<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<?xml-model href="http://www.tei-c.org/release/xml/tei/custom/schema/relaxng/tei_jtei.rng" type="application/xml" schematypens="http://relaxng.org/ns/structure/1.0"?>
<?xml-model href="http://www.tei-c.org/release/xml/tei/custom/schema/relaxng/tei_jtei.rng" type="application/xml" schematypens="http://purl.oclc.org/dsdl/schematron"?>
<TEI xml:id="wdr01_02-05-Putz" xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" rend="wdr">
    <teiHeader>
        <fileDesc>
            <titleStmt>
                <title type="main">Bild als Beute</title>
                <title type="sub">Günther Anders’ Florenz-Tagebuch</title>
                <author>
                    <name>
                        <forename>Kerstin</forename>
                        <surname>Putz</surname>
                    </name>
                    <affiliation>Literaturmuseum, Literaturarchiv der Österreichischen
                        Nationalbibliothek</affiliation>
                    <email>kerstin.putz@onb.ac.at</email>
                    <idno type="ORCID"/>
                </author>
            </titleStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Wiener Digitale Revue</publisher>
                <date>2020</date>
                <availability>
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">
                        <p>For this publication, a Creative Commons Attribution 4.0 International
                            license has been granted by the author(s), who retain full
                            copyright.</p>
                    </licence>
                </availability>
                <idno type="DOI">10.25365/wdr-01-02-05</idno>
                <idno type="URL"
                    >https://journals.univie.ac.at/index.php/wdr/article/view/2927</idno>
            </publicationStmt>
            <seriesStmt>
                <title>Wiener Digitale Revue</title>
                <biblScope unit="issue">1</biblScope>
                <idno type="ISSN"/>
            </seriesStmt>
            <sourceDesc>
                <p>born digital</p>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
        <profileDesc>
            <langUsage>
                <language ident="de"/>
            </langUsage>
            <textClass>
                <keywords xml:lang="de">
                    <term xml:lang="de">Günther Anders</term>
                    <term xml:lang="de">Tagebuch</term>
                    <term xml:lang="de">Florenz</term>
                    <term xml:lang="de">Bildtheorie</term>
                    <term xml:lang="de">Medienkritik</term>
                </keywords>
            </textClass>
            <textClass>
                <keywords xml:lang="en">
                    <term xml:lang="en">Günther Anders</term>
                    <term xml:lang="en">diaries</term>
                    <term xml:lang="en">Florence</term>
                    <term xml:lang="en">image theory</term>
                    <term xml:lang="en">media criticism</term>
                </keywords>
            </textClass>
        </profileDesc>
        <revisionDesc>
            <listChange>
                <change when="2019-10-18">Converted from Word document</change>
                <change when="2020-09-26">Final corrections</change>
            </listChange>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text>
        <front>
            <div type="abstract" xml:lang="de">
                <p>Seine literarischen Tagebücher bezeichnete Günther Anders als <q rend="single-qm"
                        >Warnbilder</q>: Menetekel sollten sie sein, Schriften an der Wand, die in
                    die Zukunft zu weisen hätten, statt bloß Vergangenes aufzuzeichnen. Anhand der
                    Tagebuchaufzeichnungen aus Florenz <date>1954</date> aus dem Nachlass am
                    Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek soll gezeigt werden, wie
                    Anders in seinen Tagebuchtexten Argumente (vor-)formuliert, die sich später in
                    seinen genuin philosophischen Texten wiederfinden, wie also das Tagebuch zum
                    Ausgangspunkt theoretischer Überlegungen wird. Es erweist sich als eine der
                    Anders’schen, unakademischen <q rend="single-qm">Gelegenheitsphilosophie</q>
                    besonders adäquate Form: Die Themen seiner Philosophie wollte Anders, einem
                    programmatischen Okkasionalismus folgend, aus Alltag und Praxis, aus Gegenwart
                    und Zeitgenossenschaft, kurz aus den Forderungen des Tages beziehen.</p>
            </div>
            <div type="abstract" xml:lang="en">
                <p><title>Image as Prey. Günther Anders’ Florence Diary</title>: Günther Anders
                    called his literary diaries <q rend="single-qm" xml:lang="en">warning
                    images</q>: they were meant to be writings on the wall that were to point into
                    the future instead of simply recording past events. Using the 1954 diary entries
                    from Florence in the literary archive of the Austrian National Library, Kerstin
                    Putz’ contribution aims to show how Anders (pre-)formulates arguments in his
                    diary texts that will later resurface in this genuinely philosophical texts,
                    i.e. how the diary becomes the starting point of theoretical reflection. It
                    proves to be a form particularly suited to Anders’ non-academic <q
                        rend="single-qm" xml:lang="en">philosophy of occasion</q>: in the name of a
                    programmatic occasionalism, Anders aimed to take the subjects of his philosophy
                    from everyday life and practice, from the present and the contemporary, in
                    short, from the demands of the day.</p>
            </div>
        </front>
        <body>
            <p>Im Sommer <date>1954</date> bricht der Philosoph und Schriftsteller Günther Anders
                    (<date>1902</date>–<date>1992</date>) von Wien aus zu einer zweiwöchigen Reise
                nach Florenz auf; seine Reiseerfahrungen wird er in einem Tagebuch festhalten. Für
                Anders’ Arbeitsweise, ja seinen Denkstil ist die Tagebuchform geradezu
                charakteristisch: Er veröffentlichte Tagebücher aus der Zeit seines
                US-amerikanischen Exils (<date>1936</date>–50), seiner Remigration nach Europa
                    (<date>1950</date>), Aufzeichnungen seiner Reisen nach Hiroshima und Nagasaki
                    (<date>1958</date>), nach Auschwitz und in seine Geburtsstadt Breslau/Wrocław
                    (<date>1966</date>) (<ref type="bibl" target="#anders1966">vgl. Anders
                    1966</ref>, <ref type="bibl" target="#anders1967a">1967a</ref>, <ref
                    type="bibl" target="#anders1979">1979</ref>, <ref type="bibl"
                    target="#anders1982">1982</ref>, <ref type="bibl" target="#anders1985"
                    >1985</ref> und <ref type="bibl" target="#anders1986">1986</ref>).
                Unveröffentlicht gebliebene Tagbuchblätter und -notizen finden sich in Anders’
                Nachlass (<ref type="bibl" target="#anders1927">vgl. u.a. Anders 1927</ref>, <ref
                    type="bibl" target="#anders1942">Anders 1942</ref> und <ref type="bibl"
                    target="#anders1941">Anders 1941</ref>). Bevor im Folgenden auf das
                Florenz-Tagebuch und seine Bedeutung im Kontext der Anders’schen Bild- und
                Medientheorie eingegangen werden soll, mögen einige allgemeine Überlegungen zum
                Tagebuchgenre dessen Stellenwert für Anders erhellen.</p>

            <div xml:id="wdr01_02-05_01">
                <head>Warnbilder: Programmatisches zur Tagebuchform</head>
                <p>Günther Anders hat sich mehrfach programmatisch zur Tagebuchform und zu seiner
                    Praxis des Tagebuchschreibens geäußert. Seine eigenen, stets zur
                    Veröffentlichung bestimmten Tagebücher bezeichnete er als <quote
                        source="#ref_anders1984">Warnbilder</quote>
                    <ref type="bibl" target="#anders1984" xml:id="ref_anders1984" rend="brackets"
                        >Anders 1984</ref>, als Menetekel, die in die Zukunft zu weisen hätten,
                    statt bloß Vergangenes aufzuzeichnen. Es handle sich um <quote
                        source="#ref_anders1984-135">negative Tagebücher</quote>: Nicht das Gewesene
                    als Zeitloses fixieren sollen sie, auch nicht das Geschehene festhalten oder
                    verewigen, sondern das Gewesene qua Niederschrift regelrecht fortbeschwören, ja
                    als <quote source="#ref_anders1984-135">Künftiges</quote> – einer paradoxen
                    zeitlichen Logik folgend – <quote source="#ref_anders1984-135"
                        >ungeschehen</quote> machen <ref type="bibl" target="#anders1984"
                        xml:id="ref_anders1984-135" rend="brackets">Anders 1984: 135</ref>. Das
                    Zukünftige auf diese Weise zu retten heißt, ein solches <quote
                        source="#ref_anders1984-135">Bild</quote> zu zeichnen, das vor der
                    Wiederholung der Geschichte warnt: <quote source="#ref_anders1984-135">Fast
                        jedes <q rend="single-qm">So war es</q>, fast jedes <q rend="single-qm">Dies
                            hat sich so oder so abgespielt</q>, meint letztlich: <q rend="single-qm"
                            >So oder so darf es nicht noch einmal sein. Nicht noch
                        einmal.</q></quote>
                    <ref type="bibl" target="#anders1984" rend="brackets">Ebd.</ref> Dass damit die
                    Gräuel und Katastrophenerfahrungen des 20. Jahrhunderts angesprochen sind, ist
                    offenkundig: Als <quote source="#ref_anders1984-132">vertriebener Jude</quote>
                    habe Anders über <emph>sein</emph> und zugleich <emph>ein</emph>
                    <quote source="#ref_anders1984-132">Stück Gegenwartswelt</quote> Tagebuch
                    geführt, über dasjenige, was er, jedoch nicht nur er, erlebt habe <ref
                        type="bibl" target="#anders1984" xml:id="ref_anders1984-132" rend="brackets"
                        >ebd. 132 f.</ref>. Diese Erfahrungen der Vertreibung und Entrechtung, der
                    Flucht und des Exils machten ihn zu einem <quote source="#ref_anders1984-133"
                        >Barometer</quote>, an dem der <quote source="#ref_anders1984-133"
                        >Wetterstand der Epoche</quote> abgelesen werden könne <ref type="bibl"
                        target="#anders1984" xml:id="ref_anders1984-133" rend="brackets">ebd.
                        133</ref>. Jede und jeder aber sei ein solches Barometer. <emph>Seine</emph>
                    Erfahrungen, betont Anders, seien nicht einzigartig, nicht originell; seine
                    Tagebücher handelten darum <emph>von ihm</emph>, und zugleich <emph>nicht von
                        ihm</emph>. Nicht das Private, kein abgründiges Innenleben habe der
                    Tagebuchschreiber zu behandeln, sondern das Exemplarische; nicht das
                    Außergewöhnliche, sondern das Alltägliche – wobei der Alltag und seine Abgründe
                    aus einer <quote source="#ref_anders1985-213">unalltäglichen Perspektive</quote>
                    anvisiert werden müssten: Durch die Brille der Selbst- und Fremdbeobachtung
                    besehen, die sich der Tagebuchschreiber zu eigen macht, erscheint das
                    Selbstverständliche unselbstverständlich, das Alltägliche nicht länger
                    alltäglich. Der Modus, in dem Anders’ Tagebücher ein <quote
                        source="#ref_anders1985-213">Stück Gegenwartswelt</quote> geben wollen, ist
                    also jener der Reflexion qua Verfremdung und Distanzierung. Um Welt und Mitwelt,
                    das eigene wie das Erleben der anderen aufzuzeichnen, müsse man am Alltäglichen
                    teilnehmen und zugleich eine (paradox) distanzierte Position darin und dazu
                    einnehmen: Nur mit und in Distanz sei es möglich, das Gegenwärtige, gesehen
                    durch <quote source="#ref_anders1985-213">Tagebuchaugen</quote>
                    <ref type="bibl" target="#anders1985" xml:id="ref_anders1985-213"
                        rend="brackets">Anders 1985: 213</ref>, auch der Kritik zu unterziehen.</p>
                <p>Seine Tagebuchtexte, so viel wird deutlich, konzipierte Anders als Instrumente
                    der kritischen Reflexion sowie einer Art von Gesellschaftsdiagnostik, die er mit
                    den Selbstversuchen von Ärzten am eigenen Körper verglich <ref type="bibl"
                        target="#anders1984" xml:id="ref_anders1984-134" rend="brackets">vgl. Anders
                        1984: 134</ref>.<note xml:id="endnote_01"><p><quote
                                source="#ref_anders1984-134">Wenn diese [die Ärzte; K.P.] ihre
                                Reaktionen auf unerprobte Mittel beobachten und registrieren, so tun
                                sie das ja niemals deshalb, weil sie sich für sich selbst oder für
                                ihre individuell-psychologischen Reaktionen interessieren; sondern
                                allein deshalb, weil […] dasjenige, was sie an sich selbst
                                feststellen, auch auf andere zutreffen, und damit vielleicht auch
                                für andere nützlich werden könnte.</quote></p></note> Wie
                    medizinische Selbstversuche sollen Anders’ Journale einer gesellschaftlichen
                    Sache dienen, sollen nützlich sein, wirksam werden, <quote
                        source="#ref_anders1986-8">zu Erkenntnissen, vielleicht sogar zum richtigen
                        Handeln verführen</quote>
                    <ref type="bibl" target="#anders1986" xml:id="ref_anders1986-8" rend="brackets"
                        >Anders 1986: 8</ref>. Dazu müssen sie zugleich von individuellen
                        <emph>und</emph> kollektiven, gesellschaftlich vermittelten Erfahrungen
                    handeln <ref type="bibl" target="#anders1984" rend="brackets">vgl. Anders 1984:
                        134</ref>. Nur solche Tagebucheintragungen habe er publiziert, die
                    ihrerseits schon so etwas wie Öffentlichkeit enthielten <ref type="bibl"
                        target="#anders1967b" rend="brackets">vgl. Anders 1967b: 427f.</ref>.
                    Öffentliches erscheint im Tagebuch notwendigerweise im Spiegel des
                    Individuellen: Tagebuchtexte versteht Anders als Spiegel-Bilder, die das
                    Wirkliche erst dadurch sichtbar machen würden, dass sie es <quote
                        source="#ref_anders1985-235">vorspiegeln</quote> – darin vergleichbar mit
                    Techniken der Psychoanalyse, die Verdrängtes eben dadurch bewusst machen, dass
                    sie es in den Vordergrund <quote source="#ref_anders1985-235"
                        >vorspiegeln</quote>. Ebenso müsse der Tagebuchtext als <quote
                        source="#ref_anders1985-235">Warnbild</quote> das Unterdrückte, das
                    nicht-Sichtbare in den Vordergrund, also auf die Ebene der Sichtbarkeit holen,
                    und es damit allererst sichtbar machen <ref type="bibl" target="#anders1985"
                        xml:id="ref_anders1985-235" rend="brackets">vgl. Anders 1985: 235</ref>.</p>
                <p>Nicht als Bühne für Introspektion oder ein Zur-Schau-Stellen des Persönlichen
                    soll das Tagebuch also dienen; nicht die Authentizität oder Verifizierbarkeit
                    von persönlich Erlebtem ist von Belang, sondern das aus dem Erlebten zu einem
                        <emph>Bild</emph> Geformte, das zur Kenntlichkeit, zur Sichtbarkeit
                    Verfremdete. Anders’ Journale sind damit das Produkt von Perspektivierungen,
                    Formgebungen, text-taktischen Entscheidungen: Was sie spiegeln, ist notwendig
                    verzerrt, gestaltet, verfremdet. Nicht das Ergebnis spontaner Aufzeichnung oder
                    täglichen Notierens des Flüchtigen sind sie, sondern stets literarisch-geformte,
                    philosophisch erzählte, essayistisch ausgestaltete Texte. Anders selbst
                    bezeichnete sie als <quote source="#ref_anders1967-427">durchweg
                        retuschiert</quote>
                    <ref type="bibl" target="#anders1967b" xml:id="ref_anders1967-427"
                        rend="brackets">Anders 1967b: 427</ref>: In der skizzenhaften Form, in der
                    sie zunächst notiert würden, seien sie nur unbearbeitetes Rohmaterial, ihre
                    spätere Überarbeitung aber tue der <quote source="#ref_anders1967-427"
                        >Echtheit</quote> der Eintragungen keinerlei Abbruch (ebd.).<note
                        xml:id="endnote_02"><p><quote source="#ref_anders1967-427">Umgekehrt glaubte
                                ich, daß sich nur solche Momentaufnahmen als rechtmäßig, wenn man
                                will: als <q rend="single-qm">echt</q>, bewährt haben, die bei der
                                Aus- und Umarbeitung, deren sie bedurften, erst ihre volle Wahrheit
                                gewannen.</quote></p></note> Nicht die Spontaneität der Aufzeichnung
                    (in zeitlicher Nähe zum Geschehenen) verbürgt die <quote
                        source="#ref_anders1967-428">Wahrheit</quote> des Geschriebenen, sondern
                    diese ist vielmehr das Ergebnis eines Schreibens als Wieder-Schreiben, als Um-
                    und Weiter-Formulieren, Ergebnis von Bearbeitungen und Korrekturen, vorgenommen
                    oft in langer zeitlicher Distanz zum beschriebenen Geschehen. Der
                    Tagebuchschreiber selbst fungiere dabei als Sichtbarmacher, als Sehbehelf
                    geradezu: Wie ein Mikroskop diene er dem Zweck der Betrachtung <ref type="bibl"
                        target="#anders1967b" xml:id="ref_anders1967-428" rend="brackets">vgl. ebd.
                        428</ref>.<note xml:id="endnote_03"><p><quote source="#ref_anders1967-428"
                                >[...] eine Art Mikroskop, das, obwohl der Betrachtung dienend,
                                nicht zum Zwecke der Betrachtung vorgeführt wird.</quote></p></note>
                    Und wie durch die Linse eines Mikroskops lasse sich im Tagebuch auch ein
                    charakteristisches Bild einer Epoche besehen. Der einzelne Aufzeichnende mache
                    sich dabei zum Instrument einer intensivierten Wahrnehmung, ja gleichsam zum
                    Diener der Betrachtung.</p>
            </div>
            <div xml:id="wdr01_02-05_02">
                <head>Florenzbilder</head>
                <p>Nach seiner Emigration in die USA <date>1936</date> und nach vierzehn langen
                    Jahren im Exil in New York und Kalifornien kehrte Günther Anders
                        <date>1950</date> nach Europa zurück und ließ sich in Wien nieder.
                        <date>1954</date> brach er zur angesprochenen, sogenannten <quote
                        source="#ref_anders1954">Museumsreise</quote> nach Florenz auf <ref
                        type="bibl" target="#anders1954" xml:id="ref_anders1954" rend="brackets"
                        >Anders 1954</ref>: Daraus entstand ein 24 Typoskript-Blätter umfassendes,
                    im Anders-Nachlass erhaltenes Tagebuch. Einen Eintrag daraus veröffentlichte
                    Anders <date>1967</date> unter dem Titel <title>Der Moralist im Museum</title>
                    in der <title>Süddeutschen Zeitung</title>; eine Zusammenstellung ausgewählter
                    Einträge erschien <date>1970</date> in der Zeitschrift Merkur (<ref type="bibl"
                        target="#anders1967c">Anders 1967c</ref> und <ref type="bibl"
                        target="#anders1970">Anders 1970</ref>); im Rahmen einer Edition von Anders’
                    nachgelassenen <title>Schriften zu Kunst und Film</title> erschien das
                    Florenz-Tagebuch 2020 erstmals vollständig.<note xml:id="endnote_04"><p>Anders
                            verband seine Aufzeichnungen aus Florenz später mit
                            Tagebuchaufzeichnungen aus Padua und Venedig aus dem Jahr
                                <date>1956</date> zu zwei zusammenhängenden
                                <title>Italien-Tagebüchern</title>
                            <ref type="bibl" target="#anders2020" rend="brackets">vgl. Anders 2020:
                                307–341</ref>.</p></note> Neben Überlegungen zur florentinischen
                    Kunst und Architektur, zu einzelnen Künstlern und Werken, zu Michelangelos
                        <title>David</title>, zu Donatello, zu den Fresken Masaccios und Giottos,
                    sind es vor allem drei zentrale Motive, die das Florenz-Tagebuch durchziehen und
                    die ich im Folgenden herausgreifen möchte, um im Anschluss zu zeigen, wie Anders
                    im Tagebuch Thesen entwickelt und vorbereitet, die sich später im Kontext seiner
                    Medientheorie wiederfinden.</p>
                <p>Da sind zunächst Anders’ Reflexionen über das Reisen bzw. über die (moralische)
                    Unmöglichkeit des Reisens: Für ihn als Emigranten habe das Reisen in den letzten
                    Jahren und Jahrzehnten einen ganz bestimmten Sinn und Beigeschmack bekommen,
                    nämlich jenen von Flucht und Exil. Wie, so fragt Anders, solle er sich als
                    unbedarfter Tourist nach Italien aufmachen, wie sein Auf-der-Flucht-Sein
                    vergessen – ganz so, spitzt er in für ihn typischer Manier zu, als <quote
                        source="#ref_anders1954-1">hätte es Hitler nicht gegeben</quote>, kein
                    Auschwitz, kein Hiroshima <ref type="bibl" target="#anders1954"
                        xml:id="ref_anders1954-1" rend="brackets">Anders 1954: Bl. 1</ref>. Wie
                    ließe sich angesichts dieser Gräuel, aber auch angesichts aktueller politischer
                    Konflikte eine solche Reise moralisch überhaupt rechtfertigen, wie sei der
                    Genuss der italienischen Renaissance-Kunst, wie eine solche regelrechte <quote
                        source="#ref_anders1954-11">Askese vom Schrecken</quote>
                    <ref type="bibl" target="#anders1954" xml:id="ref_anders1954-11" rend="brackets"
                        >ebd. Bl. 11</ref> mit dem eigenen Gewissen zu vereinbaren? Als Emigrant,
                    der von der Weltgeschichte seit 20 Jahren umhergetrieben werde, könne Anders die
                    Rolle eines reisenden Touristen nur wie eine Verkleidung annehmen. Nur derjenige
                    könne schließlich reisen, für den das Unterwegs-Sein <emph>nicht</emph>
                    alltäglich sei. Ist das Unterwegs-Sein ohne permanenten Wohnsitz hingegen
                    Alltag, so gibt es kein Reisen, denn dazu gehört gerade das Alltägliche, mithin
                    ein Zuhause, das man verlässt <ref type="bibl" target="#anders1954"
                        rend="brackets">vgl. ebd. Bl. 23</ref>. Ein solches <quote
                        source="#ref_anders1954-24">Zuhause</quote> aber sei ihm fremd geworden:
                        <quote source="#ref_anders1954-24">einmal Emigrant, für ewig Emigrant, für
                        ein wahres Zuhause ist es nun zu spät</quote>
                    <ref type="bibl" target="#anders1954" xml:id="ref_anders1954-24" rend="brackets"
                        >ebd. Bl. 24</ref>.</p>
                <p>Das zweite zentrale Motiv des Florenz-Tagebuchs sind Überlegungen zur Fass- und
                    Erfassbarkeit von Geschichte. Anders erlebt Florenz als einen Ort ungeheurer
                    Zeit- und Geschichtstiefe – einer Zeittiefe, die ihm während seiner Zeit in den
                    USA ebenfalls fremd geworden ist. Denn dort sei, so Anders, alles gleichzeitig,
                    alles synchron, alles heutig – alles Geschichtliche finde auf einer Ebene statt:
                    Während in den USA alle Kulturgüter, alle <quote source="#ref_anders1954-3"
                        >cultural values</quote>, dieselbe – horizontale – Qualität hätten, nämlich
                    jene von Waren in Warenhäusern, berge Florenz regelrecht die Gefahr eines <quote
                        source="#ref_anders1954-3">Abgrunds der Geschichte</quote>, in den man zu
                    stürzen drohe <ref type="bibl" target="#anders1954" xml:id="ref_anders1954-3"
                        rend="brackets">vgl. ebd. Bl. 3</ref>. Angesichts der historischen Kulisse,
                    der florentinischen Kunst und Architektur stellt sich für Anders die Frage, wie
                    sich diese Geschichtstiefe überhaupt erfassen ließe: Ist nicht das Auge dafür
                    insofern ungeeignet, als es ein per se voyeuristisches Organ ist?, fragt Anders.
                    Und ist nicht das touristische Sehen und Schauen etwas, das ein nachgerade
                        <quote source="#ref_anders1954-5">analphabetisches Voyeurtum</quote>
                    befördere? <ref type="bibl" target="#anders1954" xml:id="ref_anders1954-5"
                        rend="brackets">Ebd. Bl. 5</ref> Was aber sehen wir eigentlich, welche Art
                    von historischem Zusammenhang entnehmen wir überhaupt den Kunstwerken, den
                    Fresken und Fassaden von Florenz? – Geschichte, so resümiert Anders, sei nicht
                    in Kirchen, nicht in Museen zu finden, nicht den Künsten einer Epoche zu
                    entnehmen. Ein Gedankenexperiment soll dies untermauern: <quote
                        source="#ref_anders1954-6">Man stelle sich einmal Leute vor, die im Jahre
                            <date>2500</date>, um das 20. Jahrhundert kennenzulernen, Klee und
                        Picasso betrachten würden, statt die Öfen von Auschwitz oder satt jener
                        Anlagen von Los Alamos, in denen Hiroshima vorbereitet wurde.</quote>
                    <ref type="bibl" target="#anders1954" xml:id="ref_anders1954-6" rend="brackets"
                        >Ebd. Bl. 6</ref> Diese Menschen aus dem Jahr <date>2500</date> dürften, wie
                    Anders nachsetzt, Narren genannt werden.</p>
                <p>Drittes und wesentliches Thema des Florenz-Tagebuchs ist – in direktem Anschluss
                    an das soeben Erwähnte – eine Kritik der Fotografie und des fotografischen
                    Bildes, dazu Reflexionen zum Zusammenhang von Original und Kopie, zur Frage der
                    Reproduzierbarkeit von Kunstwerken und Architekturen. Angesichts der Menge an
                    fotografierenden Touristen in Florenz scheint das Sehen regelrecht <quote
                        source="#ref_anders1954-13">überholt und abgeschafft</quote> zu sein,
                    ersetzt nämlich durch das Fotografieren, das mechanische Bedienen eines
                    Apparats. Dieser fotografische Apparat zwinge Menschen in ein
                    Herr-Knecht-Verhältnis: Sie würden zu <quote source="#ref_anders1954-13"
                        >Angestellten</quote> ihres <quote source="#ref_anders1954-13"
                        >Herren</quote>, eben ihres Apparats. Wer angestellt ist, der arbeitet, der
                    ist – so scheint es – auch tätig: Tatsächlich aber sei das Knipsen, das
                        Fotos-<emph>Machen</emph> nur eine <quote source="#ref_anders1954-13"
                        >Scheintätigkeit</quote>, laufe es doch völlig mechanisch ab. Das Auslösen
                    des Apparats ist kein Machen, im Gegenteil: Es passiviert. Und zugleich äußert
                    sich im Knipsen, das das Sehen ersetzt, ein <quote source="#ref_anders1954-13"
                        >pathologischer Besitzfuror</quote>: Bilder werden erjagt, erlegt, das
                    englische <quote source="#ref_anders1954-13">shooting</quote> mahne daran. Das
                    geschossene Foto ist dabei Trophäe, ist Diebesgut, ja, so könnte man sagen: Bild
                    als Beute. Voyeure und – wie Anders formuliert – <quote
                        source="#ref_anders1954-13">infantile […] Räuber</quote> bevölkern Florenz,
                    sie alle stürzen sich auf dieselben Beutestücke <ref type="bibl"
                        target="#anders1954" xml:id="ref_anders1954-13" rend="brackets">ebd. Bl.
                        13</ref>. Und nicht eigentlich Florenz ist das Ziel ihrer Reise, sondern
                    eine bestimmte <quote source="#ref_anders1954-14">Kollektion möglicher
                        Florenzbilder</quote>
                    <ref type="bibl" target="#anders1954" xml:id="ref_anders1954-14" rend="brackets"
                        >ebd. Bl. 14</ref>, denn die Wirklichkeit ist für sie nur <quote
                        source="#ref_anders1954-14">die Chance möglicher shots</quote> und die
                    Gegenwart nichts weiter als eine Menge potenzieller Erinnerungen <ref
                        type="bibl" target="#anders1954" rend="brackets">ebd.</ref>. Daraus
                    resultiert, dass weder ein <quote source="#ref_anders1954-14">wirkliches
                        Sehen</quote> noch ein <quote source="#ref_anders1954-14">wirkliches
                        Erinnern</quote> möglich ist; und daraus wiederum entsteht eine
                    eigentümliche touristische Existenzform, gekennzeichnet durch eine Diskrepanz,
                    ein Unsynchronisiert-Sein mit dem eigenen Tun, eine Daseinsform im <quote
                        source="#ref_anders1954-14">Zweiten Futurum</quote>: <quote
                        source="#ref_anders1954-14">Tausende sind hier. Niemand ist da. Alle werden
                        dagewesen sein.</quote>
                    <ref type="bibl" target="#anders1954" rend="brackets">Ebd.</ref>
                </p>
                <p>Das Fotografieren als touristisches Phänomen ist für Anders eine besondere
                    Ausformung eines Götzendienstes am Bild. Dabei werden Bilder nicht länger aus
                    religiösen Gründen verehrt, nicht also, weil ihnen Göttliches nachgesagt wird,
                    sondern einzig und allein darum, weil sie Bilder sind. Dieser Götzendienst ist
                    wesentlich ein Infantilismus und beruht auf einer Verdrängungsleistung: Die
                    Wirklichkeit werde gewissermaßen in das Bild hinein-verdrängt. Eine Welt, die
                    als zu komplex, als nicht fassbar erscheint, wird in ein <quote
                        source="#ref_anders1954-15">ungefährliches Bilderbuch</quote>
                    <ref type="bibl" target="#anders1954" xml:id="ref_anders1954-15" rend="brackets"
                        >ebd. Bl. 15</ref> verwandelt.</p>
            </div>
            <div xml:id="wdr01_02-05_03">
                <head>Gelegenheitsphilosophie: Tagebuchtext &amp; Medientheorie</head>
                <p><date>1956</date> erscheint Günther Anders’ philosophisches Hauptwerk, der erste
                    Band der <title>Antiquiertheit des Menschen</title>. Darin finden sich, im
                    zentralen Kapitel zur Medientheorie und -kritik mit dem Titel <title>Die Welt
                        als Phantom und Matrize</title>, einzelne Passagen aus dem Florenz-Tagebuch
                    in zum Teil nur leicht adaptierter Form wieder. Das Tagebuch enthält Thesen, die
                    Anders für den genuin philosophischen Text weiter ausführt und in eine
                    umfassende Medientheorie integriert. Seine (Medien-)Philosophie ist daher auch
                    betont erfahrungs- und praxisgesättigt angelegt: Sie ist eine <quote
                        source="#ref_anders2002-8">Gelegenheitsphilosophie</quote>, die die
                    Gelegenheiten des Alltagslebens zum Anlass der Theorie nehmen will <ref
                        type="bibl" target="#anders2002" xml:id="ref_anders2002-8" rend="brackets"
                        >Anders 2002: 8</ref>. Eine solche <quote source="#ref_anders2002-8"
                        >Gelegenheit</quote> war für Anders, wie er in der <title>Antiquiertheit des
                        Menschen</title> ausführt, sein Italien-Aufenthalt:</p>
                <cit>
                    <quote source="#ref_anders2002-180"><p>Wer Gelegenheit hatte, Reisende,
                            namentlich solche aus höchst industrialisierten Ländern, unterwegs, in
                            Rom oder Florenz, zu beobachten, der wird bemerkt haben, in welchem
                            Grade es sie irritiert, <emph>Einmaligkeiten</emph> zu begegnen; also
                            jenen großen historischen Gegenständen, die als einzige Exemplare in der
                            Serienwelt herumstehen. Tatsächlich tragen diese Reisenden auch durchweg
                            ein Mittel gegen diese Störung bei sich; […] sie sind alle mit einem <q
                                rend="single-qm">photographischen Apparat</q> ausgerüstet. <ref
                                type="bibl" target="#anders2002" xml:id="ref_anders2002-180"
                                rend="brackets">Ebd. 180</ref></p></quote>
                </cit>
                <p>Die <quote source="#ref_anders2002-180">Einmaligkeiten</quote>, von denen hier
                    die Rede ist, stehen hinter ihren Reproduktionen zurück, die Kopien und
                    Serien-Produkte beschämen die Originale, Einzigartiges erscheint als Defekt, als
                    Störung. Durch das Fotografieren aber kann dieser Defekt behoben werden: Das
                    Knipsen beruhigt, denn es verwandelt Dinge, die in ihrer Einzigartigkeit
                    unterbestimmt sind, in Gegenstände, die man <quote source="#ref_anders2002-180"
                        >hat</quote>. Hatte Anders die <quote source="#ref_anders2002-180"
                        >Geschichtstiefe</quote> von Florenz als <quote source="#ref_anders2002-180"
                        >Abgrund</quote> erlebt, als unsicher machende Zeittiefe, so wird eine
                    solche <quote source="#ref_anders2002-180">Tiefe</quote> durch den Akt des
                    Fotografierens aufgehoben und im Bild eingeebnet auf <emph>eine</emph>
                    Oberfläche: die Oberfläche des Bildes.</p>
                <p>Wird die Gegenwart als flüchtig und unverfügbar erlebt, so suggeriert die
                    Fotografie umgekehrt Flüchtiges bannen zu können, indem sie es in ein Gewesenes
                    verwandelt. Nicht das Gegenwärtige kann besessen werden, sehr wohl aber das im
                    Bild erbeutete Gewesene, das nunmehr als sicherer Besitz erlebt wird. Daraus
                    folgt das angesprochene eigentümliche Zeit-Verhältnis, die Ungleichzeitigkeit,
                    in die sich Touristinnen und Touristen begeben und die Anders in der
                        <title>Antiquiertheit des Menschen</title> folgendermaßen beschreibt:</p>
                <cit>
                    <quote source="#ref_anders2002-183"><p>Wer aber auf diese Art reist, für den ist
                            die <emph>Gegenwart</emph> zum Mittel für das <q rend="single-qm">es
                                wird gewesen sein</q> degradiert; zur, selbst nicht der Rede werten,
                            Ausrede für die allein gültige Reproduktionsware des Futurum II; also zu
                            etwas Unwirklichem und Phantomhaften. <ref type="bibl"
                                target="#anders2002" xml:id="ref_anders2002-183" rend="brackets"
                                >Ebd. 183</ref></p></quote>
                </cit>
                <p>Ist die Gegenwart unwirklich, ja phantomhaft geworden, so kann von einer
                    unmittelbaren Erfahrung in ebendieser Gegenwart, die Reisende machen würden, von
                    einer Erfahrung also im emphatischen Sinn, nicht mehr die Rede sein. Und diese
                    ist auch gar nicht das Ziel der Reise: <quote source="#ref_anders2002-181">Nicht
                        dort zu sein, zählt für sie [die Touristen], sondern allein, dort gewesen zu
                        sein</quote>
                    <ref type="bibl" target="#anders2002" xml:id="ref_anders2002-181"
                        rend="brackets">ebd. 181</ref>. – <quote source="#ref_anders1954-14">Niemand
                        ist da. Alle werden dagewesen sein</quote>, heißt es im
                    Florenz-Tagebuch.</p>
                <p>Wie anhand dieser Beispiele gezeigt werden kann, übernimmt Anders nicht nur
                    Argumente aus dem Florenz-Tagebuch für seine Medienkritik, sondern auch einzelne
                    Formulierungen daraus nahezu wörtlich. Im Tagebuch werden Thesen erprobt, die im
                    philosophischen Text, eingebettet in einen umfassenden theoretischen
                    Zusammenhang, wiederkehren. Tagebuchtexte sind bei Anders darum implizit (wie in
                    diesem Fall), aber auch ausdrücklich und ausgewiesenermaßen Bestandteil der
                    philosophischen Theorie: So durchziehen die <title>Antiquiertheit des
                        Menschen</title> immer wieder auch einzelne Tagebucheintragungen und
                    tagebuchartige Passagen, denen Ort und Datum der Aufzeichnung beigegeben ist
                        <ref type="bibl" target="#anders2002" xml:id="ref_anders2002-23"
                        rend="brackets">ebd. 23</ref>.<note xml:id="endnote_05"><p>Seite: 23 (<quote
                                source="#ref_anders2002-23">Ich beginne mit einigen
                                Tagebucheintragungen aus Kalifornien. / 11. März 1942</quote>), <ref
                                type="bibl" target="#anders2002" xml:id="ref_anders2002-172"
                                >172</ref> (<quote source="#ref_anders2002-172">Tagebuch</quote>),
                                <ref type="bibl" target="#anders2002" xml:id="ref_anders2002-208"
                                >208</ref> (<quote source="#ref_anders2002-208">Tagebuch</quote>),
                                <ref type="bibl" target="#anders2002" xml:id="ref_anders2002-211"
                                >211</ref> (<quote source="#ref_anders2002-211">Tagebuch</quote>),
                                <ref type="bibl" target="#anders2002" xml:id="ref_anders2002-305"
                                >305</ref> (<quote source="#ref_anders2002-305">Tagebucheintragung
                                1952</quote>).</p></note>
                </p>
                <p>Was Anders im Florenz-Tagebuch als das <q rend="double-qm">kindische
                        Bilderbuch-Stadium</q> bezeichnet, wird in der <title>Antiquiertheit</title>
                    zum <quote source="#ref_anders2002-3">post-literarische[n]
                        Analphabetentum</quote> gesteigert <ref type="bibl" target="#anders2002"
                        xml:id="ref_anders2002-3" rend="brackets">ebd. 3</ref>. Die dortigen
                    Abschnitte über Fotografie sind gesättigt von Anders’ Italien-Erfahrung, die
                    freilich schon im Text des Florenz-Tagebuchs selbst eine verfremdete, <q
                        rend="double-qm">retuschierte</q> war. Worauf Anders in der
                        <title>Antiquiertheit des Menschen</title> in jedem Fall sehr viel
                    ausführlicher eingeht, ist die Verkümmerung unserer Erinnerung, die aus der
                    allgegenwärtigen, <quote source="#ref_anders2002-3">globale[n] Bilderflut von
                        heute</quote>, aus unserer Sucht nach Bildern, der <quote
                        source="#ref_anders2002-3">Ikonomanie</quote>, resultiere <ref type="bibl"
                        target="#anders2002" rend="brackets">ebd.</ref>. Bilderflut und Bildersucht
                    nämlich hätten zur Folge, dass wir uns unserer selbst nur noch nach dem <quote
                        source="#ref_anders2002-182">Museums-Prinzip</quote> erinnerten, sprich,
                    dass uns unser eigenes Leben nur noch in Form einer Bilder-Serie begegne, einer
                        <quote source="#ref_anders2002-182">autobiographischen Galerie</quote>
                    <ref type="bibl" target="#anders2002" xml:id="ref_anders2002-182"
                        rend="brackets">ebd. 182</ref>. Was in diesen Bildern erscheint, ist nicht
                    länger etwas Gewesenes als Unverfügbares, sondern etwas, das ganz im Gegenteil
                    der ständigen Verfügbarkeit preisgegeben ist: Vergangenheit wird auf diese Weise
                    zum permanent verfügbaren Bild.</p>
            </div>
            <div xml:id="wdr01_02-05_04">
                <head>Welt als Bilderbuch: Perspektiven auf Verfügbarkeit</head>
                <p>Einen durch Verfügbarkeit und ständiges Verfügbarmachen geprägten Weltbezug – wie
                    er sich im bisher Gesagten andeutet – hat Hartmut Rosa für die westlichen,
                    spätmodernen Gesellschaften beschrieben. Er spricht von einem allgegenwärtigen
                    Imperativ des Verfügbarmachens, wozu er das Sichtbar-, das Erreichbar-, das
                    Beherrschbar- und Nutzbarmachen zählt: <quote source="#ref_rosa2018-12">Alles,
                        was erscheint, muss gewusst, beherrscht, erobert, nutzbar gemacht
                        werden.</quote>
                    <ref type="bibl" target="#rosa2018" xml:id="ref_rosa2018-12" rend="brackets"
                        >Rosa 2018: 12</ref> Die Welt begegnet uns als etwas, das uns zur
                    Optimierung unserer Selbst drängt, uns andauernd Aufforderungen aufzuerlegen
                    scheint. Dazu gehört auch der Imperativ, die Welt zu bereisen und Orte zu
                    besuchen, die man nicht nur <quote source="#ref_rosa2018-13">gesehen
                        haben</quote>, sondern auch fotografiert haben <quote
                        source="#ref_rosa2018-13">muss</quote>
                    <ref type="bibl" target="#rosa2018" xml:id="ref_rosa2018-13" rend="brackets"
                        >vgl. ebd. 13</ref>. Das Fotografieren wird so zu einer Alltagspraxis des
                    Verfügbarmachens unter anderen: Ist ein Ort erst geknipst, ist er erst in ein
                    (digitales) Foto-Format gebannt, so scheint er jederzeit verfügbar. Damit
                    verbunden ist die Vorstellung, die Welt sei für uns nicht nur ständig
                    griffbereit und in Reichweite (auf dem Foto, im digitalen Archiv, im Smartphone,
                    in der Hosentasche), sondern auch verstehbar, berechenbar, beherrschbar. Mittels
                    des <quote source="#ref_rosa2018-59">ubiquitären Fotografierens und
                        Filmens</quote>, so Rosa, wolle man der Welt habhaft werden, sie festhalten,
                        <quote source="#ref_rosa2018-59">entzeitlichen</quote>; zurück aber bleibe
                    eine stillgestellte, stumme Welt, und damit ein Weltbezug, für den nicht mehr
                    die <quote source="#ref_rosa2018-59">Haltung der dynamisch-offenen
                        Spontaneität</quote>, sondern jene der <quote source="#ref_rosa2018-59"
                        >fixierend-akkumulierenden Beherrschung</quote> kennzeichnend sei <ref
                        type="bibl" target="#rosa2018" xml:id="ref_rosa2018-59" rend="brackets">ebd.
                        59f.</ref>. Günther Anders spricht in diesem Zusammenhang, wie oben erwähnt,
                    vom infantilen Wunsch, die Welt qua Fotografie in ein <quote
                        source="#ref_anders1954-15">ungefährliches Bilderbuch</quote> zu verwandeln.
                    Seine Kritik gilt der Allgegenwart fotografischer Bilder, der Bilderflut, der
                    wir uns – geschuldet auch diesem Wunsch – ausgesetzt sehen. Eine dieser Kritik
                    ähnliche Position vertritt auch Susan Sontag in <title>On Photography</title>
                    (1977): Das ständige Bedürfnis zu fotografieren, unsere Sucht nach Bildern
                    folge, so Sontag, einer Logik des Konsums. Die Wirkung der Fotografie <quote
                        source="#ref_sontag2016-108">besteht vor allem darin, daß sie die Welt in
                        ein Warenhaus oder ein Freiluftmuseum verwandelt, in dem alles zum
                        Konsumartikel abgewertet, zum Gegenstand ästhetischer Würdigung erhoben ist.
                        Durch die Kamera werden die Menschen zu Kunden oder Touristen der Realität
                        […].</quote>
                    <ref type="bibl" target="#sontag2016" xml:id="ref_sontag2016-108"
                        rend="brackets">Sontag 2016: 108, vgl. auch 171</ref> Die touristische
                    Sehweise wird hier zur Wahrnehmungsweise von Welt überhaupt, in der letztere als
                    Warenhaus erscheint, ja zum Warenhaus degradiert ist. Als Touristinnen und
                    Touristen konsumieren wir Städte wie Florenz, auf der Suche – mit oder ohne
                    Fotoapparat in Händen – nach <quote source="#ref_lefebvre2016-150">Spektakel und
                        Pittoreskem</quote>
                    <ref type="bibl" target="#lefebvre2016" xml:id="ref_lefebvre2016-150"
                        rend="brackets">Lefebvre 2016: 150</ref>.</p>
                <p>Auf das konsumistische Weltverhältnis, das sich hier offenbart, hat auch Hans
                    Magnus Enzensberger in seinem Aufsatz <title>Eine Theorie des Tourismus</title>
                    (1958) hingewiesen: Nicht nur habe der Tourismus eine Horde von Konsumentinnen
                    und Konsumenten hervorgebracht, nein, er habe sie zugleich auch zu seinen
                    eigenen Angestellten gemacht. Ihre eigene Kundschaft nämlich wirbt für die
                    Tourismusindustrie, indem sie die immer gleichen Werbebilder herstellt und
                    reproduziert: <quote source="#ref_enzensberger1964-203">Die bunten Aufnahmen,
                        die der Tourist knipst, unterscheiden sich nur den Modalitäten nach von
                        jenen, die er als Postkarten erwirbt und versendet. Sie sind die Reise
                        selbst, auf die er sich begibt. Die Welt, derer er auf ihr ansichtig wird,
                        ist von vornherein Reproduktion.</quote>
                    <ref type="bibl" target="#enzensberger1964" xml:id="ref_enzensberger1964-203"
                        rend="brackets">Enzensberger 1964: 203</ref><note xml:id="endnote_06"><p>Im
                            selben Jahr, <date>1958</date>, aus dem Enzensbergers Aufsatz über
                            Tourismus stammt, veröffentlichte er auch eine Rezension der
                            Anders’schen <title>Antiquiertheit des Menschen</title>; vgl. H. M.
                            Enzensberger: <title>Philosophie des Ärgers</title>, in: Frankfurter
                            Hefte, H. 1/1958, 62–64.</p></note> Nicht der Stadt Florenz wolle man
                    auf einer Florenz-Reise ansichtig werden, formuliert Anders, sondern einer
                    Kollektion von Florenz-Bildern. Das Florenz der reproduzierbaren Bilderserie
                    wird zum Richtmaß, die Stadt selbst hat sich ihren Reproduktionen anzupassen,
                    schließlich werden sie, die Abbilder, zu den Prägeformen des Wirklichen: Florenz
                    ist, mit Enzensberger gesprochen, <quote source="#ref_enzensberger1964-203">von
                        vornherein Reproduktion</quote>. Und bei Anders heißt es dementsprechend und
                    in pointierter Zusammenfassung seiner eigenen Medienkritik: <quote
                        source="#ref_anders2002-142">Alles Wirkliche wird phantomhaft, alles Fiktive
                        wirklich.</quote> (<ref type="bibl" target="#anders2002"
                        xml:id="ref_anders2002-142">Anders 2002: 142</ref>; <ref type="bibl"
                        target="#ellensohn2018">vgl. auch Ellensohn/Putz 2018</ref>)</p>
                <p>Angesichts der angesprochenen Überfülle an (zuweilen touristisch erbeuteten)
                    Bildern, angesichts der Allgegenwart digitaler Fotografien – von Selfies bis
                    Sightseeing-Schnappschüssen – scheint das Tagebuch nicht nur ein äußerst
                    langsames Medium der Selbstvergewisserung zu sein, sondern eine regelrecht
                        <title>antiquierte</title> Form. Anders selbst nannte seine literarischen
                    Tagebücher ganz ausdrücklich Warn-<emph>Bilder</emph>; mit und in ihnen habe der
                    Tagebuchschreiber als ein Instrument des Sichtbarmachens zu fungieren, um so
                    eine Art der Wahrnehmung zu ermöglichen, die nur in dieser Form und nur
                    vermittels der Strategien der Verfremdung und Konstruktion gelingen kann. Eine
                    andere Art von Bild hat diese Bilder freilich über weite Strecken schon
                    abgelöst. Anders’ Diagnose aus dem Jahr <date>1956</date> ist in dieser Hinsicht
                    eindeutig: Ein <quote source="#ref_anders2002-182">autobiographische[s] Bild
                        seiner selbst</quote>
                    <ref type="bibl" target="#anders2002" rend="brackets">ebd. 182</ref> gewinne man
                    im Wesentlichen nur noch durch und im <emph>fotografischen</emph> Bild. Dies
                    gilt heute, über 60 Jahre später, mehr denn je.</p>
            </div>
            <figure xml:id="wdr01-02-05_Abb_01">
                <graphic n="1" width="3500px" height="450px" url="media/wdr01-02-05_Abb_01.jpg"
                    rend="inline"/>
                <head type="legend">Günther Anders: Florenz-Tagebuch 1954, Typoskript aus dem
                    Nachlass. Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien, LIT
                    237/172/1.</head>
            </figure>
            <figure xml:id="wdr01-02-05_Abb_02">
                <graphic n="2" width="3500px" height="450px" url="media/wdr01-02-05_Abb_02.jpg"
                    rend="inline"/>
                <head type="legend">Günther Anders: Florenz-Tagebuch 1954, Typoskript aus dem
                    Nachlass. Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien, LIT
                    237/172/1.</head>
            </figure>

        </body>
        <back>
            <div type="bibliography">
                <listBibl>

                    <bibl xml:id="anders1927"><author>Anders, Günther</author> (<date>1927</date>):
                            <title type="main" level="u">Louvretagebuch, 1927/28</title>, Nachlass
                        Günther Anders, Literaturarchiv der Österreichische Nationalbibliothek,
                        Wien, LIT 237/W26.</bibl>

                    <bibl xml:id="anders1941"><author>Anders, Günther</author> (<date>1941</date>):
                            <title type="main" level="u">Die Zahnräder der Geschichte und andere
                            geschichts-philosophische Tagebuchblätter, 1941–1954</title>,
                        237/W115.</bibl>

                    <bibl xml:id="anders1942"><author>Anders, Günther</author> (<date>1942</date>):
                            <title type="main" level="u">Gelegenheitsphilosophie, 1942–1950</title>,
                        LIT 237/W116.</bibl>

                    <bibl xml:id="anders1954"><author>Anders, Günther</author> (<date>1954</date>):
                            <title type="main" level="u">Italien-Tagebuch 1954/Florenz</title>.
                        Typoskript mit eigenhändigen Korrekturen aus dem Nachlass, 237/W172/1, 25
                        Bl.</bibl>

                    <bibl xml:id="anders1966"><author>Anders, Günther</author> (<date>1966</date>):
                            <title type="main" level="m">Besuch im Hades</title>. <title type="sub"
                            level="m">Auschwitz und Breslau</title>. <pubPlace>München</pubPlace>:
                            <publisher>C.H. Beck</publisher>.</bibl>

                    <bibl xml:id="anders1967a"><author>Anders, Günther</author>
                        (<date>1967</date>a): <title type="main" level="m">Die Schrift an der
                            Wand</title>. <title type="sub" level="m">Tagebücher 1941 bis
                            1966</title>. <pubPlace>München</pubPlace>: <publisher>C.H.
                            Beck</publisher>.</bibl>

                    <bibl xml:id="anders1967b"><author>Anders, Günther</author>
                        (<date>1967</date>b): <title type="main" level="a">Nachbemerkung</title>,
                        in: Ders.: <title type="main" level="m">Die Schrift an der Wand</title>.
                            <title type="sub" level="m">Tagebücher 1941 bis 1966</title>.
                            <pubPlace>München</pubPlace>: <publisher>C.H. Beck</publisher>, S.
                            <biblScope unit="page">427ff.</biblScope>.</bibl>

                    <bibl xml:id="anders1967c"><author>Anders, Günther</author>
                        (<date>1967</date>c): <title type="main" level="a">Der Moralist im
                            Museum</title>. <title type="sub" level="a">Aus den Philosophischen
                            Tagebüchern, Florenz, 1954</title>, in: <title level="j">Süddeutsche
                            Zeitung</title> (10./11. Juni 1967).</bibl>

                    <bibl xml:id="anders1970"><author>Anders, Günther</author> (<date>1970</date>):
                            <title type="main" level="a">Florentinische Notizen</title>, in: <title
                            type="main" level="j">Merkur</title>
                        <biblScope unit="issue">24/268</biblScope>, (August 1970), S. <biblScope
                            unit="page">748–755</biblScope>.</bibl>

                    <bibl xml:id="anders1979"><author>Anders, Günther</author> (<date>1979</date>):
                            <title type="main" level="m">Nach <q rend="double-qm">Holocaust</q>
                            1979</title>. <pubPlace>München</pubPlace>: <publisher>C.H.
                            Beck</publisher>.</bibl>

                    <bibl xml:id="anders1982"><author>Anders, Günther</author> (<date>1982</date>):
                            <title type="main" level="m">Hiroshima ist überall.</title>
                        <pubPlace>München</pubPlace>: <publisher>C.H. Beck</publisher>.</bibl>

                    <bibl xml:id="anders1984"><author>Anders, Günther</author> (<date>1984</date>
                            [<date>1964</date>]): <title type="main" level="a">Warnbilder</title>,
                        in: Ders.: <title type="main" level="m">Die Zerstörung unserer
                            Zukunft</title>. <title type="sub" level="m">Ein Lesebuch</title>. Hg.
                        v. <editor>Bernhard Lassahn</editor>. <pubPlace>Zürich</pubPlace>:
                            <publisher>Diogenes</publisher>, S. <biblScope>131–135</biblScope>. –
                        Zunächst erschienen in <editor>Uwe Schulz</editor> (Hg.)
                        (<date>1965</date>): <title type="main" level="m">Das Tagebuch und der
                            moderne Autor</title>. <pubPlace>München</pubPlace>:
                            <publisher>Ullstein</publisher>, S. <biblScope unit="page"
                            >71–82</biblScope>.</bibl>

                    <bibl xml:id="anders1985"><author>Anders, Günther</author> (<date>1985</date>):
                            <title type="main" level="m">Tagebücher und Gedichte</title>.
                            <pubPlace>München</pubPlace>: <publisher>C.H. Beck</publisher>.</bibl>

                    <bibl xml:id="anders1986"><author>Anders, Günther</author> (<date>1986</date>):
                            <title type="main" level="m">Lieben gestern</title>. <title type="sub"
                            level="m">Notizen zur Geschichte des Fühlens</title>.
                            <pubPlace>München</pubPlace>: <publisher>C.H. Beck</publisher>.</bibl>

                    <bibl xml:id="anders2002"><author>Anders, Günther</author> (<date>2002</date>
                            [<date>1956</date>]): <title type="main" level="m">Die Antiquiertheit
                            des Menschen</title>. <biblScope unit="volume">Bd. 1</biblScope>: <title
                            type="main" level="m">Über die Seele im Zeitalter der zweiten
                            industriellen Revolution</title>. <pubPlace>München</pubPlace>:
                            <publisher>C.H. Beck</publisher>.</bibl>

                    <bibl xml:id="anders2020"><author>Anders, Günther</author> (<date>2020</date>):
                            <title type="main" level="m">Schriften zu Kunst und Film.</title> Hg. v.
                            <editor>Reinhard Ellensohn</editor> und <editor>Kerstin Putz</editor>.
                            <pubPlace>München</pubPlace>: <publisher>C.H. Beck</publisher>.</bibl>

                    <bibl xml:id="ellensohn2018"><author>Ellensohn, Reinhard</author>/<author>Putz,
                            Kerstin</author> (<date>2018</date>): <title type="main" level="a">Alles
                            Wirkliche wird phantomhaft, alles Fiktive wirklich</title>. <title
                            type="sub" level="a">Medienphänomenologie und Medienkritik bei Günther
                            Anders</title>, in: <editor>Gerhard Schweppenhäuser</editor> (Hg.):
                            <title type="main" level="m">Handbuch der Medienphilosophie</title>.
                            <pubPlace>Darmstadt</pubPlace>: <publisher>WBG</publisher>, S.
                            <biblScope unit="page">63–71</biblScope>.</bibl>

                    <bibl xml:id="enzensberger1964"><author>Enzensberger, Hans Magnus</author>
                            (<date>1964</date> [<date>1962</date>]): <title type="main" level="a"
                            >Eine Theorie des Tourismus</title> (<date>1958</date>), in: Ders.:
                            <title type="main" level="m">Einzelheiten I</title>. <title type="sub"
                            level="m">Bewußtseins-Industrie</title>. <pubPlace>Frankfurt
                            a.M.</pubPlace>: <publisher>Suhrkamp</publisher>, S. <biblScope
                            unit="page">179–205</biblScope>.</bibl>

                    <bibl xml:id="lefebvre2016"><author>Lefebvre, Henri</author> (<date>2016</date>
                            [<date>1968</date>]): <title type="main" level="m">Das Recht auf
                            Stadt</title>. Aus dem Französischen v. Birgit Althaler.
                            <pubPlace>Hamburg</pubPlace>: <publisher>Edition
                        Nautilus</publisher>.</bibl>

                    <bibl xml:id="rosa2018"><author>Rosa, Hartmut</author> (<date>2018</date>):
                            <title type="main" level="m">Unverfügbarkeit</title>.
                            <pubPlace>Wien</pubPlace>/<pubPlace>Salzburg</pubPlace>:
                            <publisher>Residenz</publisher>.</bibl>

                    <bibl xml:id="sontag2016"><author>Sontag, Susan</author> (<date>2016</date>
                            [<date>1977</date>]): <title type="main" level="m">Über
                            Fotografie</title>. Aus dem Amerikanischen von Mark W. Rien u. Gertrud
                        Baruch. 22. Aufl. <pubPlace>Frankfurt a.M.</pubPlace>:
                            <publisher>Fischer</publisher>.</bibl>
                </listBibl>
            </div>
        </back>

    </text>
</TEI>
