
Zeitschrift für Germanistik und Gegenwart
Walter Fanta
Musil Goes Cyberwar
Zu Robert Musils Romanprojekt Der Spion (2. Teil)Lizenz:
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Wiener Digitale Revue 7 (2025)
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Top of pageDie Spionage im Update 2005
Beim jahrzehntelangen Schreiben am Mann ohne Eigenschaften beschleicht Musil das Gefühl, sein Schreiben bewegt sich langsamer als der Gang der Geschichte. Er gewinnt den Eindruck, das Buch sei „unter der Hand ein historischer Roman geworden“ (Musil Nachlass: M-II/1/61), aber die Geschichte habe den Roman mittlerweile wieder eingeholt. Das Jahr 1933 interpretiert Musil als noch grässlichere Wiederholung von 1914. Den Ersten Teil des Zweiten Buchs schließt er 1932 als Warnschrift mit zahlreichen Anspielungen auf den neuen Massenrausch im Schatten der Ausschaltung der Demokratie durch den Nationalsozialsozialismus in Deutschland ab; die Ereignisse von 1933 mit ihrer Wucht und Eindeutigkeit zwingen ihn, sich die Aussichtslosigkeit seines Unterfangens einzugestehen. Dass gegen Hitler mit einem Buch in der Hand nichts auszurichten sei, diese resignative Einsicht überwindet Musil schließlich in mühsamen Gedankenoperationen. Statt eine doppelte Historisierung seines Plots zuzulassen – das Finale als Spiegel von 1914 und 1933 –, wendet er sich darauf, das Zeitalter des Kollektivismus – mit diesem Begriff fasst er Faschismus und Kommunismus zusammen – mit der Utopie der induktiven Gesinnung zu bekämpfen. Das Gedankenexperiment bleibt ein innerer Dialog, nichts dringt aus dem Laboratorium der tausend Manuskripte nach außen und kaum etwas nimmt erzählerisch konkret Gestalt an. Dass Musil mehr beobachtet und abwartet, als dass er schreibt, fördert die Retardierungen im Denken über den neuen Kriegsausbruch und den noch größeren kulturellen Zusammenbruch, den dieser bedeutet. Er möchte den Ausgang der gegen die Realität gerichteten Utopien – also den Ausgang des Romans – vom Ausgang des gewaltigen äußeren Ringens abhängig machen, das in der global-politischen Realität vor seinen Augen abläuft.
Das innere Ringen Musils um die ästhetisch richtige Form der Darstellung dieses äußeren Ringens ist erst durch die lückenlose Gesamtveröffentlichung des Nachlasses Musils wirklich sichtbar geworden. Musil hat selbst die Chancen auf die Rezeption des letztlich unverwirklichten Romanausgangs so eingeschätzt, wie dies Norbert C. Wolf, ein Angehöriger der zukünftigen Lesergeneration, wohl treffend formuliert: Die Utopie der „Möglichkeit von Glück und Liebe in der Moderne“ vor dem Hintergrund „des bisher größten Gewaltexzesses der Geschichte“ sei für zukünftige Generationen geschrieben worden; darum auch hat Musil „solche Schwierigkeiten mit dem Abschluss des Romans“ (Wolf 2011: 997). Die im Nachlass verstreuten Hinweise auf die Spionage-Handlung sind erst seit 1993, dem Erscheinen der CD-ROM mit der Gesamttranskription des Nachlasses, zugänglich.
An der Schwelle des 21. Jahrhunderts eröffnen sich neue Lektüre-Perspektiven unter Einschluss der Erfahrungen mit Geheimdiensten in der Zeit des Kalten Krieges und der angebrochenen Post-Cold-War-Ära. Dem trägt die ebenso ungewöhnliche wie aufwändige zwanzigstündige Hörspiel-Produktion des Bayerischen Rundfunks Rechnung, der Remix des Mann ohne Eigenschaften. Auf wissenschaftlicher Grundlage berücksichtigt der Remix alle wichtigen Pläne und Entwürfe, die Musil bis zu seinem Tod für den Abschluss des Romans in Erwägung zog, und präsentiert damit erstmals eine künstlerische Darstellung des Schreibexperiments Der Mann ohne Eigenschaften in seiner Gesamtheit. In den Jahren 2003/2004 zeichnete der Bayerische Rundfunk Interviews, Gespräche und Statements von Kritikern, Musil-Forschern und Autoren auf, um diese im Remix als Material zu verwenden und zu den originalen Texten Musils in Bezug zu setzen (Agathos/Kapfer 2004: 9–12).
Der Rezeptionsansatz inszeniert den Schreibprozess und dialogisiert ihn regelrecht, dies geht so weit, beim Ringen um Ulrichs Entscheidung im Romanausgang dem Autor eine konkrete Stimme zu geben, die Stimme Musil sagen zu lassen, was Ulrich tun wird, um am Ende nicht Spion zu werden, um das Fallenlassen der Spionage-Handlung in Galizien in den Worten von Musils handschriftlichen Notizen zu begründen:
MUSIL: Umfassendes Problem: Krieg.
Die Parallelaktion führt zum Krieg!
Seinesgleichen führt zum Krieg.
Krieg als: Wie ein großes Ereignis entsteht. […]
Entsteht (wie Verbrechen) aus all dem, was die Menschen sonst in kleinen Unregelmäßigkeiten abströmen lassen.
AGATHE: ‚Wir sind die letzten Romantiker der Liebe gewesen.‘
ULRICH: ‚Bedürfnisse und Lebensformen des Genies sind andere als die der Masse.‘
MUSIL: Individualist mit dem Bewusstsein der Unmöglichkeit dieses Standpunktes.
Geht nicht in die Schweiz, weil er kein Vertrauen in irgendeine Idee hat.
Sieht es als seinen Selbstmord an. (Agathos/Kapfer 2004: 485)
Für das Auditorium bieten die Dialoge mit Musils Originaltexten eine äußerst abstrakte Darstellungsform für den ethischen Zwiespalt, in der sich der Einzelne angesichts der Legitimitätsfragen befindet, die Krieg–Frieden, militärische Gewalt und geheimdienstliche Abwehr stellen. Um dem Beitrag von Musils Roman zu diesem Diskurs mehr Plastizität zu verschaffen, veröffentlicht einer der Mitwirkenden als ein Abspaltungs-Produkt des Remix von 2004 gemeinsam mit der Regisseurin Bernadette Sonnenbichler 2005 im Wiener Sonderzahl-Verlag ein Update von Robert Musils ‚Mann ohne Eigenschaften‘, das Skript des imaginären Spielfilms mit dem Titel Ulrich und Agathe im Kino (Fanta/Sonnenbichler 2005). Die Romanhandlung von 1913/1914 ist in das Genre Thriller in die Post-Cold-War-Gegenwart verpflanzt, in dem das Spion-Sujet in subtiler Weise wieder einen Platz bekommt.
So wie der kühle Mathematiker Ulrich in Musils Roman ein Jahr Urlaub vom Leben genommen hat, das heißt, aus der sozialen Ordnung ausgestiegen ist, und sich dann von ihr wieder einfangen und gegen seinen Willen instrumentalisieren lässt, also potentiell Spion bleibt, individualistischer Späher, Theorie-Finder, Geheimnisverräter, genauso juckt es den verhinderten Aussteiger Ulrich im Film, „unfreiwilliger Sekretär der ‚Europäischen Aktion‘, athletisch“ (Fanta/Sonnenbichler 2005: 9), der globalen Ordnung ein Schnippchen zu schlagen. Schon das Figurenverzeichnis lässt manches erahnen: Arnheim ist „US-Bürger, general manager und Miteigentümer eines multinationalen Konzerns“ (ebd.: 7), Leinsdorf ist „Otto, über 80, Paneuropäer, Grandseigneur der europäischen Politik, konservativer Abgeordneter in Straßburg“ (ebd.: 8), Rachel ist „Au-pair-Mädchen im Hause Tuzzi, […] neugierig, tatsächlich Doppelagentin“ (ebd.: 9), Tuzzi „Sizilianer, Diplomat, EU-Sonderbotschafter für Südosteuropafragen in Wien“ (ebd.) und Stumm „deutscher NATO-General, inoffiziell mit der Mission betraut, die österreichische Neutralität im Fall einer Nato-Intervention am Balkan abzuklären“ (ebd.). Man sieht, es ist alles angerichtet für den Worstcase einer globalen Krise mit Kriegsfolge, Dritter Weltkrieg mit Ausbruchsherd am Balkan. Die vier Männer versuchen die pure Intelligenz Ulrich für ihre jeweils sinistren Zweck zu instrumentalisieren. Im Showdown des Thrillers gelingt es Ulrich nicht länger, sich zu entziehen, in Analogie zu Musils unausgeführten Plänen für das Finale seines Romans gerät er aus Folge seiner erotischen Eskapaden mit Gerda und Clarisse und seiner Verwicklung in den Fall des Frauenmörders Moo[sbrugger] – dessen missglückte Befreiung aus der psychiatrischen Anstalt – in die Fänge des Militärs, schließlich wird ihm die inzestuöse Beziehung mit seiner Schwester Agathe zum Verhängnis, der NATO-General zwingt ihn zum Eintritt in den Intelligent Service der NATO.
Der Film läuft wieder zur Großaufnahme des Gesichts Moos.
Stumm (off): Ganz genau: Wer hat ihr Unterschlupf verschafft? Wer ist der versteckte Auftraggeber der wahnsinnigen Befreiung dieses Irren? Du bist der, der hinter diesem geplanten Lynchmord steckt! Du!
Ulrich lacht bitter auf: Das glaubst du ja selbst nicht.
Stumm hält die Akten hoch: Briefe. Mit deiner Unterschrift. Alles in der Causa Moo.
Ulrich: Die habe ich nicht geschrieben.
Stumm hält die Hülle mit dem Zettel in die Kamera.
Ulrich: Das ist der Zettel, den ich dir gegeben habe.
Stumm: Er hat deine Fingerabdrücke. Und ihre.
Der General hebt den Zeigefinger gegen die Kamera. Schwenk zu Rachel, die hinter Ulrich eingetreten ist.
Ulrich dreht sich um: Rachel?
Stumm ungerührt: … und einen Inhalt, der, sagen wir mal, kompromittiert.
Ulrich zu Rachel: Ich habe gedacht, Sie arbeiten für die Russen?
Stumm singt: Wir haben sie umgedreht.
Ulrich will gehen: Das kümmert mich alles nicht.
Stumm ruhig: Warte. Die Geschichte mit dem Testament.
Ulrich: Testament?
Stumm: Na dass dein Schwager leer ausgeht. Und hier …
Fotos von Ulrich und Agathe groß am Monitor, eine Collage intimer Posen.
Ulrich blass.
Stumm seufzt: Inzest ist kein Delikt. Aber im Zusammenhang mit – ihm. Schwung-Hagauer am Monitor.
Ulrich ballt atemlos die Fäuste.
Stumm: Ich weiß, was du denkst: Nichts wie weg. Aber du sollst dich rehabilitieren können.
Ulrich: Was willst du?
Stumm: Deine Begabung für Logistik. (Fanta/Sonnenbichler 2005: 155–156)
Ein Sinn des Films besteht darin, Musils Ausspähen der Kriegsursachen präsent zu halten. Gerade diejenigen seiner Gedanken zur Kriegsentstehung, die der Autor nicht mehr in die Form des Romans gebracht hat – dazu gehört das Spionage-Sujet –, fordern dazu heraus, sie weiter zu denken, Musils unfertigen Roman aus dem Material weiter zu schreiben, nicht unbedingt, ihn fertigzustellen, aber die Kriegsbedrohung der eigenen Tage in die Lektüre zu projizieren, im Sinn von Musils Möglichkeitssinn – das könnte jeder Leser. Das Ende des Films zeigt, dass der Mann ohne Eigenschaften Anfang des 21. Jahrhunderts in einen Krieg gehen muss, den die NATO gegen Russland führen muss. Zu diesem Szenario äußerst sich NATO-General Stumm von Bordwehr gegenüber dem US-Rüstungsindustriellen Arnheim in der Anschlussszene zur oben zitierten in bemerkenswerter Weise wie folgt:
Wissen Sie was, Mister Arnheim. Ich habe durch meine Teilhabe an der Europäischen Aktion sehr viel gelernt. Darüber zum Beispiel, wie Diskurse funktionieren. Dieser Krieg aber, in dem wir jetzt stehen, muss fern aller Diskurse laufen. Er muss in der Stratosphäre entschieden werden, wo die NATO das operative Übergewicht besitzt. Wir müssen alles daran setzen, dass dieser Krieg, der abstrakteste Krieg aller Zeiten, Mister Arnheim, dass dieser Krieg vom Diskurs ferngehalten wird. (Ebd.: 156–157)
Intelligent Service und Artificial Intelligence 2024
Die ideale Repräsentanz des Geheimdiensts, in seiner Muttersprache Intelligent Service genannt, ist in dem Zeitalter, das gerade erst begonnen hat, Artificial Intelligence. Musils Achilles von 1918 verkörpert die perfekte formale Intelligenz, er ist der Mann ohne Gefühle, vor allem ohne das Gefühl der politischen Loyalität. Knapp mehr als hundert Jahre später ist der Kriegsmensch, den Musils Romanfigur sorgfältig ausstaffiert in einem Reisekorb zu Hause hält, aus Spaß, Wirklichkeit geworden, aus Spaß ernst geworden, es gibt sie ab nun wirklich, die künstliche Intelligenz, die uns fürderhin das Soldatenhandwerk aus der Hand nimmt, nicht bloß das geplante Töten (Precht 2021: 198–203). Auch der Intelligent Service wird ohne Artificial Intelligence nicht mehr auskommen. Musils Blick hat sich als ein fürwahr prophetischer bewiesen. Und da kommt auch die Parallelaktion wieder ins Spiel, das Bestreben halbamtlicher Stellen im alten Österreich, im Rahmen einer Großen Vaterländischen Aktion die größte Idee für den Weltfrieden zu finden. Das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA) – eigentlich nur seine Kulturabteilung – hat in Kooperation mit der Gesellschaft für Literatur in Wien, Herrengasse 5, anlässlich eines besonderen Jubiläums – „50 Jahre internationale Kulturarbeit für Österreich“ (Call Imagine Dignity 2023) – eine neue Initiative gestartet, „IMAGINE DIGNITY“, im Rahmen eines Literaturwettbewerbs „Zukunftsthemen noch stärker in den Fokus von Kunst und Kultur zu rücken“ und in einem Call zum Thema „Mensch/Natur/Künstliche Intelligenz: In welcher Welt wollen wir 2040 leben? […] Essays und literarische Prosa entstehen“ (ebd.) zu lassen. Mit ihrem Call haben der Sektionschef Thun-Hohenstein im BMEIA und Manfred Müller, der Leiter der Gesellschaft für Literatur, eine Bombe gezündet, ähnlich wie General von Stumm im Mann ohne Eigenschaften, mit dem Vorschlag, einen Weltfriedenskongress in der Hauptstadt Kakaniens zu inszenieren. Hat sich doch Österreich in Sachen Intelligent Services in den letzten Jahren kaum rühmlich hervorgetan, weder wenn man an Bundesminister a. D. Herbert Kickls Überfall auf die landeseigenen Services am 28. Februar 2018 denkt noch auch an den Meisterspion Mephisto alias Egisto Ott. In ihrem Call rufen Thun-Hohenstein und Manfred Müller unbeeindruckt und unerschrocken „Literaturschaffende, die in Österreich leben“ dazu auf, sich „mit nicht in Österreich lebenden und auch nicht die österreichische Staatsbürgerschaft besitzenden Schriftsteller*in[nen]“ (ebd.) zusammen zu tun und gemeinsam einen Essay oder literarischen Prosatext zu Fragen zu verfassen wie dieser: „Wie könnte Künstliche Intelligenz uns darin unterstützen, aus der Sackgasse zunehmender gesellschaftlicher Spaltung herauszufinden und die Weichen für neuen humanistischen Zusammenhalt in einer mehr-als-menschlichen Welt zu finden?“ (Ebd.)
Dies lassen sich Männer wie der Musil-Herausgeber Walter Fanta und der Musil-Übersetzer Andy Jelćić nicht zweimal sagen, steht doch bei Musil der Gegenbegriff zu Intelligenz hoch im Kurs, im digitalen Korpus kommt Intelligenz 352-mal vor, 1062-mal das Wort Dummheit. Für das Autoren-Duo Jelćić/Fanta ist es in Folge dessen ein Leichtes gewesen, mit Musils kongenialem, intelligenten Ausspielen menschlicher Dummheit gegen die Intelligenz der menschlichen Kunst im Literaturwettbewerb zu reüssieren. In ihrer Projekteinreichung schreiben sie:
Genau am 6. November 2023, wenn die Jury ihre Entscheidung trifft, wird sich der Geburtstag Robert Musils zum 143. Mal gejährt haben. Robert Musil hat wie kein anderer in der österreichischen Literatur die Rolle der menschlichen Intelligenz als Kunst des Denkens auch durch ihr Gegenteil, die natürliche Dummheit der Menschen, beschrieben. Nicht nur in seiner „Rede über die Dummheit“ (1937), auch in der politischen Handlung des Romanfragments „Der Mann ohne Eigenschaften“ […] geht es im Grunde um nichts anderes als um das Versagen der Intelligenz und die katastrophalen Auswirkungen der Dummheit. Nun haben sich Andy Jelčić, kroatischer Musil-Übersetzer und literarischer Autor, und Walter Fanta, österreichischer Musil-Herausgeber und literarischer Autor, zusammengetan, um unter dem obgenannten Titel in einem gemeinsamen Schreibprojekt eine zeitgemäße literarische Paraphrase auf Musils Intelligenz und Dummheit zu liefern. Der Projekttitel ist dabei durchaus mehrdeutig zu verstehen, unter anderem auch als „Sieg über die Dummheit“ oder „was über die Dummheit bei Musil hinausreicht“. (Jelćić/Fanta 2023)
Der Beitrag von Walter Fanta ist Teil seines aktuellen Romanprojekts Friedhof 2048 (Fanta 2025). In ihm erzählt ein 80-jähriges Ich im Jahr 2048 in einer Welt, in der jeder im Netz eine digitale Identität hat und das Netz die Kontrolle übernommen hat, von seiner Beteiligung an der Entwicklung eines Kunstmenschen. Als im Konflikt zwischen den USA und China gedroht wird, taktische Nuklearwaffen einzusetzen, und zugleich mehrere Kipppunkte der ökologisch-ökonomischen Krise erreicht sind, um die Welt und sich selbst vor der Vernichtung zu bewahren, hat der globale Zusammenschluss der Superintelligenzen die politischen Führungen entmächtigt. Die Transformation der politischen Systeme unter Beibehaltung der rituellen demokratischen Inszenierungen in eine Ordnung wird gezeigt, in der die K.I. menschlichen Politikern die Entscheidungsgewalt aus der Hand genommen hat. Dies ist nicht als Dystopie gemeint. Der Musil-Bezug: Musil thematisiert in seinen Texten, wie die natürliche Intelligenz zwei Mal (1914 und 1933) versagt und Katastrophen produziert hat; 2025–2049 bewahrt die Intelligenz die Welt vor der Katastrophe, aber die künstliche. Begonnen hat alles mit dem „Kladderadatsch von 1914“ (Fontana 1926: 1), mit der Erfindung von Achilles' Kriegsmenschen 1918, die Linie führt dann weiter zu dem von Musil 1923 entwickelten „Theorem der menschlichen Gestaltlosigkeit“ (Musil Nachlass: M-VII/11/15) und der von Musil 1937 gehaltenen Rede, als Hitler ante portas steht, Über die Dummheit (Musil 1937). Wir hören aber nicht auf, Musil zu lesen – und zu verstehen, dass im Einsatz von menschlicher Intelligenz, von Intelligent Services, sei es auch mit Artificial Intelligence, für das Ziel, Feinde zu identifizieren und zu vernichten, im Zuge der Globalisierung zunehmend etwas zutiefst Dummes steckt. Oder habe ich etwas falsch verstanden?
Literaturverzeichnis
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Literaturverzeichnis
- Agathos, Katharina/Kapfer, Herbert (2004): Robert Musil. Der Mann ohne Eigenschaften. Remix. München: Belleville.
- Call Imagine Dignity (2023): „Mensch / Natur / Künstliche Intelligenz: In welcher Welt wollten wir 2040 leben?“ Abgerufen von www.literaturdialoge.at/ausschreibung-imagine-dignity-2023, Zugriff am 21.03.2025.
- Fanta, Walter (2025): Ewiges Leben. Friedhof 2048. Roman der letzten Generation. Abgerufen von https://www.ewigesleben.at/start/erfundenes/#friedhof2048, Zugriff am 30.07.2025.
- Fanta, Walter/Sonnenbichler, Bernadette (2005): Ulrich und Agathe im Kino. Update. Robert Musils ‚Mann ohne Eigenschaften‘. Wien: Sonderzahl.
- Fontana, Oskar Maurus (1926): Was arbeiten Sie? Gespräch mit Robert Musil. In: Die Literarische Welt, 30.04.1926, H. 18, S. 1.
- Jelćić, Andy/Fanta, Walter (2023): Über die Dummheit. Abgerufen von https://www.literaturdialoge.at/ueber-die-dummheit, Zugriff am 21.03.2025.
- Musil, Robert: Nachlass. Zitiert wird die künftig jeweils aktuelle Online-Edition. M[appe]-Sigle bzw. H[eft]-Sigle. Abgerufen von www.edition.onb.ac.at/context:musil, Zugriff am 21.03.2025.
- Musil, Robert (1932): Der Mann ohne Eigenschaften. Zweites Buch – Erster Teil. Berlin: Rowohlt.
- Musil, Robert (1937): Über die Dummheit. Wien: Bermann-Fischer.
- Precht, Richard David (2021): Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens. München: Goldmann.
- Wolf, Norbert Christian (2011): Kakanien als Gesellschaftskonstruktion. Robert Musils Sozioanalyse des 20. Jahrhunderts. Wien: Böhlau.
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Abbildungsverzeichnis
- Abb. 1 – Robert Musil. Der Mann ohne Eigenschaften. Remix © Cover-Foto Walter Fanta
- Abb. 2 – Ulrich und Agathe im Kino. Update. Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“ © Cover-Foto Walter Fanta
- Abb. 3 – https://www.literaturdialoge.at/ueber-die-dummheit/ © Literaturdialoge, Österreichische Gesellschaft für Literatur
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