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            <titleStmt>
                <title type="main" xml:lang="de">Making of – schaubuehne.oeaw.ac.at</title>
                <author>
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                        <forename>Imelda</forename>
                        <surname>Rohrbacher</surname>
                    </name>
                    <affiliation>Österreichische Akademie der Wissenschaften</affiliation>
                </author>
            </titleStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Wiener Digitale Revue</publisher>
                <date>2025</date>
                <availability>
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/"><p>For this
                            publication, a Creative Commons Attribution 4.0 International license
                            has been granted by the author(s), who retain full
                        copyright.</p></licence>
                </availability>
                <idno type="DOI">10.25365/wdr-06-03-04</idno>
                <idno type="URL"
                    >https://journals.univie.ac.at/index.php/wdr/article/view/9453</idno>
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            <seriesStmt>
                <title>Wiener Digitale Revue</title>
                <biblScope unit="issue">6</biblScope>
                <idno type="ISSN">2709-376X</idno>
            </seriesStmt>
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                <p>born digital</p>
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                <keywords xml:lang="de">
                    <term xml:lang="de">Digitale Edition</term>
                    <term xml:lang="de">Die Schaubühne</term>
                    <term xml:lang="de">Auszeichnung von Druckfehlern</term>
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                <keywords xml:lang="en">
                    <term xml:lang="en">Digital edition</term>
                    <term xml:lang="en">Die Schaubühne</term>
                    <term xml:lang="en">annotation of printing errors</term>
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                    <name>Laura Tezarek</name>
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                    <name>Laura Tezarek</name>
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                    <name>Laura Tezarek</name>
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                    <date when-iso="2025-04-15">Galley proof corrections, added key words and
                        abstract</date>
                    <name>Laura Tezarek</name>
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                    <date when-iso="2025-05-18">Version 2: corrected spelling mistake</date>
                    <name>Laura Tezarek</name>
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    <text>
        <front>
            <div type="abstract" xml:lang="de">
                <p>Die 1905 von Siegfried Jacobsohn in Berlin gegründete Theaterzeitschrift
                        <title>Die Schaubühne</title> zählte zu den führenden intellektuellen
                    Organen im deutschen Sprachraum. Sie präsentierte und kommentierte die
                    Avantgarde in Literatur und Kunst, reflektierte das Theatergeschehen der Zeit
                    und brachte Vor- und Teilabdrucke aus Stücken in hoher Zahl. Die Liste an
                    Beiträger:innen, Autor:innen und Kritiker:innen ist beeindruckend, die
                        <title>Schaubühne</title> war ein weitsichtiges Organ mit hohem Anspruch,
                    das die Vielfalt der Epoche wiederzugeben wusste. 1918 benannte Jacobsohn die
                    Zeitschrift in <title>Die Weltbühne</title> um und gab ihr eine verstärkt
                    politische Ausrichtung. Die 2024 online gegangene digitale Edition der Jahrgänge
                    1905–1918 wurde am Austrian Centre for Digital Humanities – Cultural Heritage
                    (ACDH-CH) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften realisiert. Imelda
                    Rohrbachers Beitrag stellt die Edition in ihrer Entstehungsgeschichte –
                    ausgehend vom Ziel der Flexibilität des Taggings und der Validität des XML über
                    Transformationen hinweg –, in ihrer Annotationsstrategie und dem Ergebnis auf
                    der Website vor. Wichtiges Qualitätsmerkmal der
                    <title>Schaubühne</title>-Edition ist die Fehlerauszeichnung, die digitale
                    Edition umfasst neben Autoren- und Titelregister eine druckfehlerannotierte
                    Textedition mit Lesefassung.</p>
            </div>
            <div type="abstract" xml:lang="en">
                <p>The theater magazine <title xml:lang="en">Die Schaubühne</title>, founded in 1905
                    by Siegfried Jacobsohn in Berlin, was one of the leading intellectual organs in
                    the German-speaking area. It presented and commented on the avant-garde in
                    literature and art, reflected the theater events of the time, and published
                    numerous preprints and excerpts from plays. The list of contributors, authors,
                    and critics is impressive; <title xml:lang="en">Schaubühne</title> was a
                    far-sighted organ with high standards that was able to reflect the diversity of
                    the era. In 1918, Jacobsohn renamed the magazine to <title xml:lang="en">Die
                        Weltbühne</title> and gave it a more political orientation. The digital
                    edition of the years 1905–1918, which went online in 2024, was realized at the
                    Austrian Centre for Digital Humanities – Cultural Heritage (ACDH-CH) of the
                    Austrian Academy of Sciences. Imelda Rohrbacher’s contribution presents the
                    edition in its history of development – based on the goal of flexibility in
                    tagging and the validity of XML across transformations – in its annotation
                    strategy and the result on the website. An important quality feature of the
                        <title xml:lang="en">Schaubühne</title> edition is the error marking; the
                    digital edition includes, in addition to author and title indexes, a text
                    edition (including a reading version) with annotation of printing errors.</p>
            </div>
        </front>
        <body>
            <div xml:id="wdr06_03-04_01">

                <figure xml:id="wdr06_03-04_Abb_01">
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                    <head type="legend">Erste Nummer der <hi rend="italic">Schaubühne</hi> vom 7.
                        September 1905 (Ausschnitt)</head>
                </figure>

                <p>Auch hoch kanonisierte Zeitschriften sind nicht immer gut bekannt. Eine
                    Porträtskizze der <title>Schaubühne</title> soll daher auf die historische Rolle
                    dieser Zeitschrift, der Bericht auf die Erstellung ihrer digitalen Edition
                    verweisen.</p>
                <p>Siegfried Jacobsohn, 1881 geboren, zählte zu den bekanntesten Kritikern Berlins,
                    als er mit 24 Jahren sein eigenes Journal gründete. Zur
                        <title>Schaubühne</title> wird fast immer in einem Atemzug ihr späterer
                    Titel genannt, selbst die Gedenktafel für Jacobsohn bezeichnet ihn als Gründer
                    der „unabhängigen Wochenschrift“ <title>Die Weltbühne</title>, da das Blatt
                    besonders nach dem Ersten Weltkrieg zu einem der zentralen politischen Foren der
                    Weimarer Republik wurde und als solches stärker im kollektiven Gedächtnis
                    verankert ist als die ursprüngliche Theaterzeitschrift. Allem voran steht die
                        <title>Weltbühne</title> für die Aufdeckung der berüchtigten ‚Fememorde‘ und
                    der Remilitarisierung Deutschlands in den 1920er-Jahren. Zu betonen ist dabei
                    aber, dass die Prinzipien der demokratischen Ausrichtung und gesellschaftlichen
                    Diskussion, die zur Titeländerung führten, die Zeitschrift von Anfang an
                    prägten; zu erinnern daran, wie groß die Rolle des Theaters als kulturelle
                    Institution und als Institution geteilter Öffentlichkeit im Umbruch von
                    Monarchie zu Demokratie war. Nachdrücklich ist aber auch deswegen auf Jacobsohn
                    als Initiator zu verweisen, weil, wie <ref type="bibl" target="#Oswalt2000"
                        xml:id="ref_Oswalt2000-11">Stefanie Oswalt (2000: 11)</ref> herausstellt,
                    sein Wirken als streitbarer Kritiker zwar noch bekannt ist, seine Rolle als
                    literarischer Mentor und sein intensives Engagement als Berater, eigentlich
                    Ausbildner für Autoren aber weitgehend vergessen sind. In ein Schlagwort gefasst
                    bedeutet das: Ohne Jacobsohn kein Polgar, kein Bab, kein Willi Handl, vor allem
                    kein Kurt Tucholsky. Die Funktion der Zeitschriftengründer als Anker von
                    Netzwerken wird besonders für die Moderne oft betont – dass gerade Jacobsohn
                    unter ihren prägenden Herausgebergestalten selten genannt wird, schreibt Oswalt
                    neben anderem der unbedingten Detailarbeit und Hingabe ans didaktische Wirken
                    des <quote source="#ref_Oswalt2000-11"><hi rend="italic">Workaholic</hi> mit
                        einer fanatischen Liebe zum Theater</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Oswalt2000" xml:id="ref_Oswalt2000-11b">ebd.</ref>) zu. Tucholsky
                    zählte zu den Kern- und Lieblingsautoren und erfuhr allzeit aktivste Betreuung
                    von Jacobsohn, an den er 1930 erinnert: <quote source="#ref_Tucholsky1930-373"
                        >Er hat von der ersten Nummer bis zum letzten Novemberheft des Jahres 1926
                        alles allein gemacht – keine Krankheit, keine Reise, keine Ungunst der
                        Stunde haben ihn jemals veranlassen können, die Redaktion auch nur für eine
                        einzige Woche abzugeben.</quote> (<ref type="bibl" target="#Tucholsky1930"
                        xml:id="ref_Tucholsky1930-373">Tucholsky 1930: 373</ref>)</p>
                <p>Die Eckdaten zur <title>Schaubühne</title> können so umrissen werden: Sie
                    erschien ab September 1905 als Wochenschrift in Berlin und wurde bis März 1918
                    unter diesem Titel geführt. Schon vor dem Krieg beginnt Jacobsohn, die
                    Ausrichtung zu verändern, bezieht zunehmend politische und ökonomische Themen
                    und gesellschaftliche Fragen ein und ändert schließlich im April 1918 den Titel
                    zu <title>Die Weltbühne. Wochenschrift für Politik – Kunst – Wirtschaft</title>.
                    1926 stirbt Jacobsohn, als Herausgeber firmiert nun zuerst interimsmäßig Kurt
                    Tucholsky, der seit 1913 engster Mitarbeiter war; 1927 überträgt Jacobsohns Frau
                    Edith Jacobsohn Herausgeberschaft und Chefredaktion Carl von Ossietzky, der die
                        <title>Weltbühne</title> politisch stark prägt. 1933 wird die Zeitschrift
                    von den Nationalsozialisten verboten, Ossietzky verhaftet. Die Ausreise zur
                    Verleihung des Friedensnobelpreises für 1935 wird ihm verweigert. Er stirbt 1938
                    an den Folgen der Folter wie der Bedingungen der KZ-Haft.</p>
                <p>Die <title>Schaubühne</title> gehörte während ihres Erscheinungszeitraums nicht
                    zu den auflagenstärksten Journalen (vgl. <ref type="bibl" target="#Nickel1996"
                        xml:id="ref_Nickel1996-7">Nickel 1996: 7</ref>)<note xml:id="endnote_01"
                            ><p>Gunther Nickel stellt Zahlen nach Angaben Jacobsohns in Briefen an
                            Tucholsky zusammen.</p></note>: Laut eigenem Werbeblatt startete sie mit
                    40.000 Exemplaren, die Auflage war aber sehr viel niedriger. Belegbar sind nach
                    Nickel die Auflagenzahlen von 1200 Stück für 1916 und 4000 für 1917. Nach oben
                    gehen die Zahlen also mit und nach dem Krieg; für die <title>Weltbühne</title>
                    nannte Jacobsohn für das Jahr 1924 zwischen 5500 und 10.000 und für 1926 die
                    Zahl von 13.000 Stück als Auflage.</p>
                <p>Umso wichtiger erscheint daher die Mehrfachfunktion: Die
                        <title>Schaubühne</title> war Theater- und Literaturzeitschrift, in der
                    Beiträge von über tausend Autorinnen und Autoren erschienen, sowohl
                    belletristische als auch kritisch-essayistische. Es wurden also, vor allem zur
                    Präsentation der Werke einer neuen Autorengeneration, literarische Beiträge und
                    Originalbeiträge veröffentlicht, dazu eine große Bandbreite reflektierender
                    Texte. Zentral sind die (Teil-)Abdrucke neuer Dramen, Prosa und Lyrik sind aber
                    ebenso präsent. Zu den Originalbeiträgen gehören auch zahlreiche Texte, die
                    unter Pseudonym erschienen sind. Kommentiert werden neben Theater, Musiktheater,
                    Schauspielkunst und Literatur auch die Bildenden Künste und der Film. Darüber
                    hinaus lassen sich Zeit- und gesellschaftliche Diskurse zu Themen wie Bildung
                    und Emanzipation, soziale Teilhabe, Arbeits- und Lebenswelt, Chauvinismus,
                    Antisemitismus und Nationalismus verfolgen.</p>
                <p>Die <title>Schaubühne</title> war zudem Fachblatt für alle Belange des Theaters,
                    zu denen in differenzierten Rubriken informiert wurde. Sie stellen heute einen
                    Fundus an historischen Daten zum Theatergeschehen der Zeit dar, von
                    Aufführungsdaten bis zu rechtlichen Informationen und Zensurmeldungen.</p>
                <p>Eine Auswahl an Namen sei stellvertretend genannt. Zu den Essayistinnen und
                    Kritikern zählen außer Jacobsohn selbst Julius Bab, Willi Handl, Lou
                    Andreas-Salomé, Alfred Polgar, Herbert Ihering, Ferdinand Hardekopf, Frank
                    Freund, Herbert Eulenberg, Georg Brandes, Egon Friedell, Doris Wittner, Harry
                    Kahn, Arthur Sakheim, René Schickele, Kurt Tucholsky, Hermann Sinsheimer, Oskar
                    Maurus Fontana, Sil Vara, Herman Bang, Robert Walser, August Strindberg – viele
                    Autoren reflektierender Beiträge waren selbst Schriftsteller.</p>
                <p>Literarische Beiträge erschienen u.v.a. von Hugo von Hofmannsthal, Hermann Bahr,
                    Detlev von Liliencron, Scholem Alejchem, Richard Beer-Hofmann, Lion
                    Feuchtwanger, Björnstjerne Björnson, Christian Morgenstern, Peter Altenberg,
                    Alfred Polgar, Walter Hasenclever, Frank Wedekind, Hans Natonek, Robert Walser,
                    Else Lasker-Schüler, Max Brod, Klabund, Berthold Viertel, Hedwig Dohm, Felix
                    Salten, Hans Carossa, Stefan Großmann, Albert Ehrenstein, Max Mell, Anna
                    Lesznai, Roda Roda, Ernst Lissauer, Arnold Zweig, Stefan Zweig, Franz Werfel,
                    Annette Kolb, Georg Heym, Franz Blei, Robert Müller, Berta Lask, Paul Zech. Dazu
                    gab es Abdrucke von Texten v.a. der klassischen deutschen Literatur wie der des
                    19. Jahrhunderts; die Auswahl ist aber international und kosmopolitisch
                    motiviert.</p>
                <p>Als Forum der Kunst der Zeit, das zum Forum der Politik wird, ist die
                        <title>Schaubühne</title> selbst Dokument intellektueller Diskursentwicklung
                    der Epoche vor und im Ersten Weltkrieg.</p>
            </div>
            <div xml:id="wdr06_03-04_02">
                <head>Grundlagen der Edition und Projektfragen</head>
                <p>Die Herausforderung der digitalen Edition bestand wesentlich in der großen Menge
                    des Materials und Texts. Die <title>Schaubühne</title> ist in Heftform
                    erschienen und umfasst 643 Nummern mit einem Umfang von ca. 25–30 Seiten pro
                    Heft. Schon ab 1906 erfolgte die Herausgabe der Zeitschrift auch in
                    Halbjahresbänden durch den Berliner Verlag Oesterheld &#x26; Co., diese Ausgabe
                    umfasst 26 Halbjahresbände mit einem durchschnittlichen Umfang von je 650
                    Seiten. Die Bände sind zudem nach Jahrgängen zusammengefasst, sodass vierzehn
                    Bände die Ausgabe bilden. 1979/80 erfolgte ein Nachdruck dieser Ausgabe. In
                    Summe mit den Registern beträgt die Seitenzahl über 17.000, die Wortanzahl ca.
                    2,5 Mio. Wörter. Der Satz ist eher schmucklos und in den frühen Jahrgängen und
                    im Krieg teils sehr gedrängt.</p>

                <figure xml:id="wdr06_03-04_Abb_02">
                    <graphic width="450px" height="181px" url="media/wdr06_03-04_Abb_02.jpg"/>
                    <head type="legend">Beispiele für Typographie und Rubriken</head>
                </figure>

                <p>Als textzentriertes Organ war die <title>Schaubühne</title> keine Zeitschrift mit
                    aufwändiger graphischer Gestaltung und enthielt im Heftkörper nur sehr wenige
                    Abbildungen und keinen Farbdruck (vgl. <ref type="crossref"
                        target="#wdr06_03-04_Abb_02">Abb. 2</ref>). Die Hefte des (kurzen) ersten
                    Jahrgangs sind unterteilt in mehrere Beiträge (jeweils bis zu ca. zehn Seiten,
                    Kritiken, Essays, Berichte, Abhandlungen), schon ab dem zweiten Jahr (1906) sind
                    die Hefte aber zweigeteilt: Einige reflektierende Beiträge und regelmäßige
                    (Teil-)Abdrucke von Stücken und anderen literarischen Texten bilden ab diesem
                    Zeitpunkt den größer gesetzten Hauptteil, die Sparte „Rundschau“ mit
                    miszellenartigen, kleiner gesetzten Beiträgen im Zweispaltensatz bildet den
                    zweiten Heftteil. Ab Herbst 1906 beginnt im Hauptteil zudem die Satire-Serie
                    „Kasperle-Theater“ zu erscheinen. Die „Rundschau“ bildete jeweils den
                    Heftabschluss, bis ab dem dritten Jahrgang ein dritter Teil die Hefte ergänzte,
                    zu Beginn nur als kleine Zusatzliste mit Angaben zu aktuellen Uraufführungen am
                    Ende der „Rundschau“, sehr bald aber in Form der zunehmend ausdifferenzierten
                    Sparte „Aus der Praxis“ mit verschiedenen Unterrubriken, fast alle davon
                    ebenfalls im kleineren Druck der „Rundschau“. Hier werden u.a. detaillierte
                    Regiepläne von Aufführungen abgedruckt, die oft Skizzen des Bühnenarrangements
                    enthalten, auch diese aber im Schwarzdruck und möglichst platzsparend. Zwischen
                    die Hauptbeiträge und die Rubrikenteile wurden jeweils graphische Trennelemente
                    gesetzt, teils in Form von Mini-Vignetten, die aber bald durch Trennbalken in
                    verschiedener Stärke ersetzt wurden. Ab den Kriegsjahren wird die Typographie
                    noch schlichter, auch der übergroß gesetzte Hefttitel entfällt nun ganz,
                    „Rundschau“ und „Aus der Praxis“ sind durch „Antworten“ des Herausgebers
                    ersetzt. Den Frakturdruck behält die <title>Schaubühne</title> mit seltenen
                    Ausnahmen bis zum zweiten Jahrgang der <title>Weltbühne</title> (1919) bei, erst
                    1920 wird auf Antiqua umgestellt.</p>
                <p>Das aktuelle Editionsprojekt startete 2020 als Projekt der von Konstanze Fliedl
                    geleiteten Arbeitsstelle Austria Corpora and Editions (ACE) an der
                    Österreichischen Akademie der Wissenschaften und wurde in der von Claudia Resch
                    geleiteten Abteilung Literatur- und Textwissenschaft am Austrian Centre for
                    Digital Humanities – Cultural Heritage (ACDH-CH) fertiggestellt. Das Projekt
                    wurde mit einer Vollzeitstelle ausgestattet. Für die technische Implementierung
                    konnte Andreas Basch gewonnen werden, Angelika Hechtl erstellte
                    Registergrundlagen. Die Edition basiert auf langjährigen Vorarbeiten mehrerer
                    Encoderinnen am Datenmaterial der <title>Schaubühne</title>; zum größeren Teil
                    lagen daher die Dateien in kohärenter Auszeichnung und hohem Korrekturgrad vor.
                    Zur Verfügung standen Einzelseitendigitalisate des Nachdrucks der Jahresbände
                    durch den Athenäum Verlag von 1979/80; die XML-Dateien enthielten strukturelle,
                    formale und teils semantische Auszeichnung in dem an Vorgängerinstituten
                    entwickelten Mark-up. Als wichtiges Merkmal enthält dieser Auszeichnungsstandard
                    eine Reihe von Elementen, die sowohl paarig als auch nicht paarig, also als
                        <term>empty tags</term>, gesetzt werden können, um maximale Flexibilität des
                    Taggings und die Validität des XML auch über Grenzen der Einzelseiten hinweg zu
                    gewährleisten.</p>
                <p>Erster großer Schritt war daher die Transformation in TEI-P5, um die bestehende
                    Annotation internationalen Standards anzupassen. Es mussten also zum einen die
                    Einzelseiten (pro Heftumfang) zusammengeführt und zum anderen für über fünfzig
                    Auszeichnungselemente, teils mit mehreren verschiedenen Attributwerten und
                    Attributwert-Kombinationen, die jeweiligen Äquivalente für die Überführung in
                    TEI festgelegt und Lösungen für alle nicht-direkten Entsprechungen von Elementen
                    und Element-Attribut-Kombinationen gefunden werden.</p>
                <p>Ziel dieses Mappings und der Transformation war dabei, möglichst alle
                    Auszeichnungselemente zu erhalten, um alle der Textedition dienlichen Elemente
                    wie Strukturannotation und Fehlerauszeichnung zu transportieren; außerdem aber,
                    damit das Transformationsszenario, das anhand der <title>Schaubühne</title>
                    entwickelt wurde, auch für andere Dokumente genutzt werden kann. Das
                        <title>Schaubühne</title>-Projekt diente daher auch der Schemaentwicklung
                    und dem Erfahrungsaufbau für weitere Vorhaben, die ältere, bereits vorhandene
                    Bestände des Instituts zur Grundlage haben. Derzeit erstellen Barbara Tumfart
                    und Silva Waltl im Rahmen des Zeitungen- und Zeitschriften-Schwerpunkts der
                    Abteilung für Literatur- und Textwissenschaft am ACDH-CH die digitale Edition
                    der Zeitschrift <title>Die Insel</title>, die diese Annotationen und
                    Konvertierungsprozesse ebenfalls nützt, anders als die <title>Schaubühne</title>
                    aber etwa Äquivalente oder Neu-Modellierung für die komplexere graphische
                    Gestaltung entwickeln muss.</p>
                <p>Herausforderungen der Übertragung der <title>Schaubühne</title> in TEI-P5
                    bestanden auf allen Ebenen, bei der strukturellen Auszeichnung etwa in der
                    Überführung des Spaltensatzes der genannten Sparten der „Rundschau“ und „Aus der
                    Praxis“, die in der früheren Version dasselbe Tagging hatten wie tabellarische
                    Listungen oder Werbeanzeigen (<tag>TABLE</tag>, insgesamt über 3000 Einheiten).
                    Diese Heftteile und Textelemente mussten daher voneinander geschieden und zum
                    Teil in Tranchen transformiert werden, um valides TEI zu erzielen; ähnlich bei
                    der Zusammenführung von Seiten, auf denen im Spaltensatz Texte einander
                    vergleichend gegenübergestellt sind, sodass die Paragraphenabfolge innerhalb der
                    beiden Spalten nicht wie im normalen Fließtext dem Prinzip der Seitenanordnung
                    folgt, sondern parallel verlaufende Paragraphen über mehrere Seiten gesetzt sind
                        (<ref type="crossref" target="#wdr06_03-04_Abb_03">Abb. 3</ref>).</p>

                <figure xml:id="wdr06_03-04_Abb_03">
                    <graphic width="400px" height="207px" url="media/wdr06_03-04_Abb_03.jpg"/>
                    <head type="legend">Parallel verlaufender Spaltensatz (Bsp.)</head>
                </figure>

                <p>Aufwand ergab sich auch bei Elementen des Taggings der Stückabdrucke, die
                    aufgrund ihrer strukturellen Komplexität in TEI größtenteils zu ergänzen oder in
                    umfassender Weise zu korrigieren waren, insbesondere etwa bei über den
                    Seitenumbruch gehenden Figurenreden und bei Dramen gemischter Form, in deren
                    Figurenreden sowohl gebundene als auch nicht gebundene Rede vorkommt.</p>
                <p>Zu leisten waren also Korrektur-, Ergänzungs- und Vereinheitlichungsgänge für die
                    bei Projektbeginn bestehende Annotation, sowie die Nachbearbeitungsgänge, die
                    die Transformation überall dort erforderte, wo nicht oder nur teilweise
                    automatisch übertragen werden konnte. Grund dafür war auch ein unterschiedlicher
                    Annotationsstand innerhalb der Datenstrecke. Für einen erheblichen Teil des
                    Gesamtkorpus (fünf von vierzehn Jahresbänden) musste der für die Textedition
                    relevante Auszeichnungs- und Korrekturstand an den schon zweifach bearbeiteten
                    Teil (den größeren Teil: neun der vierzehn Jahresbände) angepasst werden. Das
                    betraf etwa die Nachbearbeitung der Annotation der Titelauszeichnung für acht
                    Halbjahresbände (bei Beitragslängen von meist wenigen Seiten oder Spalten und
                    einer großen Zahl an Rubrikentiteln); aber auch Zeichenkorrekturen fehlerhaft
                    eingelesener Anführungszeichen über vierstellige Seitenstrecken. Besonderes
                    Augenmerk erforderte beispielsweise auch Peter Altenbergs Satzzeichenliebe (?!?,
                    !?!, – – – ). Die größte Herausforderung für die manuelle Nachbearbeitung
                    bestand in der Setzung der Textabschnitte (<term>text divisions</term>)
                    innerhalb der Hefte für alle vierzehn Bände, da nur jene Textabschnittsmarker
                    übertragen werden konnten, die in der Vorgängermarkierung schon paarig gesetzt
                    worden waren; wie skizziert, gab es damals auch die Möglichkeit, nicht paarige
                    Marker zu setzen.</p>
                <p>Obwohl also nicht alle Elemente der <title>Schaubühne</title>-Modellierung
                    problemlos in TEI übertragen werden konnten, überwog insgesamt der Vorteil der
                    Auszeichnungsdichte vor allem für Struktur und Typographie, und es wurden auch
                    alle inhaltlichen Annotationen und Named-Entity-Einheiten wie Verfasser- oder
                    Übersetzereintrag, Daten und fremdsprachliche Ausdrücke/Textteile transportiert,
                    auch, um diese für geplante Ausbaustufen der nun vorliegenden digitalen Edition
                    nützen zu können.</p>
            </div>
            <div xml:id="wdr06_03-04_03">
                <head>Fokus <tag>choice</tag><tag>corr cert="high"</tag></head>
                <p>Wichtiges Qualitätsmerkmal der <title>Schaubühne</title>-Edition ist die
                    Fehlerauszeichnung, deren Bearbeitung in der TEI-Transformation näher beleuchtet
                    werden kann, da auch hier ins Gewicht fallende Unterschiede in der Rubrizierung
                    und Elementzahl zwischen bei Projektbeginn bestehendem Markup und TEI bestanden.
                    Dies sei kurz erläutert, weil bei historischen Zeitschriften mit literarischen
                    wie nicht-literarischen Texten mehrere Aspekte der Fehlerauszeichnung zu
                    berücksichtigen sind, die für andere Projekte und für Korpora relevant sein
                    können.</p>
                <p>Die bei Projektbeginn bestehende <title>Schaubühne</title>-Auszeichnung enthielt
                    zum einen gängige Einheiten wie jene für offensichtlichen Fehldruck (Mutze statt
                    Mütze, Bat statt Rat, <tag>ERR</tag>), fehlende Buchstaben und Satzzeichen
                        (<tag>ADD</tag>) oder unsichere Lesart aufgrund von Druckverderb; jeweils
                    auch mit Kennung von Zweifelsfällen (wie <tag>SIC</tag> oder: „Drum starb er
                    auch pflichttreu, in den <tag>DOUBT</tag>Siehlen<tag>/DOUBT</tag>.“). Die
                    Kategorie der als eindeutig getaggten Druckfehler war von hoher Kohärenz und
                    musste zwar gesichtet und teils um Attributwerte ergänzt werden, konnte aber
                    weitgehend problemlos in TEI übertragen werden (gewählt wurden <tag>choice</tag>
                    mit Angabe des Fehldrucks und der Gewissheit der Korrektur „cert=high/low“:
                        <tag>choice</tag><tag>corr
                        cert="high"</tag>Messchaert<tag>/corr</tag><tag>sic</tag>Meschaert<tag>/sic</tag>
                    (wobei "low" durch Nachrecherche ausgeschlossen wurde), <tag>supplied</tag> für
                    sichere Ergänzungen (häufig) und <tag>gap</tag> (selten) für nicht lesbaren,
                    gänzlichen Druckverderb). Da nicht alle Dateien dieselben Überarbeitungsstufen
                    erfahren hatten, gab es aber eine Reihe zu prüfender Zweifelsfälle, und daneben
                    auch weiter differenzierte Einheiten (z.B. über Varianten der Einheit
                        <tag>SPAN</tag>), die etwa Fliegenköpfe, aber auch abweichende Schreibungen
                    (z.B. bei veraltendem oder veraltetem Wortschatz) und zudem fragliche Fälle von
                    Ad-hoc-Prägungen oder Wortspielen abdeckten. Auch diese Kategorien enthielten
                    also Zweifelsfälle oder wurden zur Überprüfung festgehalten, die im ersten
                        <term>workflow</term> nicht möglich war, vor allem bei älterem Wortschatz.
                    In allen Kategorien gab es also vorsorglich festgehaltene Entitäten, bei denen
                    zu sichten war, ob sie Fehler oder nicht mehr geläufige Schreibweisen („Der
                    Widerspänstigen Zähmung“, gieb = gib) oder zeitgenössisch zulässige Varianten
                    darstellten, die auch nach der Orthographischen Konferenz von 1901 in einiger
                    Vielfalt möglich waren.</p>
                <p>Andere Facetten sind noch spezifischer und bedeuten ebenfalls relevanten
                    Recherche- und Abgleichsaufwand für die Auszeichnung: Die Großzahl der Beiträge
                    in der <title>Schaubühne</title> sind Originalbeiträge, die für die jeweilige
                    Ausgabe verfasst wurden, es gibt aber auch Abdrucke von älteren Texten, wie etwa
                    die Briefe der Demoiselle Ackermann, einer Schauspielerin des 18. Jahrhunderts,
                    bei denen der historische Wortstand beibehalten wurde. Es sind also diachrone
                    Orthografie- und Wortschatzvarianten zu beachten; relevant für die
                        <title>Schaubühne</title> sind aber zudem Fragen der individuellen Stilwahl,
                    da sie zu den wichtigsten Kriterien bei der Auswahl der Beiträger und
                    Beiträgerinnen zählten. Jacobsohn legte höchsten Wert auf sprachliche
                    Originalität und, untrennbar damit verbunden, darauf, Autorinnen und Autoren zu
                    gewinnen, die Persönlichkeiten im Sinn starker individueller Fähigkeiten und
                    Aussage waren. Das musste nicht bedeuten, dass sie schon bekannte Größen im
                    literarischen oder kulturellen Feld waren, aber sie mussten für ihn das
                    Potenzial dazu haben und die Anforderung herausragender Qualität erfüllen. Die
                    Namhaftigkeit der Beiträgerinnen spielte natürlich eine Rolle vor allem für die
                    Etablierung der Neugründung; Jacobsohn kontrollierte aber auch jeden einzelnen
                    Text nicht nur im üblichen redaktionellen Sinn, sondern etablierte Stil und
                    hohes sprachliches Können der Autoren als zentrale Qualitätsmarke der
                        <title>Schaubühne</title>, an der er wie eingangs skizziert auch selbst
                    unermüdlich arbeitete, indem er besondere Begabungen durch Training und Beratung
                    förderte (vgl. <ref type="bibl" target="#Eggebrecht1991"
                        xml:id="ref_Eggebrecht1991-xii">Eggebrecht 1991: xii</ref>). Wortvariation,
                    Witz, Korrektheit, treffsichere (und selbstbewusste) Sprachbeherrschung waren
                    also das Ziel und im Übrigen ebenso wichtiger <term>selling point</term> für die
                    Zeitschrift wie Prominenz oder <term>standing</term> der Autoren.</p>
                <p>Diese sollten sich daher auch erkennbar im sprachlichen Stil unterscheiden, es
                    ging um Stimmenvariation. Texte von Robert Walser etwa ragen in diesem Sinn
                    besonders heraus und waren für die Leserinnen bald erkennbar – für die
                    Schreibung bedeutet das, dass auch sie Marke sein konnte. Jacobsohns eigene
                    Texte sind etwa an der Schreibvariante „wol“ zu erkennen, die neben „wohl“
                    möglich, wenn auch inzwischen weit weniger häufig war. (Ob die persönliche Note
                    bewusst altertümelnd sein sollte, entzieht sich der Beurteilung durch die
                    Verf.in.) Als Herausgeber zeichnete Jacobsohn seine Texte im Kontext der
                        <title>Schaubühne</title> anfangs hauptsächlich mit der Kennung „S. J.“
                    (unter der er als Kritiker bekannt war), bald schon aber nicht mehr, sodass
                    deutlich war, dass ein namentlich nicht gezeichneter Text in der Reihe der
                    Beiträge seine Stimme war; ein subtiler, aber effizienter Hinweis auf die
                    skizzierte Rolle im Sinn einer alles überblickenden Instanz der Zeitschrift, an
                    der Jacobsohn auch festhielt. – Eine individuelle Wahl wie die von „wol“ statt
                    „wohl“ kann also im Zeitkontext eine Kennung sein, die auf einen bestimmten
                    Verfasser im Kompendium vieler Schreiber weist und stellt solcherart eine
                    individuelle Norm dar, die man kennen muss, um den Einzelfall zu beurteilen.</p>
                <p>Zu den Herausforderungen der Epoche und jenen der verschiedenen Textsorten in
                    Zeitschriften zählen die ebenfalls Veränderungen unterliegenden Schreibweisen
                    von Fremd- oder Lehnwörtern, die auch nach 1901 verschiedene Arten von
                    Variationen aufweisen. Das lange „ie“ der Endung „-ieren“ (fetieren = feiern)
                    kann abwechseln mit der im 19. Jahrhundert möglichen Schreibweise mit kurzem „i“
                    (fetiren; enerviren, exiliren). Verbreitet, aber auch schon durchmischt mit
                    neuerer Schreibung, sind die noch ans Lateinische angelehnten Schreibungen
                    (Execution, exclusiv neben Exekution, exklusiv); bei Fremdwörtern konnten hier
                    mehrere Varianten gültig sein, weil die Orthographische Konferenz noch keine
                    bindende Vereinheitlichung gesetzt hatte. Der bildungssprachliche Wortschatz des
                    19. Jahrhunderts ist überdies insgesamt differenziert, in Zeitschriften begegnen
                    daher oft Ausdrücke, die nicht leicht in den ansonsten unentbehrlichen
                    dwds-Korpora und bekanntlich auch nicht im Deutschen Wörterbuch (Grimm), sondern
                    nur in zeitgenössischen Nachschlagewerken zu finden sind (Bsp. endettiert =
                        verschuldet).<note xml:id="endnote_02"><p>Die Fülle des Fremdwortschatzes
                            aus den alten Sprachen sowie die Bandbreite an im schriftsprachlichen
                            und literarischen Deutsch begegnenden Ausdrücken und Formeln aus den
                            modernen Sprachen zeigt u.a. gut „Dr. Reinhold Försters Fremdwörterbuch
                            der deutschen Schrift- und Verkehrssprache“ von 1899.</p></note> Hoch
                    kann auch der fremdsprachliche Anteil an Wörtern, Wendungen oder Textteilen
                    sein, meist besonders aus dem Französischen; dies gilt auch und besonders für
                    die Bühne, auf der die Orientierung am Französischen als kulturelle Norm und
                    Sprachnorm der Eleganz deutlich zu sehen ist. Unter den fremdsprachlichen
                    Anteilen dominiert daher in der <title>Schaubühne</title> das Französische,
                    gefolgt von Latein, Englisch und Italienisch.</p>
                <p>Alle Kategorien, die Fehlerauszeichnung enthalten konnten, mussten daher im
                    skizzierten Szenario auf Richtigkeit überprüft und nach Notwendigkeit in der
                    TEI-Fassung umrubriziert werden. Über 6000 Einheiten wurden solcherart für die
                        <title>Schaubühne</title> kontrolliert und/oder korrigiert.</p>

                <figure xml:id="wdr06_03-04_Abb_04">
                    <graphic width="450px" height="38px" url="media/wdr06_03-04_Abb_04.png"/>
                    <head type="legend">Druckfehlerauszeichnung (Bsp.)</head>
                </figure>

            </div>
            <div xml:id="wdr06_03-04_04">
                <head>Die Namen</head>
                <p>Angelika Hechtl hat unter Verwendung des auf wikisource verfügbaren Registers der
                        <title>Schaubühne/Weltbühne</title> die Grundlage für das Autorenregister
                    der Edition erstellt. Mit Python und der Library lxml wurden die Informationen
                    aus dem wikisource-Register ausgelesen und in eine Tabellenstruktur übertragen.
                    Die weitere Bearbeitung erfolgte in OpenRefine.</p>
                <p>Da die wikisource-Liste eine Gesamtliste aller Beiträge bis zum Ende des
                    Erscheinens der <title>Weltbühne</title> 1933 darstellt, umfasst diese 18.578
                    Listeneinträge, also die Zahl der Beiträge in <title>Schaubühne</title> und
                        <title>Weltbühne</title> zusammen. Die Beitragsdichte der
                        <title>Schaubühne</title>-Jahre zeigt sich auch an diesem Zahlenverhältnis:
                    Über 7000 der 18.578 Beiträge sind in der <title>Schaubühne</title>
                    erschienen.</p>

                <figure xml:id="wdr06_03-04_Abb_05">
                    <graphic width="400px" height="173px" url="media/wdr06_03-04_Abb_05.png"/>
                    <head type="legend">Registersuche der digitalen Edition der <hi rend="italic"
                            >Schaubühne</hi> (Ausschnitt)</head>
                </figure>


                <p>Zu kontrollieren war auch hier: Die wikisource-Registereinträge stellen eine sehr
                    verdienstvolle Arbeit dar, sind aber trotzdem in einigem Ausmaß fehlerhaft, vor
                    allem bei den Titeleinträgen (häufige Artikelfehler); sie enthalten zudem eine
                    kleine Zahl an wohl absichtlich gesetzten falschen Einträgen wie dem alten
                    Opernscherz „Schreifritz“ (statt „Freischütz“) oder „Die Düse von Florenz“ statt
                    „Die Duse in Florenz“. Alle Namens- und Titeleinträge für das Autoren- und
                    Titelregister der Edition wurden daher anhand der <title>Schaubühne</title>
                    selbst, des Registers von Joachim Bergmann von 1991 (<ref type="bibl"
                        target="#Bergman1991" xml:id="ref_Bergman1991">Bergmann 1991</ref>) und
                    weiterer einschlägiger Literatur überprüft und ergänzt.</p>
                <p>Die 2024 erschienene digitale Edition umfasst daher die druckfehlerannotierte
                    Textedition mit Lesefassung und Autoren- und Titelregister, das Ausbauschritte
                    zur Differenzierung der Pseudonym-Einträge erfährt, um anonyme und pseudonyme
                    Textanteile deutlicher zu machen; ebenso soll die stärkere Sichtbarmachung von
                    Autorinnen gewährleistet sein. Diese Projektphase <title>Schaubühne</title> II
                    sieht außerdem die Erschließung und Beforschung der in großer Zahl erschienenen
                    literarischen Texte vor; näher zu dokumentieren sind dabei primär die
                    dramatischen Werke. Um die Zusammensetzung des literarischen Programms der
                        <title>Schaubühne</title> zu zeigen und eine genauere Sichtung ihres
                    Charakters als Avantgarde-Journal zu erlauben, kann ihre Mehrfachstruktur als
                    informierendes sowie präsentierendes und reflektierendes Organ genützt
                    werden.</p>

                <figure xml:id="wdr06_03-04_Abb_06">
                    <graphic width="400px" height="198px" url="media/wdr06_03-04_Abb_06.png"/>
                    <head type="legend">Vorabdruck von <hi rend="italic">Die Wupper</hi> von
                        Else Lasker-Schüler (Ausschnitt), <ref
                            target="https://schaubuehne.oeaw.ac.at"
                            >https://schaubuehne.oeaw.ac.at</ref></head>
                </figure>

            </div>
            <div xml:id="wdr06_03-04_05">
                <head>Nachsatz – Medium der Moderne, moderne Medien</head>
                <p>Im Zeitschriftenbereich gewinnt jede editorische Auswahl, zumal in der
                    Medienexplosion der Moderne, den Charakter einer richtungsweisenden Entscheidung
                    und ist angesichts der bekannt überwältigenden Bestände an Periodika, an
                    Zeitschriften, Journalen und Anthologien, die innerhalb der Zuwächse des 19.
                    Jahrhunderts ab 1880 noch einmal sprunghaft ansteigen, nicht trivial. Zur
                    inhaltlich bedingten Qual der Wahl kommt die Frage der Größenordnung des
                    einzelnen Objekts. Der offensichtlichste Grund, warum Zeitschriftenprojekte nach
                    wie vor mit Umsetzungsschwierigkeiten zu kämpfen haben, ist also zumeist ihr
                    Umfang, aus gegebenem Anlass ist aber auch die Frage nach anderen Arten der
                    Limitationen zu stellen (vgl. dazu grundlegend <ref type="bibl"
                        target="#Frank2016" xml:id="ref_Frank2016">Frank 2016</ref>). Viel zu wenige
                    der relevanten Periodika nicht nur der Moderne um 1900, sondern im Gesamt der
                    deutschsprachigen Kulturgeschichte resp. der Moderne seit dem Buchdruck sind
                    jenseits der – immerhin existierenden – Repositorien von Internet Archive bis
                        <title>wikisource</title> mit ihren diversen Fehlerproblematiken in
                    wissenschaftlicher Bearbeitungsqualität online verfügbar, obwohl der
                    Volltextbedarf bei Zeitschriften so deutlich und drängend ist wie bei kaum einem
                    anderen Objektbereich und aus Sicht der Erschließung von Grundlagen Periodika
                    geradezu als Eldorado zu sehen sind, besonders auch im Hinblick darauf, dass
                    sich der Blick für vormals vermeintlich Randständiges (Autorinnen, plurale
                    Autorschaft, nicht-kanonisierte Textgattungen) geschärft hat und weiter
                    schärft.</p>
                <p>An Basismaterial für diese Erschließung, an Erhebungen, die systematische Daten
                    zum oft schwer greifbaren Objekt Zeitschrift geben, vor allem für bestimmte
                    Epochen, fehlt es zudem nicht. Die Philologien, und hier steht die Germanistik
                    keinesfalls zurück, haben hervorragende Nachschlagewerke geschaffen, die der
                    Recherche bestens erhobene Daten an die Hand geben. So liegt für die Moderne das
                    vom DLA Marbach 1988 herausgegebene fünfbändige Verzeichnis <title>Deutsche
                        Literarische Zeitschriften 1880–1945</title> von Thomas Dietzel und
                    Hans-Otto Hügel vor, wohlgemerkt explizit als „Repertorium“, weil das
                    sechsköpfige Team sowohl die aufzunehmenden Titel in penibelster Auswahl- und
                    Differenzierungsarbeit erarbeitete als auch über Erscheinungszeiträume und
                    Bestandsangaben hinaus eine ganze Reihe beschreibender Angaben zu den einzelnen
                    Objekten zusammentrug (vgl. auch die Erhebungen von <ref type="bibl"
                        target="#Raabe1964" xml:id="ref_Raabe1964">Raabe 1964</ref>, <ref
                        type="bibl" target="#Schlawe1965" xml:id="ref_Schlawe1965">Schlawe
                        1965</ref>, <ref type="bibl" target="#Wallas1995" xml:id="ref_Wallas1995"
                        >Wallas 1995</ref>). Diese Dokumentation sollte den allseits betonten
                    Stellenwert des Mediums Zeitschrift für die Moderne, konkret auch den besonderen
                    Anstieg der Titelzahlen ab 1880, belegen.</p>
                <p>Mit dem Vergleich, den sie ermöglicht, lässt sich das Wahrnehmungsverhältnis, in
                    dem wir zu Periodika zum einen allgemein in der Literaturwissenschaft, im
                    Besonderen aber auch im Netzradius stehen, ganz gut verdeutlichen resp. in
                    Erinnerung rufen. Die deutschen wikipedia-Listen zu Zeitschriften listen jeweils
                    Titel aller Epochen, so auch jene zu „Zeitschriften (Literatur)“ und
                    „Zeitschriften (Theater)“. Schöne Objekte sind hier verknüpft, auch geben solche
                    Listen eine gewisse Orientierung. Dennoch: Gemeinsam verzeichnen die beiden
                    Listen „Literatur“ und „Theater“ etwa unter dem Buchstaben Z fünfzehn Titel von
                    der Frühen Neuzeit bis in die Moderne. Die Zahl der von Dietzel/Hügel für
                    1880–1945 insgesamt erhobenen Periodika beträgt 3341, von denen allein 76 auf
                    den Buchstaben Z entfallen. Kennen Sie den Münchner
                    <title>Zwiestrolch</title>?</p>
            </div>
        </body>
        <back>
            <div type="bibliography">
                <listBibl>
                    <bibl xml:id="Bergman1991">Bergman, Joachim (1991): Die Schaubühne Die Weltbühne
                        1905–1933. Bibliographie und Register mit Annotationen. München/London/New
                        York: K.G. Saur.</bibl>
                    <bibl xml:id="Eggebrecht1991">Eggebrecht, Axel (1991): Siegfried Jacobsohn –
                        Begründer der Weltbühne. Erinnerungen von Axel Eggebrecht, in: Joachim
                        Bergmann: Die Schaubühne Die Weltbühne 1905–1933. Bibliographie und Register
                        mit Annotationen. München/London/New York: K.G. Saur, S. xi–xvii.</bibl>
                    <bibl xml:id="Frank2016">Frank, Gustav (2016): Prolegomena zu einer integralen
                        Zeitschriftenforschung, in: Jahrbuch für Internationale Germanistik
                        XLVIII/2, S. 101–121.</bibl>
                    <bibl xml:id="Nickel1996">Nickel, Gunther (1996): Die Schaubühne – Die
                        Weltbühne. Siegfried Jacobsohns Wochenschrift und ihr ästhetisches Programm.
                        Opladen: Westdeutscher Verlag.</bibl>
                    <bibl xml:id="Oswalt2000">Oswalt, Stefanie (2000): Siegfried Jacobsohn – Ein
                        Leben für die Weltbühne. Eine Berliner Biografie. Berlin: Bleicher.</bibl>
                    <bibl xml:id="Raabe1964">Raabe, Paul (1964): Die Zeitschriften und Sammlungen
                        des literarischen Expressionismus. Repertorium der Zeitschriften,
                        Jahrbücher, Anthologien, Sammelwerke, Schriftenreihen und Almanache
                        1910-1921. Stuttgart: Metzler.</bibl>
                    <bibl xml:id="Schlawe1965">Schlawe, Fritz (1965): Literarische Zeitschriften
                        1885–1910. Stuttgart: Metzler.</bibl>
                    <bibl xml:id="Tucholsky1930">Tucholsky, Kurt (1930): Fünfundzwanzig Jahre, in:
                        Die Weltbühne. Vollständiger Nachdruck der Jahrgänge 1918–1933, 26. Jahrgang
                        1930, II. Halbjahr (Nr. 37). Königstein/Ts.: Athenäum 1978, S.
                        373-382.</bibl>
                    <bibl xml:id="Wallas1995">Wallas, Armin A. (1995): Zeitschriften und Anthologien
                        des Expressionismus in Österreich. Analytische Bibliographie und Register, 2
                        Bde. München: K.G. Saur.</bibl>
                </listBibl>
            </div>
        </back>
    </text>
</TEI>
