerikanischen Zuseherinnen und Zuseher wirklich glauben machte, ein Angriff von Außerirdischen stünde bevor. Auch die embedded journalists des Irakkrieges im Jahre 2003 werfen nach wie vor die Frage der manipulierten Kriegsberichterstattung auf. Jüngst machte auch im Fall der Seenotretterin Carola Rackete ein hochgradig manipuliertes Bild die digitale Runde, das sie mit einem Hitlergruß zeigt, um ihre ethisch und juristisch gerechtfertigte Haltung zu diskreditieren.

Die genannten Konstellationen haben auch in der konkreten medienpädagogischen Praxis und in verschiedenen didaktischen Settings eine Rolle und Funktion, die eigens analysiert werden muss. Denn die „Veränderung“ von Text-, Bild- oder Videomaterial kann gerade in der Medienbildung wertvolle Hilfe leisten, um „hinter die Kulissen“ der Medienproduktion schauen zu können. In einer Gesellschaft des Spektakels sind Kinder, Jugendliche, Studentinnen und Studenten genauso wie Erwachsene, Lehrerinnen und Lehrer mithin täglich mit Fake News, Manipulation und Propaganda konfrontiert, die sie nur über das Making Of verstehen können. Dabei geht es gerade in der Vermittlung von Lehrinhalten um die Notwendigkeit, im Sinne der Aufklärung das Dickicht dieser Informationsfluten kritisch durchschauen zu können, um sich ein eigenes Bild zu machen. Denn wie schon von Dieter Baacke betont, bedarf Medienkompetenz die Ausbildung von vier Dimensionen: Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung. Deshalb lädt die Redaktion der MEDIENIMPULSE herzlich dazu ein, mit uns in der Ausgabe 2/19 über die Themen „Fake News, Manipulation und Propaganda“ medienpädagogisch zu diskutieren, weil all diese Aspekte die Medienkompetenz und ihre Vermittlung mehrfach durchkreuzen. Deshalb werfen wir im Vorfeld der Ausgabe 2/2019 folgende Fragen auf:

  • Wie kann man die Mechanismen von Fake-News, Propaganda und Manipulation erkennen und in der Folge medienpädagogisch so aufbereiten, dass ein bewusster, medienkritischer Umgang mit ihnen möglich wird?

  • Welche Möglichkeiten ergeben sich (soziologisch und juristisch) gerade im Bereich der Schule gegen gezielte Desinformation, manipulierte Bilder oder Fälschungen vorzugehen?

  • Was kann man tun, wenn eine offensichtliche Unwahrheit entlarvt wurde? Wie kann dies medienpädagogisch oder journalistisch so aufbereitet werden, dass diese Unwahrheit die Öffentlichkeit erreicht? An wen kann man sich dabei wenden?

  • Wie können Fake News, Manipulation und Propaganda so in didaktischen Modellen behandelt werden, dass ein medienkritisches Bewusstsein über die Grenzen von Objektivität und Subjektivität, Original und Kopie, echt und unecht oder Science und Fiction im konkreten Unterrichtsfeld erreicht werden kann?

  • Welche Best-Practice-Beispiele haben sich angesichts dieser medienpädagogischen Fragestellung in kurzen Unterrichtseinheiten bewährt?

  • Auf welche konkreten Probleme sind Lehrerinnen und Lehrer angesichts dieses Themas in ihrer Praxis gestoßen?

 

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Die Herausgeber/innen des Hefts sind:

Alessandro Barberi, Universität Wien
(alessandro.barberi@univie.ac.at)

Katharina Kaiser-Müller, Universität Wien
(katharina.kaiser-mueller@univie.ac.at)

Christian Swertz, Universität Wien
(christian.swertz@univie.ac.at)

Redaktionsschluss: 25.08.2019 (15.08.2019 mit Peer-Review-Verfahren)
Erscheinungsdatum: 21.09.2019