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                <title type="main" xml:lang="de">Die Form der Antikunst</title>
                <title type="sub" xml:lang="de">Fluxus und <hi rend="italic">Freibord</hi></title>
                <author>
                    <name>
                        <forename>Fermin</forename>
                        <surname>Suter</surname>
                    </name>
                    <affiliation>Universität für Weiterbildung Krems, Archiv der
                        Zeitgenossen</affiliation>
                </author>
            </titleStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Wiener Digitale Revue</publisher>
                <date>2022</date>
                <availability>
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/"><p>For this
                            publication, a Creative Commons Attribution 4.0 International license
                            has been granted by the author(s), who retain full
                        copyright.</p></licence>
                </availability>
                <idno type="DOI">10.25365/wdr-04-02-03</idno>
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                <title>Wiener Digitale Revue</title>
                <biblScope unit="issue">4</biblScope>
                <idno type="ISSN">2709-376X</idno>
            </seriesStmt>
            <sourceDesc>
                <p>born digital</p>
            </sourceDesc>
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                <keywords xml:lang="de">
                    <term xml:lang="de">Fluxus</term>
                    <term xml:lang="de">Pulp</term>
                    <term xml:lang="de">Freibord</term>
                    <term xml:lang="de">Intermedialität</term>
                    <term xml:lang="de">Neo-Avantgarde</term>
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                </keywords>
                <keywords xml:lang="en">
                    <term xml:lang="en">Fluxus</term>
                    <term xml:lang="en">pulp</term>
                    <term xml:lang="en">Freibord</term>
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                    <term xml:lang="en">counter culture</term>
                    <term xml:lang="en">literary journal</term>
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    <text>
        <front>
            <div type="abstract" xml:lang="de">
                <p>Der Beitrag von Fermin Suter beschäftigt sich mit der ‚postmodernen Avantgarde‘
                    Fluxus und ihrem Wiener Medium, der Literatur- und
                        Kulturzeitschrift <title>Freibord</title>. Die Events und Werke des
                    internationalen Künstler*innennetzwerks waren stark kollaborativ geprägt und
                    intermedial ausgerichtet: Hier trafen Aktionismus und Pulp beispielhaft
                    aufeinander. Es lässt sich daraus zeigen, dass auch Antikunst ihre bestimmte
                    Form hat.</p>
            </div>
            <div type="abstract" xml:lang="en">
                <p>Fermin Suter’s contribution looks into ‘postmodern avant-garde’ Fluxus and its
                    Viennese medium, the literary and art magazine <title>Freibord</title>. The
                    performances and works of the international artists’ network were marked by a
                    strongly collaborative tendency and an intermedia orientation: Actionism and
                    pulp fused in an exemplary manner. After all, even anti-art has its form.</p>
            </div>
        </front>
        <body>
            <div xml:id="wdr04_02-03_01">
                <head>1. fluxus is dead</head>
                <p>Die 1980er Jahre begannen ganz unbeschwert mit einer Todesanzeige. Zumindest in
                        <title>Freibord</title>, der als Undergroundpublikation gehandelten Wiener
                    Literatur- und Kunstzeitschrift, die einmal beschrieben wurde als <quote
                        source="#ref_Jaschke1988a-x">sich perpetuierende[s], […] aus Aktionismus,
                        Wiener Gruppe und Folge-Elementen komponierte[s] Kunstereignis</quote> (so
                    die Doyenne der österreichischen Avantgarde-Forschung, Helga Köcher, zit. n.
                        <ref type="bibl" target="#Jaschke1988a" xml:id="ref_Jaschke1988a-x">Jaschke
                        1988a: o. S.</ref>). 1980 nämlich erschien im Verlag Freibord – nach der
                    Zeitschriftengründung 1976 waren bald auch eine Sonderreihe, Sonderdrucke sowie
                    ein gleichnamiger Verlag ins Leben gerufen worden – eine Audiokassette des
                    Fluxisten Joe Jones (1934–1993) mit dem Titel <title>fluxus is dead</title>
                        (<ref type="bibl" target="#Jones1980">Jones 1980</ref>). Darauf findet sich
                    unter anderem die Aufnahme einer Musikperformance von Jones, durchgeführt
                    anlässlich einer Ausstellung zum fünfjährigen Bestehen von
                        <title>Freibord</title> in der Wiener Secession.<note xml:id="endnote_01"
                            ><p>Genauer: Man feierte das fünfjährige Bestehen von
                                <title>Freibord</title> und das zehnjährige Jubiläum der aufs Engste
                            mit dem Autor*innenkreis um <title>Freibord</title> verbundenen
                            Herbstpresse Werner Herbsts.</p></note> Zu hören ist da ein dissonantes,
                    scheinbar endloses an- und abschwellendes Geflecht von Tönen und Geräuschen,
                    eine Zufallsmusik, in Form gebracht alleine durch die Spannung zwischen
                    Wiederholung und Chaos. Hervorgebracht wurde die Musik von einer aus einem
                    Klavier, aus Zimbeln, Glocken und Trommeln improvisiert zusammengebauten
                    Musikmaschine. Solche <term>Music Machines</term>, die Jones seit den frühen
                    1960er Jahren baute - so wie viele Fluxist*innen war Jones Schüler an der New
                    Yorker New School for Social Research bei John Cage -, muten mal an wie Mobiles,
                    mal wie found object Skulpturen. Gespielt wurden sie vom Künstler und dem Zufall
                    gemeinsam: Durch zu bedienende Hebel, Räder oder Schalter in Gang gesetzt, wurde
                    die Musik hervorgebracht durch willkürliche Bewegung, eine Dampfmaschine oder an
                    Fäden baumelnde Motörchen.</p>
                <p>Fluxus, der als <quote source="#ref_Schmidt-Burkhardt2009-107">erste postmoderne
                        Avantgarde</quote> (<ref type="bibl" target="#Schmidt-Burkhardt2009"
                        xml:id="ref_Schmidt-Burkhardt2009-107">Schmidt-Burkhardt 2009: 107f.</ref>)
                    es sich in dadaistischer und futuristischer Tradition zur Aufgabe gemacht hatte,
                    eine Anti-Kunst jenseits etablierter Kategorien zu sein,<note
                        xml:id="endnote_02"><p>Besonders explizit bei George Maciunas Anfang der
                            1960er Jahre, z.B. in seinem <title>Manifesto</title> von 1963: <quote
                                source="#ref_PhillpotOJ-x">[…] Purge the world of bourgeois sickness
                                […]. PROMOTE A REVOLUTIONARY FLOOD AND TIDE IN ART. Promote living
                                art, anti-art, promote NON ART REALITY, to be grasped by all
                                peoples, not only dilettantes and professionals. […].</quote> (<ref
                                type="bibl" target="#PhillpotOJ" xml:id="ref_PhillpotOJ-x">Phillpot
                                o. J.</ref>)</p></note> war Anfang der 1980er Jahre alles andere als
                    tot, sondern erlebte eine Art Revival, auch in Österreich und insbesondere in
                        <title>Freibord</title>. Intermedialität, die Ablehnung von Dogmatik und
                    kulturellem Standesdünkel zugunsten formaler und inhaltlicher Freiheiten, eine
                    Verschränkung von kritischer Intellektualität und verspieltem Humor, und nicht
                    zuletzt die Kritik an artistischen Potenzphantasien und der Kapitalisierung
                    künstlerischer Symbolwerte waren nicht nur für Fluxus bezeichnend, sondern
                    können genauso das <title>Freibord</title> der 1980er Jahre beschreiben.
                    Vielleicht kommt Fluxus dem am nächsten, was man eine Zeitschriftenpoetik von
                        <title>Freibord</title> nennen könnte.</p>

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                    <graphic width="350px" height="164px" url="media/wdr04_02-03_Abb_01.jpg"/>
                    <head type="legend">Links: Gerhard Jaschke: Cover, nach einer Idee von Ken
                        Friedman unter Verwendung des Fluxus-Schriftzugs der Flux-Rolle 1963.
                        Freibord 73 (1990). Rechts: Freibord 64 (1988).</head>
                </figure>
            </div>
            <div xml:id="wdr04_02-03_02">
                <head>2. „The dogs perform there own concert”</head>
                <p>Ausgehend von einem Zirkel von Künstler*innen in den USA und Europa und der
                    ersten offiziell unter dem Titel ‚Fluxus‘ stattfindenden Manifestation in
                    Wiesbaden entfaltete sich Fluxus in den 1960er Jahren als ein dynamisches
                    internationales Künstler*innennetzwerk und in Form stark kollaborativ geprägter,
                    intermedialer Werke und <term>Events</term>.<note xml:id="endnote_03"
                                ><p><title>Fluxus. Internationale Festspiele neuester Musik</title>
                            fand im September 1962 in Wiesbaden statt. Vgl. zur genaueren
                            Entstehungs- und Vorgeschichte von Fluxus den Überblick bei <ref
                                type="bibl" target="#Richter2012">Richter
                        2012: 75–101</ref>.</p></note> Viele der einflussreichsten
                    Fluxus-Vertreter*innen der Gründungs- und Folgejahre, darunter George Maciunas,
                    Jones, George Brecht, Wolf Vostell, Alison Knowles, Emmett Williams, Dick
                    Higgins, Charlotte Moorman, Robert Filiou, Bet Vautier, Joseph Beuys, Jackson
                    Mac Low, Anne Tardos und weitere, die über Jahrzehnte hinweg in wechselnden
                    Konstellationen zusammenarbeiteten, wurden die gesamten 1980er Jahre hindurch
                    immer wieder auch in <title>Freibord</title> publiziert und besprochen.<note
                        xml:id="endnote_04"><p>Besonders deutlich sichtbar in drei Themenheften mit
                            Fluxus-Schwerpunkt, den Nummern 60 (1987), 64 (1988) und 73 (1990).
                            Viele Fluxus-Bezüge in <title>Freibord</title> wurden herausgearbeitet
                            von <ref type="bibl" target="#Rosenkranz2014">Rosenkranz
                        2014</ref>.</p></note></p>
                <p>Entsprechend finden sich dort mitunter auch jene programmatischen
                    Positionsbestimmungen beziehungsweise -verflüssigungen hinsichtlich Form und
                    Funktion von Fluxus, die teils zu Wahlsprüchen für Gerhard Jaschke, den
                    langjährigen Herausgeber des <title>Freibord</title>, wurden, welcher
                    seinerseits sowohl die Publikation zeitgenössischer Arbeiten wie eine
                    historische Einordnung von Fluxus verfolgte.<note xml:id="endnote_05"
                            ><p>Gegründet wurde <title>Freibord</title> von Bernt Burchhart,
                            Wolfgang Hemel, Gerhard Jaschke, Camillo Schaefer, Hermann Schürrer und
                            Ingrid Th. Wald. Nach wenigen Jahren übernahm Jaschke die verlegerische
                            Hauptlast.</p></note> Der Etymologie des fluxistischen ‚Fließens‘
                    entsprechend, ist diesen Verortungen vor allem die Verweigerung einer Definition
                        gemeinsam,<note xml:id="endnote_06"><p>Dasselbe gilt auch für
                            kunsthistorische Termini, die im Zusammenhang mit Fluxus verwendet
                            werden. Sie wurden von den verschiedenen Fluxist*innen stets
                            unterschiedlich verstanden und definiert. Ebenso unterscheiden sich je
                            nach Autor*in die Personen, welche zum Kern bzw. zur Gründerriege von
                            Fluxus gezählt werden.</p></note> wie sich auch in
                        <title>Freibord</title> lesen lässt: <quote source="#ref_Higgins1987-4"
                        >Fluxus is not: a moment in history, or an art movement.</quote> (<ref
                        type="bibl" target="#Higgins1987" xml:id="ref_Higgins1987-4">Higgins 1987:
                        4</ref>), so Dick Higgins. Oder, etwas ausführlicher, Ken Friedman: <quote
                        source="#ref_Friedman1990-5">Fluxus is the name of a way of doing things.
                        Fluxus is an active philosophy of experience that takes the form of art.
                        Fluxus stretches the word art across the arts and the areas between them. It
                        includes art forms yet to exist and the fertile intersections known as
                        intermedia. […] but there is no single element of making or structure common
                        to the entire group of people who have been active in Fluxus.</quote> (<ref
                        type="bibl" target="#Friedman1990" xml:id="ref_Friedman1990-5">Friedmann
                        1990: 5</ref>) Jaschke wiederum bestimmt die undogmatische <quote
                        source="#ref_Jaschke1987-16">Nichtbewegung</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Jaschke1987" xml:id="ref_Jaschke1987-16">Jaschke 1987: 16</ref>),
                    George Brecht zitierend, als kontinuierlichen Prozess mit offenem Ausgang –
                        <quote source="#ref_Jaschke2017-29">It goes round and round and round and
                        where it stops nobody knows.</quote> (<ref type="bibl" target="#Jaschke2017"
                        xml:id="ref_Jaschke2017-29">Jaschke 2017: 29</ref>)<note xml:id="endnote_07"
                            ><p>Korrekt lautet das Zitat <quote source="#ref_Higgins1998-31">Round
                                and round it goes and where it stops nobody knows.</quote> (zit. n.
                                <ref type="bibl" target="#Higgins1998" xml:id="ref_Higgins1998-31"
                                >Higgins 1998: 31</ref>).</p></note> – oder als eine <quote
                        source="#ref_Jaschke1981b-65">Antikunst</quote>, an der, mit Verweis auf
                    Robert Watts, <quote source="#ref_Jaschke1981b-65">[d]as Wichtigste ist, […] daß
                        niemand weiß, was es ist.</quote> (<ref type="bibl" target="#Jaschke1981b"
                        xml:id="ref_Jaschke1981b-65">Jaschke 1981b: 65</ref>)</p>
                <p>Der avantgardistische Impuls von Fluxus lag derweil stets in der
                    Entmystifizierung des fetischisierten Kunstwerks sowie als elitär wahrgenommener
                    ästhetischer Praktiken und Kategorien, womit eine künstlerische Affirmation des
                    Alltäglichen einherging.<note xml:id="endnote_08"><p>Man wendete sich damit auch
                            an eine Öffentlichkeit, in der allem Avantgardistischen der Ruch des
                            Elitären anhing (vgl. Higgins 2001, in Teilen erstmals publiziert
                            1966).</p></note> Unter der Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen, die
                    dabei hervorgebracht wurde, können zwei als genuin fluxistisch gelten: die
                    sogenannten <term>Fluxkits</term> und der <term>Event Score.</term> Die
                        <term>Fluxkits</term>, von Maciunas zusammengestellte Koffer, in welchen die
                    Arbeiten unterschiedlicher Fluxus-Künstler*innen versammelt sind,<note
                        xml:id="endnote_09"><p>Terminologisch unterschieden Zeitgenoss*innen
                            bisweilen <term>Fluxkits</term> von <term>Fluxboxes</term>, die Trennung
                            ist jedoch unscharf. Für <ref type="bibl" target="#Harren2016">Harren
                                (2016: 46)</ref> wiederum sind die Begriffe austauschbar. Die Idee,
                            Kunstwerke in Boxen zu versammeln, wurde bereits früher und von anderen
                            Künstler*innen, etwa George Brecht oder bereits Marcel Duchamp,
                            angewendet (vgl. <ref type="bibl" target="#Richter2012">Richter 2012:
                                230–233</ref>).</p></note> verkörperten grundlegende fluxistische
                    Ideen. Fluxusobjekte – typischerweise <quote source="#ref_Harren2020-135">small,
                        tactile, interactive, antispectacular, and lowly</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Harren2020" xml:id="ref_Harren2020-135">Harren 2020: 135</ref>) –,
                    waren meist aus Alltagsgegenständen gefertigt und zielten auf ein
                    partizipatives, multisensorisches Kunsterlebnis und sollten zwischen ‚Ware‘ und
                    ‚Skulptur‘ vermitteln.<note xml:id="endnote_10"><p>Z.B. Ben Pattersons
                                <title>Instruction No. 2.</title>, bestehend aus einer Seife und
                            einem Waschtuch mit dem Aufdruck ‚Please wash your face‘ (vgl. <ref
                                type="bibl" target="#Harren2016">Harren 2016: 57</ref>).</p></note>
                    Als ein Produkt kollektiver Autorschaft und eine Form gewordene, mobile
                    Kunstausstellung im Kleinformat jenseits etablierter Institutionen sollten die
                        <term>Fluxkits</term> gängige Rezeptionsformen erweitern. Und nicht zuletzt
                    versuchten sie, neue Formen der Kunstpublikation bzw. -distribution mit einer
                    künstlerischen Wiederaneignung kapitalistischer Massen- und Ausschussware zu
                        verbinden.<note xml:id="endnote_11"><p>Vgl. zum zweiten Aspekt insb. <ref
                                type="bibl" target="#Harren2016">Harren 2016</ref>. Die
                            diesbezügliche Bewertung der <term>Fluxkits</term>, die schon bald ihren
                            Weg zu Sammler*innen und in Museen fanden und durchaus Unikat-Charakter
                            hatten, fällt unter Zeitgenoss*innen rückblickend oft ambivalent
                            aus.</p></note> Neben verschiedenen fotografischen Dokumentationen aus
                    Galerien und diese Form spielerischer Subversion wiederaufgreifend, hat auch
                    Gerhard Jaschke bisweilen artistische Scherze produziert, etwa das gemeinsam mit
                    Michael Horvath fabrizierte Objekt <title>Am Drücker</title>: ein Schächtelchen,
                    beschriftet mit ‚Firma Proforma‘, darin eine Spielzeugschreckschusspistole mit
                    Munition und Zielscheibe, jedes der zehn Exemplare im Deckel nummeriert und
                    handsigniert. Diese sowohl mit den Zeichen hoher Kunst auratisierte wie auch als
                    Massenprodukt profanierte Aufforderung zum Spiel steht ganz in der fluxistischen
                    Reflexionstradition von Gebrauchswerten und einer ‚pro forma am Drücker‘
                    befindlichen künstlerischen Urheberschaft.</p>

                <figure xml:id="wdr04_02-03_Abb_02">
                    <graphic width="300px" height="200px" url="media/wdr04_02-03_Abb_02.jpg"/>
                    <head type="legend">Horvath &amp; Jaschke: <title>Am Drücker</title>, 1992
                        (Foto: Landesssammlungen NÖ).</head>
                </figure>

                <p>Als Gegenmodell zur Materialität der <term>Fluxkits</term> fungierten <term>Event
                        Scores</term>:<note xml:id="endnote_12"><p>Je nach Urheber*in bezogen sich
                            die <term>Event Scores</term> durchaus auch auf dem Publikum zur
                            Verfügung gestellte Objekte, so etwa bei George Brecht (vgl. <ref
                                type="bibl" target="#Hoelling2021">Hölling 2021:
                        64f.</ref>).</p></note> Dabei handelt es sich um schriftliche, leicht
                    verständliche und für Improvisation offene Vorschläge, Aussagen und Anweisungen
                    für Performances bzw. <term>Events</term>, die jede*r, unabhängig vom
                    konzeptionellen Urheber, durchführen kann und soll; ihr Kern ist letztlich die
                    Idee selbst.<note xml:id="endnote_13"><p>Der <term>Score </term>als maximal
                            komprimierte, abstrakte Idee ging wesentlich auf John Cages Notationen
                            und seine Schüler zurück, insb. Dick Higgins, George Brecht und Al
                            Hansen (vgl. zum Vergleich von Cage'scher Notation und <term>Event
                                Score</term>
                            <ref type="bibl" target="#Lushetich2014">Lushetich 2014:
                            42–47</ref>).</p></note> Sie wurden anfänglich unter Bekannten, später
                    zunehmend in größerem Stil vervielfältigt und verteilt und <quote
                        source="#ref_FriedmanSmith2002-1">spread an idea about what art – and
                        performance art – could be to a vast and ever wider circle of artists and
                        critics interested in new ways of working.</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#FriedmanSmith2002" xml:id="ref_FriedmanSmith2002-1">Friedman/Smith
                        2002: 1</ref>) In <title>Freibord</title> wird die gesamte Bandbreite
                    abgebildet, die <term>Event Scores</term> annahmen:<note xml:id="endnote_14"
                            ><p>Eine ausführliche Sammlung von <term>Event Scores</term> haben <ref
                                type="bibl" target="#Friedman2002">Friedman/Smith/Sawchyn 2002</ref>
                            publiziert.</p></note> von Wolf Vostells ausführlichen Anleitungen für
                    ein Happening über das zum Gedicht tendierende <title>clock tower peace</title>
                    von Dick Higgins und Brian McHugh bis hin zu Joe Jones' anarchisch witzigem
                        <title>concert for dogs</title>, zusammengestellt aus Hundebildchen, einigen
                    Noten und der Anleitung <quote source="#ref_Jones1981-x">performers play (silent
                        dog whistles) the dogs perform there [sic] own concert</quote> (<ref
                        type="bibl" target="#Jones1981" xml:id="ref_Jones1981-x">Jones
                    1981</ref>).</p>

                <figure xml:id="wdr04_02-03_Abb_03">
                    <graphic width="475px" height="227px" url="media/wdr04_02-03_Abb_03.jpg"/>
                    <head type="legend">Links: Wolf Vostell: <title>Berlin-Fieber</title>;
                            <title>Auto-Fieber</title>. Freibord 27 (1982), S. 55. Mitte: Dick
                        Higgins, Brian MacHugh: <title>clock tower peace</title>. Freibord 64
                        (1988), S. 61. Rechts: Joe Jones: <title>concert for dogs</title>. Freibord
                        23 (1981), S. 65.</head>
                </figure>

                <p>Die Schnittstelle von Musik, Theater, Performance und Aktion, welche fluxistische
                        <term>Events</term> bilden, ist bereits in den <term>Scores</term>
                        angelegt.<note xml:id="endnote_15"><p>Die Differenzierung zwischen Event,
                            Performance und Happening war stets <term>work in progress</term> (vgl.
                            zu einer Einschätzung z.B. <ref type="bibl" target="#Friedman1990"
                                >Friedman 1990: 29–31</ref>; zur Bedeutung des Happenings für Fluxus
                            auch <ref type="bibl" target="#Higgins2002">Higgins 2002:
                            105–113</ref>).</p></note> Denn jenseits ihrer Funktion als
                    künstlerische Sprechakte (vgl. <ref type="bibl" target="#Lushetich2014"
                        >Lushetich 2014: 47–52</ref>) stehen sie in einer gewissen auf Dada und
                    Kubismus zurückgehenden kritischen Tradition diagrammatischer Visualisierung,
                    die zu einer grundlegenden Neujustierung des Konzepts künstlerischer Form
                    führte. Nicht mehr als fixierte visuelle Repräsentation, sondern als eine direkt
                    mit dem kreativen Akt verbundene Formgebung verstanden, wurden fluxistische
                        <term>Scores</term> und Musiknotationen zu Modellen, anhand derer
                    künstlerische Form als ‚iterativ, performativ, transitiv und ambigue‘ (vgl. <ref
                        type="bibl" target="#Harren2020">Harren 2020: 70</ref>; <ref type="bibl"
                        target="#Joselit2005">Joselit 2005</ref>) gedacht, dokumentiert und
                    umgesetzt werden konnte.</p>
                <p>Wie beim Verhältnis von <term>Event Score</term> zu <term>Event</term> zeigt sich
                    darin, wie fluxistische Kunstwerke auf die Überschreitung künstlerischer
                    Gattungs- und Spartengrenzen angelegt sind. Das wird auch anhand der in
                        <title>Freibord</title> publizierten Werken deutlich: Bei Joe Jones
                    vermengen sich Musik und Skulptur, Musiknotation und Grafik. Letztere ähneln in
                    gewisser Weise der ‚Phonemicon‘-Musiknotation Jackson Mac Lows, die dieser für
                    seine Lautpoesie entwickelt hatte.<note xml:id="endnote_16"><p>‚Phonemicon‘ ist
                            ein Kompositum aus ‚phoneme‘ und ‚icon‘; die Notation hält die lautliche
                            Zerdehnung eines Ausgangstexts fest (vgl. auch <ref type="bibl"
                                target="#Carruthers2017">Carruthers 2017: 90</ref>). Mac Lows
                                <title>Phonemicon from ‘Hereford Bosons 1’</title> ist zu hören
                            unter: <ref
                                target="http://www.fondazionebonotto.org/en/collection/poetry/maclowjackson/4/3115.html"
                                >www.fondazionebonotto.org/en/collection/poetry/maclowjackson/4/3115.html</ref>,
                            Zugriff am 30.6.2022. Von 1992 bis 1993 lehrte Mac Low an der Schule für
                            Dichtung in Wien.</p></note> Diese ist wiederum eng den
                    Sprachexperimenten verwandt, wie sie etwa Lily Greenham und Henri Chopin in den
                    1950er und 1960er Jahren an der Grenze von Literatur, Musik und Komposition
                    durchgeführt haben. Werke der konkreten und visuellen Poesie – um die
                    diesbezüglichen Verdienste Emmett Williams’ weiß man im Freibord sehr genau<note
                        xml:id="endnote_17"><p>So betont z.B. Jiri Valoch anlässlich einer Al Hansen
                            Ausstellung in Wien die Bedeutung von Williams' Anthologie <title>An
                                Anthology of Concrete Poetry</title> (1967) als erstes Sammelwerk
                            visueller Poesie (vgl. <ref type="bibl" target="#Valoch1990">Valoch
                                1990: 65</ref>).</p></note> – und etwa Pierre Garniers mit einfachem
                    Strich gefertigten Bildgedichte<note xml:id="endnote_18"><p>Von dem eher einem
                            Neo-Fluxus zuzurechnenden Pierre Garnier, der u.a. auch Lautpoesie
                            kreierte, liegen in <title>Freibord</title> zahlreiche Arbeiten vor,
                            insbesondere seine Bildgedichte finden regelmäßig Eingang in die Hefte,
                            die Sonderreihe und Sonderdrucke des Freibord Verlags, so z.B.
                                <title>Totentanz</title> (Sonderreihe 29, 1990); <title>Lyrisches
                                Skizzenbuch</title> (Sonderreihe 40, 1996); <title>Epos des
                                Quadrats</title> (Sonderdruck 28, 2002).</p></note> schließen hier
                    ebenso an wie die in einer langen Tradition von Sprachspiel und -reflexion
                    stehenden Lipogramme Anne Tardos' (vgl. Freibord 45, 1985, S. 59).</p>

                <figure xml:id="wdr04_02-03_Abb_04">
                    <graphic width="450px" height="218px" url="media/wdr04_02-03_Abb_04.jpg"/>
                    <head type="legend">Links: Joe Jones: <title>Music Project for Modern
                            Quartet</title>. Freibord 23 (1981). Mitte: Jackson Mac Low:
                            <title>Phonemicon from ‘Hereford Bosons 1’</title>. Freibord 49/50
                        (1985) [S. 77–86]. Rechts: <title>‚Magnificat um das Nichts herum.‘</title>
                        Pierre Garnier: Totentanz. Freibord Sonderreihe 1990 [S. 15].</head>
                </figure>

                <p>Von großer Bedeutung hinsichtlich generischer Mischformen in Fluxus war, neben
                    kollektiven und interaktiven Formen von Autorschaft wie im <term>Event</term>,
                    die aleatorische Werkgenese (vgl. z.B. <ref type="bibl" target="#Friedman1998"
                        >Friedman 1998: 248f.</ref>). Für diese stand etwa die insbesondere durch
                    Wolf Vostell als künstlerisches Verfahren reklamierte Technik der Décollage
                    (bzw. bei Vostell ‚Dé-coll/age‘),<note xml:id="endnote_19"><p>Bei der Décollage
                            werden durch Zerstörung (Abrisse, Verwischung, Verzerrung etc.) von
                            Oberflächen und Objekten zufällige Ausschnitte und Schichten freigelegt
                            oder verdeckt. Die so hergestellte fragmentarische Bedeutungsvielfalt
                            sollte Wahrnehmungkonventionen irritieren und <quote
                                source="#ref_Beuckers2014-12">Aktion, Performance und
                                Performativität […] an die Stelle von Form, Semantik und
                                Semiotik</quote> treten lassen (<ref type="bibl"
                                target="#Beuckers2014" xml:id="ref_Beuckers2014-12">Beuckers 2014:
                                12</ref>).</p></note> die mit ihren Übergängen zwischen Medien und
                    der Auflösung etablierter Symbolsysteme auch zum Bezugspunkt für Vertreter*innen
                    der konkreten Literatur wurde (vgl. <ref type="bibl" target="#Zeller2014">Zeller
                        2014: 25–29</ref>). Für ein literarisches Pendant der Décollage, das Cut-up,
                    finden sich in <title>Freibord</title> ebenfalls wiederholt Beispiele: Richard
                    Kostelanetz publiziert mit <title>Triplets: Poems and Stories</title> einen von
                    den Leser*innen zu nutzenden Zufallsgenerator für Gedichte, Marc Adrian
                    publiziert computergenierte Varianten eines De-Sade-Textes, die sich durch
                    graduelle Steigerung zufällig veränderter sprachlicher Kohäsion unterscheiden
                        (<ref type="bibl" target="#Adrian1980">Adrian 1980</ref>), Alison Knowles
                    nutzt in <title>Bread and Water</title> die mittels fotografischer Techniken an
                    Lebensmitteln entdeckten Zufallsformen als Zugänge zu imaginären Topographien,
                    in denen sich dann, literarisch ausgestaltet, Themen wie Ernährung und
                    Ausbeutung überlagern.<note xml:id="endnote_20"><p>Bestehend aus einer Kopie,
                            Cyanotypie oder Palladiumdruck und einem Text, sind auf der einen Seite
                            die Unterseite eines Brotes zu sehen; dessen Einkerbungen assoziiert
                            Knowles mit Atlanten, Karten und Wasserwegen, hier dem Amazonas, denen
                            sie in mäandernden und etwa in Richtung Ressourcenausbeutung
                            verzweigenden literarischen Impressionen folgt.</p></note> Und Dietmar
                    Kirves kreiert in seinen Text-Bild-Décollagen, ganz dem medien- und
                    öffentlichkeitskritischen Impuls Vostells folgend (vgl. <ref type="bibl"
                        target="#Riviere2021">Rivière 2021: 190ff.</ref>), ein vignettenartiges
                    Panorama sprachlicher, diskursiver und gesellschaftlicher Normierungen und
                    Machtverhältnisse (<ref type="bibl" target="#Kirves1985">Kirves 1985</ref>).</p>

                <figure xml:id="wdr04_02-03_Abb_05">
                    <graphic width="450px" height="319px" url="media/wdr04_02-03_Abb_05.jpg"/>
                    <head type="legend">Links: Richard Kostelanetz: <title>Triplets: Poems &amp;
                            Stories</title>. Freibord 84 (1993), S. 73–76. Rechts oben: Dietmar
                        Kirves: <title>Zu-Fälle und Tabus</title>. Freibord 45 (1985), S. 4–19.
                        Rechts unten: Alison Knowles: <title>One of the River Breads</title>.
                        Freibord 84 (1993), S. 65–70.</head>
                </figure>

                <p>Für diese Poetik medialer Transitivität hat Dick Higgins den Begriff ‚Intermedia‘
                    geprägt. In der konzeptionellen Fusion von Medien und Sparten sah Higgins ein
                    radikales Potenzial für die Kunst und ihre Partizipation am alltäglichen Leben.
                    Wie sähe zum Beispiel, so fragt Higgins eben nur halb im Scherz, <quote
                        source="#ref_Higgins2001-49">the intermedium between painting and
                        shoes</quote> (<ref type="bibl" target="#Higgins2001"
                        xml:id="ref_Higgins2001-49">Higgins 2001: 49</ref>) aus? Die Trennung von
                    Kunstgattungen sei überkommen, weil sie einer gesellschaftlichen Klassenstruktur
                    entstamme und zuarbeite: Die Idee ‚reiner‘ bzw. ‚schöner‘ Künste und allen voran
                    das Gemälde erlaubten es, Kunst als ‚Ornament‘ für wenige Begüterte zu handhaben
                    und der breiten Masse hingegen höchstens als milde Gabe zuzusprechen. Kunst, die
                    sich dem nicht durch den Gang ins Intermediale entgegenstelle, sei <quote
                        source="#ref_Higgins2001-49">colossaly boring and irrelevant</quote> und
                    verfehle die zentrale Aufgabe der Kunst: <quote source="#ref_Higgins2001-49"
                        >allow of [a] sense of dialogue</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Higgins2001">ebd.</ref>). Dem pflichtete Jaschke gewissermaßen bei,
                    wenn er, Ben Vautier paraphrasierend, festhält: <quote
                        source="#ref_Jaschke1987-19">Das Wesentliche ist, zu kommunizieren</quote>
                        (<ref type="bibl" target="#Jaschke1987" xml:id="ref_Jaschke1987-19">Jaschke
                        1987: 19</ref>).</p>
            </div>
            <div xml:id="wdr04_02-03_03">
                <head>3. Zirkulationen</head>
                <p>Diese Verknüpfung von materialistischer Kritik mit dem Bekenntnis zu Dialog und
                    Demokratisierung schlug sich historisch in einer ganzen Reihe fluxistischer
                    Kommunikations-, Publikations- und Distributionsformen nieder, die auch in
                        <title>Freibord</title>, in verändertem Kontext, fortgeführt wurden. Die zum
                    Programm erklärte generische Offenheit fluxistischer Kunstpraxis zeigt sich dort
                    zuallererst in der Mannigfaltigkeit fluxistischer Arbeiten und Themen: Es finden
                    sich neben Musik, <term>Event Scores</term> und Notationen, Programmatiken,
                    grafischen und Textarbeiten ebenso alles, was der Distribution von Fluxus
                    förderlich ist: Foto- und Textdokumentationen, historische Einordnungen,
                    Bibliographien, Korrespondenzen, Veranstaltungsankündigungen, Gespräche und
                    Werbeanzeigen.</p>
                <p>Dass Fluxus in <title>Freibord</title> so vielfältig präsent wurde, verdankte
                    sich den engen Kontakten, die Gerhard Jaschke über Jahrzehnte hinweg zu
                    Fluxus-Künstler*innen, -Verleger*innen und -Sammler*innen unterhielt. Wer und
                    was genau zu Fluxus dazugehört(e), war historisch und ist kunstgeschichtlich
                    gleichermaßen umstritten wie in vielen Fällen müßig zu erörtern.<note
                        xml:id="endnote_21"><p>Richter zeichnet kunstsoziologisch einige Phasen und
                            Phänomene der Fluxus-Rezeption nach (vgl. <ref type="bibl"
                                target="#Richter2012">Richter 2012: 31–39</ref>).</p></note> Ken
                    Friedman verwies diesbezüglich pragmatisch auf die Unterscheidung zwischen
                    Fluxus als historische Gruppe oder Bewegung und Fluxismus als künstlerische
                        Haltung.<note xml:id="endnote_22"><p>Friedman bezieht sich damit auf den
                            Fluxus-Sammler und -Galeristen René Block (vgl. <ref type="bibl"
                                target="#Friedman1990">Friedman 1990: 10</ref>). Einer der frühesten
                            Konflikte, der sich an Publikationsprojekten entzündete, entspann sich
                            zwischen George Maciunas, der in Fluxus eine vereinigte Bewegung sehen
                            wollte, und Friedman, der die jeweilige individuelle Handlungsfreiheit
                            höher schätzte.</p></note> Überhaupt habe es sich bei Fluxus um <quote
                        source="#ref_Stiles1993-95">voluntary associations that form
                        community</quote> (<ref type="bibl" target="#Stiles1993"
                        xml:id="ref_Stiles1993-95">Stiles 1993: 95</ref>) gehandelt; um eine
                    Vielfalt an Gruppenbeziehungen, nicht auf soziale Schließung sondern Öffnung und
                    Dissemination von Werken und Ideen ausgerichtet. Diese Idee sozialer Dynamik
                    bringt Friedman auf einen Nenner: <quote source="#ref_Friedman1990-8">To
                        understand the fluid quality of Fluxus as a group, it helps to think of it
                        as a ‘dis-organization’ rather than an ‘organization’.</quote> (<ref
                        type="bibl" target="#Friedman1990" xml:id="ref_Friedman1990-8">Friedman
                        1990: 8</ref>)</p>
                <p>Jaschke stand also mit allerlei Akteur*innen bisweilen über Jahrzehnte hinweg in
                    regem Kontakt, wovon unter anderem umfangreiche Korrespondenz zeugt.<note
                        xml:id="endnote_23"><p>Der Vorlass Gerhard Jaschkes / Archiv Freibord wird
                            aufbewahrt im Archiv der Zeitgenossen, Universität für Weiterbildung,
                            Krems.</p></note> Neben Künstler*innen gehören dazu etwa der Sammler und
                    Verleger Francesco Conz, der wiederholt große Stückzahlen an
                        <title>Freibord</title>-Ausgaben ankaufte, Publikationen zu Fluxisten wie
                    Dick Higgins und Joe Jones tauschte, von Jaschke Hilfe erhielt bei der
                    Distribution einer Publikation über sein ‚Archivo F. Conz‘ und ihn umgekehrt mit
                    Aufsätzen über Fluxus und den Anschriften wichtiger Sammler und
                        <title>Freibord</title>-Interessent*innen in Italien und den USA versorgte.
                    Der Kontakt zwischen Jones und Jaschke verlief wiederum teils über einen anderen
                    Verleger und Sammler, Armin Hundertmark, mit dem Jaschke Arbeiten und Anzeigen
                    für dessen Literatur- und Kunstzeitschrift <title>Ausgabe</title> bzw.
                        <title>Extra-Ausgabe</title> austauschte und in dessen Publikationen wie den
                    berühmten <term>Kartons</term> Fluxuskünstler*innen und Wiener Aktionisten im
                    selben Gefäß publiziert wurden. Des Weiteren bestanden enge Kontakte zu
                    Galerist*innen, Sammler*innen und Verleger*innen wie Harry Ruhé von der Galerie
                    A in Amsterdam, Barbara Wien in Berlin oder Ute und Michael Berger von Harlekin
                    Art in Wiesbaden.</p>
                <p>Über solche und ähnliche Verbindungen gelangte <title>Freibord</title> zu
                    ‚seinen‘ Fluxus-Materialien. An der Oberfläche zeichnen sich
                        <title>Freibord</title>-Hefte insgesamt (durchaus in unterschiedlichem
                    Ausmaß) und im Speziellen auch die Fluxus-Materialien durch eine Ästhetik aus,
                    die einerseits <title>Freibord</title>-spezifisch (dazu gleich mehr),
                    andererseits aber auch für die fluxistische Text- und Bildproduktion bezeichnend
                    ist. Es handelt sich sowohl um eigens gesetzte und inszenierte Originale und
                    Erstpublikationen als auch um Textexzerpte, um gänzlich aus seinem Zusammenhang
                    Gerissenes (z.B. Mac Lows <title>Phonemicon</title>), kurze Grüße auf
                    Briefumschlägen, Collagen und Überschreibungen aus Kopien, Typoskripten und
                    Manuskripten, versehen mit Ergänzungen, Korrekturen; Vieles wirkt spontan,
                    improvisiert, bis hin zu billig wie etwa die – absichtlich? – unvollständige,
                    zugleich verblasste wie von zu starkem Kontrast geplagte Kopie der
                        <title>Fluxus-Definition</title>, an deren Rändern noch die Hände auf dem
                    Kopiergerät zu sehen sind. Ganz klar: Die Zirkulation der Idee kommt vor
                    technisch-artistischer Perfektion.</p>

                <figure xml:id="wdr04_02-03_Abb_06">
                    <graphic width="220px" height="312px" url="media/wdr04_02-03_Abb_06.jpg"/>
                    <head type="legend">Fluxus-Definition. Freibord 73 (1990), S. 4.</head>
                </figure>

                <p>Diese Ästhetik entspricht einer durchwegs fluxistischen Publikationspraxis, die
                    motiviert ist durch ein gewisses historisch-materialistisches Verständnis der
                    Funktionsweise von Kunstproduktion und -rezeption, welche eben auch in
                    fluxistischen Werken selbst angelegt ist (vgl. <ref type="bibl"
                        target="#Smith1998">Smith 1998</ref>). Dieser Fokus auf Publikation und
                    Zirkulation wurzelte in Positionen, wie sie etwa Higgins mit seinem
                    Intermedia-Begriff eingenommen oder Nam June Paik mit seiner Feststellung einer
                    post-marxistischen Situation artikuliert hatte: Zwar lägen in der Nachkriegszeit
                    die Produktionsmittel durchaus beim Proletariat, jedoch bliebe ihm der Zugang zu
                    einem nach wie vor hochgradig zentralisierten Distributionssystem verwehrt (vgl.
                        <ref type="bibl" target="#Smith1998">ebd. 18</ref>).<note
                        xml:id="endnote_24"><p>Dass es sich bei der Selbsteinordnung meist
                            gebildeter Künstler*innen ins Proletariat seinerseits um einen
                            Distinktionsmechanismus handelt, hebt <ref type="bibl"
                                target="#Richter2012">Richter 2012: 211f.</ref> hervor.</p></note>
                    Hinsichtlich solcher Diagnosen hat der Kunsthistoriker Owen Smith über die
                        <term>Fluxkits</term> vermerkt, dass diese <quote
                        source="#ref_Richter2012-19">should all be seen not as works […], but in
                        their intended context: as publications, albeit quite different from what is
                        traditionally thought of as a publication.</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Richter2012" xml:id="ref_Richter2012-19">Ebd.: 19</ref>)
                    Alternative Publikationsformen und unzimperliche Vervielfältigung sollten primär
                    einen breiten, allen an Fluxus Interessierten offenen Zugang zu dieser neuen
                    Kunst ermöglichen.<note xml:id="endnote_25"><p>Die Rede im Englischen ist von
                            ‚alternative publishing‘. Die Bedeutung von Score-Workbooks bzw. der
                            einfachen Multiplikation von <term>Event Scores</term> betonen auch <ref
                                type="bibl" target="#FriedmanSmith2002">Friedman/Smith 2002</ref>
                            und demonstrieren sie mit der Neuauflage des
                                <title>FluxusWorkBook</title>.</p></note> Dieses Ziel verfolgte Dick
                    Higgins' mit seiner <title>Something Else Press</title>,<note
                        xml:id="endnote_26"><p>Higgins' <title>Something Else Press</title> erfüllte
                            eine Distributionsidee, die mittels der aufwändig gefertigten
                                <term>Fluxkits</term> nicht zu bewerkstelligen war. Friedman
                            schreibt dazu: <quote source="#ref_Friedman1990-12">Maciunas'
                                manufacturing and marketing policies for Fluxus were visionary and,
                                in part, mistaken. Fluxus boxes were designed to sell in the 1960s
                                for prices between $2 and $10 each. If you counted all real costs,
                                including labor, overhead, rent, telephone, and shipping, the boxes
                                cost between $40 and $80 each to manufacture and distribute. Part of
                                the high cost resulted from the fact that boxes were never actually
                                created by mass production. They were series of what would normally
                                be considered prototypes, proofs or trial units. Each Fluxbox was
                                handmade. Most were series. But many were unique variations on basic
                                themes. They were handcrafted to give them an industrial
                                appearance.</quote> (<ref type="bibl" target="#Friedman1990"
                                xml:id="ref_Friedman1990-12">Friedman 1990: 12</ref>; vgl. dazu auch
                                <ref type="bibl" target="#Smith1998">Smith
                        1998: 19</ref>)</p></note> Fluxist*innen produzierten Zeitungen und
                    verschickten Newsletter, es wurden <term>Fluxshops</term> und Fluxus
                        <term>Mail-Order Warehouses</term> eingerichtet; alle waren sie darauf
                    angelegt, <quote source="#ref_Richter2012-210">die Öffentlichkeit für
                        Kunstproduktion radikal zu erweitern.</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Richter2012" xml:id="ref_Richter2012-210">Richter 2012: 210</ref>;
                    vgl. <ref type="bibl" target="#Richter2012">ebd.: 212–219</ref>)</p>
                <p>Hier finden fluxistische Poetik und Publikationspraxis in einem bestimmten
                    Verständnis von Zirkulation zusammen. Ob auratisches Original oder billige
                    Reproduktion, Dokument oder gänzlich Marginales wie ein Stempel auf einem
                    Briefumschlag – die Hierarchie zwischen ‚fertigem‘ Kunstwerk, seinen Vorstufen,
                    Spuren und Rezeption soll eingeebnet werden, die Aneignung von Kunst mit deren
                    Produktion verschmelzen. Dafür votiert gewissermaßen auch Wolf Vostells
                        <title>Beton-Tango</title>: eine Jorge Luis Borges gewidmete <quote
                        source="#ref_Vostell1986-34">unterirdische Skulptur an einem unbekannten Ort
                        irgendwo in Argentinien</quote> (<ref type="bibl" target="#Vostell1986"
                        xml:id="ref_Vostell1986-34">Vostell 1986</ref>) – ein durchwegs materielles
                    Kunstwerk, dessen Ausführung schon in dem Moment erfolgt ist, in dem seine Idee
                    rezipiert wird. Aus dieser Perspektive scheint es dann auch nicht als sekundär,
                    sondern gerade als der Witz an der Sache, wenn es sich anderswo beim
                    Dargestellten um alles andere als ein Original handelt, sondern um einen
                    Collagedruck auf Tuch von Robert Watts, der wiederum bei einer Modemesse von Sue
                    Widl und Christine Jones gezeigt wird, wovon ein Foto an Francesco Conz gegangen
                    ist, der schließlich einen Abzug davon Gerhard Jaschke zukommen lässt.</p>

                <figure xml:id="wdr04_02-03_Abb_07">
                    <graphic width="475px" height="172px" url="media/wdr04_02-03_Abb_07.jpg"/>
                    <head type="legend">Links außen: Dick Higgins: <title>Don't Let the
                            “Professionals” Get You Down</title>. Freibord 60 (1987) [S. 4]. Links
                        innen: Wolf Vostell: <title>Der Beton-Tango</title>. Freibord 55/56 (1986),
                        S. 34. Rechts: Freibord 64 (1988), S. 7 u. 9.</head>
                </figure>

                <p>Diese Publikationspraxis von Fluxus wie von <title>Freibord</title> folgt
                    letztlich der Maxime kommunikativer Vernetzung und ist Ergebnis einer
                    Zirkulation in doppeltem Sinne: zum einen als Distribution von jederlei
                    Fluxus-Materialien in einem ‚dis-organisierten‘, offenen Netzwerk von
                    Künstler*innen, Sammler*innen, Verleger*innen usw.; zum anderen als Funktion
                    einer Kunst, die als Assoziierung und In-Bewegung-Gesetzt-Werden verstanden wird
                    (vgl. <ref type="bibl" target="#Latour2019">Latour 2019: 76–108</ref>). Dies
                    illustriert aufs Anschaulichste Dick Higgins' <title>Fluxessay for a Few of my
                        Fluxfriends</title>: Für 57 Fluxist*innen schreibt Higgins aufeinander
                    aufbauende <term>Scores</term>, die quer durch alle denkbaren Medien und
                    Disziplinen hindurch (philosophische Geistesübungen, Performances,
                    Sound-Architektur, Kochen und Essen etc.) konzipiert sind. Die Anweisungen zu
                    den in ihrer gegenseitigen Bezugnahme unabschließbaren Aktionen – z.B. <quote
                        source="#ref_Higgins1981-23">Make food versions of all the above.</quote>
                    oder <quote source="#ref_Higgins1981-23">Anticipate everyone´s solutions of
                        their projects in popular terms, but only tell the results to very young
                        people.</quote> (<ref type="bibl" target="#Higgins1981"
                        xml:id="ref_Higgins1981-23">Higgins 1981/1982: 23f.</ref>) – kreieren eine
                    endlose Verkettung von immer neuen Anschlusshandlungen und setzen so den
                    fluxistischen Kerngedanken von der Kunst als einem Prinzip der Resonanz ins Werk
                    (vgl. <ref type="bibl" target="#Rosa2016">Rosa 2016</ref>).</p>

                <figure xml:id="wdr04_02-03_Abb_08">
                    <graphic width="175px" height="258px" url="media/wdr04_02-03_Abb_08.jpg"/>
                    <head type="legend">Dick Higgins: <title>A Fluxessay for a Few of my
                            Fluxfriends</title>. Freibord 26 (1981/82).</head>
                </figure>

            </div>
            <div xml:id="wdr04_02-03_04">
                <head>4. Alternativen</head>
                <p>Die Antwort auf die Frage, wie Intermedia und Fluxus in einer Zeitschrift
                    abgebildet werden können, liefert die Publikationspraxis von
                        <title>Freibord</title> selbst: Zum einen wurde, wie erwähnt, neben der
                    Zeitschrift ein Verlag, eine Sonderreihe und die Sonderdrucke ins Leben gerufen,
                    die für alle Arten von Einzel- und Gemeinschaftsarbeiten, lang- wie kurzfristige
                    Projekte offen waren. Die Veröffentlichungen reichen dabei von einfachsten
                    A6-Heftchen in Schwarzweiß mit Klammerheftung, zum Beispiel Pierre Garniers
                        <title>Epos des Quadrats</title> (Sonderdruck 28, 2002), über aufwändige
                    Farbdrucke und Künstlerbücher bis hin zu voluminösen Vorzugsausgaben mit
                    Ledereinband wie etwa Hermann Nitschs <title>O.M. Theater Lesebuch</title>
                    (Edition Freibord, 1985). Zudem erschienen die Werke in unterschiedlichsten
                    publizistischen Formaten: Es wurden Bücher, Hefte oder eben Boxen wie <title>Am
                        Drücker</title>, aber auch Postkarten, Poster, Kartons mit eingelegten
                    Blättern oder Künstlerzeitungen wie Erwin Puls' <title> Morgenausgabe</title>
                    (Freibord 43/44, 1984) verlegt.</p>
                <p>Diese Diversifizierung war auch, nicht anders als bei Fluxus, Antwort auf
                    schlichte ökonomische Notwendigkeiten (vgl. <ref type="bibl" target="#Smith1998"
                        >Smith 1998: 17</ref>). So hat Gerhard Jaschke nie einen Hehl daraus
                    gemacht, dass der Grund für die vier jährlich erscheinenden Freibord-Hefte
                    beziehungsweise die zahlreichen Doppelnummern darin lag, dass die finanzielle
                    Unterstützung durch das Unterrichtsministerium an die Publikation von jährlich
                    vier Ausgaben geknüpft war. Im kulturpolitischen Klima der 1970er Jahre waren
                    Drucktechniken leichter verfügbar, das Zeitschriftenmachen erschwinglicher und
                    staatliche Förderungen zugänglicher geworden; das Ansuchen um Finanzierung, der
                    Einsatz privater Mittel und die Unmöglichkeit, geleistete Arbeit finanziell zu
                    honorieren gehörten derweil jedoch zum Alltag der meisten Kleinverlage und
                    Zeitschriftenprojekte. Hinzu kamen – und das wurde in <title>Freibord</title>
                    rege thematisiert – ein eingeschränkter Publikumskreis, die Geringschätzung
                    durch das Feuilleton der großen Tageszeitungen sowie geringe Verkaufszahlen, was
                    integral zur Selbstbeschreibung als Kleinverlag (vgl. z.B. <ref type="bibl"
                        target="#Gail1979">Gail 1979</ref>), als literarischer Underground und
                    Alternative zur institutionalisierten Literatur großer Verlage sowie der
                    konservativen Kulturpolitik staatlicher Institutionen (vgl. <ref type="bibl"
                        target="#Jensen1987">Jensen/Wegerth 1978</ref>) gehörte.</p>
                <p>Die <title>Freibord</title>-Verleger*innen situierten die Zeitschrift deshalb von
                    Beginn weg im Kontext der sogenannten Alternativpresse, deren wichtigste
                    Strategie die Vernetzung unter alternativen Publikationsinitiativen war. So
                    initiierte Jaschke etwa 1978 die <term>Interessensgemeinschaft
                        Literaturzeitschriften</term> mit (vgl. <ref type="bibl"
                        target="#GaustererOJ">Gausterer o. J.</ref>), engagierte sich im daraus
                    hervorgegangenen <title>Verein Literaturzeitschriften und
                    Autorenverlage</title>, und man suchte auch über die Landesgrenzen hinaus
                    Zusammenschlüsse und Kanäle zur Steigerung publizistischer Reichweite, so im
                    gemeinsamen Auftritt von Kleinverlagen auf der Frankfurter Buchmesse oder
                    mittels Partizipation an Josef Wintjes <title>Nonkonformistischem literarischen
                        Informationszentrum</title> und dessen als Sprachrohr des Undergrounds
                    fungierenden <title>Ulcus Molle Info</title> in Bottrop (vgl. auch <ref
                        type="bibl" target="#Ernst2013">Ernst 2013: 408</ref>). Bei der Vernetzung
                    von Publikationsorganen, welche sich dem Rentabilitätsdiktat großer Verlage
                    nicht unterwerfen, dürfe es allerdings, so Jaschke, nicht um die Etablierung
                    eines potenten <quote source="#ref_Jaschke1988b-2">Netzwerks</quote> gehen,
                    welches im hergebrachten Verständnis aus <quote source="#ref_Jaschke1988b-2"
                        >Kernmitgliedern</quote>, <quote source="#ref_Jaschke1988b-2"
                        >assoziierten</quote> oder <quote source="#ref_Jaschke1988b-2">engagierten
                        Mitgliedern</quote> bestünde, vielmehr müsse stets die Frage nach
                    alternativen Organisationsformen – als Interessengemeinschaft, gemeinnütziger
                    Verein, genossenschaftlicher Zusammenschluss – gestellt werden (<ref type="bibl"
                        target="#Jaschke1988b" xml:id="ref_Jaschke1988b-2">Jaschke 1988b:
                    2f.</ref>).</p>
                <p>Vor diesem Hintergrund sind auch die unterschiedlichen Funktionen zu verstehen,
                    die Fluxus in den 1980er Jahren in und für <title>Freibord</title> hatte und die
                    im Wesentlichen drei sich überlagernde Aspekte betreffen: die Geschichte und
                    Kontinuität von Avantgarde und Fluxus, die Positionierung von
                        <title>Freibord</title> im literarischen Feld, eine Zeitschriftenpoetik der
                    Subkultur.</p>
                <p>Fluxus war Anfang der 1980er Jahre keineswegs ‚dead‘, sondern erlebte, nach einer
                    gewissen Latenzzeit in den 1970ern (vgl. zur Fluxus-Nostalgie in jener Zeit <ref
                        type="bibl" target="#Higgins2002">Higgins 2002: 154–157</ref>), ein Revival.
                    Auslösende Ereignisse waren zum einen der Tod des oft als Gründer von Fluxus
                    bezeichneten George Maciunas 1978 und darauffolgende Erinnerungsevents und
                    -publikationen (vgl. <ref type="bibl" target="#Higgins1998">Higgins 1998:
                        37</ref>). Zum anderen wurde 1982 eine Art 20-jähriger Geburtstag von
                    Fluxus, 1992 der Dreißiger gefeiert (<title>Freibord</title> feierte auch ein
                    Vierteljahrhundert Fluxus; vgl. Freibord 60, 1987, Rückseite). Diese Daten und
                    Zäsuren wurden zum Anlass für eine erneute Verständigung über die Rolle von
                    Fluxus genommen, in <title>Freibord</title> am prominentesten durch Ken
                    Friedman: Über die künftigen Aufgaben von Fluxus reflektierend, hebt er hervor,
                    es habe schon immer eine eher artistische und eine eher philosophische
                    Ausrichtung gegeben, deren zweitere sich dezidiert sozialen Themen und den
                    Mitteln der sozialen Plastik bzw. Organisation zugewandt habe, um Fragen nach
                    Formen der Inklusion marginalisierter Gruppen, der Gleichberechtigung, der
                    Öffnung elitärer Institutionen für die Allgemeinheit, nach öffentlichem Dialog
                    zu untersuchen (vgl. <ref type="bibl" target="#Friedman1990">Friedman 1990: 10
                        u. 24</ref>). Diesem ‚sozialen Fluxus‘ sich zuzuwenden, nach aktiver
                    Partizipation der Kunst im Alltag und nach Einebnung der Differenz von Kunst und
                    Handwerk zu streben, sei, so Friedman, nach wie vor Aufgabe einer Kunst, deren
                    Kernaufgabe im sozialen Dialog liege (vgl. <ref type="bibl"
                        target="#Friedman1990">ebd.: 15f.</ref>).</p>
                <p>Diese Aktualisierung eines avantgardistischen Erbes deckt sich in gewisser Weise
                    mit dem engen Bezug, den <title>Freibord</title> stets zu den Vertreter*innen
                    von Wiener Gruppe und Wiener Aktionismus pflegte. Dass auf der kunsthistorischen
                    Landkarte Fluxus in Österreich jeweils höchstens am Rande auftaucht,<note
                        xml:id="endnote_27"><p>Das trifft insbesondere für US-Amerikanische
                            Perspektiven zu, so etwa bei Higgins, die für Europa nur knapp
                            Deutschland und Italien hervorhebt (vgl. <ref type="bibl"
                                target="#Higgins2002">Higgins 2002: 165–179</ref>).</p></note> liegt
                    mitunter daran, dass unübersehbare poetische und ästhetische Parallelen zwischen
                    Fluxus, Wiener Gruppe und Wiener Aktionismus bestehen<note xml:id="endnote_28"
                            ><p>Die Ansichten gehen auseinander, ob Fluxus und Happeningbewegung der
                            USA eher direkte oder bloß indirekte Einflüsse auf den Wiener
                            Aktionismus hatten bzw. inwieweit es sich um parallele und analoge
                            Entwicklungen handelte. Julia Nolte (<title>Madrid bewegt</title>, 2009)
                            subsumiert Fluxus etwa insg. unter ‚Aktionskunst‘. Vgl. als frühen Text
                            z.B. Rainer Wicks <title>Zur Soziologie intermediärer
                                Kunstpraxis</title> (1975), und den kurzen Forschungsüberblick bei
                                <ref type="bibl" target="#Richter2012">Richter
                            2012: 22–27</ref>.</p></note> – man denke beispielsweise an Gerhard
                    Rühms <term>visuelle musik</term>, an Hermann Nitschs Theaterpartituren, die
                    konkret-visuelle Poesie Heinz Gappmayrs oder die lange Tradition der Lautpoesie,
                    in deren Verlauf sich wiederholt die Wege von Wiener Gruppe und Fluxist*innen
                    gekreuzt haben.<note xml:id="endnote_29"><p>So z.B. die von Lily Greenham
                            eingesprochene Langspielplatte <title>Internationale Sprachexperimente
                                der 50/60er Jahre / International Language Experiments of the
                                50/60ies</title> (1970), auf der neben Greenham und Pierre Garnier
                            u.a. auch Texte von Ernst Jandl und Gerhard Rühm zu hören
                        sind.</p></note> Mit Fluxus, der in <title>Freibord</title> und via Jaschke
                    regelmäßig in Kontakt mit Vertreter*innen der österreichischen (Neo-)Avantgarde
                        kommt,<note xml:id="endnote_30"><p>So bspw. anlässlich des 1983 von Jaschke
                            in der Alten Schmiede in Wien durchgeführten Symposions
                                <title>Grenzenlos</title>, zu dem etwa Hundertmark, Vostell, Lily
                            Greenham, Dieter Roth eingeladen wurden und dort in Paarungen mit
                            österreichischen Künstler*innen wie Nitsch, Puls, Dominik Steiger und
                            Friederike Mayröcker auftraten (dokumentiert in Freibord 45, 1985).
                                <title>Freibord </title>vermeidet es dabei jedoch, die
                            unterschiedlichen Strömungen einander gleichzusetzen und betont immer
                            wieder die Unterschiede zwischen Wiener Aktionismus und
                        Fluxus.</p></note> wird diese in einen internationalen Kontext gestellt, der
                    zugleich einer Positionierung von <title>Freibord</title> im in den 1970er und
                    1980er Jahren breit ausdifferenzierten Feld einheimischer Literatur- und
                        Kulturzeitschriften<note xml:id="endnote_31"><p>Vgl. die umfangreichen
                            Ergebnisse des Forschungsprojekts ‚Österreichische
                            Literaturzeitschriften 1945–1990‘ des Literaturarchivs der
                            Österreichischen Nationalbibliothek unter: <ref
                                target="https://www.onb.ac.at/oe-literaturzeitschriften/"
                                >www.onb.ac.at/oe-literaturzeitschriften/</ref>, Zugriff am
                            30.6.2022.</p></note> entspricht. Immerhin ging mit fluxistischen
                    Publikationen auch der Wunsch einher, so Jaschke, <quote
                        source="#ref_Jaschke1981a-4">aus dem viel zu engen Rahmen der heimischen
                        Literatur auszubrechen</quote> (<ref type="bibl" target="#Jaschke1981a"
                        xml:id="ref_Jaschke1981a-4">Jaschke 1981a</ref>).</p>

                <figure xml:id="wdr04_02-03_Abb_09">
                    <graphic width="325px" height="229px" url="media/wdr04_02-03_Abb_09.jpg"/>
                    <head type="legend">Gerhard Rühm: <title>visuelle musik</title>. Freibord 45
                        (1985), S. 48–51, S. 48 f.</head>
                </figure>

                <p>Konsequenter als vergleichbare Zeitschriften jener Zeit hat
                        <title>Freibord</title> seine Publikationspraxis an die Gegebenheiten
                    intermedialen, kollaborativen und internationalen Kunstschaffens adaptiert. Die
                    daraus resultierende Vielzahl an Publikationsformaten fungierte, wie erwähnt,
                    als Variante einer in Ideen von Gegenöffentlichkeit wurzelnden Form von
                    Alternativpresse. Damit wurde auch das Erbe der deutlich im Zeichen der
                    Ideologiekritik stehenden Anfänge von <title>Freibord</title> in die 1980er
                    hinein transformiert. Fluxistische Publikationsform und Kunstverständnis werden
                    hier Teil eines in <title>Freibord</title> kontinuierlich artikulierten
                    Subkultur-Diskurses sowie einer subkulturellen Praxis des Zeitschriftenmachens,
                    die wesentlich durch die Bedingungen der Ära Kreisky 1970–1983 geprägt waren.
                    Diese Bedingungen, denen sich <title>Freibord</title> in den anbrechenden 1980er
                    Jahren gegenübersah, fasste der in <title>Freibord</title> regelmäßig
                    publizierende Devianzsoziologe Rolf Schwendter zusammen als Situation
                    ‚repressiver Toleranz‘, in der das Klima allgemeiner Liberalisierung und
                    gesteigerte politische und kulturelle Partizipationsmöglichkeiten der Tatsache
                    gegenübergestanden habe, dass sich dadurch insgesamt kaum etwas verändert habe.
                    Die sparsame Subventionierung subkultureller Aktivitäten hätte vielmehr zu einer
                    Einübung von Gefügigkeit gegenüber <quote source="#ref_Schwendter1987-145"
                        >Staat, Bürokratie und Medien</quote> und zunehmend <quote
                        source="#ref_Schwendter1987-145">konkurrenzhafte[r] Cliquenbildung</quote>
                    geführt (<ref type="bibl" target="#Schwendter1987"
                        xml:id="ref_Schwendter1987-145">Schwendter 1987: 145</ref>).</p>
                <p>Die, wenn man so will, fluxistische Poetik von <title>Freibord</title> der 1980er
                    Jahre kann verstanden werden als Antwort auf diese Situation: als Medium, das
                    jenseits staatlichen oder subkulturellen Konformitätsdrucks die Artikulation und
                    Zirkulation eines alternativen Kunst- und damit Öffentlichkeitsverständnisses
                    ermöglichen sollte.</p>
            </div>
        </body>
        <back>
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        </back>
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</TEI>
