<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<?xml-model href="http://www.tei-c.org/release/xml/tei/custom/schema/relaxng/tei_jtei.rng" type="application/xml" schematypens="http://relaxng.org/ns/structure/1.0"?>
<?xml-model href="http://www.tei-c.org/release/xml/tei/custom/schema/relaxng/tei_jtei.rng" type="application/xml" schematypens="http://purl.oclc.org/dsdl/schematron"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:tei="http://www.tei-c.org/ns/1.0"
    xml:id="wdr01_02-04_Weber" rend="wdr">
    <teiHeader>
        <fileDesc>
            <titleStmt>
                <title type="main" xml:lang="de">Schreibrecht und Zeitgenossenschaft</title>
                <title type="sub" xml:lang="de" rend="left-align">Max Frischs <hi rend="italic">Tagebuch
                        1946–1949</hi> und seine Entstehung aus den Notizheften</title>
                <author>
                    <name>
                        <forename>Ulrich</forename>
                        <surname>Weber</surname>
                    </name>
                    <affiliation>Schweizerisches Literaturarchiv</affiliation>
                    <email>Ulrich.Weber@nb.admin.ch</email>
                    <idno type="ORCID"/>
                </author>
            </titleStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Wiener Digitale Revue</publisher>
                <date>2020</date>
                <availability>
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">
                        <p>For this publication, a Creative Commons Attribution 4.0 International
                            license has been granted by the author(s), who retain full
                            copyright.</p>
                    </licence>
                </availability>
                <idno type="DOI">10.25365/wdr-01-02-04</idno>
                <idno type="URL"
                    >https://journals.univie.ac.at/index.php/wdr/article/view/2928</idno>
            </publicationStmt>
            <seriesStmt>
                <title>Wiener Digitale Revue</title>
                <biblScope unit="issue">1</biblScope>
                <idno type="ISSN"/>
            </seriesStmt>
            <sourceDesc>
                <p>born digital</p>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
        <profileDesc>
            <langUsage>
                <language ident="de"/>
            </langUsage>
            <textClass>
                <keywords xml:lang="de">
                    <term xml:lang="de">Max Frisch</term>
                    <term xml:lang="de">Tagebücher</term>
                    <term xml:lang="de">Diaristik</term>
                    <term xml:lang="de">Nachkriegszeit</term>
                    <term xml:lang="de">Max Frisch-Archiv</term>
                </keywords>
            </textClass>
            <textClass xml:lang="en">
                <keywords>
                    <term xml:lang="en">Max Frisch</term>
                    <term xml:lang="en">diaries</term>
                    <term xml:lang="en">diaristics</term>
                    <term xml:lang="en">post-war period</term>
                    <term xml:lang="en">Max Frisch Archive</term>
                </keywords>
            </textClass>
        </profileDesc>
        <revisionDesc>
            <listChange>
                <change when="2019-09-24">Converted from a Word document</change>
                <change when="2020-09-26">Final corrections</change>
            </listChange>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text>
        <front>
            <div type="abstract" xml:lang="de">
                <p>Während der Nazizeit und des Zweiten Weltkriegs hatte Max Frisch das in der
                    Schweiz verbreitete intellektuelle Selbstverständnis des verschonten, aber <q
                        rend="double-qm">gefesselten Betrachters</q> geteilt, der sich auf die
                    Orientierung an zeitlosen humanistischen Werten zurückzog. Nach dem Kriegsende
                    jedoch war er angesichts der nun empfundenen <q rend="double-qm">Irrelevanz der
                        Schweizer Existenz</q> einem besonderen Legitimationsdruck ausgesetzt,
                    zugleich sah er es nachgerade als seine Pflicht, im zerstörten Europa
                    herumzureisen, zu schauen, zu fragen, zu berichten. <q rend="double-qm">Jetzt
                        ist Sehenszeit</q>, war Frischs Selbstapell, und <q rend="double-qm"
                        >Graphomanie</q> seine Selbstdiagnose.</p>
            </div>
            <div type="abstract" xml:lang="en">
                <p><title>The right to write and testifying to the contemporary. Max Frisch’s <q
                            rend="single-qm" xml:lang="en">Diary 1946–1949</q> and its genesis from
                        notebooks</title>: In his contribution Ulrich Weber explains, how during the
                    Nazi era and World War II, Max Frisch had shared the widespread intellectual
                    attitude of the spared but <q rend="double-qm" xml:lang="en">captivated
                        observer</q> who retreated into orienting himself towards timeless
                    humanistic values. After the end of the war, however, when confronted with a new
                    sense of the <q rend="double-qm" xml:lang="en">irrelevance of Swiss
                        existence</q>, he felt a pronounced need to justify himself; at the same
                    time, he practically felt it to be his duty to travel across devastated Europe,
                    to see, to ask, to report. <q rend="double-qm" xml:lang="en">Now it’s seeing
                        time</q>, was Frisch’s appeal to himself, and <q rend="double-qm"
                        xml:lang="en">graphomania</q> his self-diagnosis.</p>
            </div>
        </front>
        <body>
            <div xml:id="wdr01_02-04_01">
                <head>Einleitung</head>
                <p>Im Herbst 1950 erschien als eines der ersten Bücher im neu gegründeten Verlag
                    Suhrkamp Max Frischs <title>Tagebuch 1946–1949</title>.<note xml:id="endnote_01">
                        <p>Ich danke Tobias Amslinger, dem Leiter des Max Frisch-Archivs an der ETH
                            Zürich, für den Zugang zu den Notizheften von Max Frisch und zu seiner
                            Korrespondenz mit seinen Verlegern Martin Hürlimann und Peter Suhrkamp,
                            wie auch für die erhellenden Gespräche sowie der Max Frisch-Stiftung für
                            die Genehmigung der Zitate und Abbildungen aus unpublizierten Texten Max
                            Frischs.</p></note> Es ist ein Werk, das locker chronologisch
                    angeordnete Beobachtungen, Reflexionen, Stimmungsbilder von Aufenthalten Frischs
                    in seinem Wohnort Zürich und verschiedenen europäischen Städten mit
                    eingeflochtenen skizzenhaften Fiktionen verbindet. Dass die Publikation eines
                    literarischen Werks mit dem Titel <title>Tagebuch</title> durch einen kaum
                    vierzigjährigen Autor damals alles andere als selbstverständlich war, zeigt ein
                    Brief vom 11. August 1950, den Peter Suhrkamp, Frischs neuer Verleger, per
                    Eilboten an den Autor nach Zürich schickte. Suhrkamp schreibt:</p>

                <cit>
                    <quote source="#ref_buerger2011-43">Das TAGEBUCH ist in der Bindung, d.h. die
                        Bogen sind gefalzt; der Schutzumschlagentwurf ging Ihnen zu. Nun scheint,
                        daß ich alles widerrufen muß. Ich beschäftigte mich seit längerem mit einem
                        Waschzetteltext für diesen mir besonders erscheinenden Fall. Darüber habe
                        ich einen Schrecken bekommen wegen des Titels des Buches. Ich entdeckte mich
                        bei dem ununterbrochenen Versuch, den Titel TAGEBUCH zu rechtfertigen. <ref
                            type="bibl" target="#buerger2011" xml:id="ref_buerger2011-43"
                            rend="brackets">Zit. n. Bürger 2011: 43</ref></quote>
                </cit>

                <p>Er schlägt als Alternativen die Titel <q rend="double-qm">Die entstellte
                        Strasse</q>, <q rend="double-qm">Zwischen zwei Welten</q> oder <q
                        rend="double-qm">Feuer und Rose</q> vor, wäre allenfalls bereit, <q
                        rend="double-qm">Tagebuch 1946–1949</q> als Untertitel zu belassen, obwohl
                    er es am liebsten ganz wegließe.</p>
                <p>Nun war es ja keineswegs so, dass damals keine Tagebücher publiziert und gelesen
                    wurden – im Gegenteil: Die Nachkriegsjahre brachten gewichtige
                    Tagebuch-Publikationen, allen voran das Tagebuch der Anne Frank, das – 1947 in
                    den Niederlanden erstmals veröffentlicht – 1950 in deutscher Übersetzung
                    erschien. 1946 kam der zweite Band von André Gides <title>Journal</title> in
                    Originalsprache, Gide wurde im Jahr darauf – auch mit Blick auf das große
                    diaristische Werk – mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Und 1949 erschien Ernst
                    Jüngers Kriegstagebuch <title>Strahlungen</title>, um nur ein paar markante
                    Beispiele anzuführen.</p>
                <p>Gerade der Kontrast zu diesen Tagebuch-Publikationen war der Grund für Suhrkamps
                    Zögern: </p>

                <cit>
                    <quote source="#ref_buerger2011-43">
                        <p>Erstens interessiert den Leser das Tagebuch von André Gide [...]; aber
                            Sie sind noch nicht so bekannt, daß man das bei Ihnen auch voraussetzen
                            könnte. Anders ausgedrückt käme in diesem Titel also eine persönliche
                            Arroganz zum Ausdruck, die gewiß nicht beabsichtigt ist. </p>
                        <p>Und dann: Ein TAGEBUCH 1946–49 enthält für den heutigen deutschen Leser
                            ohne Nachprüfung das, was er gerade nicht mehr lesen will. <ref
                                rend="brackets" type="bibl" target="#buerger2011">Ebd.</ref></p>
                    </quote>
                </cit>

                <p>Dass Suhrkamp nicht auf der Titeländerung beharrte, zeugt von seinem
                    verlegerischen Mut, der auch belohnt wurde – Frisch wurde zum ersten Zugpferd
                    der Nachkriegsliteratur bei Suhrkamp. Frisch ist zwar 1950 kein ganz unbekannter
                    mehr – er hat mit seinen Theaterstücken einiges Aufsehen erregt und Polemiken
                    ausgelöst –, aber er ist ein Nachwuchsautor. Und vor allem – was Suhrkamp nicht
                    ausspricht: Er ist Schweizer. Was will ein deutscher Leser in den schwierigen
                    Nachkriegsjahren mit einem Schweizer Tagebuch? Es ist weder das Tagebuch eines
                    Opfers noch das eines Frontsoldaten, sondern das Tagebuch, wenn man so will und
                    wie man so wollte, eines Zuschauers. In der Ausgabe vom 7. Oktober 1953 des
                    Magazins <title>Der Spiegel</title> wird Frisch auf der Frontseite mit
                    seitenfüllendem Porträt präsentiert unter dem Titel <quote
                        source="#ref_amrein2013-59">Logenplatz im Welttheater. Schweizer in dieser
                        Zeit – Max Frisch</quote>
                    <ref type="bibl" target="#amrein2013" xml:id="ref_amrein2013-59" rend="brackets"
                        >vgl. Amrein 2013: 59</ref>.</p>
                <p>In der Tat: Selten waren im deutschen Sprachraum die Voraussetzungen des
                    Schreibens politisch so disparat wie um 1945: Exilautoren, innere Emigranten,
                    die deutsche und österreichische Soldatengeneration und die durch die
                    Neutralitätspolitik, die wirtschaftliche Kollaboration und die Willkür von
                    Hitlers strategischen Entscheidungen vom Krieg verschonten, somit außenstehenden
                    Schweizer hatten kaum eine gemeinsame Verständigungsbasis. Gegenseitige Vorwürfe
                    waren an der Tagesordnung: Die inneren Emigranten warfen den realen Emigranten
                    geistige Fahnenflucht vor, umgekehrt fiel der Vorwurf der Kollaboration und des
                    Opportunismus, den Schweizern, wo sie sich meldeten, wurde ihr Luxus-Status
                    vorgeworfen und damit das Recht abgesprochen, über die Geschichte, die sie nicht
                    erlebt hatten, zu schreiben. Diese Positionen, insbesondere das Außenstehen bzw.
                    -sitzen der Schweizer, sind auch im <title>Tagebuch 1946–1949</title> wiederholt
                    ein Thema. Ein Beispiel: Im letzten Teil aus dem Jahre 1949 gibt Frisch im
                    Kontext eines Aufenthalts auf Sylt das <quote source="#ref_frisch1976b-704"
                        >Teegespräch mit einer braunen Dame</quote>
                    <ref type="bibl" target="#frisch1976b" xml:id="ref_frisch1976b-704"
                        rend="brackets">Frisch 1976b: 704</ref> wieder:</p>

                <cit>
                    <quote source="#ref_frisch1976b-703"><q rend="double-qm">Die Schweiz hat doch
                            nichts gelitten!</q> – <q rend="double-qm">Nein</q>, sage ich. – <q
                            rend="double-qm">Hätte Ihrer Schweiz aber ganz gut getan</q>, sagt die
                        Dame: <q rend="double-qm">gerade der Schweiz! Leiden ist gesund, wissen Sie
                            –.</q> Wir sitzen in einem gar tadellosen Garten, der in den guten
                        dreißiger Jahren, wie ich später höre, manche Uniformen empfangen hat, hohe
                        und höchste, braune und schwarze; die Aussicht ist herrlich; nur ganz am
                        Horizont sieht man die Baracken der schlesischen Flüchtlinge, dieser Opfer
                        eines verbrecherischen Auslandes. <ref target="#frisch1976b" type="bibl"
                            xml:id="ref_frisch1976b-703" rend="brackets">Ebd.: 703</ref></quote>
                </cit>

                <p>Diese Passage ist charakteristisch für die Thematik wie für den Stil von Frischs
                        <title>Tagebuch 1946–1949</title>: In kürzester Form werden hier drei
                    Positionen der Nachkriegszeit in ein <term>setting</term> gebracht, ohne
                    ausführliche Argumentation, in ironisch-knapper Darstellung. In fünf, sechs
                    Zeilen wird nicht nur die Spannung zwischen dem Schweizer Besucher und der
                    Deutschen, sondern auch das innerdeutsche Gefälle zwischen Opportunisten und
                    Flüchtlingen vor Augen geführt, Ideologie in Worten wie dem <quote
                        source="#ref_frisch1976b-703">gar tadellosen Garten</quote>, den <quote
                        source="#ref_frisch1976b-703">guten dreißiger Jahren</quote> oder der <quote
                        source="#ref_frisch1976b-703">herrlichen</quote> Aussicht und dem <quote
                        source="#ref_frisch1976b-703">verbrecherischen Ausland</quote>
                    signalisiert.</p>
                <p>Miniaturen dieser Art prägen das Tagebuch, und sie sind in ihren
                    historisch-politischen Perspektivierungen vielseitig – Schweizer
                    Selbstzufriedenheit und moralische Überheblichkeit werden im gleichen Maße aufs
                    Korn genommen wie deutsche Unverbesserlichkeit oder die Ignoranz polnischer
                    Patrioten in Wroczlav/Breslau.</p>
            </div>

            <div xml:id="wdr01_02-04_02">
                <head>Perspektivenwechsel</head>
                <p>Während des Zweiten Weltkrieges hatte Max Frisch schon einmal ein Tagebuch
                    veröffentlicht, 1940 die <title>Blätter aus dem Brotsack</title> – durchaus im
                    patriotischen Ton der damals die Schweizer Diskurse dominierenden sogenannten
                        <term>geistigen Landesverteidigung</term>, beschäftigt mit der eigenen
                    Schweizer Befindlichkeit des Aktivdienst-Soldaten. Und noch 1945 hatte er das in
                    der Schweiz verbreitete intellektuelle Selbstverständnis des verschonten, aber
                        <quote source="#ref_frisch1990-104">gefesselten Betrachters</quote> (<ref
                        type="bibl" target="#frisch1990" xml:id="ref_frisch1990-104">Frisch 1990:
                        104</ref>; vgl. dazu <ref type="bibl" xml:id="ref_utz2010" target="#utz2010"
                        >Utz 2010</ref> sowie <ref type="bibl" target="#utz2013"
                        xml:id="ref_utz2013_104">Utz 2013: 104ff.</ref>) des Kriegsgeschehens,
                        <quote source="#ref_frisch1976a_286">inmitten eines Leichenfeldes, am Rande
                        einer Folterkammer</quote>, (<ref type="bibl" target="#frisch1976a"
                        xml:id="ref_frisch1976a_286">Frisch 1976a: 286</ref>; <ref type="bibl"
                        xml:id="ref_amrein2013_47" target="#amrein2013">vgl. dazu Amrein 2013:
                        47ff.</ref>) geteilt. Doch das <title>Tagebuch 1946–1949</title> hat eine
                    neue Qualität und Dimension, Volker Weidermann spricht in seiner
                    Frisch-Biographie nachgerade von einer Neugeburt und Neuerfindung Frischs als
                    Schriftsteller in den Nachkriegsjahren <ref type="bibl" target="#weidermann2012"
                        xml:id="ref_weidermann2012-115" rend="brackets">vgl. Weidermann 2012:
                        115–127</ref>. Frisch versetzt den festgeschriebenen <q rend="double-qm"
                        >Schweizer Standpunkt</q> in Bewegung. Was manche Leser und Kritiker dabei
                    als Anmaßung empfanden: Frisch, der verschonte Schweizer, schreibt in der Folge
                    seine eigene <term>Trümmerliteratur</term> – <term>Trümmerliteratur</term> in
                    mehrfacher Hinsicht: in thematischer wie formaler und subjekttheoretischer.</p>
                <p>Eine wichtige Etappe besteht dabei in dem, was man als <q rend="double-qm"
                        >Berührung mit der Realität</q> bezeichnen könnte und wofür vor allem die
                    Texte der Jahre 1945 bis 1947 wesentlich waren. Sie markieren den Wechsel von
                    der Zuschauer- zur Besucherperspektive.</p>
                <p>Bezeichnend und wegweisend schon ein aus dem Nachlass publiziertes Manuskript aus
                    den letzten Kriegstagen: <title>Über die Grenze</title> (21. April 1945).</p>

                <figure xml:id="wdr01-02-04_Abb_01">
                    <graphic url="media/wdr01-02-04_Abb_01.jpg" width="600px" height="400px"/>
                    <head type="legend">Über die Grenze. Max Frisch-Archiv, Heft A-N-130.</head>
                </figure>

                <p>Frisch schildert darin zunächst den Blick mit dem Fernrohr über die Grenze, die
                    Beobachtung und später die Begegnungen mit Soldaten und Strafgefangenen der
                    deutschen Wehrmacht während des Grenzdienstes, in der Auflösungsphase des
                    dritten Reiches. Der Text endet mit einem Kommentar zur Zeitungslektüre:</p>

                <cit>
                    <quote source="#ref_frisch1998-19">Buchenwald bei Weimar, ich sehe nicht ein,
                        wie unsereiner, wenn es uns nicht einfach an Vorstellung fehlt, mit diesen
                        Nachrichten fertig werden soll. Immer endet es in der einzigen, aber
                        hilflosen Gewißheit, daß uns kein Denken, das um diese Dinge herumgeht,
                        wirklich weiterführen kann. <ref rend="brackets" type="bibl"
                            target="#frisch1998" xml:id="ref_frisch1998-19">Frisch 1998:
                        19</ref></quote>
                </cit>

                <p>Für Weidermann ist es der Schock dieser Nachrichten und Augenzeugenberichte, der
                    Max Frischs Neuerfindung als Autor initiiert. Während im Text <title>Über die
                        Grenze</title> vor allem von den Grenzübertritten von Soldaten und
                    Flüchtlingen in die Schweiz die Rede ist, nutzt Frisch in der Folge die
                    umgekehrte Richtung des Grenzübertritts so bald als möglich: Reisen zu können,
                    war damals ein finanzielles und politisches Privileg, das mit dem Schweizer
                    Status zusammenhing.</p>
                <p>Frisch, der sich nach dem Kriegsende angesichts der von ihm thematisierten
                    Irrelevanz der Schweizer Existenz (vgl. den Brief an Annemarie und Peter
                    Suhrkamp vom 2. Juni 1948, abgedruckt in <ref xml:id="ref_frisch1998-48"
                        type="bibl" target="#frisch1998">Frisch 1998: 48</ref>) einem besonderen
                    Legitimationsdruck ausgesetzt sah, verstand es zugleich als seine Pflicht, im
                    zerstörten Europa umherzureisen, zu schauen, zu fragen, zu berichten, Anteil zu
                    nehmen. Im November 1946 notiert er bei einem seiner ersten Besuche in
                    Deutschland in ein Notizheft:</p>

                <cit>
                    <quote source="#ref_MFA-A-N-48">
                        <p>Frankfurt, 21.11.46. <lb/>Der erste Abend in den Straßen, die mir nun
                            schon ziemlich vertraut sind. […] [V]ielleicht geniesse ich es, in einem
                            fremden Lande umherzugehen, dessen Sprache mir nicht fremd ist; sie geht
                            mir langsam und nicht leicht von der Zunge, aber es ist die Sprache
                            meines Denkens und Empfindens, kein Übersetzen aus der Mundart […].
                            Gemeinsamer Abend. Am andern Morgen, wie ich am offnen Fenster stehe und
                            auf den Main schaue […], frage ich mich einmal mehr mit sachlichen
                            Erwägungen, ob es nicht richtiger wäre, in Deutschland zu leben. Ich
                            glaube, daß ich hier nicht fremder wäre als in Zürich, nicht einsamer;
                            bei allem Befremden, womit mich das deutsche Volk oft erfüllt, bin ich
                            gerne in Deutschland. Von den Menschen, denen ich mich vertraut fühle,
                            sind die meisten Deutsche. <ref rend="brackets" type="bibl"
                                target="#notizheft_A-N_48" xml:id="ref_MFA-A-N-48">Max
                                Frisch-Archiv, Heft A-N-48</ref></p>
                    </quote>
                </cit>

                <p>Der Wechsel vom Zuschauer- zum Besucherstatus wird zum Katalysator von
                    Welthaltigkeit und zugleich literarischer Qualität, die mit der Konkretheit der
                    tagebuchartig notierten Beobachtungen und Reflexionen zusammenhängt.</p>

                <p><quote source="#ref_frisch1976b-711">Jetzt ist Sehenszeit</quote> (<ref
                        xml:id="ref_frisch1976b-711" type="bibl" target="#frisch1976b">Frisch 1976b:
                        711</ref>; <ref type="bibl" target="#frisch1998">vgl. auch das Nachwort von
                        Julian Schütt in Frisch 1998: 215–221, insbes. S. 215</ref>) ist 1949
                    Frischs programmatischer Selbstappell, Gegenwärtigkeit und offene Sinne sind
                    gefragt. Doch geht es Frisch dabei um alles andere als um einen platten
                    dokumentarischen Realismus. Das <term>Sehen</term> ist im Jetzt zugleich Pflicht
                    – als Hinschauen – und Ungenügen: <quote source="#ref_frisch2008-29">Ich habe
                        keine Sprache für die Wirklichkeit</quote>, wird es in einem Schlüsselsatz
                    des Romans <title>Stiller</title> heißen <ref xml:id="ref_frisch2008-29"
                        type="bibl" target="#frisch2008" rend="brackets">vgl. das Zitat in Frisch
                        2008: 29</ref>. Das Sehen, das sich in der Wortwerdung am Ungenügen der
                    Sprache reibt, muss sich mit Reflexion verbinden, um eine kritische Perspektive
                    zu ermöglichen: In Breslau/Wroclaw beispielsweise, wo er 1949 die mit der
                    polnischen Inbesitznahme der schlesischen Stadt und der sowjetischen Propaganda
                    verbundenen Irritationen beobachtet, notiert er: <quote
                        source="#ref_frisch1976b-605">Jetzt bin ich da, empfinde es einmal mehr als
                        meine Aufgabe, das Hier zu sehen und das Dort zu wissen, immer beides
                        zusammen; als eine überall gleiche Aufgabe.</quote>
                    <ref target="#frisch1976b" type="bibl" xml:id="ref_frisch1976b-605"
                        rend="brackets">Frisch 1976b: 605</ref> Das <quote
                        source="#ref_frisch1976b-605">Hier</quote> und das <quote
                        source="#ref_frisch1976b-605">Dort</quote> bezeichnet eine
                    intellektuell-imaginative Zusammenschau, eine Synopse, ein Wissen über die
                    Zusammenhänge der Ereignisse. Es kann zugleich kausal und in chronologischem
                    Sinne verstanden werden: Wrozlaw und das Warschauer Ghetto.</p>

                <p>Nicht um <term>interesselose</term>, distanzierte Sachlichkeit der Darstellung
                    geht es, sondern um Zeitzeugenschaft und Zeitgenossenschaft zugleich, vermittelt
                    durch die Perspektive des Beobachters und der empathischen und zugleich
                    kritischen Subjektivität des Besuchers und Gesprächspartners.</p>

                <p><quote source="#ref_frisch1976b-605">Das Hier und das Dort zusammendenken</quote>
                    – dies wird Frisch durch seine zahlreichen Reisen möglich. Man kann die Position
                    des Erzähl- und Reflexionssubjekts im Verhältnis zum geographischen Raum und zur
                    Zeit im <title>Tagebuch 1946–1949</title> verorten. Der Chronotopos ist
                    fließend; ein linearer Zeitverlauf, der in den vier Jahren an viele Orte des
                    kriegsversehrten Europa führt, immer wieder von Zürich aus und dorthin zurück,
                    in sternförmig angeordneten Pendelbewegungen vom gleichen Ausgangspunkt nach
                    West und Ost, Nord und Süd, nach München, Frankfurt, Stuttgart, Hamburg, Berlin,
                    Nürnberg, Würzburg, Wien, Prag, Warschau, Breslau, Genua, Portofino, Florenz,
                    Siena, Mailand, Arles, Paris, bis hinauf nach Kampen auf Sylt. Diese
                    Pendelbewegung wird durch die Titel der einzelnen Abschnitte des
                        <title>Tagebuchs</title> markiert, die Wiederholung mit Wechsel verbinden:
                    Neben den wiederholt als Titel genannten europäischen Orten gibt es etwa die
                    sich wiederholenden Titel für Zürcher Orte wie <q rend="double-qm">Café de la
                        Terrasse</q> (7x 1946/47), zeitlich abgelöst vom <q rend="double-qm">Café
                        Odeon</q> (9x 1947–49), oder Frischs Architekten-Baustelle <q
                        rend="double-qm">Letzigraben</q> (11x), weiter die Kapitel <q
                        rend="double-qm">Unterwegs</q> (8x). Es mutet an wie Erkundungsgänge aus
                    einer Höhle heraus nach allen Himmelsrichtungen, die der Tagebuch-Autor
                    unternimmt, um allmählich ein Bild vom umgebenden sozial- und
                    polit-geographischen Raum zu gewinnen. Was konstant bleibt, ist die subjektive
                    Perspektive. Doch sie erweitert sich im <title>Tagebuch</title> aus der
                    Schweizer Igelperspektive des Zweiten Weltkriegs zum Bewusstsein eines
                    europäischen Citoyens.</p>
                <p>Dabei wird nicht nur das Ausmaß der Vernichtung, der Zerstörung und der
                    moralischen Zerrüttung wahrgenommen und vor Augen geführt, sondern auch die
                    aktuelle politische Entwicklung mit den ost-westlichen Einflusszonen scharf
                    beobachtet, etwa in den Wandlungen in Prag, die bei verschiedenen Besuchen den
                    Weg zurück zur Diktatur, diesmal der sozialistischen, anzeigen, oder bei den
                    Begegnungen anlässlich des Friedenskongresses in Warschau, die die ideologische
                    Verhärtung im Zeichen des Kalten Krieges augenscheinlich machen.</p>
            </div>

            <div xml:id="wdr01_02-04_03">
                <head>Verantwortungspoetik: <q rend="double-qm">Tagebuch</q> als literarische
                    Form</head>

                <p>Wie kommt Frisch überhaupt zur literarischen Form des Tagebuchs? Er nennt, im
                    Rückblick, zunächst einen pragmatischen Grund:</p>

                <cit>
                    <quote source="#ref_frisch1972-20"><p>Das literarische Tagebuch habe ich zu
                            einer Zeit angefangen, als ich hauptberuflich nicht Schriftsteller war,
                            sondern Architekt. Ich hatte ein Büro, ich hatte wenig Zeit. Ich konnte
                            literarische Entwürfe gar nicht ausführen. Ich wollte sie aber nicht
                            verlieren und habe sie da in Skizzenform festgehalten, sie auch datiert.
                                <ref rend="brackets" xml:id="ref_frisch1972-20" type="bibl"
                                target="#frisch1972">Frisch 1972/2009: 20</ref></p></quote>
                </cit>

                <p><quote source="#ref_schuett2011-344">Graphomanie</quote>
                    <ref type="bibl" xml:id="ref_schuett2011-344" target="#schuett2011"
                        rend="brackets">zit. nach Schütt 2011: 344</ref> nannte er es
                    selbstdiagnostisch: Er konnte damals nicht spazieren und reisen, ohne sich
                    Notizen zu machen. Sein Nachlass im Max Frisch Archiv (ETH Zürich) birgt rund
                    130 Notizhefte – meist im Format A6 – aus den Jahren 1943 bis 1952, und
                    vermutlich wurden viele weitere von Frisch nach ihrer Auswertung weggeworfen.
                    Diese Notizhefte enthalten aber alles andere als kleine Feierabendnotizen. Es
                    gibt denn auch relevantere poetologische Gründe für diese Form der
                    Aufzeichnungen als das genannte pragmatische Argument: </p>

                <p>In einem der Notizhefte (A-N-85) findet sich folgender Eintrag:</p>

                <figure xml:id="wdr01-02-04_Abb_02-01">
                    <graphic url="media/wdr01-02-04_Abb_02-01.jpg" width="1609px" height="500px"/>
                    <head type="legend"/>
                </figure>

                <figure xml:id="wdr01-02-04_Abb_02-02">
                    <graphic url="media/wdr01-02-04_Abb_02-02.jpg" width="1541px" height="500px"/>
                    <head type="legend"/>
                </figure>

                <figure xml:id="wdr01-02-04_Abb_02-03">
                    <graphic url="media/wdr01-02-04_Abb_02-03.jpg" width="1530px" height="500px"/>
                    <head type="legend">Max Frisch-Archiv, Heft A-N-85.</head>
                </figure>

                <cit>
                    <quote>
                        <p>Die Zeit:</p>
                        <p><del rend="strikethrough">Sie</del> Eine [sic] Gedanke, der bestenfalls
                            für den Augenblick und für den Standort stimmt, da man ihn denkt, wird
                            morgen und übermorgen keine höhere Wahrheit haben, nur eine andere; wir
                            schreiben auf ein laufendes Band, und es gibt keine Hoffnung, dass man
                            etwas nachholen <del rend="strikethrough">könnte</del> und &lt;einen
                            Augenblick unseres Lebens&gt; verbessern könnte – // Sinn eines
                            Tagebuches: Man bekennt sich zu seinen Irrtümern, man speichert sie
                            nicht <del rend="strikethrough">im</del> auf, bis sie jedes Weiterdenken
                            verstopfen u. verpesten; man rechnet nicht mit Hoffnungen; man <hi
                                rend="underline">ist</hi>, was man ist; –<lb/>Man hält nur die Feder
                            &lt;hin&gt;, und wir schreiben <del rend="strikethrough">nicht die
                                Wahrheit; Wörter, die nie die Wahrheit sind</del> &lt;nicht, sondern
                            wir werden geschrieben; Schreiben heißt: sich selber lesen&gt; ; </p>
                        <p>usw.</p>
                    </quote>
                </cit>

                <p>Das erfährt noch einige Bearbeitung, bevor es ins <title>Tagebuch 1946–1949
                    </title> eingeht.</p>

                <p>Diese wichtige Reflexion wurde auch schon als <quote source="#ref_kieser1987-18"
                        >Frischs eigentliches literarisches Manifest</quote>
                    <ref xml:id="ref_kieser1987-18" type="bibl" target="#kieser1987" rend="brackets"
                        >Kieser 1987: 18</ref> bezeichnet. Es ist das Bekenntnis zu einem – so die
                    Endfassung – <quote source="#ref_frisch1976b-361">Denken, das bestenfalls für
                        den Augenblick und für den Standort stimmt, da es sich erzeugt. Man rechnet
                        nicht mit der Hoffnung, daß man übermorgen, wenn man das Gegenteil denkt,
                        klüger sei. Man ist, was man ist. Man hält die Feder hin, wie eine Nadel in
                        der Erdbebenwarte, und eigentlich sind nicht wir es, die schreiben; sondern
                        wir werden geschrieben. Schreiben heißt: sich selber lesen.</quote>
                    <ref type="bibl" xml:id="ref_frisch1976b-361" target="#frisch1976b"
                        rend="brackets">Frisch 1976b: 361</ref>.</p>

                <p>
                    <quote source="#ref_frisch1976b-361">Eigentlich sind nicht wir es, die
                        schreiben, sondern wir werden geschrieben</quote>: Subjektivität ist hier im
                    doppelten Sinne des aktiven individuellen Reflexionspunkts und des sub-iectum,
                    des Unterworfenen, ins Bild gebracht: Es ist eine Subjektivität die sich zum
                    einen in Gesprächen und Reisen, Selbstreflexionen und fiktionalen Zerrspiegeln
                    entwirft, zum andern ungeschützt und offen den Eindrücken aussetzt und
                        unterwirft.<note xml:id="endnote_02">
                        <p><quote source="#ref_kieser1987-21">Das Ich ist […] das
                                Kristallisationszentrum eines sich ständig verändernden Bewußtseins:
                                sein Name sei Frisch. Insofern das literarische Tagebuch zwar
                                Zeugnis sein will, aber keinesfalls Bekenntnis, entspricht es aus
                                einigem Abstand dem Begriff des Psychogramms.</quote>
                            <ref target="#kieser1987" type="bibl" xml:id="ref_kieser1987-21"
                                rend="brackets">Kieser 1987: 21</ref></p>
                    </note> Anschauung ist für Frisch elementar: <quote source="#ref_frisch2010-176"
                        >Ich bin auf Erfahrungen angewiesen, die mich begrifflich hilflos machen und
                        von daher narrativ</quote>, wird er noch in seinem letzten, nachgelassenen
                    literarischen Tagebuch in den 1980er Jahren schreiben (<ref type="bibl"
                        target="#frisch2010" xml:id="ref_frisch2010-176">Frisch 2010: 176</ref>;
                    vgl. auch das <ref target="#frisch2010" type="bibl">Nachwort in Frisch 2010:
                        191</ref>).</p>
                <p>Das Schreiben nach 1945 ist ein Schreiben auf unsicherem Grund – Ewigkeitswerte
                    sind durch das Tausendjährige Reich zur Genüge diskreditiert, Frisch hütet sich
                    vor großen Parolen und Ansprüchen. Behutsamkeit, Vorläufigkeit ist angesagt. Die
                    Wahl der Tagebuch-Form ist die bewusste Entscheidung für eine offene Form in
                    einer bestimmten historischen Schreibsituation: Frisch erwähnt im
                        <title>Tagebuch</title> den <quote source="#ref_frisch1976b-443">Brief eines
                        Freundes</quote>, der die Frage stellt, ob es zur Aufgabe irgendeiner
                    künstlerischen Arbeit gehören könne, <quote source="#ref_frisch1976b-443">sich
                        einzulassen in die Forderungen des Tages</quote>
                    <ref type="bibl" target="#frisch1976b" xml:id="ref_frisch1976b-443"
                        rend="brackets">Frisch 1976b: 443</ref>. Während diese <quote
                        source="#ref_frisch1976b-443">Forderungen des Tages</quote> (übrigens ein
                    Goethe-Wort, das Thomas Mann wieder aufnahm) zwar zur bürgerlichen und
                    menschlichen Aufgabe gehörten, müsse sich das Kunstwerk darüber erheben. Für
                    Frisch ist es angesichts von Figuren wie dem musizierenden Mozart-Liebhaber und
                    Organisator der Judenvernichtung Reinhard Heydrich, angesichts einer <quote
                        source="#ref_frisch1976b-444">Kunst, die das Höchste vorgibt und das
                        Niederste duldet</quote>, <quote source="#ref_frisch1976b-444">fraglich, ob
                        sich die künstlerische und die menschliche Aufgabe trennen lassen. Zeichen
                        eines Geistes, wie wir ihn brauchen, ist nicht in erster Linie irgendein
                        Talent, das eine Zugabe darstellt, sondern die Verantwortung.</quote>
                    <ref type="bibl" target="#frisch1976b" xml:id="ref_frisch1976b-444"
                        rend="brackets">Frisch 1976b: 444f</ref> Die Frage des Könnens verbindet
                    sich für Frisch mit der des Dürfens, <quote source="#ref_frisch1976b-444">die
                        handwerkliche Sorge verschwindet hinter der sittlichen, deren Verbindung
                        wahrscheinlich das Künstlerische ergibt</quote>, – es geht um eine Antwort
                    auf das Versagen der politischen Doktrinen wie der abendländischen Kultur und
                    Bildung, auf die gerade Deutschland so stolz war – und zu dieser Zeit immer noch
                    ist, wie die Feiern zum 200. Geburtstag Goethes im Jahr 1949 zeigen.</p>

                <p>Nicht nur im temporalen Anspruch, auch formal werden tradierte ästhetische Normen
                    fragwürdig: <quote source="#ref_frisch1976b-451">Die Haltung der meisten
                        Zeitgenossen […] glaube ich, ist die Frage, und ihre Form, solange eine
                        ganze Antwort fehlt, kann nur vorläufig sein; für sie ist vielleicht das
                        einzige Gesicht, das sich mit Anstand tragen lässt, wirklich das
                        Fragment.</quote>
                    <ref type="bibl" target="#frisch1976b" xml:id="ref_frisch1976b-451"
                        rend="brackets">Frisch 1976b: 451</ref> Das <title>Tagebuch</title>
                    erscheint unter diesem Gesichtspunkt als <quote source="#ref_kieser1987-25"
                        >Sammlung von Fragmenten, die zwar im einzelnen isoliert erscheinen, im
                        Ganzen aber doch prononciert das Abbild eines Denkprozesses in seiner
                        individuellen Struktur ergeben.</quote>
                    <ref target="#kieser1987" type="bibl" xml:id="ref_kieser1987-25" rend="brackets"
                        >Kieser 1987: 25</ref></p>

                <p>Was bedeutet hier die <term>offene Form</term> oder <term>formlose Form</term>
                    (Michaela Holdenried)?<note xml:id="endnote_03">
                        <p>Zur innovativen Bedeutung der Tagebuchform als einer <quote
                                source="#ref_Wagner2012-256">von einer Poetik kaum regulierten
                                Gattung</quote> für Frisch <ref type="bibl" target="#wagner2012"
                                xml:id="ref_Wagner2012-256" rend="brackets">vgl. Wagner 2012:
                                256</ref>.</p>
                    </note> Das Bild der seismographischen Nadel suggeriert eine Medialität des
                    Schreibens, die auf jede weitere Bearbeitung verzichtet – etwas ähnliches wie
                    die <term>écriture automatique</term> der Surrealisten. Doch die literarische
                    Form ergibt sich keineswegs von selbst durch den chronologischen Verlauf der
                    Einträge in die Notizhefte. Vorläufigkeit bedeutet nicht Unmittelbarkeit oder
                    formale Nachlässigkeit – Frisch feilt an seinen Formulierungen, überarbeitet,
                    kondensiert, wählt aus, stellt um.</p>

                <p>So hat das <q rend="double-qm">Tagebuch</q> im Sinne Frischs letztlich wenig mit
                    den protokollarischen privaten Aufzeichnungen zu tun, die wir gemeinhin als
                        <term>journal intime</term>, <term>private diary</term> oder Tagebuch
                    bezeichnen <ref target="#wagner2012" type="bibl" xml:id="ref_wagner2012-20"
                        rend="brackets">vgl. Wagner 2012: 20</ref>: Es ist eine <quote
                        source="#ref_matt2010-185">streng gefügte Komposition</quote>
                    <ref type="bibl" target="#matt2010" xml:id="ref_matt2010-185" rend="brackets"
                        >von Matt 2010: 185</ref>. Frisch legt Wert darauf, dass sein Werk nicht
                    einfach willkürlich und punktuell gelesen werde: Der Zeitverlauf und zugleich
                    Textverlauf ist ihm wesentlich nicht als autobiographische Erlebnis-, sondern
                    als literarische Bedeutungsdimension. Er stellt der Publikation eine mit
                    Weihnachten 1949 datierte Bemerkung <title>An den Leser</title> voran:</p>

                <cit>
                    <quote source="#ref_frisch1976b-351"><p>Der verehrte Leser – einmal angenommen,
                            daß es ihn gibt, daß jemand ein Interesse hat, diesen Aufzeichnungen und
                            Skizzen eines jüngeren Zeitgenossen zu folgen, dessen Schreibrecht
                            niemals in seiner Person, nur in seiner Zeitgenossenschaft begründet
                            sein kann, vielleicht auch in seiner besonderen Lage als Verschonter,
                            der außerhalb der nationalen Lager steht – der Leser täte diesem Buch
                            einen großen Gefallen, wenn er, nicht nach Laune und Zufall hin und her
                            blätternd, die zusammensetzende Folge achtete; die einzelnen Steine
                            eines Mosaiks, und als solches ist dieses Buch zumindest gewollt, können
                            sich allein kaum verantworten. <ref target="#frisch1976b"
                                xml:id="ref_frisch1976b-351" type="bibl" rend="brackets">Frisch
                                1976b: 351</ref></p></quote>
                </cit>

                <p>Die Form, die Frisch anstrebt: zum einen in sich gestaltete Einzelelemente – der
                    einzelne Mosaikstein, an dem gehauen und geschliffen wird, bis er seine
                    ästhetisch verknappte Form gefunden hat –, zum andern Korrespondenz der Teile in
                    der Gesamtkomposition.<note xml:id="endnote_04">
                        <p>Im letzten Tagebuch tritt an Stelle des Mosaiks die Beobachtung, wie ein
                            Handwerker sorgsam eine Trockenmauer baut, Stein für Stein betrachtet,
                            behaut, einfügt – auch dieses Bild wird zum Spiegel dessen, was Frischs
                            Verständnis der Kompositionsform des literarischen <quote
                                source="#ref_frisch2010-25">Tagebuchs</quote> ausmacht. <ref
                                target="#frisch2010" type="bibl" rend="brackets"
                                xml:id="ref_frisch2010-25">Frisch 2010: 25</ref></p>
                        <cit>
                            <quote source="#ref_matt2010-186">Jeder Text muß in sich vollkommen
                                sein, geschlossen in einem klassischen Sinn, genau dadurch aber kann
                                er nun auch mit andern Texten in einen Bezug gegenseitiger
                                Spiegelung treten. Nur indem er auf kleinstem Raum ein Ganzes
                                bildet, gewinnt er die Möglichkeit, Teil einer größeren Kette zu
                                werden. Beides will daher studiert sein, die Ästhetik des einzelnen
                                Prosastücks und die Ästhetik der Korrespondenz jener Aufzeichnungen,
                                die zusammen einen leidenschaftlichen Denkweg verfolgen.</quote>
                            <ref rend="brackets" type="bibl" target="#matt2010"
                                xml:id="ref_matt2010-186">Matt 2010: 186</ref>
                        </cit>
                        <p>In beiden Bildern (Mosaik und Steinmauer) ist bemerkenswert, dass im Bild
                            – entgegen den Implikationen der Gattung – die Kategorie der Zeit
                            wegfällt – historische Zeit, erlebte Zeit, geschriebene Zeit,
                            Schreibzeit, die ebenso unerlässlich zum diaristischen Schreiben Frischs
                            gehören.</p>
                    </note> Das Weglassen, Aussparen ist ein wesentlicher Bestandteil von Frischs
                    Ästhetik, geht es doch zugleich um <quote source="#ref_frisch1976b-378f">das
                        Unsagbare, das Weiße zwischen den Worten</quote>. Die Aussagen umkreisen das
                    Wesentliche, das sich dem sprachlichen Ausdruck entzieht: <quote
                        source="#ref_frisch1976b-378f">Das Unsagbare erscheint bestenfalls als
                        Spannung zwischen diesen Aussagen.</quote>
                    <ref target="#frisch1976b" type="bibl" xml:id="ref_frisch1976b-378f"
                        rend="brackets">Frisch 1976b: 378f</ref> Damit grenzt sich Frisch auch klar
                    vom Aphorismus ab, der die Wahrheit auf den Punkt bringt, bzw. suggeriert,
                    diesen Anspruch erfüllen zu können.</p>
            </div>

            <div xml:id="wdr01_02-04_04">
                <head>Aspekte der Textgenese</head>
                <p><quote source="#ref_Lejeune1992-81">Un journal […] n’a pas d’avant-texte</quote>
                    <ref target="#lejeune1992" type="bibl" xml:id="ref_Lejeune1992-81"
                        rend="brackets">Lejeune 1992: 81</ref>, ein Tagebuch kennt keine Entwürfe
                    und Vorstufen, schreibt Philippe Lejeune: Genau dies trifft jedoch für Frischs
                        <title>Tagebuch 1946–1949</title>, wie gesehen, keineswegs zu. Man kann
                    Frischs Praxis durchaus auch als anti-diaristische Schreibweise sehen, wenn man
                    das Tagebuchschreiben als Schreibform versteht, in der alles ungefiltert in
                    Schrift fließt, was einem im Laufe des Tages bzw. im Rückblick auf den
                    vergangenen Tag so durch den Kopf geht. Sein <title>Tagebuch</title> entsteht in
                    einem langen Arbeitsprozess mit mehreren Überarbeitungsstufen.</p>

                <p>Es würde sich lohnen, die Entwicklung der Texte von den Notizheften zum
                    publizierten Text im Detail zu betrachten (vgl. dazu ansatzweise <ref
                        type="bibl" target="#buerger2011">Bürger 2011</ref>). Ich will mich hier auf
                    exemplarische Hinweise zu zwei Deutschlandbesuchen bzw. zu zwei Aspekten der
                    Textgenese beschränken. Eine Publikation der Notizhefte Max Frischs ist für die
                    weitere Erforschung dieser Zusammenhänge wünschenswert.</p>

                <div xml:id="wdr01_02-04_04-1">
                    <head>Die Begegnung mit Deutschland: Besuch in München im April 1946</head>

                    <p>Eine Tendenz der Textgenese besteht, wie erwähnt, darin, zu streichen, zu
                        kürzen, zu verknappen. Dies geschieht, so Peter von Matt, im Hinblick auf
                        ein <quote source="#ref_matt2010-186">Gefälle auf ein Ende hin, das
                            gleichzeitig abschließt und öffnet</quote>
                        <ref target="#matt2010" type="bibl" rend="brackets">Matt 2010: 186</ref> –
                        es eröffnet Fragen, im Zeichen einer <quote source="#ref_matt2010-188"
                            >stilistischen Strategie eines Verschweigens, das dringlicher anmutet
                            als jede Aussage.</quote>
                        <ref target="#matt2010" xml:id="ref_matt2010-188" type="bibl"
                            rend="brackets">von Matt 2010: 188</ref></p>

                    <p>Der Münchener Aufenthalt vom April 1946, bei dem Frisch das ganze Ausmaß der
                        Zerstörung durch die Bombardierungen sehen konnte, findet seinen
                        schriftlichen bzw. literarischen Niederschlag in verschiedenen Etappen:</p>

                    <p>Zuerst sind es die ausführlichen, tagebuchartigen Einträge im Notizheft
                        A–N_110, vermutlich direkt während der Reise niedergeschrieben – es ist
                        Frischs erste Reise nach Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg:</p>

                    <cit>
                        <quote source="#ref_notizheft_A-N_110-01">
                            <p>9.4. Ab St. Margarethen: 19.50 <lb/>[…] <lb/>Alleen, Bäume im
                                Scheinwerfer; viel freies Feld, Dörfer: sauber, schön, dann u. wann
                                ein Städtlein. Im Scheinwerfer erscheinen Paare, Uniformen mit
                                Mädchen, auch andere. Mitternacht: Einfahrt in München,
                                Straßenlampen, die Fahrbahn breit und sauber, ich hebe den Verschlag
                                u. sehe die ersten Ruinen, Gestein mit Bögen, mit schwarzen
                                Fenstern, dann wieder eine Lücke, nichts als aufgeräumtes Feld, u.
                                die Straße läuft breit u. städtische [sic] durch nächtliches Nichts,
                                man denkt an Pompey – nur daß die Drähte der Straßenbahn da sind u.
                                plötzlich wieder Häuser, Stadt der Menschen, ein erleuchtetes
                                Fenster, zwei oder drei, das gelb-warme Stubenlicht [?] von
                                Sekunden, die, so möchte man meinen, in einem Hexentraum nicht
                                bemerkt haben, daß ein Jahrhundert vergangen ist, daß es unsere Zeit
                                nicht mehr gibt, daß alles zer bröckelt [sic] u. versch[ü]ttet ist.
                                    <ref target="#notizheft_A-N_110" type="bibl"
                                    xml:id="ref_notizheft_A-N_110-01" rend="brackets">Max
                                    Frisch-Archiv, Notizheft A-N-110</ref></p>
                        </quote>
                    </cit>

                    <p>Und so geht es in atemloser parataktischer Reihung über viele Seiten weiter:
                        Frisch geht ganz auf im Betrachten, Beobachten, Schildern, er sucht auch das
                        Gespräch mit den Bewohnern Münchens und mit den amerikanischen Soldaten.</p>

                    <p>Diese Notizen werden in bereinigter Form in einen Text eingebracht, der schon
                        zwei Monate nach der Reise, im Juni 1946, in der <title>Neuen Schweizer
                            Rundschau</title> erscheint: <title>Death is so permanent – Notizen
                            einer kleinen deutschen Reise</title>.</p>

                    <figure xml:id="wdr01-02-04_Abb_03">
                        <graphic url="media/wdr01-02-04_Abb_03.jpg" width="2040px" height="500px"/>
                        <head type="legend">Neue Schweizer Rundschau, Heft 2, Juni 1946 mit Frischs
                            Text <title>Death is so permanent</title> (Max Frisch-Archiv)</head>
                    </figure>

                    <p>Die Beobachtungen sind nun begleitet von Reflexionen über die moralischen und
                        politischen Implikationen: Vorherrschend ist die Ernüchterung, dass die
                        Niederlage und das Kriegselend bei großen Teilen der deutschen Bevölkerung
                        kaum zu einer <q rend="double-qm">menschlichen Reife</q> und zur Einsicht
                        geführt habe.</p>

                    <cit>
                        <quote source="#ref_frisch1998-25">
                            <p>Daß es Elend ohne sittlichen Ertrag gibt, Elend, das sich auch im
                                Geist und in der Seele nicht lohnt, eben darin besteht ja das
                                eigentliche Elend, das uferlos ist, hoffnungslos, tierisch und
                                nichts als dies, und jede Verbeugung davor wirkt schamlos, eine
                                Weihung der Bomben, eine Ehrfurcht atavistischer Art, die immer noch
                                auf eine Vergötzung des Krieges hinausläuft […]. <ref
                                    rend="brackets" target="#frisch1998" type="bibl"
                                    xml:id="ref_frisch1998-25">Zit. nach Frisch 1998: 25</ref></p>
                        </quote>
                    </cit>

                    <p>Und weiter: </p>

                    <cit>
                        <quote source="#ref_frisch1998-34">
                            <p>Solange dieses [Elend] sie beherrscht, wie sollen sie zur Erkenntnis
                                jenes anderen Elendes kommen, das Deutsche über die Welt gebracht
                                haben? […] Auch das Elend wird mancherorts als Zeichen genommen, daß
                                man ein auserwähltes Volk ist […]. <ref target="#frisch1998"
                                    xml:id="ref_frisch1998-34" type="bibl" rend="brackets">Frisch
                                    1998: 34f</ref></p>
                        </quote>
                    </cit>

                    <p>Im Jahr 1947 erscheint das <title>Tagebuch mit Marion</title> im
                        Atlantis-Verlag, und 1950 das <title>Tagebuch 1946–1949</title>, das im
                        angesprochenen Bereich die Inhalte des Tagebuchs mit Marion weitgehend
                        unverändert wieder aufnimmt.</p>

                    <figure xml:id="wdr01-02-04_Abb_04">
                        <graphic url="media/wdr01-02-04_Abb_04.jpg" width="1483px" height="500px"/>
                        <head type="legend">Max Frisch: <title>Tagebuch mit Marion</title>. Zürich:
                            Atlantis 1947. (Max Frisch-Archiv)</head>
                    </figure>

                    <figure xml:id="wdr01-02-04_Abb_05">
                        <graphic url="media/wdr01-02-04_Abb_05.jpg" width="1330px" height="500px"/>
                        <head type="legend">Max Frisch: <title>Tagebuch 1946–1949</title>. Frankfurt
                            am Main: Suhrkamp 1950. (Max Frisch-Archiv)</head>
                    </figure>

                    <p>In diesen beiden publizierten Tagebüchern sind die Eindrücke wie die
                        Reflexion über Elend und Selbsterkenntnis verdichtet. Dies ist zum einen dem
                        poetischen Prinzip der Reduktion und Konzentration geschuldet. Zum andern
                        aber geht es um die angestrebten Leserinnen und Leser: Während die
                        Publikation in der <title>Neuen Schweizer Rundschau</title> sich fast
                        ausschließlich an ein Schweizer Zielpublikum richtet – das <q
                            rend="double-qm">wir</q> meint denn auch die Schweizer Bürger –, liegt
                        Frisch beim <title>Tagebuch 1946–1949</title> sehr viel daran, dass es durch
                        Peter Suhrkamps Vermittlung an das deutsche Zielpublikum gelangt. Der Dialog
                        mit dem Lesepublikum ist hier ein anderer. So ist etwa die Kritik eines
                        jungen Amerikaners an der deutschen Haltung im Text für die <title>Neue
                            Schweizer Rundschau</title> noch wesentlich ausführlicher und härter
                            <ref type="bibl" target="#frisch1998" rend="brackets">vgl. Frisch 1998:
                            28</ref> als im <title>Tagebuch 1946–1949</title>.</p>

                    <p>Frisch verfolgt mit seinem <title>Tagebuch</title> alles andere als eine
                        immanente Poetik des selbstbezüglichen Sprachkunstwerks, wie sie zur
                        gleichen Zeit Gottfried Benn in seinen <title>Problemen der Lyrik</title>
                        formulierte und der damals noch mit Frisch befreundete Germanist Emil
                        Staiger als Auslegungskunst auf die Lyrik der Goethezeit anwendete. Frisch
                        verbindet literarischen Anspruch und ästhetisches Formbewusstsein mit
                        zivilisatorischem Engagement, bedacht auf die dem Zielpublikum angemessene
                        Form.</p>
                </div>

                <div xml:id="wdr01_02-04_04-2">
                    <head>Die verborgene Leidenschaft: Berlin im November 1947</head>

                    <p>Wenn wir die Notizheft-Einträge zum Aufenthalt in Berlin im November 1947 mit
                        den Einträgen im publizierten Tagebuch vergleichen, so fällt eines auf:</p>

                    <p>Das ganze Heft Nr. 94, beschriftet <quote source="#ref_notizheft_A-N_94-01"
                            >Max Frisch / Zürich / Berlin (Nov. 47)</quote>
                        <ref target="#notizheft_A-N_94" type="bibl" xml:id="ref_notizheft_A-N_94-01"
                            rend="brackets">Max Frisch-Archiv, Heft A-N-94</ref> bezeugt vor allem
                        die leidenschaftliche Lust an der Affäre mit einer ihm bis dahin unbekannten
                        Frau namens Margot Schaake in Berlin <ref type="bibl" target="#schuett2011"
                            rend="brackets">vgl. Schütt 2011: 381f</ref>. Gleich nach der Ankunft in
                        Berlin begegnet ihr Frisch, und nach der ersten Liebesnacht notiert er:
                            <quote source="#ref_notizheft_A-N_94-02">Heute sie wiedergetroffen: sie
                            ist so, und was gewesen ist, bleibt bei hellichtem Tage – und nun ist
                            alles so zaubervoll</quote>
                        <ref type="bibl" xml:id="ref_notizheft_A-N_94-02" target="#notizheft_A-N_94"
                            rend="brackets">Max Frisch-Archiv, Heft A-N-94.</ref> – und es folgen
                        zehn Seiten zu diesem Liebesglück. Bald darauf heißt es, nach einer
                        Beschreibung der immer noch von Zerstörungen gezeichneten Stadt: <quote
                            source="#ref_notizheft_A-N_94-03">Ich sehe das Elend; aber ich bin
                            glücklich; ohne eigentliche Hoffnung; ganz Augenblick –.</quote>
                        <ref xml:id="ref_notizheft_A-N_94-03" type="bibl" target="#notizheft_A-N_94"
                            rend="brackets">Max Frisch-Archiv, Heft A-N-94</ref></p>

                    <p>Im <title>Tagebuch 1946–1949</title> gibt es zwar eine ganze Reihe von
                        Einträgen zu diesem Berlin-Aufenthalt, die auch auf erste Einträge in diesem
                        Notizheft zurückgehen, aber die Liebesaffäre fehlt vollständig. Nur
                        Andeutungen: <quote source="#ref_frisch1976b-496">Was man die Untreue nennt:
                            unser Versuch, einmal aus dem eigenen Gesicht herauszutreten, unsere
                            verzweifelte Hoffnung gegen das Endgültige.</quote>
                        <ref xml:id="ref_frisch1976b-496" type="bibl" target="#frisch1976b"
                            rend="brackets">Frisch 1976b: 496</ref></p>

                    <p>Für die Aussparung im Tagebuch gibt es natürlich banale Gründe – die
                        Rücksichtnahme gegenüber seiner Noch-Ehefrau Trudy Frisch-von Meyenburg, der
                        das <title>Tagebuch</title> in der Veröffentlichung gewidmet ist, und die
                        Angst vor dem Skandal in den besseren Zürcher Kreisen, in die er sich
                        eingeheiratet hatte. Doch zugleich gibt es auch literarische Gründe für die
                        Aussparung. Das Private hat keinen Platz im <title>Tagebuch
                            1946–1949</title>.<note xml:id="endnote_05">
                            <p><quote source="#ref_kieser1987-28">Das diaristische Erzählen
                                    geschieht in der Ich-Form. Es ist ein Ich, das Frisch zwar beim
                                    Namen nennt und das dennoch nicht den Schlüssel zum Privaten
                                    liefert, weil es lediglich ein Kürzel für das Bewusstsein des
                                    Autors gleichen Namens darstellt.</quote> (<ref
                                    target="#kieser1987" type="bibl" xml:id="ref_kieser1987-28"
                                    >Kieser 1978: 28</ref>; <ref type="bibl" target="#kieser1975"
                                    >vgl. auch Kieser 1975</ref>).</p>
                        </note>
                    </p>

                    <p>Neben der Verdichtung der Beobachtungen und Notizen und der Fokussierung auf
                        das Zielpublikum gehört also zu den Stilisierungsakten des <title>Tagebuchs
                            1946–1949</title> die Ausklammerung des Privaten – was in der Regel den
                        Kernpunkt eines Tagebuches ausmacht – also auch in dieser Hinsicht eine
                        gegenläufige Tendenz zu den Erwartungen ans Genre.</p>

                    <p>Allerdings geht es dabei nicht um eine grundsätzliche Scheidung von
                        Literarischem und Nicht-Literarischem – zumal in den Notizheften auch
                        Ansätze zu einer Fiktionalisierung dieser Berliner Liebesbeziehung zu finden
                        sind. Frischs geradezu euphorischer Aufbruch in den Nachkriegsjahren hängt
                        nicht zuletzt mit einer mehrfachen Öffnung zusammen – Öffnung nach Europa
                        auf Reisen, auf denen er die Eindrücke aufsaugt, Öffnung aber auch des
                        Gefängnisses seiner Ehe: All seine Reisen sind mit Liebschaften verbunden –
                        Frisch erlebt das Sich-Verlieben als Feier des Lebens, als <quote
                            source="#ref_matt2010-193">wilde Passion für das erfüllte Dasein</quote>
                        <ref target="#matt2010" type="bibl" xml:id="ref_matt2010-193"
                            rend="brackets">von Matt 2010: 193</ref>. Die erotische Spannung gehört
                        also durchaus zur literarischen Inspirationssphäre Frischs, und in anderen
                        Texten wie <title>Stiller</title>, <title>Homo faber</title> oder
                            <title>Montauk</title> ist sie auch thematisch zentral. Doch im
                            <title>Tagebuch 1946–1949</title> geht es ihm um anderes – um die
                        Verantwortung des Schreibenden im Nachkriegs-Europa.</p>
                </div>

            </div>

            <div xml:id="wdr01_02-04_05">
                <head>Ausblick: Das Diaristische im Gesamtwerk Frischs</head>

                <p>Das Tagebuch, als literarische Form auf die Öffentlichkeit hin geschrieben, ist
                    für Frisch zunächst die Antwort auf die <quote source="#ref_frisch1976b-443"
                        >Forderungen des Tages</quote> in der besonderen historischen und
                    kulturpolitischen Situation nach dem Zweiten Weltkrieg und eine pragmatische
                    Anpassung an die Schreibsituation als hauptberuflicher Architekt. Doch was sich
                    hier erstmals entwickelt, wird für Frisch zu einer zentralen literarischen Form
                    seines Schreibens – gleichwertig wie die Romane und Theaterstücke, ja diese
                    mitprägend. Diaristische Darstellungsformen finden sich vielfach in Frischs
                    fiktionalem Werk, allen voran im Roman <title>Stiller</title>.<note
                        xml:id="endnote_06">
                        <cit>
                            <quote source="#ref_kieser1987-31"><p>Das diaristische Erzählprinzip, so
                                    wie es Frisch theoretisch und praktisch für sich erarbeitet hat,
                                    reiht sich unter die modernen Erzählformen der Weltliteratur
                                    ein. Dass es als Theorem, das quer durch die herkömmlichen
                                    Gattungslehren geht, das gesamte literarische Denken und
                                    Schaffen Frischs entscheidend beeinflusst hat, lässt sich anhand
                                    der epischen und dramatischen Werke der Reifeperiode, aber auch
                                    in Frischs theoretischen Schriften zur Literatur deutlich
                                    nachweisen. <ref type="bibl" target="#kieser1987"
                                        rend="brackets" xml:id="ref_kieser1987-31">Kieser 1987:
                                        31f.</ref></p></quote>
                        </cit>
                    </note> Das Diaristische wird zum poetologischen Prinzip einer von Skepsis
                    geprägten Zeit – Skepsis gegenüber den traditionellen fiktionalen
                    Ausdrucksmöglichkeiten, Skepsis aber auch gegenüber Objektivitätsanspruch in der
                    Zeitdiagnose und gegenüber politischen Antworten, wie sie etwa Bert Brecht
                    anbot, mit dem Frisch ab 1947 in regem Kontakt war. Im Gespräch mit Heinz-Ludwig
                    Arnold sagt Frisch 1974:</p>

                <cit>
                    <quote source="#ref_arnold1975-41f">
                        <p>Ich bin hier, ich bin in New York, ich bin in Moskau usw., also die
                            Person Frisch, und ich schreibe da und dort dies und das, d.h. indem ich
                            die Subjektivität des Standortes mit einbeziehe, wird das, was ich zu
                            melden habe, objektiver, indem es sich nicht objektiv und absolut gibt.
                            […] Und das Tagebuch war nun eine Möglichkeit, die Fiktion stehen zu
                            lassen, aber sie abzusichern durch den Widerspruch Realität/Faktum und
                            Fiktion. <ref target="#arnold1975" rend="brackets" type="bibl"
                                xml:id="ref_arnold1975-41f">Arnold 1975: 41f.</ref><note
                                xml:id="endnote_07">
                                <p>Das Gespräch wurde vom 24. bis 27. November 1974 in Zürich
                                    geführt.</p>
                            </note></p>
                    </quote>
                </cit>

                <p>So gibt es insgesamt fünf literarische Tagebücher Frischs, drei davon zu
                    Lebzeiten publiziert: von den bereits erwähnten <title>Blättern aus dem
                        Brotsack</title> von 1940 über das kapitale <title>Tagebuch
                        1946–1949</title> zum zwanzig Jahre später entstandenen <title>Tagebuch
                        1966–1971</title>; aus dem Nachlass herausgegeben wurde einerseits das
                        <title>Berliner Journal</title>, die Jahre 1973/74 umfassend (aus
                    persönlichkeitsrechtlichen Gründen nur in Auszügen publiziert), und schließlich
                    die <title>Entwürfe zu einem dritten Tagebuch</title>, geschrieben in den USA
                    1982/83 in der Ära des Präsidenten Ronald Reagan. Jedes dieser Werke hat seine
                    spezifischen Entstehungsumstände, historischen Bezüge und Formelemente. Auch die
                    Relation von Privatheit und Öffentlichkeit wird jedesmal neu ausgelotet.</p>

                <p>Die <emph>politische Brisanz</emph> dieser Art von Literatur, die sich als
                    schreibende Zeitgenossenschaft versteht, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass
                    die konservative <title>Neue Zürcher Zeitung</title> nicht nur das
                        <title>Tagebuch 1946–1949</title>, sondern auch das <title>Tagebuch
                        1966–1970</title> (im Zeichen der Nachwehen des Zürcher Literaturstreits um
                    Emil Staiger) mit Schweigen überging – dies zu einem Zeitpunkt, als Frisch
                    längst eine Institution der deutschsprachigen Literatur war und wiederholt als
                    heißer Kandidat für den Nobelpreis gehandelt wurde. Die <emph>poetische
                        Relevanz</emph> der literarischen Tagebücher, allen voran des
                        <title>Tagebuchs 1946–1949</title>, zeigt sich nicht nur in ihrer
                    Wirkungsgeschichte, sondern auch deutlich in Frischs New Yorker Poetikvorlesung
                    von 1981, die aus dem Nachlass im Bändchen <title>Schwarzes Quadrat</title>
                    herausgegeben wurde: Frisch hält darin fest, er habe keine eigene Poetik; er
                    geht darum von Zitaten aus seinem Werk aus, um sein Schreiben zu erläutern. Die
                    meisten dieser Zitate nimmt er aus dem <title>Tagebuch 1946–1949</title>.</p>

                <cit>
                    <quote source="#ref_frisch2008-21">
                        <p>Im Grunde ist alles, was wir in diesen Tagen aufschreiben, nichts als
                            eine verzweifelte Notwehr, die immerfort auf Kosten der Wahrhaftigkeit
                            geht, unweigerlich; denn wer im letzten Grunde wahrhaftig bliebe, käme
                            nicht mehr zurück, wenn er das Chaos betritt – oder er müsste es
                            verwandelt haben. (<ref xml:id="ref_frisch2008-21" type="bibl"
                                target="#frisch2008">Frisch 2008: 21; vgl. die Nachweise der
                                zahlreichen Zitate aus dem Tagebuch 1946–1949 ebd., S. 76</ref>)</p>
                    </quote>
                </cit>

                <p>Im Anschluss an eines dieser Zitate kommentiert er in der Vorlesung von 1981:
                        <quote source="#ref_frisch2008-27">Wenn diese paar Sätze nicht geschrieben
                        worden wären, so dass man sie mir vorlesen kann vor Gericht, so könnte ich
                        schwören, dass ich das soeben gedacht habe, und dabei sind diese Wörter
                        genau zweiunddreißig Jahre alt.</quote>
                    <ref target="#frisch2008" type="bibl" xml:id="ref_frisch2008-27" rend="brackets"
                        >Frisch 2008: 27</ref></p>
            </div>
        </body>
        <back>
            <div type="bibliography">
                <listBibl>

                    <bibl xml:id="amrein2013"><author>Amrein, Ursula</author> (<date>2013</date>):
                            <title type="main" level="m">irritation theater</title>. <title
                            level="m" type="sub">Max Frisch und das Schauspielhaus Zürich</title>.
                            <pubPlace>Zürich</pubPlace> : <publisher>Chronos</publisher>.</bibl>

                    <bibl xml:id="arnold1975"><author>Arnold, Heinz Ludwig</author>
                            (<date>1975</date>): <title type="main" level="a">Gespräch mit Max
                            Frisch</title>, in: ders.: <title type="main" level="m">Gespräche mit
                            Schriftstellern</title>. <pubPlace>München</pubPlace>:
                            <publisher>Beck</publisher>, S. <biblScope unit="page"
                        >9–73</biblScope>.</bibl>

                    <bibl xml:id="buerger2011"><author>Bürger, Jan</author> (<date>2011</date>):
                            <title type="main" level="m">Max Frisch: Das Tagebuch</title>.
                            <pubPlace>Marbach</pubPlace>: <publisher>Deutsche
                            Schillergesellschaft</publisher> (marbachermagazin 133).</bibl>

                    <bibl xml:id="frisch1972">
                        <author>Frisch, Max</author> (<date>1972</date>/<date>2009</date>): <title
                            level="a" type="main">Diskussionsbeitrag</title>, in: <title level="a"
                            type="main">Geheime Bekenntnisse</title>. <title type="sub" level="a"
                            >Die Kunst des Tagebuchs. Eine Diskussion zwischen Elias Canetti, Max
                            Frisch, Uwe Johnson, Lars Gustafsson und Walter Höllerer</title> (1972),
                        in: <title level="j" type="main">Literaturen</title>
                        <biblScope unit="issue">1/2 II</biblScope> (<date>2009</date>), S.
                            <biblScope unit="page">20–23</biblScope>.</bibl>

                    <bibl xml:id="frisch1976a">
                        <author>Frisch, Max</author> (<date>1976a</date>): <title level="a"
                            type="main">Über Zeitereignis und Dichtung</title>, in: Ders.: <title
                            type="main" level="m">Gesammelte Werke in zeitlicher Folge</title>. Hg.
                        v. <editor>Hans Mayer</editor>, <biblScope unit="volume">Bd. 2</biblScope>.
                            <pubPlace>Frankfurt a.M.</pubPlace>: <publisher>Suhrkamp</publisher>, S.
                            <biblScope unit="page">285–289</biblScope>.</bibl>

                    <bibl xml:id="frisch1976b">
                        <author>Frisch, Max</author> (<date>1976b</date>): <title level="m"
                            type="main">Tagebuch 1946–1949</title>, in: Ders.: <title level="s"
                            type="main">Gesammelte Werke in zeitlicher Folge</title>, <biblScope
                            unit="volume">Bd. 2</biblScope>, S. <biblScope unit="page"
                            >347–750</biblScope>.</bibl>

                    <bibl xml:id="frisch1990"><author>Frisch, Max</author> (<date>1990</date>):
                            <title level="a" type="main">Blätter aus dem Brotsack, neue
                            Folge</title>, in: Ders.: <title level="m" type="main">Die Schweiz als
                            Heimat?</title> Hg. v. <editor>Walter Obschlager</editor>.
                            <pubPlace>Frankfurt a.M.</pubPlace>:
                        <publisher>Suhrkamp</publisher>.</bibl>

                    <bibl xml:id="frisch1998"><author>Frisch, Max</author> (<date>1998</date>):
                            <title level="m" type="main">Jetzt ist Sehenszeit</title>. <title
                            type="sub" level="m">Briefe, Notate, Dokumente 1943–1963</title>. Hg. v.
                            <editor>Julian Schütt</editor>. <pubPlace>Frankfurt a.M.</pubPlace>:
                            <publisher>Suhrkamp</publisher>.</bibl>

                    <bibl xml:id="frisch2008"><author>Frisch, Max</author> (<date>2008</date>):
                            <title type="main" level="m">Schwarzes Quadrat</title>. <title level="m"
                            type="sub">Zwei Poetikvorlesungen</title>. Hg. v. <editor>Daniel de
                            Vin</editor>. <pubPlace>Frankfurt a.M.</pubPlace>:
                            <publisher>Suhrkamp</publisher>.</bibl>

                    <bibl xml:id="frisch2010">
                        <author>Frisch, Max</author> (<date>2010</date>): <title level="m"
                            type="main">Entwürfe zu einem dritten Tagebuch</title>. Hg. u. mit einem
                        Nachwort v. <editor>Peter von Matt</editor>. <pubPlace>Berlin</pubPlace>:
                            <publisher>Suhrkamp</publisher>.</bibl>

                    <bibl xml:id="notizheft_A-N_48"><author>Frisch, Max</author>: <title level="m"
                            type="main">Heft A-N-48</title>. Max Frisch-Archiv.</bibl>

                    <bibl xml:id="notizheft_A-N_94"><author>Frisch, Max</author>: <title level="m"
                            type="main">Heft A-N-94</title>. Max Frisch-Archiv.</bibl>

                    <bibl xml:id="notizheft_A-N_110"><author>Frisch, Max</author>: <title level="m"
                            type="main">Notizheft A-N-110</title>. Max Frisch-Archiv.</bibl>

                    <bibl xml:id="kieser1975">
                        <author>Kieser, Rolf</author> (<date>1975</date>): <title level="a"
                            type="main">Die Anwendung der Tagebuchidee im Gesamtwerk Max
                            Frischs</title>, in: Ders.: <title level="m" type="main">Max
                            Frisch</title>. <title type="sub" level="m">Das literarische
                            Tagebuch</title>. <pubPlace>Frauenfeld/Stuttgart</pubPlace>:
                            <publisher>Huber</publisher>, S. <biblScope unit="page"
                            >81–158</biblScope>.</bibl>

                    <bibl xml:id="kieser1987">
                        <author>Kieser, Rolf</author> (<date>1987</date>): <title level="a"
                            type="main">Das Tagebuch als Idee und Struktur im Werke Max
                            Frischs</title>, in: <editor>Walter Schmitz</editor> (Hg.): <title
                            level="m" type="main">Max Frisch</title>. <pubPlace>Frankfurt
                            a.M.</pubPlace>: <publisher>Suhrkamp</publisher>, S. <biblScope
                            unit="page">17–33</biblScope>.</bibl>

                    <bibl xml:id="lejeune1992"><author>Lejeune, Philippe</author>
                        (<date>1992</date>): <title type="main" level="m">Auto-genèse</title>.
                            <title type="sub" level="m">L’étude génétique des textes
                            autobiographiques</title>, in: <title type="main" level="j"
                            >Genesis</title>. <title level="j" type="sub">Manuscrits, recherche,
                            invention</title>
                        <biblScope unit="issue">1</biblScope>, S. <biblScope unit="page"
                            >73–87</biblScope>.</bibl>

                    <bibl xml:id="matt2010"><author>Matt, Peter von</author> (<date>2010</date>):
                            <title type="main" level="a">Nachwort</title>, in: <author>Max
                            Frisch</author>: <title type="main" level="m">Entwürfe zu einem dritten
                            Tagebuch</title>. Hg. v. <editor>Peter von Matt</editor>.
                            <pubPlace>Berlin</pubPlace>: <publisher>Suhrkamp</publisher>, S.
                            <biblScope unit="page">185–197</biblScope>.</bibl>

                    <bibl xml:id="schuett2011"><author>Schütt, Julian</author> (<date>2011</date>):
                            <title type="main" level="m">Max Frisch</title>. <title type="sub"
                            level="m">Biographie eines Aufstiegs, 1911–1954</title>.
                            <pubPlace>Berlin</pubPlace>: <publisher>Suhrkamp</publisher>.</bibl>

                    <bibl xml:id="utz2010"><author>Utz, Peter</author> (<date>2010</date>): <title
                            type="main" level="a">Die Katastrophe im Blick</title>. <title level="a"
                            type="sub">Literarische Betrachtungen zur Schweiz auf der
                            Zuschauerbank</title>, in: <editor>Elio Pellin</editor>/<editor>Ulrich
                            Weber</editor> (Hg.): <title type="main" level="m"><q rend="double-qm"
                                >Wir stehen da, gefesselte Betrachter</q></title>. <title type="sub"
                            level="m">Theater und Gesellschaft</title>.
                            <pubPlace>Göttingen</pubPlace>: <publisher>Wallstein</publisher> /
                            <pubPlace>Zürich</pubPlace>: <publisher>Chronos</publisher>
                        (Sommerakademie Centre Dürrenmatt Neuchâtel 2), S. <biblScope unit="page"
                            >15–37</biblScope>.</bibl>

                    <bibl xml:id="utz2013"><author>Utz, Peter</author> (<date>2013</date>): <title
                            type="main" level="m">Kultivierung der Katastrophe</title>. <title
                            level="m" type="sub">Literarische Untergangsszenarien aus der
                            Schweiz</title>. <pubPlace>München</pubPlace>:
                            <publisher>Fink</publisher>.</bibl>

                    <bibl xml:id="wagner2012">
                        <author>Wagner, Karl</author> (<date>2012</date>): <title type="main"
                            level="a"><q rend="double-qm">die zusammensetzende Folge</q></title>.
                            <title level="a" type="sub">Die Tagebücher I–III</title>, in:
                            <editor>Daniel Müller-Nielaba</editor>/<editor>Yves
                            Schumacher</editor>/<editor>Christoph Steier</editor> (Hg.): <title
                            level="m" type="main">Man will werden, nicht gewesen sein</title>.
                            <title level="m" type="sub">Zur Aktualität Max Frischs</title>.
                            <pubPlace>Zürich</pubPlace>: <publisher>Chronos</publisher>, S.
                            <biblScope unit="page">247–266</biblScope>.</bibl>

                    <bibl xml:id="weidermann2012"><author>Weidermann, Volker</author>
                            (<date>2012</date> [2010]): <title type="main" level="m">Max
                            Frisch</title>. <title type="sub" level="m">Sein Leben, seine
                            Bücher.</title>
                        <pubPlace>München</pubPlace>: <publisher>btb</publisher>.</bibl>

                </listBibl>
            </div>
        </back>
    </text>
</TEI>
