<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<?xml-model href="https://www.univie.ac.at/wdr/schema/wdr.rng" type="application/xml" schematypens="http://relaxng.org/ns/structure/1.0"?>
<?xml-model href="https://www.univie.ac.at/wdr/schema/wdr.sch" type="application/xml" schematypens="http://purl.oclc.org/dsdl/schematron"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:tei="http://www.tei-c.org/ns/1.0"
    xml:id="wdr06_04-03-Damm" rend="wdr">
    <teiHeader>
        <fileDesc>
            <titleStmt>
                <title type="main" xml:lang="de">Kein Platz im Kleid der Sprache</title>
                <title type="sub" xml:lang="de">Eine Lektüre der „dressierenden“ Erzählerin in
                    Elfriede Jelineks <hi rend="italic">Die Klavierspielerin</hi> (1983)</title>
                <author>
                    <name>
                        <forename>Lisa</forename>
                        <surname>Damm</surname>
                    </name>
                </author>
            </titleStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Wiener Digitale Revue</publisher>
                <date>2025</date>
                <availability>
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/"><p>For this
                            publication, a Creative Commons Attribution 4.0 International license
                            has been granted by the author(s), who retain full
                        copyright.</p></licence>
                </availability>
                <idno type="DOI">10.25365/wdr-06-04-03</idno>
                <idno type="URL"
                    >https://journals.univie.ac.at/index.php/wdr/article/view/9456</idno>
            </publicationStmt>
            <seriesStmt>
                <title>Wiener Digitale Revue</title>
                <biblScope unit="issue">6</biblScope>
                <idno type="ISSN">2709-376X</idno>
            </seriesStmt>
            <sourceDesc>
                <p>born digital</p>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
        <profileDesc>
            <langUsage>
                <language ident="de"/>
            </langUsage>
            <textClass>
                <keywords xml:lang="de">
                    <term xml:lang="de">Elfriede Jelinek</term>
                    <term xml:lang="de">Roland Barthes</term>
                    <term xml:lang="de">Gender-Theorie</term>
                </keywords>
                <keywords xml:lang="en">
                    <term xml:lang="en">Elfriede Jelinek</term>
                    <term xml:lang="en">Roland Barthes</term>
                    <term xml:lang="en">gender theory</term>
                </keywords>
            </textClass>
        </profileDesc>
        <revisionDesc>
            <listChange>
                <change>
                    <date when-iso="2025-02-28">Converted from a Word document</date>
                    <name>Thomas Zangl</name>
                </change>
                <change>
                    <date when-iso="2025-03-03">Encoded</date>
                    <name>Thomas Zangl</name>
                </change>
                <change><date when-iso="2025-03-12">A few additions and changes</date>
                    <name>Laura Tezarek</name>
                </change>
                <change>
                    <date when-iso="2025-03-27">Galley proof corrections</date>
                    <name>Laura Tezarek</name>
                </change>
                <change>
                    <date when-iso="2025-04-15">Added abstracts and keywords</date>
                    <name>Laura Tezarek</name>
                </change>
            </listChange>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text>
        <front>
            <div type="abstract" xml:lang="de">
                <p>In Elfriede Jelineks <title>Die Klavierspielerin</title> (1983) dienen sich
                    Sprache und Mode stets als gegenseitige Zeugen, wie der Beitrag mit Rückgriff
                    auf Roland Barthes’ <title>Sprache der Mode</title> (1985) aufzeigt.</p>
                <p>Analysiert wird, wie durch die sprachliche Gestaltung der Erzählstimme als
                    „Dresseurin“ der Protagonistin die fragliche Existenz der Frau in Jelineks Roman
                    inszeniert wird.</p>
            </div>
            <div type="abstract" xml:lang="en">
                <p>In Elfriede Jelinek’s <title>Die Klavierspielerin</title> (1983) language and
                    fashion continuously act as mutual witnesses, as can be seen with Roland
                    Barthes's <title>Die Sprache der Mode</title> (1985).</p>
                <p>The initial question of this article is therefore based on this interplay: How is
                    the questionable existence of women in the complex construct of language of
                    Jelinek's novel staged through the linguistic composition of the narrative voice
                    as Erika Kohut's “Dresseurin”?</p>
            </div>
        </front>
        <body>
            <div xml:id="wdr06_04-03_01">
                <head>1. Die Dresseurin</head>
                <cit>
                    <quote source="#ref_Jelinek1986-130">Liebt das ehemalige Tier der Wildnis und
                        jetzige Tier der Manege seinen Dompteur? [...] Der eine bedarf des anderen
                        dringend. Der eine braucht den anderen, um sich mithilfe von dessen
                        Kunststücken im Scheinwerferlicht und zum Schinderassa der Musik aufzublasen
                        wie ein Ochsenfrosch, das andere braucht den einen, um einen Fixpunkt im
                        allgemeinen Chaos, das einen blendet, zu besitzen. […] Das Tier trägt affige
                        Verkleidungen auf Kopf oder Rücken. Man hat manche schon auf Pferden mit
                        ledernen Schonbezügen reiten gesehen! Und sein Herr, der Dompteur, knallt
                        mit der Peitsche! (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986"
                            xml:id="ref_Jelinek1986-130">Jelinek 1986: 130</ref>)</quote>
                </cit>
                <p>Erika Kohut, Mitte dreißig und Klavierlehrerin, die mit ihrer Mutter in einer
                    Wohnung lebt und einem Bett schläft, nimmt als berufstätiger Part im Haushalt
                    sowie im Ehebett den Platz ihres dementen und abwesenden Vaters ein: <quote
                        source="#ref_Jelinek1986-5">Erika trat auf, der Vater ab.</quote> (<ref
                        type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-5">Ebd.: 5</ref>)
                    Sie unterrichtet unter anderem den auffallend engagierten Schüler Walter
                    Klemmer, mit dem sie in einer spielerisch-zwanghaften Jagd ein ambivalentes und
                    von Geschlechterkampf geprägtes sexuelles Verhältnis entwickelt. Das <quote
                        source="#ref_Jelinek1986-241">Tier der Manege</quote>, Erika Kohut, wird im
                    Verlauf der Handlung einigen äußerlichen <quote source="#ref_Jelinek1986-241"
                        >Metamorphose[n]</quote> (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986"
                        xml:id="ref_Jelinek1986-241">ebd.: 241</ref>) und Maskeraden ausgesetzt.
                    Folgt sie dabei anfangs noch dem Zwang mütterlicher Maßregelungen, richtet sie
                    sich später nach dem von ihr auf verzerrte Weise inkorporierten Willen ihres
                    Schülers und Herrn, Walter Klemmer, von dem sie sich abhängig macht. Stets
                    unterliegt Erika dabei außerdem dem <quote source="#ref_Barthes1985-31"
                        >normativen Gesetz</quote> (<ref type="bibl" target="#Barthes1985"
                        xml:id="ref_Barthes1985-31">Barthes 1985: 31</ref>) der Mode, das sie mal
                    mehr und mal weniger erfolgreich zu befolgen vermag: <quote
                        source="#ref_Jelinek1986-284">Erika hat sich, wie Klemmer bemerken wird,
                        vollständig neu eingekleidet; die Kleidung entspricht dem Anlaß und der
                        Anlaß der Kleidung.</quote> (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986"
                        xml:id="ref_Jelinek1986-284">Jelinek 1986: 284</ref>) Trotz ihrer
                    nächtlichen Streifzüge durch Peep-Shows, Pornofilme und als provisorische
                    Liebesnester dienlichen Grünanlagen, verwehrt sich ihr die Ergründung ihrer
                    drängenden Suche nach einem autonomen Selbst, dem fremdbestimmten, verkleideten
                    und schließlich selbst zum Kleid reduzierten Körper. Mit der ambivalenten
                    Gestaltung der Figur Erika durch die Erzählerin entlarvt Jelinek in <hi
                        rend="italic">Die Klavierspielerin</hi> einige Aspekte der traditionellen
                    weiblichen Geschlechterrolle als verzerrte Konstruktionen männlichen Begehrens
                    innerhalb eines historisch tradierten patriarchalen Machtsystems.</p>
                <p>Um sich der erzählerischen und sprachlichen Gestaltung zu nähern, werden zunächst
                    in einem theoretischen Kapitel Erkenntnisse der Forschung zu Jelineks
                    Schreibweise sowie Ausführungen über die Mode und die Kleidung in einigen ihrer
                    eigenen Texte kontextualisiert. Zudem werden verschiedene Thesen Roland Barthes’
                    in <hi rend="italic">Die Sprache der Mode</hi> (<hi rend="italic">Système de la
                        mode</hi>) erläutert, die in der späteren Textanalyse Anwendung finden.
                    Anschließend wird die Verwendung der Kleidung als Instrument zur Anpassung, zur
                    Tarnung oder zur Betonung des Körpers und der Weiblichkeit für Erika
                    herausgearbeitet. Auf Grundlage der theoretischen Basis und der inhaltlichen
                    Funktionen der Kleidung, wird schließlich in einer Sprach- und Erzählanalyse die
                    Frage bearbeitet, in welchem Maße die Mode zur Inszenierung der abhängigen oder
                    unabhängigen Position der Frau in der Sprache beiträgt.</p>
                <p>In Anlehnung an Juliane Vogels Deutung des Kleides als <quote
                        source="#ref_Vogel2010-14">zentral[e] poetologische[...] Metapher</quote>
                    Jelineks (<ref type="bibl" target="#Vogel2010" xml:id="ref_Vogel2010-14">Vogel
                        2010: 14</ref>) werden die sprachlichen und narrativen Verfahrensweisen
                    bezüglich der Figurengestaltung im Folgenden in ihrer Wirkung des Verkleidens
                    und Dressierens betrachtet. Mithin wird die Erzählerin metaphorisch mit der
                    Bezeichnung „Dresseurin“ im Sinne des „Dress“ (Kleid) und der Dressur übersetzt.
                    Dementsprechend steht folgende Fragen am Beginn: Wie wird die Erzählerin als
                    Erika Kohuts „Dresseurin“ in Verflechtung mit dem Motiv und System der Mode in
                    Jelineks Roman <hi rend="italic">Die Klavierspielerin</hi> sprachlich gestaltet?
                    Wann verhalten sich <quote source="#ref_Jelinek1986-239">die Hüllen und Schalen,
                        diese bunten, verkleideten Fetzen und Häute</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-239">Jelinek 1986: 239</ref>)
                    und die stilistischen und narratologischen Mittel kongruent bzw. inkongruent
                    zueinander?</p>
            </div>
            <div xml:id="wdr06_04-03_02">
                <head>2. Literarische Dimensionen von Mode und Weiblichkeit im Werk Jelineks</head>
                <p>In der Hervorhebung des artifiziellen Charakters der Sprache schwingt Jelineks
                    Lektüre von Roland Barthes <hi rend="italic">Mythen des Alltags</hi> (<hi
                        rend="italic">Mythologies</hi>) mit, dessen <quote
                        source="#ref_Degner2013-42">Idee vom Sprachdiebstahl [sie] produktiv
                        [macht].</quote> (<ref type="bibl" target="#Degner2013"
                        xml:id="ref_Degner2013-42">Degner/Janke 2013: 42</ref>) Alltagsmythen lassen
                    sich in der Auseinandersetzung mit Jelinek als <quote source="ref_Degner2013-41"
                        >zeitgenössische Phänomene aus der Alltagskultur</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Degner2013" xml:id="ref_Degner2013-41">ebd.: 41</ref>) verstehen,
                    die etwa durch alltägliche Handlungen und Redewendungen oder andere Formen
                    sprachlicher und medialer Verpackung zumeist unbewusst reproduziert werden.
                    Trivialmythen meinen ebenfalls als gegeben konstruierte Annahmen und
                    Verhaltensweisen, werden aber tendenziell bewusst in unterschiedlichsten Medien
                    wie dem Fernsehen, jeglicher Form von Werbung, der Mode, Zeitschriften und
                    anderen Konsumgütern versteckt transportiert. Die Aneignung und Montage solcher
                    Alltags- und Trivialmythen mit der Motivation, die Struktur der unsichtbaren
                    oder bagatellisierten Wirkung von <quote source="#ref_Millner2013-37">soziale[r]
                        wie sexuelle[r] Gewalt, Machtkonstellationen sowie deren
                        Konstruiertheit</quote> (<ref type="bibl" target="#Millner2013"
                        xml:id="ref_Millner2013-37">Millner/Janke 2013: 37</ref>) sichtbar zu
                    machen, sind nach Millner bezeichnend für Jelineks mimetisches Schreibverfahren
                    (vgl. <ref type="bibl" target="#Millner2013" xml:id="ref_Millner2013-36">ebd.:
                        36</ref>). In der stilistischen Gestaltung zur Mythendekonstruktion dient
                    neben der Polysemie, Ironie und Metapher die Katachrese, anhand der Jelinek, wie
                    Uta Degner formuliert, <quote source="#ref_Degner2013-45">die scheinbar
                        organische Einheit des Mythos auf[bricht], um die Künstlichkeit des
                        Gemachten herauszustellen.</quote> (<ref type="bibl" target="#Degner2013"
                        xml:id="ref_Degner2013-45">Degner/Janke 2013: 45</ref>) So dekonstruiere
                    Jelinek das <quote source="#ref_Degner2013-41b">mythische Sprechen[, das] die
                        Einheit von Signifikat und Signifikant der primären ‚Objektsprache‘ [...]
                        als Signifikant [nimmt], um darauf ein neues Signifikat, gleichsam ein
                        Metazeichen zu errichten</quote> (<ref type="bibl" target="#Degner2013"
                        xml:id="ref_Degner2013-41b">ebd.: 41</ref>). Resultat dessen sei die
                    semantische Destabilisierung und folgende Entwertung des mythischen
                        Sprechens.<note xml:id="endnote_01"><p>Zum Begriff der Katachrese bietet
                            sich eine kurze Erläuterung an: Die Katachrese (aus dem altgriechischen
                            katáchrēsis übers. Missbrauch) bezeichnet eine verblasste oder
                            gelöschte Metapher und/oder den Bildbruch, dabei unterscheidet sie sich
                            von der Metapher auch insofern, als sie die erste Bezeichnung des
                            bezeichneten Dings ist (vgl. <ref type="bibl" target="#Posselt2005"
                                xml:id="ref_Posselt2005-17">Posselt 2005:
                    17–19</ref>).</p></note></p>
                <p>In unmittelbarem Zusammenhang mit Barthes’ <hi rend="italic">Mythen des
                        Alltags</hi> steht <hi rend="italic">Die Sprache der Mode</hi> – ein
                    theoretisches Werk über die Systematik der Mode und ihre Konstitution durch die
                    Sprache. Zweifellos setzte Jelinek sich intensiv mit Barthes’ Theorien
                    auseinander, wie etwa durch die Formulierung der „Sprache der Modezeitschriften“
                    in Jelineks Theatertext <hi rend="italic">Die Straße. Die Stadt. Der
                        Überfall.</hi> explizit wird:</p>
                <cit>
                    <quote source="#ref_Jelinek2012-01">Diese schönen Kleider machen mich sprachlos,
                        obwohl ich stundenlang über sie sprechen könnte und das auch tue, Sie hören
                        es ja selbst. Ich habe eine Sprache für sie erfunden, und daher versteht sie
                        außer mir keiner. Es ist auch nicht die Sprache der Modezeitschriften, die
                        ich schon verstehe, [...] was wollte ich sagen, ich habe eine Sprache,
                        leugnen Sie es nicht!, können Sie auch gar nicht!, es ist meine. (<ref
                            type="bibl" target="#Jelinek2012" xml:id="ref_Jelinek2012-01">Jelinek
                            2012</ref>)</quote>
                </cit>
                <p>Die paradoxe Wirkung der Kleider, einerseits Sprachlosigkeit und andererseits
                    eine Sprachflut auszulösen, lässt sich durch die ursprünglich materielle
                    Beschaffenheit dieser erklären, deren Zeichen nicht die Sprache, sondern der
                    Stoff ist. Dieser muss aber, um wirken zu können, in der Modezeitschrift in
                    sprachliche Zeichen – d.h. von dem Objekt in die ‚Objektsprache‘ – übersetzt und
                    somit zu einer Vorstellung von dem Objekt abstrahiert werden. Hier lässt sich
                    die von Barthes in der <hi rend="italic">Sprache der Mode</hi> aufgezeigte
                    Transformation des <quote source="#ref_Barthes1985-44">vestimentären
                        Codes</quote>“(<ref type="bibl" target="#Barthes1985"
                        xml:id="ref_Barthes1985-44">Barthes 1985: 44</ref>) über den <quote
                        source="#ref_Barthes1985-45">geschriebenen vestimentären Code</quote> (<ref
                        type="bibl" target="#Barthes1985" xml:id="ref_Barthes1985-45">ebd.:
                    45</ref>) hin zum <quote source="#ref_Barthes1985-232">rhetorischen System
                    </quote> (<ref type="bibl" target="#Barthes1985" xml:id="ref_Barthes1985-232"
                        >ebd.: 232</ref>) anschließen. Den Signifikanten des realen vestimentären
                    Codes stellt das reale Objekt, also die Kleidung, dar, und das Signifikat die
                        <quote source="#ref_Barthes1985-45b">reale Welt</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Barthes1985" xml:id="ref_Barthes1985-45b">Barthes 1985: 45</ref>),
                    worunter Barthes den realen Nutzen (der Regenmantel gegen den Regen) oder den
                    Anlass (z.B. ein Theaterbesuch) und andere reale Anwendungsbereiche und
                    Verbindungen zur Welt, versteht. Aus Signifikant und Signifikat ergibt sich nach
                    Barthes das <quote source="#ref_Barthes1985-232b">Modezeichen</quote> (<ref
                        type="bibl" target="#Barthes1985" xml:id="ref_Barthes1985-232b">ebd.:
                        232</ref>). Dagegen habe der geschriebene vestimentäre Code das geschriebene
                    Kleidungsstück als Signifikant und das Signifikat sei nun das gesamte
                    Modezeichen des vestimentären Codes. Das rhetorische System schließlich habe die
                        <quote source="#ref_Barthes1985-232c">Schreibweise der Mode</quote> (<ref
                        type="bibl" target="#Barthes1985" xml:id="ref_Barthes1985-232c">ebd.:
                        232</ref>) als Signifikanten, d.h. der Stil, die Terminologie und die Syntax
                    der Beschreibung in der Modezeitschrift, und die <quote
                        source="#ref_Barthes1985-01">Ideologie der Mode</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Barthes1985" xml:id="ref_Barthes1985-01">ebd.</ref>) als
                    Signifikaten, also der latent wirkende Sinn, der sich, als vermeintliche
                    Gegebenheit getarnt, in der Schreibweise verbirgt und <quote
                        source="#ref_Barthes1985-232d">mythologischer Natur</quote> (<ref
                        type="bibl" target="#Barthes1985" xml:id="ref_Barthes1985-232d">ebd.:
                        232</ref>) sei. Das rhetorische System überlagere dabei den vestimentären
                    Code, denn es mache aus dessen <quote source="#ref_Barthes1985-02"
                        >Bedeutungsaussage den einfachen Signifikanten eines neuen
                        Signifikats</quote> (<ref type="bibl" target="#Barthes1985"
                        xml:id="ref_Barthes1985-02">ebd.</ref>), was zurück zum mythischen Sprechen
                    führt, denn: <quote source="#ref_Barthes1985-236">[a]llgemein gesprochen besteht
                        die Konnotation ja darin, die Bedeutung unter dem Schein von ‚Natur‘ zu
                        verstecken</quote> (<ref type="bibl" target="#Barthes1985"
                        xml:id="ref_Barthes1985-236">ebd.: 236f.</ref>).</p>
                <p>Um die Tragweite des Modemotivs und der Kleidung in der <hi rend="italic"
                        >Klavierspielerin</hi> und ihrer Erzählstimme als Dresseurin über Barthes
                    hinaus nachvollziehen zu können, lohnt sich ein Blick auf Jelineks Aufsatz <hi
                        rend="italic">Ich möchte seicht sein</hi>:</p>
                <cit>
                    <quote source="#ref_Jelinek1990-158">Zivilisten sollen etwas auf einer Bühne
                        sprechen! Vielleicht eine Modeschau, bei der die Frauen in ihren Kleidern
                        Sätze sprechen. Ich möchte seicht sein! Modeschau deswegen, weil man die
                        Kleider auch allein vorschicken könnte. Weg mit den Menschen, die eine
                        systematische Beziehung zu einer ersonnenen Figur herstellen könnten! Wie
                        die Kleidung, hören Sie, die besitzt ja auch keine eigene Form, sie muß um
                        den Menschen gegossen werden, der ihre Form IST. (<ref type="bibl"
                            target="#Jelinek1990" xml:id="ref_Jelinek1990-158">Jelinek/Gürtler 1990:
                            158</ref>)</quote>
                </cit>
                <p>Laut Juliane Vogel erweisen sich die Figuren hier als entbehrlich: <quote
                        source="#ref_EderVogel2010-14">[D]as Sagen von Sätzen in Jelineks Texten
                        [knüpft sich] nicht an ein Sprechersubjekt, sondern allein an die textile
                        Hülle, d.h. an eine Falten werfende Fläche</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#EderVogel2010" xml:id="ref_EderVogel2010-14">Vogel/Eder 2010:
                        14</ref>). Bezüglich Vogels Schlussfolgerung des Zusammenfalls von Kleidung
                    und Körper lässt sich Barthes’ Aussage, <quote source="#ref_Barthes1985-26"
                        >[d]as Ziel der geschriebenen Kleidung [sei] offensichtlich ganz auf sich
                        selbst zu verweisen, eingeschlossen in eine Art Tautologie</quote> (<ref
                        type="bibl" target="#Barthes1985" xml:id="ref_Barthes1985-26">Barthes 1985:
                        26</ref>), so übertragen, dass der Komplex aus Kleidung und Körper in der
                    Sprache auch nur auf die Sprache selbst verweisen kann, weder auf den Körper
                    noch auf die Kleidung als reale Objekte.</p>
                <p>Zur Veranschaulichung der Geschlechterkonnotationen der Mode verwendet Barthes
                    das Beispiel der Berufsmode und formuliert so explizit die darin vermittelte
                    Rolle der Frau:</p>
                <cit>
                    <quote source="#ref_Barthes1985-259">Wann immer die Mode der Frau einen Beruf
                        zugesteht, darf dieser weder allzu gehoben sein (es wird nicht gern gesehen,
                        wenn die Frau dem Mann Konkurrenz macht), aber auch nicht allzu niedrig: es
                        ist immer ein ‚sauberer‘ Beruf (Sekretärin, Dekorateurin, Buchhändlerin)
                        […]. Die weibliche Identität bildet sich also in der Abhängigkeit vom Mann
                        (Chef), im Dienst an der Kunst oder am Denken, sublimiert freilich durch den
                        Anschein einer angenehmen Arbeit und ästhetisiert durch die Fiktion einer
                        mondänen Beziehung (der Schein spielt immer eine große Rolle, da es ja darum
                        geht, Kleidung vorzuführen). (<ref type="bibl" target="#Barthes1985"
                            xml:id="ref_Barthes1985-259">Ebd.: 259</ref>)</quote>
                </cit>
                <p>Damit zeigt Barthes, wie der Übergang vom Objekt, der Kleidung, durch das
                    Konnotationskonstrukt der Mode zu der abstrakten Vorstellung dieses Objekts
                    verläuft, das sich schließlich begünstigend in eine Reihe von Stereotypen wie
                    die weibliche Reinlichkeit einordnet.</p>
                <p>Um Jelineks Konzept der Geschlechterrollen nachzuvollziehen, sei Lena Lindhoffs
                    Ausführung in ihrer feministischen Literaturtheorie zur Mann/Frau-Dichotomie,
                    Derridas Dekonstruktion folgend, als konstitutive Hierarchie eines
                    phallogozentrischen Weltbilds genannt. Laut dieser folge das Sprachsystem einer
                    binären Bedeutungsproduktion, in der das <quote source="#ref_Lindhoff2003-91"
                        >Wesentliche […] der Geist, das Gesetz, das (Selbst)Bewusstsein, die
                        formende und zeugende Kraft, der Mann</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Lindhoff1995" xml:id="ref_Lindhoff2003-91">Lindhoff 2003: 91</ref>)
                    sei, und das <quote source="#ref_Lindhoff2003-01">nicht wesentliche Andere die
                        Natur, der Stoff, die Materie, die Frau.</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Lindhoff1995" xml:id="ref_Lindhoff2003-01">Ebd.</ref>) Letzteres
                    leite sich hierbei von Ersterem als das Ursprüngliche ab.</p>
                <p>Weiterhin ist die Existenz der Frau und des Weiblichen bei Jelinek nach Marlies
                    Janz’ Artikel <hi rend="italic">Falsche Spiegel </hi>nicht mehr als die <quote
                        source="#ref_Janz1990-82">männliche Projektion, die das Weibliche nur als
                        das Andere des Männlichen – damit aber auch als Abhängiges und
                        Sekundäres</quote> (<ref type="bibl" target="#Janz1990"
                        xml:id="ref_Janz1990-82">Janz/Gürtler 1990: 82</ref>) konstruiert. Auch Anna
                    Babka identifiziert mit Bezug zu Simone de Beauvoir Jelineks Schreibweise als
                    eine, <quote source="#ref_Babka2014-23">die das Andere nicht nur thematisch
                        aufarbeitet, sondern es sprachlich performativ vollzieht, auf-führt.</quote>
                        (<ref type="bibl" target="#Babka2014" xml:id="ref_Babka2014-23">Babka 2014:
                        23</ref>) Das Weibliche hat laut Janz und Babka bei Jelinek also keine von
                    dem konstituierenden Blick des männlichen Begehrens und seinen Vorstellungen
                    unabhängige Identität, sondern ist immer eine Projektion dieses Blicks.</p>
                <p>Anhand dekonstruktivistischer Verfahren, performativ umgesetzt und kombiniert mit
                    der Mode als Motiv und System, drängt die Navigation der Erzählstimme in
                    Jelineks <hi rend="italic">Klavierspielerin</hi> so zu einer Reflektion über die
                    Relationalität sprachlich konstruierter Sinnkonstitutive und deren
                    mythologischen Charakter.</p>
            </div>
            <div xml:id="wdr06_04-03_03">
                <head>3. Auf- und Abtreten des Kleids in <hi rend="italic">Die
                    Klavierspielerin</hi></head>
                <p>Als textiles Netz wird die gesamte Handlung von dem Kleiderwahn und der
                    Kleiderwahl Erikas begleitet. Die Kleidung als Instrument zur
                    Persönlichkeitsexpression oder Anpassung ist für Erika aufgrund der strengen
                    moralischen Grundsätze und Überwachung der Mutter zunächst keine Option, denn
                        <quote source="#ref_Babka2014-13">über das Tragen der Kleider ist sie
                        unumschränkte Herrscherin.</quote> Nur mit sich allein kann Erika ihre
                    stofflichen Vorlieben ausleben, wenn sie sich die unerlaubt erworbenen <quote
                        source="#ref_Babka2014-13">Kleiderleiche[n]</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Babka2014" xml:id="ref_Babka2014-13">ebd.: 13</ref>) vor den Körper
                    haltend selbst präsentiert.</p>
                <div xml:id="wdr06_04-03_03-01">
                    <head>3.1 … als Instrument der Verhüllung</head>
                    <p>In der vorwiegend auf sexualisierte und oberflächliche Wertmaßstäbe
                        beruhenden Beschreibung der Frauen in <hi rend="italic">Die
                            Klavierspielerin</hi> wird Erika als ein Spezialfall hingestellt, die in
                        die Erwartungen an ihr Geschlecht nicht hineinzupassen scheint, <quote
                            source="#ref_Babka2014-119">[w]enn man nach dem äußeren Anschein
                            ginge.</quote> (<ref type="bibl" target="#Babka2014"
                            xml:id="ref_Babka2014-119">Ebd.: 119</ref>) Erika war es von ihrer
                        Mutter nie gestattet, sich dem Trend ihrer Jugend anzupassen, der kurzen
                        Mode nachzueifern und so potentielle Verehrer zu reizen: <quote
                            source="#ref_Babka2014-97">Die Minirockphase Nummer eins mußte Erika auf
                            Wunsch ihrer Mutter überspringen. […] Alle anderen Mädchen hatten damals
                            ihre Röcke, Kleider, Mäntel unten abgeschnitten und neu gesäumt. Oder
                            sie kauften sich die Sachen gleich fertig kurz.</quote> (<ref
                            type="bibl" target="#Babka2014" xml:id="ref_Babka2014-97">Ebd.:
                        97</ref>) Stattdessen hat die Kleidung für Erika in folgendem Beispiel eine
                        verhüllende Funktion:</p>
                    <cit>
                        <quote source="#ref_Babka2014-54">Erikas karierter Faltenrock bedeckt genau
                            die Knie, kein Millimeter darunter, keiner drüber. Dazu eine seidene
                            Hemdbluse, die, was ihre Größe angeht, genau das Oberteil Erikas
                            bedeckt. Die Notentasche wie immer unter dem Arm fixiert, ihr
                            Reißverschluss streng zugezogen. Erika hat alles an sich geschlossen,
                            was da Verschlüsse hat. (<ref type="bibl" target="#Babka2014"
                                xml:id="ref_Babka2014-54">Ebd.: 54</ref>)</quote>
                    </cit>
                    <p>Der verdinglichte Körper Erikas verschließt seine „Verschlüsse“ schützend vor
                        jeglicher Betrachtung und verbirgt damit zugleich auch alles andere an
                        ihr.</p>
                </div>
                <div xml:id="wdr06_04-03-02">
                    <head>3.2 …als Mittel zur Abgrenzung</head>
                    <p>Weder auffallen noch gänzlich in der Masse verschwinden will Erika mit ihrer
                        Kleidung bei einem Spaziergang durch Wiens umtriebiges Nachtleben: <quote
                            source="#ref_Babka2014-161">[I]hr Mantel schreit nicht schrill,
                            versteckt sich aber auch nicht bis zur Unkenntlichkeit, sondern ruhig
                            und teuer hockt er auf seiner Trägerin</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Babka2014" xml:id="ref_Babka2014-161">ebd.: 161</ref>) – dezent
                        soll so Überlegenheit suggeriert und Abgrenzung zu den anderen Passanten,
                        hauptsächlich Männer auf der Suche nach sexueller Befriedigung, ausgestrahlt
                        werden. Den personifizierten Mantel, der „stolz“ auf Erika „hockt“, kann
                            <quote source="#ref_Babka2014-161b">man ein Leben lang tragen
                            kann</quote>, sofern er <quote source="#ref_Babka2014-161b">einem nicht
                            schon vorher auf die Nerven geht</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Babka2014" xml:id="ref_Babka2014-161b">ebd.</ref>). Damit trägt
                        der Mantel die Versprechen eines Ehepartners in sich: Treue, Stabilität und
                        könnte einem irgendwann auf die Nerven gehen, woraufhin er aussortiert
                        werden müsste oder irgendwo verstaut, wo er keinen Platz wegnimmt – so wie
                        der Vater, der in ein Heim verfrachtet wurde.</p>
                </div>
                <div xml:id="wdr06_04-03-03">
                    <head>3.3 …oder zur Anpassung</head>
                    <p>Während der Mantel Erika in seiner qualitativen Dezenz von ihrer Umgebung
                        abgrenzen soll, passt sie sich an anderer Stelle äußerlich ganz an ihren
                        Schüler Walter Klemmer an:</p>
                    <cit>
                        <quote source="#ref_Jelinek1986-284b">In raffinierter Wanderausrüstung
                            nähert sich eine Frau, die man nicht sofort wiedererkennt […]. Erika
                            Kohut hat sich einem Anlaß gemäß ausstaffiert, wie es ihre Art ist. […]
                            Erika hat sich, wie Klemmer bemerken wird, vollständig neu eingekleidet;
                            die Kleidung entspricht dem Anlaß und der Anlaß der Kleidung. Die
                            Kleidung scheint, wie immer bei ihr, die Hauptsache zu sein, überhaupt
                            bedarf die Frau stets des Schmuckes, um sich zur Geltung zu bringen […].
                            Erika hat sich feste Wanderschuhe gekauft und sie gut mit Fett
                            eingelassen, damit sie nicht in der Feuchtigkeit rosten. In diesen
                            Schuhen könnte sie getrost mehrere Kilometer zurücklegen, falls
                            gewünscht. Sie hat eine sportliche Karobluse, einen Trachtenjanker und
                            Kniebundhosen angelegt, dazu rote Wollstutzen. (<ref type="bibl"
                                target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-284b">Jelinek 1986:
                                284f.</ref>)</quote>
                    </cit>
                    <p>Mit der Kleidung als konstitutivem Bestandteil von Erikas Perfektionszwang
                        versucht sie, Walter Klemmer auf sich aufmerksam zu machen. Die
                        Wandersportmode soll Erika dabei in den Typ Frau verwandeln, der das Objekt
                        des Begehrens für Klemmer darstellt.</p>
                </div>
                <div xml:id="wdr06_04-03_04">
                    <head>3.4 …und zur Hervorhebung des Äußerlichen</head>
                    <p>Mit Klemmers Vormarsch in Erikas Gedanken kommt die der Öffentlichkeit
                        bislang vorenthaltene Kleidersammlung endlich auch außerhalb der Wohnung zum
                        Tragen. Gezielt hebt Uta Degner den Kleiderwechsel Erikas mit der Aussicht
                        auf männliche Aufmerksamkeit hervor: <quote source="#ref_Degner2021-114">Nun
                            aber, nach ihrer ersten intimen Begegnung mit Klemmer in der
                            Schüler-Toilette [...] werden die Kleiderschätze plötzlich ausgeführt,
                            ja förmlich aufgeführt. Erika kleidet sich nicht mehr nur, sie
                            ‚verkleide[t]‘ […] sich</quote> (<ref type="bibl" target="#Degner2021"
                            xml:id="ref_Degner2021-114">Degner/Gürtler 2021: 114</ref>). Mit der
                        Emanzipation von mütterlichen Ankleidungsgesetzen beginnt regelrecht eine
                        ausufernde Neubestimmung der äußerlichen Selbstgestaltung zugunsten Walter
                        Klemmers:</p>
                    <cit>
                        <quote source="#ref_Jelinek1986-241b">Erika zäumt sich neuerdings wahrhaftig
                            wie ein Zirkuspferd auf. Seit kurzem plündert die Frau ihre so lang
                            unbenutzten Kleidervorräte, um dem Schüler noch heftiger zu Gefallen zu
                            sein. Das <hi rend="italic">muß</hi> ihn umwerfen und dies auch! […]
                            Eine Metamorphose macht sie durch. Sie zieht nicht nur Kleider aus ihrem
                            reichhaltigen Fundus an, sondern sie kauft auch noch die passenden
                            Accessoires dazu, kiloweise, in Gestalt von Gürteln, Taschen, Schuhen,
                            Handschuhen, Modeschmuck. (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986"
                                xml:id="ref_Jelinek1986-241b">Jelinek 1986: 241</ref>)</quote>
                    </cit>
                    <p>Besonders im späteren Verlauf, wenn es vermehrt um die sexuelle Interaktion
                        zwischen Erika und Klemmer geht, macht sich ein Wandel in der Kleidung
                        bemerkbar, der die vorherige Motivation zur Verhüllung ins Gegenteil
                        umkehrt. Das zeigt sich in einem Brief, in dem Erika Klemmer diverse
                        Vorschläge zu gewaltvollen Misshandlungen an ihr macht:</p>
                    <cit>
                        <quote source="#ref_Jelinek1986-264">[Klemmer] wird soeben vorgeschlagen,
                            daß er für Erika eine Art Schürze aus festem schwarzem Plastik oder
                            Nylon besorgen und Löcher hineinschneiden soll, durch die Man Blicke Auf
                            Geschlechtsorgane Wirft. Klemmer fragt, wo eine solche Schürze
                            hernehmen, wenn nicht stehlen oder basteln. Nur Guckkastenausschnitte
                            bietet sie dem Mann also, das ist ihrer Weisheit letzter Schluß, höhnt
                            der Mann. (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986"
                                xml:id="ref_Jelinek1986-264">Ebd.: 264</ref>)</quote>
                    </cit>
                    <p>Was zuvor verschlossen war, soll jetzt in den Fokus gerückt und offengelegt
                        werden, doch wird diese von Erika als verführerisch intendierte Verkleidung
                        von Klemmer anders wahrgenommen: Der Mann sieht darin stattdessen eine
                        unnötige Bedeckung und ungenügend befriedigende Erregung seiner Lust. Die
                        zweckentfremdete Schürze verkörpert die in der traditionellen
                        Rollenverteilung der Frau zugewiesenen Aufgaben, kombiniert mit der
                        Zurschaustellung der weiblichen Reize und erscheint somit als Inbegriff der
                        widersprüchlichen Erwartung, zugleich enthaltsam und aufreizend zu sein – in
                        jedem Fall aber dem Begehren des Mannes zu dienen. In Erikas brieflich
                        selbst angeleiteter Unterwerfung zeigt sich, was Barbara Vinken bezüglich
                        der weiblichen Mode wie folgt formuliert: <quote source="#ref_Vinken2015-22"
                            >Ihr ganzer, kunstvoll und künstlich zurechtgemachter Körper wird zu
                            einem Fetisch.</quote> (<ref type="bibl" target="#Vinken2015"
                            xml:id="ref_Vinken2015-22">Vinken/Gürtler/Hausbacher 2015: 22</ref>)</p>
                    <p>In der letzten Interaktion zwischen Erika und Klemmer werden die in dem Brief
                        formulierten Anweisungen sexueller Gewalt zum Äußersten getrieben: <quote
                            source="#ref_Jelinek1986-321">Sie hat ihm Fesselung, Knebelung,
                            Vergewaltigung zugetraut und zugemutet, jetzt erhält sie, was sie
                            verdient</quote> (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986"
                            xml:id="ref_Jelinek1986-321">Jelinek 1986: 321</ref>) – doch ohne Zeit
                        für Verkleidungen und Spielchen und ohne gefühlvolle Wendungen. Klemmer
                        verlässt im Anschluss an seine produktive Entladung schnell das Haus. Erika
                        hingegen unternimmt, eingeklemmt in ein unpassendes und nicht mehr passendes
                        Kleid, ihren letzten Auftritt auf offener Straße. Dieser führt sie
                        schließlich mit einer selbst zugefügten Verletzung undramatisch wieder
                        zurück nach Hause (vgl. <ref type="bibl" target="#Jelinek1986"
                            xml:id="ref_Jelinek1986-328">ebd.: 328–335</ref>).</p>
                </div>
            </div>
            <div xml:id="wdr06_04-04">
                <head>4. Vom Verkleiden besessen: Die stilistische Peitsche der dressierenden
                    Erzählstimme</head>
                <p>In ihren ständigen Kommentaren spielt die Erzählstimme mit der textuellen und
                    textilen <quote source="#ref_Jelinek1986-14">Paßform</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-14">ebd.: 14</ref>), die sich
                    zu den Figuren hin oder von ihnen weg bewegt, Körper und Kleidung kulminieren
                    und das eine im andern verschwinden lässt. <quote source="#ref_Tacke2013-96">Die
                        Figuren [Jelineks] sind das nach außen gekehrte Innere. Sie sind
                        Personifikationen von Ideen und Phantasien.</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Tacke2013" xml:id="ref_Tacke2013-96">Tacke/Janke 2013: 96</ref>)
                    Die Idee, die Erika nach außen kehrt, trägt den programmatischen Namen Klemmer –
                    dieser zwängt sie schließlich unter der stilistischen Leitung der Erzählstimme
                    in die Unbeweglichkeit.</p>
                <div xml:id="wdr06_04-04_01">
                    <head>4.1 Strategien der Ironie und Mimesis als demaskierendes Echo</head>
                    <p><quote source="#ref_deMan1988-11">[D]ie Ironie [...] ist eine Form der
                            Entmystifizierung der mimetischen und repräsentativen Redeweisen, die
                            sich in der Rhetorik des Symbols und der Metapher verdichten; [...] sie
                            dementiert jede Anstrengung, eine Aussage zum getreuen Abbild einer
                            Intention und derart zum Garanten von deren Mittelbarkeit zu machen, als
                            illusorisch.</quote> (<ref type="bibl" target="#deMan1988"
                            xml:id="ref_deMan1988-11">de Man 1988: 11</ref>)</p>
                    <p>Solche Verfahren der Ironisierung im Sinne Paul de Mans, die der Entlarvung
                        eines Sprechens dienen, das durch Mimesis und Rhetorik Gegebenheiten
                        vorzutäuschen sucht, äußern sich in der <hi rend="italic"
                            >Klavierspielerin</hi> insbesondere anhand der Metapher des Kleides.
                        Bezugnehmend auf Barthes, nach dem die <quote source="#ref_Barthes1985-31b"
                            >Modeaussage</quote> (<ref type="bibl" target="#Barthes1985"
                            xml:id="ref_Barthes1985-31b">Barthes 1985: 31</ref>) als sprachlich
                        konstruierte Sinnproduktion mit dem Ergebnis konnotativ aufgeladener
                        Kleidung versucht, Natürlichkeit zu suggerieren, nutzt Jelinek das System
                        der Mode gegenteilig zur ostentativen Zurschaustellung von Künstlichkeit und
                        somit als metaphorische Demonstration der nicht authentischen
                        Repräsentationsversuche der Sprache.</p>
                    <p>So wird Erika von der Erzählstimme etwa dann zu einer Imitation stilisiert,
                        wenn sie pedantisch versucht, sich mit der „Wanderausrüstung“ entsprechend
                        Klemmers sportlichen Vorlieben einzukleiden und so die Projektion seiner
                        idealen Vorstellung einer Frau nachzuahmen. In dem äußerlichen
                        Perfektionismus Erikas findet sich Barthes‘ Theoretisierung über die
                        Bedeutung des Details in der Mode wieder: <quote
                            source="#ref_Barthes1985-249">Indem sie der <hi rend="italic"
                                >Kleinigkeit</hi> große semantische Macht verleiht, folgt die Mode
                            sicherlich nur ihrem eigenen System, dessen Matrizen und Ketten ja
                            gerade die Aufgabe haben, mit Hilfe träger Materialien Sinn ausstrahlen
                            zu lassen.</quote> (<ref type="bibl" target="#Barthes1985"
                            xml:id="ref_Barthes1985-249">Barthes 1985: 249</ref>) So soll auch für
                        Erika anhand all des Aufwands und der Details ein Sinn aus ihrem
                        Erscheinungsbild herausstrahlen, den sie ohne ihre Verkleidung nicht zu
                        erzeugen vermag. In der Rhetorik der Modezeitschriften („sportliche
                        Karobluse“, „raffinierte Wanderausrüstung“) imitiert die Erzählstimme
                        ironisch die psychologisch fundierte Verkaufsstrategie dieser Zeitschriften,
                        deren Erfolg Barthes darin begründet sieht, dass die Kleidung <quote
                            source="#ref_Barthes1985-242">den Körper berührt und als dessen
                            Substitut und Maske ganz gewiß Objekt einer intensiven Besetzung
                            ist.</quote> (<ref type="bibl" target="#Barthes1985"
                            xml:id="ref_Barthes1985-242">Barthes 1985: 242</ref>) Die „raffinierte
                        Wanderausrüstung Erikas“ soll demnach als Ersatz der <quote
                            source="#ref_Jelinek1986-225">trüben, hornhäutigen Schicht ihrer
                            Jahre</quote> (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986"
                            xml:id="ref_Jelinek1986-225">Jelinek 1986: 225</ref>) dienen und sie
                        jung und vital erscheinen lassen. Doch entgegen den gewünschten Effekten der
                        Modeaussagen, ein identifikationspotentes psychologisches Profil latent
                        wirken zu lassen, entbehrt die misslingende Verkleidung Erikas jeglichen
                        Identifikationspotentials und die Figur fällt als <quote
                            source="#ref_Doll1994-32">Reproduktion einer Nachahmung</quote> (<ref
                            type="bibl" target="#Doll1994" xml:id="ref_Doll1994-32">Doll 1994: 32,
                            zit. Kraus 1979: 227</ref>) in ihrer sprachlichen Flächigkeit
                        zusammen.</p>
                    <p>Exemplarisch für die Erstarrung und Reproduktion eines für Männer bewährten
                        Systems ist die Beschreibung der Peep-Show, in der die Frauen <quote
                            source="#ref_Jelinek1986-58">nach einem ganz bestimmten Unlustprinzip
                            innerhalb einer ganzen Kette von Peep-Shows</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-58">Jelinek 1986:
                        58</ref>) und in einer bestimmten Mode von Dessous an dem Guckloch des
                        Betrachters vorbeifahren. Der <quote source="#ref_Jelinek1986-58b"
                            >Dauerkunde und Stammgast [bekommt] stets in gewissen Intervallen ein
                            anderes Fleisch zu sehen. Sonst kommt er ja nicht mehr. Der
                            Abonnent.</quote> (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986"
                            xml:id="ref_Jelinek1986-58b">Ebd.</ref>) Die Tautologie („Abonnent“,
                        „Dauerkunde“, „Stammgast“) zeigt neben dem reproduktiven Kreislauf des
                        Systems die Kommerzialisierung der männlichen Gier nach weiblichem
                        „Fleisch“, nach der <quote source="#ref_Jelinek1986-60">geile[n] Sau hinter
                            dem Fenster</quote> (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986"
                            xml:id="ref_Jelinek1986-60">ebd.: 60</ref>). Dass die rotierenden <quote
                            source="#ref_Jelinek1986-59">nackten Damen</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-59">ebd.: 59</ref>) dabei
                        entsprechend dieser Gier gestaltet sind, zeigt sich in der Verwendung des
                        Indefinitpronomens „man“ in der folgenden Passage:</p>
                    <cit>
                        <quote source="#ref_Jelinek1986-59b">Man darf dieses Fleisch nicht
                            angreifen, man könnte es auch nicht, weil eine Wand dazwischengeschaltet
                            ist. [...] Ein kleiner Spiegel ist in das schwarze Papier eingelassen,
                            in dem man sich betrachten kann. Man weiß nicht, wozu, vielleicht, damit
                            man nachher seine Haare kämmen kann. Ein kleiner Sex-Shop ist nebenbei
                            angeschlossen. Dort kann man kaufen, worauf man Lust bekommen hat.
                            Frauen gibt es nicht zu erwerben, aber zum Ausgleich winzige Nylonwäsche
                            mit vielen Schlitzen, die sich wahlweise vorne oder hinten befinden. Man
                            zieht sie der Frau daheim an und kann dann hineingreifen, ohne daß die
                            Frau diese Hose ganz ausziehen muß. [...] Man kann wählen, ob man die
                            Sachen in Dunkelrot oder in Schwarz möchte. Einer blonden Frau steht
                            Schwarz besser, einer Schwarzen steht Rot besser. (<ref type="bibl"
                                target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-59b"
                            >Ebd.</ref>)</quote>
                    </cit>
                    <p>Die anaphorische Wiederholung performiert die androzentristische
                        Verallgemeinerungs- form „man“, die zwar in der heutigen Zeit als
                        geschlechtsneutrale Bezeichnung für „Mensch“ verwendet wird, sich aber, wie
                        die Homophonie anklingen lässt, etymologisch von dem Substantiv „Mann“
                        ableitet (<ref type="bibl" target="#Samel1995" xml:id="ref_Samel1995-90"
                            >Samel 1995: 90</ref>). Die performative und universalistische
                        sprachliche Umsetzung anhand der wiederholten Anapher „man“, die hier in der
                        parataktischen Syntax und als Subjekt im Aktiv steht, verdeutlicht den
                        männlichen Blick auf das passive Objekt, die im Roman wiederholt als <quote
                            source="#ref_Jelinek1986-126">Fleisch</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-126">Jelinek 1986:
                            126</ref>) bezeichnete und reduzierte Frau. Die Nachahmung des
                        männlichen Blicks überschminkt und entwertet so die sexualisierten
                        Stereotype (<ref type="bibl" target="#Hanssen1996"
                            xml:id="ref_Hanssen1996-98">Hanssen 1996: 98</ref>). Und wenn der Mann
                        keine Frau zum Aus- und wieder Anziehen Zuhause hat, kann er sich, nachdem
                        er <quote source="#ref_Jelinek1986-59c">drinnen die echte Frau</quote>
                        gesehen hat, <quote source="#ref_Jelinek1986-59c">draußen das Imitat</quote>
                        kaufen, <quote source="#ref_Jelinek1986-59c">egal welche, im Prinzip sind
                            sie alle gleich.</quote> (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986"
                            xml:id="ref_Jelinek1986-59c">Jelinek 1986: 59f.</ref>) Mit der
                        ostentativen Inszenierung der zum austauschbaren Objekt degradierten Frau in
                        der Entgegensetzung zum Mann als zentrales und handelndes Individuum wird
                        die Hierarchie der Oppositionspaare Frau/Mann und Subjekt/Objekt
                        herausgestellt. Die <quote source="#ref_Janz1990-82b">patriarchalisch
                            geprägten Weiblichkeitsbilder</quote> bleiben, wie Marlies Janz
                        formuliert, durch Jelineks <quote source="#ref_Janz1990-82b">Aneignung und
                            Sinnentleerung dieser Bilder</quote> als <quote
                            source="#ref_Janz1990-82b">leere Hülle[n] zurück</quote> (<ref
                            type="bibl" target="#Janz1990" xml:id="ref_Janz1990-82b">Janz/Gürtler
                            1990: 82</ref>), sodass die in der Sprache manifestierte Position des
                        Mannes und gleichzeitige Objektifizierung der Frau durch den Zusammenfall
                        von Körper, Textil und Text bloßgelegt werden.</p>
                    <p>Mittels demaskierender Strategien der Mimesis und Ironisierung der konnotativ
                        geschichteten Sprache wird die Referenzabhängigkeit der phallogozentrisch
                        produzierten medialen Repräsentation und die Uneigentlichkeit konstruierter
                        Trivial- und Alltagsmythen aufgedeckt. Jelineks Sprachgebrauch und die
                        Darstellung der Figuren als fragmentarische Reproduktionen <quote
                            source="#ref_Doll1994-32b">vorfabriziert[er]</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Doll1994" xml:id="ref_Doll1994-32b">Doll 1994: 32</ref>) Bilder
                        und Diskurse verweisen auf die Unmöglichkeit eines authentischen und
                        absoluten semantischen Bestimmungsmomentes.</p>
                </div>
                <div xml:id="wdr06_04-04_02">
                    <head>4.2 „Figurverlust“ im Textgewebe: Stilistisch verkleidet bis zur
                        Entblößung</head>
                    <p>Beispielhaft für das verkleidende Vorgehen der Erzählstimme ist die
                        metaphorische Verwendung des lexikalischen Felds des Textils, wie etwa in
                        folgender Beschreibung einer Konversation zwischen Erika und Klemmer: <quote
                            source="#ref_Jelinek1986-139">Weil sie, wie er faselt, erst dann so
                            richtig weich sind, ineinanderfließen, die einzelnen Sätze werden dann
                            flächig, waschen an den Rändern aus, sie setzen sich nicht in Härte
                            voneinander ab, erfindet Klemmer.</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-139">Jelinek 1986:
                            139</ref>) Die phonetische Parallele zwischen der Faser und dem Faseln
                        wird durch die flächigen und ausgewaschenen Sätze betont und bewirkt darüber
                        hinaus assoziativ eine semantische Verbindung. Klemmers unzusammenhängende
                        und unsinnige Satzfasern verlaufen dann fließend in die blassen, die
                        ausgewaschenen Sätze, die er in der selbstreferentiellen und performativen
                        Inszenierung durch die Erzählstimme erfindet. Durch den gesamten Roman
                        ziehen sich so die metaphorischen Übertragungen und semantischen
                        Verschiebungen, die über das Motiv der Kleidung in ihrer Mehrdeutigkeit
                        demonstriert werden und damit die Künstlichkeit und Ungenauigkeit der
                        Sprache betonen.</p>
                    <p>Juliane Vogel bringt Jelineks sprachliche Inszenierung des im Kleid
                        schwindenden Körpers folgendermaßen zum Ausdruck: <quote
                            source="#ref_EderVogel2010-14b">Im Sprechakt des Kleides ist das
                            anmaßende Scheinvolumen des Körpers ebenso eliminiert und übersprungen
                            wie ein sich im Sprechen entwerfendes Subjekt.</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#EderVogel2010" xml:id="ref_EderVogel2010-14b">Vogel/Eder 2010:
                            14</ref>) In der <hi rend="italic">Klavierspielerin </hi>kündigt sich
                        das im Kleid verschwindende Subjekt anhand eines metaphorischen Vergleichs
                        bereits zu Beginn an, wenn Erikas <quote source="#ref_Jelinek1986-43"
                            >abgestreifte Körperhülse</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-43">Jelinek 1986:
                        43</ref>) der Behandlung eines staubigen Mantels unterzogen und von der
                        Mutter <quote source="#ref_Jelinek1986-43b">sorgfältig nach den Spuren
                            männlicher Benützung abgeklopft und dann energisch
                            ausgeschüttelt</quote> (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986"
                            xml:id="ref_Jelinek1986-43b">ebd.</ref>) wird.</p>
                    <p>Das Zusammenfallen von Körper, Kleid und Sprache vollzieht sich so auch in
                        Klemmers Begierde, <quote source="#ref_Jelinek1986-240">den letzten Rest
                            Ursprünglichkeit, den die Frau sich zurückbehalten hat, noch aus der
                            Packung zu schütteln</quote> (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986"
                            xml:id="ref_Jelinek1986-240">ebd.: 240</ref>) und die <quote
                            source="#ref_Jelinek1986-239b">durch schwächlichen Formwillen
                            zusammengehaltenen Hüllen und Schalen, diese bunten, verkleideten Fetzen
                            und Häute, die ihr anhaften, [...] entschlossen
                            herunter[zu]reißen!</quote> (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986"
                            xml:id="ref_Jelinek1986-239b">Ebd.: 239</ref>) In der metaphorischen
                        Gleichstellung der „Fetzen und Häute“, die Erika „anhaften“, wird sie weiter
                        verdinglicht, das Kleid und der Körper sind untrennbar, <quote
                            source="#ref_Jelinek1986-239c">[e]ine dieser textilen Schichten ist
                            immer verhornter und verwaschener als die nächste</quote> (<ref
                            type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-239c"
                            >ebd.</ref>), und keine dieser Schichten, ob Textil oder Haut, gehört zu
                        einem vermuteten ursprünglichen Wesen Erikas, nach dem Klemmer verlangt. Auf
                        erzähltechnischer Ebene zeigt sich der Zusammenfall von Kleidung und Sprache
                        durch den in Fetzen vorgelesen Brief Erikas, der so der Beschaffenheit ihres
                        stilistisch zu Kleiderfetzen reduzierten Körpers gleicht.</p>
                    <p>Weiterhin verweist der Formwille, der die „Hüllen und Schalen“ zusammenhält,
                        auf Jelineks Ausführungen zur Form der „ersonnenen Figur“ in Beziehung zur
                        Kleidung, die <quote source="#ref_Jelinek1990-158b">ja auch keine eigene
                            Form [besitzt], sie muß um den Menschen gegossen werden, der ihre Form
                            IST.</quote> (<ref type="bibl" target="#Jelinek1990"
                            xml:id="ref_Jelinek1990-158b">Jelinek/Gürtler 1990: 158</ref>) In diesem
                        Sinne referiert der Formwille hier auf den Roman selbst und kritisiert seine
                        eigene formbehaftete Wirksamkeit. Durch exzessiv praktizierte Polysemie,
                        Metaphorik und Bildsprache schreibt Jelinek das künstlich konstruierte
                        „latente Signifikat“ anhand des Aufzeigens der flächigen Figuren als
                        Sprachkonstrukte hinter dem „rhetorischen Signifikant“ hervor und entblößt
                        dessen <quote source="#ref_Barthes1985-232e">‚mythologische[]‘ Natur</quote>
                            (<ref type="bibl" target="#Barthes1985" xml:id="ref_Barthes1985-232e"
                            >Barthes 1985: 232</ref>).</p>
                    <p>Unter der Regie der Erzählstimme betrachtet Klemmer Erika einmal als <quote
                            source="#ref_Barthes1985-79">formlose[n] Kadaver</quote> (<ref
                            type="bibl" target="#Barthes1985" xml:id="ref_Barthes1985-79">ebd.:
                            79</ref>) und <quote source="#ref_Barthes1985-79b">schlaffe[n]
                            Gewebesacke</quote> (<ref type="bibl" target="#Barthes1985"
                            xml:id="ref_Barthes1985-79b">ebd.</ref>) mit Entwicklungspotential, und
                        später dann als <quote source="#ref_Barthes1985-263">kleine Figur</quote>
                        und künstliche <quote source="#ref_Barthes1985-263">Figurine</quote>, die
                        ihm im <quote source="#ref_Barthes1985-263">Hirn herum[trampelt]</quote>
                            (<ref type="bibl" target="#Barthes1985" xml:id="ref_Barthes1985-263"
                            >ebd.: 263</ref>). Erikas sich über den gesamten Roman erstreckendes
                        Verfaulen endet mit Klemmers Perspektive im Substanzverlust: <quote
                            source="#ref_Barthes1985-263b">Die Frau vor ihm schrumpft auf
                            Miniaturmaße. Man kann sie werfen wie einen Ballon, ohne sie
                            aufzufangen. Man kann auch jede Luft aus ihr herauslassen. Klein macht
                            sie sich mit Absicht, obwohl sie es nicht nötig hätte.</quote> (<ref
                            type="bibl" target="#Barthes1985" xml:id="ref_Barthes1985-263b"
                            >ebd.</ref>) So verwandelt sich Erika aus Klemmers gedanklicher
                        Perspektive in eine von den aufblasbaren Frauenimitaten aus dem Sexshop und
                        verschwindet endgültig in ihrer <quote source="#ref_Janz1990-82c">leere[n]
                            Hülle</quote> (<ref type="bibl" target="#Janz1990"
                            xml:id="ref_Janz1990-82c">Janz 1990: 82</ref>). Erika wird zu dem <quote
                            source="#ref_EderVogel2010-14c">sich im Sprechen entwerfende[n]
                            Subjekt</quote> (<ref type="bibl" target="#EderVogel2010"
                            xml:id="ref_EderVogel2010-14c">Vogel/Eder 2010: 14</ref>), deren <quote
                            source="#ref_Vogel2010-14d">Scheinvolumen</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Vogel2010" xml:id="ref_Vogel2010-14d">ebd.</ref>) mit der
                        textilen und textuellen Reduktion entleert und entblößt wird und sie in ihre
                            <quote source="#ref_Jelinek1986-253">Gegenständlichkeit</quote> (<ref
                            type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-253">Jelinek
                            1986: 253</ref>) hineinzwängt. Widerstandslos wie ein federleichter
                        Luftballon lässt sich Erika von Klemmer, oder vielmehr von der Erzählstimme,
                        aufblasen und herumwerfen oder wird als schlaffe Hülle auf dem Boden
                        liegengelassen.</p>
                    <p>In Erikas ständigem Versuch, sich durch ihre äußerliche Gestaltung einen Sinn
                        zu geben entlarvt sich ihre wortwörtliche Selbstlosigkeit, worin sich die
                        von Degner und Gürtler herausgestellte Hauptfunktion der Mode für Jelinek
                        bezüglich ihres entsprechend titulierten Essays <hi rend="italic">Mode
                        </hi>wiederfindet: <quote source="#ref_Degner2015-111">Fast
                            gebetsmühlenartig betont sie immer wieder, dass sie Mode nicht als ein
                            Medium versteht, ihre Person zur Geltung zu bringen, sondern vielmehr zu
                            verschwinden</quote> (<ref type="bibl" target="#Degner2015"
                            xml:id="ref_Degner2015-111">Degner/Gürtler/Hausbacher 2015:
                        111</ref>).</p>
                    <p>In der <hi rend="italic">Klavierspielerin</hi> sind jegliche Frauenfiguren
                        stets von einem vorgefertigten Rahmen abhängig – medial sowie körperlich: In
                        der Peep-Show, dem Billigporno, auf Werbeplakaten oder einer Illustrierten.
                        Auch Erikas <quote source="#ref_Jelinek1986-197">Handlungen verlangen nach
                            einem festen Rahmen, in den man sie spannen kann.</quote> (<ref
                            type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-197">Jelinek
                            1986: 197</ref>) So wünscht sich Erika, in der Misshandlung durch
                        Klemmer <quote source="#ref_Jelinek1986-256">ganz [zu] vergehen und
                            ausgelöscht [zu] sein</quote> (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986"
                            xml:id="ref_Jelinek1986-256">ebd.: 256f.</ref>). Ihr Wunsch realisiert
                        sich unter dem Blick der Erzählstimme, <quote source="#ref_Degner2013-127"
                            >die Erika genau demselben Blick [unterwirft], den diese auf ihre Umwelt
                            hat</quote> (<ref type="bibl" target="#Degner2013"
                            xml:id="ref_Degner2013-127">Degner/Janke 2013: 127</ref>) und sie so in
                        vielfältiger Weise entstaltet: Mit <quote source="#ref_Jelinek1986-199"
                            >Falte, Runzel, Zellulitis, Grauhaar, Tränensack, Großporigkeit,
                            Zahnersatz, Brille</quote> bis hin zum <quote
                            source="#ref_Jelinek1986-199">Figurverlust</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-199">Jelinek 1986:
                            199</ref>). Die Verdinglichung der Figur Erika entspricht Barthes‘
                        Herausstellung der Eigenschaften des beschriebenen Kleidungsstücks: <quote
                            source="#ref_Barthes1985-25">Das beschriebene Kleidungsstück ist ein
                            fragmentarisches Kleidungsstück; […] das Ergebnis einer Reihe von
                            Wahlen, Amputationen; gewisse Dinge erfahren wir über das Kleid […],
                            während anderes übergangen wird […].</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Barthes1985" xml:id="ref_Barthes1985-25">Barthes 1985:
                        25</ref>)</p>
                    <p>Weder die Sprache noch Erika sind letztlich dazu imstande, das unterdrückende
                        System umzukehren, aber sie nehmen dem mythisch aufgeladenen, sexualisierten
                        Stereotyp über die Weiblichkeit und die Frau seine Schlagkraft – Klemmer
                        erkennt (vorerst), dass er Erika <quote source="#ref_Jelinek1986-257"
                            >niemals Herr werden kann, solange er ihr Herr ist</quote> (<ref
                            type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-257">Jelinek
                            1986: 257</ref>).</p>
                </div>
                <div xml:id="wdr06_04-04_03">
                    <head>4.3 Das Rollenspiel</head>
                    <p>Als Dresseurin und Maskenbildnerin der <hi rend="italic"
                            >Klavierspielerin</hi> schöpft die Erzählstimme ihre Sprachgarderobe
                        reichlich aus und modelliert die Figuren zu flächigen Rollen, wie die Mode
                        es nach Barthes‘ Verständnis mit dem „realen Körper“ macht: <quote
                            source="#ref_Barthes1985-266">Verlängern, aufbauschen, verschlanken,
                            auftragen, abnehmen, anheben: mit Hilfe solcher Kunstgriffe behauptet
                            die Mode, jedes beliebige Ereignis (jeden beliebigen Körper) der
                            postulierten Struktur (der Mode dieses Jahres) unterordnen zu
                            können.</quote> (<ref type="bibl" target="#Barthes1985"
                            xml:id="ref_Barthes1985-266">Barthes 1985: 266</ref>) Mit den
                        narratologischen Fäden und Stricken tut die Erzählstimme es Erikas Mutter
                        gleich und <quote source="#ref_Jelinek1986-39">[webt] Erikas Zukunft</quote>
                            (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-39"
                            >Jelinek 1986: 39</ref>). Die zugleich in der Rolle der Tochter und des
                        Ehemanns der Mutter gefangene, als Klavierlehrerin arbeitende und ledige
                        Erika wird zudem unter altmodischen, sexistischen, formellen, informellen,
                        abfälligen und weiteren Anreden und Bezeichnungen präsentiert. Dabei ist das
                            <quote source="#ref_Jelinek1986-119">Frl. Kohut</quote> (<ref
                            type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-119">ebd.:
                            119</ref>) in der Inszenierung ihrer Figur keine vollwertige Frau:
                            <quote source="#ref_Jelinek1986-119b">man würde nicht glauben, daß sie
                            und die Frauen auf den Fotos ein und demselben Geschlecht
                            angehören</quote> (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986"
                            xml:id="ref_Jelinek1986-119b">ebd.</ref>). Die Abkürzung der (1983 noch
                        gängigen) Bezeichnung Fräulein zu „Frl.“ zeigt eine Beschneidung der
                        weiblichen Anrede an und weist performativ und ironisch auf die Bedeutung
                        des Wortes selbst und den Umstand hin, dass Erika in <quote
                            source="#ref_Jelinek1986-199b">zunehmenden Jahren</quote> (<ref
                            type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-199b">ebd.:
                            199</ref>) noch unverheiratet ist und das Ziel einer jeden Frau, sich
                        selbst durch einen Phallus tragenden Ehemann zu vervollkommnen, noch nicht
                        erreicht hat. Doch eben danach trachtet das nicht mehr ganz so junge <hi
                            rend="italic">Fräulein</hi>, deren <quote source="#ref_Jelinek1986-119c"
                            >Innenleben es ja gerade ist, was blüht und saftet</quote> (<ref
                            type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-119c">ebd.:
                            119</ref>). Einerseits wird Erika als die paarungswillige Figur
                        dargestellt, der es bloß nicht gelingt, ihr fruchtbares „Innenleben“ nach
                        außen zu tragen, andererseits ist sie der <quote
                            source="#ref_Jelinek1986-136">innen ganz trocken[e]</quote> (<ref
                            type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-136">ebd.:
                            136</ref>) <quote source="#ref_Jelinek1986-79">formlose Kadaver</quote>
                            (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-79"
                            >ebd.: 79</ref>).</p>
                    <p>Barthes schlussfolgert aus dem <quote source="#ref_Barthes1985-262">Zwang des
                            Namens</quote> (<ref type="bibl" target="#Barthes1985"
                            xml:id="ref_Barthes1985-262">Barthes 1985: 262</ref>), der für die Mode
                        eine besondere Rolle spiele, den <quote source="#ref_Barthes1985-262b">Traum
                            von Andersheit; man sieht also die Frau in der Mode gleichzeitig davon
                            träumen, sie selbst und eine andere zu sein.</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Barthes1985" xml:id="ref_Barthes1985-262b">Ebd.</ref>) Der
                        Wunsch, sie selbst und eine andere, bzw. ganz einfach nicht sie selbst zu
                        sein, trifft auch auf Erika zu sowie die von Jelinek in ihren Essays
                        artikulierten Eigenschaft der Kleidung, sich selbst zu vergessen. Nicht nur
                        durch die Kleidung, auch durch Abbilder anderer Menschen will Erika ihr
                        eigenes Gesicht wie eine Maske austauschen: <quote
                            source="#ref_Jelinek1986-97">SIE denkt sich schön und gibt sich im Geist
                            ein Illustriertengesicht, das sie sich aufsetzt. Ihre Mutter würde es
                            ihr untersagen. Diese Gesichter kann sie beliebig auswechseln, einmal
                            blond, einmal braun, so lieben die Männer meist die Fraun [sic]. Und
                            danach richtet sie sich, will doch auch sie geliebt werden.</quote>
                            (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-97"
                            >Jelinek 1986: 97</ref>)</p>
                    <p>Das „Illustriertengesicht“ entspricht dem „strukturellen Paradox“ des Körpers
                        von Barthes‘ „Covergirl“: <quote source="#ref_Barthes1985-264">Einerseits
                            hat sein Körper den Wert einer abstrakten Institution; andererseits ist
                            dieser Körper ein individueller</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Barthes1985" xml:id="ref_Barthes1985-264">Barthes 1985:
                            264</ref>) – schließlich stelle dieser Körper allerdings doch nur eine
                        reine „Form“ dar, „die kein Attribut trägt“ und somit die vermeintliche
                        Individualität ins Allgemeine umkehre. Auch dieses beliebig austauschbare
                        Gesicht besitzt in der für die Masse reproduzierten Printversion eine
                        Anonymität und Allgemeingültigkeit. Barthes sieht in dem Paradox des
                        Covergirls die „Opposition zwischen Sprache und Sprechen“ gespiegelt, die
                        Sprache als präformiertes und frei zur Verfügung stehendes System, das,
                        sobald es im Sprechen angewendet wird, individuell ist.</p>
                    <p>Konstanze Fliedl stellt heraus, wie sich in Jelineks Schreibweise die <quote
                            source="#ref_Fliedl2013-59">Bildlichkeit aus der rhetorischen Vertikale
                            in die narrative Horizontale</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Fliedl2013" xml:id="ref_Fliedl2013-59">Fliedl 2013: 59</ref>)
                        überträgt. Eine solche Spiegelung findet sich in der rhetorisch wiederholt
                        betonten Figurenzeichnung von Erikas <quote source="#ref_Jelinek1986-113"
                            >Anderssein</quote> (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986"
                            xml:id="ref_Jelinek1986-113">Jelinek 1986: 113</ref>): <quote
                            source="#ref_Jelinek1986-109">Man nimmt Verzögerungen und Wartezeiten in
                            Kauf, nur um nicht mit Erika in Berührung zu geraten. Manche machen auf
                            sich lautstark aufmerksam, Erika nicht. Einige winken, Erika nicht. […]
                            Die einen hüpfen im Stand, jodeln, schreien. Erika nicht. Denn sie
                            wissen, was sie wollen. Erika nicht.</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-109">Ebd.: 109</ref>) In
                        der Dissonanz der Selbstwahrnehmung Erikas und der Wahrnehmung ihrer Umwelt
                        wird Erikas Anderssein im Verlauf der Handlung auch erzähltechnisch
                        umgesetzt. Stets verhält sich Erika anders als die „einen“. Durch die
                        ambivalente Erzählstimme, die Erikas Innenleben mal aus ihrer, dann aus
                        Klemmers Sicht schildert, einem abfälligen gesellschaftlichen Blick oder
                        ihren eigenen spöttischen Kommentaren unterzieht, kann kein integres Bild
                        von der Figur Erika entstehen. Doch erhält das Weibliche als das <quote
                            source="#ref_Janz1990-82d">Andere des Männlichen</quote> (<ref
                            type="bibl" target="#Janz1990" xml:id="ref_Janz1990-82d">Janz 1990:
                            82</ref>) hier keine Neubestimmung, sondern legt lediglich den
                        Hintergrund des Zustandes offen: Dass es keine autonome Alternative zum
                        existenten Bild der Frau gibt – Erika wird immer in Orientierung zu einem
                        Anderen, sei es Klemmer oder eine unbestimmte Allgemeinheit, abgeleitet.</p>
                    <p>Nicht weniger dressierend und ironisch verfährt die selbstreferentielle
                        Erzählstimme mit dem <quote source="#ref_Jelinek1986-189">tragische[n] Held
                            Klemmer, der für diese Rolle eigentlich noch zu jung ist</quote> (<ref
                            type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-189">Jelinek
                            1986: 189</ref>), dieser Rolle mit seinem zwischen Pathos und
                        Oberflächlichkeit gezeichneten Wesen aber fast schon gerecht wird.
                        Schließlich aber denkt er sich nach der Vergewaltigung von Erika doch in die
                        Rolle des Gewinners: <quote source="#ref_Jelinek1986-321b">Walter Klemmer
                            tritt über die Schwelle Erika in die Freiheit hinaus.</quote> (<ref
                            type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-321b">Ebd.:
                            321</ref>) Er verlässt, nachdem er Erika, <quote
                            source="#ref_Jelinek1986-314">[d]ieses Motiv für Witzblätter</quote>
                            (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-314"
                            >ebd.: 314</ref>), vergewaltigt und zugerichtet auf dem Boden
                        zurücklässt und ihr unbeeindruckt ein paar unbrauchbare Lebensweisheiten zum
                        Abschied mitgibt, <quote source="#ref_Jelinek1986-327">spring[end]</quote>
                            (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-327"
                            >ebd.: 327</ref>) die Wohnung der Familie Kohut. Doch wie es dem
                        tragischen Helden eigen ist, ist Klemmers Vergewaltigung nach seinem
                        Ermessen nicht selbstverschuldet – <quote source="#ref_Jelinek1986-325"
                            >durch [Erikas] Schuld ist er in einen solchen Zustand geraten</quote>
                            (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-325"
                            >ebd.: 325</ref>). Das nicht vorhandene Reflexionsvermögen und die
                        ambivalenten Intentionen der Figuren bestätigen die Aussage von Alexandra
                        Tacke, dass die Figuren <quote source="#ref_Tacke2013-96b">über keine
                            psychologische Tiefe verfügen, sondern dehumanisierten Prototypen
                            gleichen, auf deren Oberfläche die unterschiedlichsten Diskurse
                            projiziert werden</quote> (<ref type="bibl" target="#Tacke2013"
                            xml:id="ref_Tacke2013-96b">Tacke/Janke 2013: 96</ref>).</p>
                    <p>Wiederholt fehlen in der direkten Rede die Anführungszeichen, während
                        erzähltechnisch unerwartet die Perspektive wechselt: <quote
                            source="#ref_Jelinek1986-265">Klemmer will an Erika keine Quälereien
                            vollziehen, er sagt, so haben wir nicht gewettet, Erika. Erika erbittet
                            sich, daß er bittschön sämtliche Stricke und Seile so fest knotet, daß
                            du selbst diese Knoten kaum aufbringst.</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-265">Jelinek 1986:
                            265</ref>) Im Zusammendenken mit den Verkleidungs- und Gewaltfantasien
                        Erikas, den von eigener Hand <quote source="#ref_Jelinek1986-104"
                            >zerschnittenen Fleischhälften</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-104">Jelinek 1986:
                            104</ref>) ihres Geschlechts und den fehlenden Anführungszeichen, zeigt
                        sich erzählerisch und stilistisch das beschnittene „Frl. Kohut“. Eine
                        Entmündigung aufgrund des Geschlechts zeigt sich zudem in den <quote
                            source="#ref_Jelinek1986-41">kieselsäurig erstarrten Schamlippen der
                            beiden Altfrauen</quote> (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986"
                            xml:id="ref_Jelinek1986-41">ebd.: 41</ref>). Die Katachrese der
                        „erstarrten Schamlippen“ bewirkt eine Engführung von weiblicher Scham und
                        Sprechen, womit die Erstarrung der Sprache der Frauen und die verblasste
                        Bedeutung hinter dem Begriff selbst, die weibliche Scham in der organischen
                        Form von Lippen, betont wird.</p>
                    <p>Durch die ambivalente Rollenzeichnung macht Jelinek auf die ständige und
                        vielgestaltige Existenz der Erzählstimme aufmerksam, die es den Figuren an
                        keiner Stelle erlaubt, unvermittelt das Wort erhalten. Diese werden so als
                        flächige Marionetten entlarvt, auf deren Folie durch die Imitation
                        konstruierter Alltagsmythen und ironisch überspitzten Darstellungen
                        gesellschaftliche Diskurse im Stil von Erikas Kleidersammlung <quote
                            source="#ref_Degner2013-114">ausgeführt, ja förmlich aufgeführt</quote>
                            (<ref type="bibl" target="#Degner2013" xml:id="ref_Degner2013-114"
                            >Degner/Janke 2013: 114</ref>) werden: Das <quote
                            source="#ref_Jelinek1986-241c">Zirkuspferd</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-241c">Jelinek 1986:
                            241</ref>) Erika als verzerrtes Spiegelbild männlicher
                        Weiblichkeitsvorstellungen, gepaart mit mütterlich aufoktroyierter
                        phallischer Leitmotivation und Klemmer, das <quote
                            source="#ref_Jelinek1986-314b">Motiv für einen großen Roman</quote>
                            (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-314b"
                            >ebd.: 314</ref>) als ebenso ambivalente und abhängige Spielpuppe, der
                        aber dennoch mit dem Gefühl der Oberhand verbleibt.</p>
                </div>
            </div>
            <div xml:id="wdr06_04-05">
                <head>5. Fazit: Kein Platz im Kleid der Sprache</head>
                <p>Während das <quote source="#ref_Jelinek1986-130b">affig</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-130b">Jelinek 1986: 130</ref>)
                    verkleidete und domestizierte Tier unter der knallenden Peitsche seines
                    Dompteurs Kunststücke aufführt, führt die Erzählstimme in <hi rend="italic">Die
                        Klavierspielerin</hi> mit ihren Sprachkostümen sowohl den einen als auch das
                    andere vor. Mit der Sprache als Verkleidung eines Ausdrucks und als Fixpunkt des
                    Chaos, die mit Begriffen etwas zu greifen sucht und im Akt des Verkleidens
                    selbstreferentiell auf sich verweist, analysiert Elfriede Jelinek in <hi
                        rend="italic">Die Klavierspielerin</hi> die androzentristisch konstituierte
                    Sprache selbst. In der Fusion des „Was“ mit dem „Wie“, des materiellen Kleides
                    mit dem kleidenden Wort, verdeutlicht und multipliziert sich die mimetische,
                    artifizielle und performative Wirkweise der wechselseitig einflussnehmenden
                    Medien Sprache und Mode. So performt die dressierende Erzählerin die
                    Alternativlosigkeit der Rolle und Sprache der Frau als das vom patriarchalen
                    System abgeleitete Andere. In dieser konditionierenden Dressur, der
                    stilistischen und erzähltechnischen Verkleidung scheint Erika gleich ihrer
                    Fantasie gänzlich zu verschwinden: <quote source="#ref_Jelinek1986-235">Entsetzt
                        malt Erika sich aus, wie sie als ein Meter fünfundsiebzig großes
                        unempfindliches Loch im Sarg liegt und sich in der Erde auflöst; das Loch,
                        das sie verachtete, vernachlässigte, hat nun ganz Besitz von ihr ergriffen.
                        Sie ist Nichts. Und nichts gibt es mehr für sie.</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-235">Ebd.: 235</ref>)</p>
                <p>Erikas Todesfantasien weisen auf die Zukunft hin, die ihr mit Klemmer bevorsteht.
                    Der gegen ihr eigenes Bedürfnis nach Liebe gerichtete Versuch, sexuell
                    gleichermaßen die ihr auferlegte kontrollierende Rolle des Phallus und die
                    untergeordnete Rolle der Frau einzunehmen, mündet schließlich in ihrem Wunsch,
                    unter dem Begehren des Mannes ausgelöscht zu werden. So vollendet Erika ihre in
                    der Sprachinszenierung und durch die Dressur der Erzählstimme non-existente
                    Rolle als Frau in <hi rend="italic">Die Klavierspielerin</hi>.</p>
                <p>In ihrer Performance als Dresseurin nimmt die Erzählstimme anhand der Metapher
                    des Kleides mimetisch Alltags- und Trivialmythen auf, sodass deren konstruierte
                    Relationalität zum Vorschein kommt. Mittels Ironie, semantischer Verschiebung,
                    Polysemie und Wiederholungen entleert Jelinek die Sprache ihrer sexualisierenden
                    Konnotationen, die schließlich, wie die Figuren, <quote
                        source="#ref_Janz1990-82e">als leere Hülle zurück[bleibt].</quote> (<ref
                        type="bibl" target="#Janz1990" xml:id="ref_Janz1990-82e">Janz 1990:
                    82</ref>) Das Spielen und Spiegeln der sprachlichen Wirkungsweise verstrickt
                    sich mit dem narratologischen Rollenspiel, durch das die männliche Idee des
                    Weiblichen durch die verschiedenen Funktionen, den Herausstellungs- und
                    Anpassungsmechanismen der Mode mimetisch demonstriert wird. So auch, wenn in der
                    rasant changierenden Fokalisierung der ersten und dritten Person, der
                    Verschmelzung unmarkierter direkter und indirekter Rede durch ständige
                    Kommentare der Erzählstimme keine integren Figuren mehr auszumachen sind und
                    wenn die Figur Erika sprachlich zu den löchrigen Kleiderfetzen ihrer sexuellen
                    Fantasien mutiert. Unterdessen verweist Jelinek beständig auf den
                    Konstruktionscharakter der Erzählstimme, der sie ihre Figuren unterwirft: <quote
                        source="#ref_Jelinek1986-107">Das denkt sich Erika aus.</quote> (<ref
                        type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-107">Jelinek 1986:
                        107 oder 108</ref>) Damit wird erzähltechnisch die Abhängigkeit performiert,
                    in der Jelineks Frauenfiguren gegenüber dem phallogozentrischen System nach
                    Marlies Janz stehen und wodurch mit der Metapher des Kleides das <quote
                        source="#ref_Barthes1985-31c">normative […] Gesetz</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Barthes1985" xml:id="ref_Barthes1985-31c">Barthes 1985: 31</ref>)
                    der Mode inszeniert wird, das von der Frau erwartet, <quote
                        source="#ref_Barthes1985-248">unbedingt feminin, auf jeden Fall jung [und]
                        selbstsicher [zu sein] und gleichwohl eine widersprüchliche
                        Persönlichkeit</quote> zu verkörpern, die <quote
                        source="#ref_Barthes1985-248">sublim und kindisch zugleich</quote> (<ref
                        type="bibl" target="#Barthes1985" xml:id="ref_Barthes1985-248">ebd.: 266 u.
                        248</ref>) ist.</p>
                <p><quote source="#ref_Jelinek1986-331">Ein Männerauge signalisiert Erika, sie
                        sollte nicht so ein kurzes Kleid tragen</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-331">Jelinek 1986: 331</ref>)
                    – im Roman hat die Frau keinen Platz im <quote source="#ref_Jelinek1986-330"
                        >veraltet[en]</quote>, im <quote source="#ref_Jelinek1986-330">zu
                        kurz[en]</quote> und <quote source="#ref_Jelinek1986-330">zu eng[en]</quote>
                        (<ref type="bibl" target="#Jelinek1986" xml:id="ref_Jelinek1986-330">ebd.:
                        330</ref>) Kleid der androzentristischen Sprache, das sie in ihren
                    präformierten Rahmen zwängt. Doch: Der formende Körper verschwindet im schlaffen
                    Kleid und das Signifikat verliert seine konstituierende Kraft im entleerten
                    Signifikanten. Mit dem Motiv der bedeutungsgenerierenden Mode, mit dem die Frau
                        <quote source="#ref_Barthes1985-260">dergestalt ‚inszeniert‘ wird, daß das
                        einfache Attribut der Person – sprachlich in Form eines Adjektivs – ihr
                        ganzes Sein in der Tat absorbiert</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Barthes1985" xml:id="ref_Barthes1985-260">Barthes 1985: 260</ref>),
                    wird in <hi rend="italic">Die Klavierspielerin</hi> der Versuch veranschaulicht,
                    in eine Sprache und ein Sprechen zu passen, das ihr vom patriarchalen System
                    vorgegeben wird, ohne sich dabei gänzlich von diesem lösen zu können.</p>
                <p>Trotz der scheinbaren Ausweglosigkeit einer von der phallogozentrischen Ordnung
                    losgelösten Sprache und Konnotation der Frau, wirkt Jelineks <hi rend="italic"
                        >Klavierspielerin</hi> mit der Dekonstruktion der Wirkweise von Mythen
                    anhand ihrer Figurensteuerung durch die Erzählerin der Reproduktion
                    sexualisierter Stereotype und der mithin stereotypisch aufgeladenen Sprache
                    entgegen, wie sie selbst formulierte: <quote source="#ref_Jelinek1984-14">damit
                        kein Gras mehr wächst, wo meine Figuren hingetreten sind.</quote> (<ref
                        type="bibl" target="#Jelinek1984" xml:id="ref_Jelinek1984-14">Jelinek 1984:
                        14</ref>)<space unit="line" n="5"/></p>
            </div>
        </body>
        <back>
            <div type="bibliography">
                <listBibl>
                    <bibl xml:id="Babka2014">Babka, Anna (2014): Frauen.Schreiben - Jelinek.Lesen,
                        in: Wei, Liu/Müller, Julian (Hg.): Frauen. Schreiben (Referate der Tagung
                        „Frauen.Schreiben – Österreichische und chinesische Autorinnen im
                        interkulturellen Vergleich“). Wien: Praesens Verlag, S. 15–50.</bibl>
                    <bibl xml:id="Barthes1985">Barthes, Roland (1985 [1967]): Die Sprache der Mode.
                        Frankfurt a.M.: Suhrkamp.</bibl>
                    <bibl xml:id="Degner2013">Degner, Uta (2013), Mythendekonstruktion, in: Janke,
                        Pia (Hg.): Jelinek-Handbuch. Stuttgart: Metzler, S. 41–46.</bibl>
                    <bibl xml:id="Degner2015">Degner, Uta/Gürtler, Christa (2015): Mode als
                        ästhetische Praxis. Zur poetologischen Relevanz von Kleiderfragen bei
                        Elfriede Gerstl und Elfriede Jelinek, in: Gürtler, Christa/Hausbacher, Eva
                        (Hg.): Kleiderfragen: Mode und Kulturwissenschaft. Bielefeld:
                        transcript-Verlag, S. 97–116. DOI: 10.14361/9783839428191.</bibl>
                    <bibl xml:id="Degner2021">Degner, Uta/Gürtler, Christa (Hg.) (2021): Elfriede
                        Jelinek: Provokationen der Kunst. Berlin/Boston: De Gruyter. DOI:
                        10.1515/9783110742435.</bibl>
                    <bibl xml:id="Doll1994">Doll, Annette (1994): Mythos, Natur und Geschichte bei
                        Elfriede Jelinek. Eine Untersuchung ihrer literarischen Intentionen.
                        Stuttgart: Verlag für Wissenschaft und Forschung.</bibl>
                    <bibl xml:id="EderVogel2010">Eder, Thomas/Vogel, Juliane (Hg.) (2010): Lob der
                        Oberfläche. Zum Werk von Elfriede Jelinek. München: Fink.</bibl>
                    <bibl xml:id="Fliedl2013">Fliedl, Konstanze (2013): Narrative Strategien, in:
                        Janke, Pia (Hg.): Jelinek-Handbuch. Stuttgart: Metzler, S. 47–56.</bibl>
                    <bibl xml:id="Gürtler1990">Gürtler, Christa (Hg.) (1990): Gegen den schönen
                        Schein. Texte zu Elfriede Jelinek. Frankfurt a.M.: Verlag Neue
                        Kritik.</bibl>
                    <bibl xml:id="Hanssen1996">Hanssen, Beatrice (1996): Elfriede Jelinek’s Language
                        of Violence, in: New German Critique 68, S. 79–112. DOI:
                        10.2307/3108665.</bibl>
                    <bibl xml:id="Janz1990">Janz, Marlies (1990): Falsche Spiegel, in: Gürtler,
                        Christa (Hg.): Gegen den schönen Schein. Texte zu Elfriede Jelinek.
                        Frankfurt a.M.: Verlag Neue Kritik, S. 81–97.</bibl>
                    <bibl xml:id="Jelinek1986">Jelinek, Elfriede (1986): Die Klavierspielerin.
                        Hamburg: Rowohlt.</bibl>
                    <bibl xml:id="Jelinek1984">Jelinek, Elfriede (1984): Ich schlage sozusagen mit
                        der Axt drein, in: TheaterZeitSchrift 7, S. 14–16.</bibl>
                    <bibl xml:id="Jelinek1990">Jelinek, Elfriede (1990): Ich möchte seicht sein, in:
                        Gürtler, Christa (Hg.): Gegen den schönen Schein. Texte zu Elfriede Jelinek.
                        Frankfurt a.M.: Verlag neue Kritik, S. 157–161.</bibl>
                    <bibl xml:id="Jelinek2012">Jelinek, Elfriede (2012): Die Straße. Die Stadt. Der
                        Überfall. Abgerufen von <ref
                            target="https://original.elfriedejelinek.com/fstrasse.html"
                            >original.elfriedejelinek.com/fstrasse.html</ref>, Zugriff am
                        22.08.2024.</bibl>
                    <bibl xml:id="Lindhoff1995">Lindhoff, Lena (1995): Einführung in die
                        feministische Literaturtheorie. Stuttgart: Metzler.</bibl>
                    <bibl xml:id="deMan1988">de Man, Paul (1988): Allegorien des Lesens. Frankfurt
                        a.M.: Suhrkamp.</bibl>
                    <bibl xml:id="Millner2013">Millner, Alexandra (2013): Schreibtraditionen, in:
                        Janke, Pia (Hg.): Jelinek-Handbuch. Stuttgart: Metzler, S. 36–41.</bibl>
                    <bibl xml:id="Posselt2005">Posselt, Gerald (2005): Katachrese: Rhetorik des
                        Performativen. München: Fink.</bibl>
                    <bibl xml:id="Samel1995">Samel, Ingrid (1995): Einführung in die feministische
                        Sprachwissenschaft. Berlin: E. Schmidt.</bibl>
                    <bibl xml:id="Svandrlik2013">Svandrlik, Rita (2013): Patriarchale Strukturen,
                        in: Janke, Pia (Hg.): Jelinek-Handbuch. Stuttgart: Metzler, S.
                        267–271.</bibl>
                    <bibl xml:id="Tacke2013">Tacke, Alexandra (2013): Politisches und feministisches
                        Engagement, in: Janke, Pia (Hg.): Jelinek Handbuch. Stuttgart: Metzler, S.
                        9–21.</bibl>
                    <bibl xml:id="Vinken2015">Vinken, Barbara (2015): Männer sind die neuen Frauen:
                        Unisex oder Cross Dressing?, in: Gürtler, Christa/Hausbacher, Eva:
                        Kleiderfragen. Mode und Kulturwissenschaft. Bielefeld: transcript Verlag, S.
                        11–27.</bibl>
                    <bibl xml:id="Vogel2010">Vogel, Juliane (2010): ‚Ich möchte seicht sein.‘
                        Flächenkonzepte in Texten Elfriede Jelineks, in: Eder, Thomas/Vogel, Juliane
                        (Hg.): Lob der Oberfläche. Zum Werk von Elfriede Jelinek. München:
                        Fink.</bibl>
                </listBibl>
            </div>
        </back>
    </text>
</TEI>
