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                <title type="main">Auf dem Weg zu einer digitalen Edition der Notizen von Max
                    Frisch</title>
                <author>
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                        <forename>Tobias</forename>
                        <surname>Amslinger</surname>
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                    <affiliation>Max Frisch-Archiv</affiliation>
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            <publicationStmt>
                <publisher>Wiener Digitale Revue</publisher>
                <date>2020</date>
                <availability>
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">
                        <p>For this publication, a Creative Commons Attribution 4.0 International
                            license has been granted by the author(s), who retain full
                            copyright.</p>
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                <idno type="DOI">10.25365/wdr-01-03-04</idno>
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                    >https://journals.univie.ac.at/index.php/wdr/article/view/2933</idno>
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                <title>Wiener Digitale Revue</title>
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                    <term xml:lang="de">Max Frisch</term>
                    <term xml:lang="de">Notizen</term>
                    <term xml:lang="de">Digitale Edition</term>
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                    <term xml:lang="en">Max Frisch</term>
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                    <term xml:lang="en">Max Frisch Archive</term>
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    <text>
        <front>
            <div type="abstract" xml:lang="de">
                <p>Tobias Amslinger liefert einen Werkstattbericht aus dem Max Frisch Archiv (ETH
                    Zürich), das etwa 130 kleine Notizhefte verwahrt. Im Rahmen einer digitalen
                    Edition wird das umfangreiche werkgenetische, biographische und
                    zeitgeschichtliche Quellenmaterial einerseits systematisch erschlossen,
                    andererseits kann es als integraler Bestandteil von Frischs Werk angesehen
                    werden. Ein neuer Werkkomplex tut sich auf: <q rend="single-qm">Schreiben als
                        Entwurf</q>.</p>
            </div>
            <div type="abstract" xml:lang="en">
                <p><title>Toward a digital edition of Max Frisch's notes</title>: The Max Frisch
                    Archiv (ETH Zurich) contains approximately 130 small notebooks that Max Frisch
                    used throughout his life. In the context of a digital edition, this extensive
                    work genetic, biographical and historical source material is made accessible in
                    a systematic manner one the one hand, on the other hand, we may regard it as an
                    integral part of Frisch's oeuvre. A new work complex appears: <q
                        rend="single-qm" xml:lang="en">writing as draft</q>, as Tobias Amslinger
                    illustrates in his work in progress report.</p>
            </div>
        </front>
        <body>
            <p>Im Jahr <date>1976</date>, dem Jahr, in dem Max Frisch seinen 65. Geburtstag feierte,
                erschien im Suhrkamp Verlag eine sechsbändige Ausgabe seiner <title>Gesammelten
                    Werke in zeitlicher Folge</title>. Die Auswahl dieser Texte diskutierte Frisch
                im Vorfeld unter anderem mit Uwe Johnson, der ebenfalls in Berlin-Friedenau lebte.
                In seinem <title>Berliner Journal</title> hielt Frisch damals fest: <quote
                    source="#ref_frisch2014-98">Gespräch mit Uwe Johnson […] wegen der Werkausgabe.
                    Ja oder Nein? Ich bin jetzt doch dafür, wenn auch gegen Vollständigkeit.</quote>
                <ref type="bibl" target="#frisch2014" xml:id="ref_frisch2014-98" rend="brackets"
                    >Frisch 2014: 98</ref> Frisch listet Werke auf, die enthalten sein sollen, lässt
                dabei jedoch einiges aus, und schließt mit der Anmerkung:</p>

            <cit>
                <quote source="#ref_frisch2014-98">Johnson fordert Vollständigkeit (wenn schon, denn
                    schon, Sie müssen dazu stehen, Herr Frisch, wir kennen alles), was mir ein Graus
                    ist. Zum Beispiel möchte ich keine Zeitungsartikel. [...] Wenn Briefe, welche?
                    [...] Keine Notizen, auch nicht posthum. <ref type="bibl" target="#frisch2014"
                        rend="brackets">Ebd.: 98 f.</ref></quote>
            </cit>

            <p><quote source="#ref_frisch2014-98">Keine Notizen</quote> sollten veröffentlicht
                werden, <quote source="#ref_frisch2014-98">auch nicht posthum</quote> – so
                formulierte Max Frisch im Jahr <date>1973</date>. Diese apodiktische Aussage mag
                verständlich sein aus der Perspektive eines Autors, der als junger Mann seine
                frühesten Schreibversuche vernichtet hatte, später akribisch an seinen Texten
                feilte, bis sie ihre gedruckte Form fanden, und auch diese gedruckte Form wieder und
                wieder in Zweifel zog und revidierte. Einerseits zielte Frischs Bemühen auf das <q
                    rend="single-qm">fertige</q> Werk, was ihn beispielsweise dazu veranlasste, die
                fehlerhaften Datierungen, die sich in seinen Roman <title>Homo faber</title>
                eingeschlichen hatten, in einer Neuausgabe zu korrigieren. Andererseits zeigte
                Frisch immer wieder eine Vorliebe gerade für das Unfertige und den Prozess, in dem
                etwas Neues entsteht. So ist im <title>Tagebuch 1946–1949</title> zu lesen: <quote
                    source="#ref_frisch1950-332">das Fertige wird stets etwas trostlos sein,
                    unheimlich; alles Fertige hört auf, Behausung unsres Geistes zu sein; aber das
                    Werden ist köstlich, was es auch sei –</quote>. <ref type="bibl"
                    target="#frisch1950" xml:id="ref_frisch1950-332" rend="brackets">Frisch 1950:
                    332</ref></p>
            <p>Schon das publizierte Werk weist auf den großen Stellenwert hin, den die Notiz als
                Modell für Frisch besaß. Die Notiz ist Schnittstelle zwischen Erleben und Reflexion
                über das Erlebte, der Versuch, die eigene Wirklichkeit schreibend zu fassen,
                einzuordnen oder überhaupt erst hervorzubringen. Stiller füllt seine Hefte mit
                Aufzeichnungen und behauptet so, ein anderer zu sein als der, für den man ihn hält.
                Blickt man auf den nicht veröffentlichten Nachlass, so wird deutlich, dass die Notiz
                geradezu im Zentrum von Frischs Schreibens stand. Etwa 130 gebundene Notizhefte
                haben sich erhalten. Rund 80 davon sind blaue <q rend="single-qm">Milchbüchlein</q>,
                die Frisch von den 1940er-Jahren bis zu Beginn der 1950er-Jahre bevorzugte. Hinzu
                kommen mehrere Dutzend Spiralhefte, Schreibblöcke, Ringbücher und Konvolute loser
                Blätter. Über 6.000 handschriftliche Seiten mit Notizen, Skizzen und Entwürfen
                werden im <ref target="http://www.mfa.ethz.ch">Max Frisch-Archiv an der
                    ETH-Bibliothek</ref> in Zürich aufbewahrt und sind dort für die Forschung
                zugänglich.</p>
            <p>Das Archiv wurde im Jahr <date>1980</date> an der Eidgenössischen Technischen
                Hochschule eingerichtet. Vorausgegangen war ihm die Gründung einer Max
                Frisch-Stiftung, die der Autor gemeinsam mit Siegfried Unseld, Peter Bichsel, Adolf
                Muschg und Peter von Matt in die Wege leitete <ref type="bibl"
                    target="#oberschlager2008" rend="brackets">vgl. Obschlager 2008</ref>. Die
                Gründung der Stiftung und des Archivs sind Ausdruck eines gewachsenen
                Nachlassbewusstseins, das sich bei Frisch in den 1970er-Jahren ausprägte. Einerseits
                wollte er dafür Sorge tragen, dass bestimmte Teile seiner schriftlichen
                Hinterlassenschaft nicht unkontrolliert in die Öffentlichkeit gelangten. Davon
                zeugen die von ihm verfügten Sperrfristen für Konvolute wie den Briefwechsel mit
                Ingeborg Bachmann oder das <title>Berliner Journal</title>. Andererseits bedeutete
                das Archiv aber auch eine Öffnung im Hinblick auf Teile seines Schaffens, die
                bislang unbekannt oder unveröffentlicht waren. Mit der Benennung eines
                Stiftungsrates suspendierte Frisch die alleinige Werkherrschaft und setzte
                stattdessen ein Gremium ein, das nach seinem Tod die Verwaltung des Nachlasses mit
                allen Rechten und Pflichten übernehmen sollte. So konnte Frisch mit einem gewissen
                Erstaunen das Hauptgebäude der ETH betreten:</p>

            <cit>
                <quote source="#ref_frisch2010-115"><p>Wenn ich in der Eidgenössischen Technischen
                        Hochschule (Hauptgebäude) das Schild lese: MAX FRISCH ARCHIV – wie fühlt man
                        sich:</p>
                    <p>wichtig?</p>
                    <p>ausgeliefert?</p>
                    <p>beschützt?</p>
                    <p>bestattet?</p>
                    <p>dankbar?</p>
                    <p>historisch?</p>
                    <p>Die Frage, wen das Material, das sich da anhäuft, je interessieren soll, die
                        Frage nach dem öffentlichen Bedürfnis also habe ich nicht zu beantworten.
                            <ref type="bibl" target="#frisch2010" xml:id="ref_frisch2010-115"
                            rend="brackets">Frisch 2010: 115</ref></p></quote>
            </cit>

            <p>Auf das <quote source="#ref_frisch2010-115">öffentliche Bedürfnis</quote> reagiert
                die Max Frisch-Stiftung, indem Teile des Nachlasses sukzessive zugänglich gemacht
                werden – nicht nur für Forschende vor Ort, sondern auch in Form von Editionen. Dazu
                gehören Korrespondenzen wie der Briefwechsel von Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt
                    (<ref type="bibl" target="#frisch1998a">Frisch/Dürrenmatt 1998</ref>) sowie
                Einzelausgaben von vergriffenen oder nicht vollendeten Werken: z.B. <title>Antwort
                    aus der Stille</title> (<ref type="bibl" target="#frisch2009">Frisch
                2009</ref>), <title>Entwürfe zu einem dritten Tagebuch</title> (<ref type="bibl"
                    target="#frisch2010">Frisch 2010</ref>), <title>Aus dem Berliner Journal</title>
                    (<ref type="bibl" target="#frisch2014">Frisch 2014</ref>).</p>
            <p>Während Frischs Werke in zahlreichen Ausgaben gedruckt vorliegen, sind die im Archiv
                erhaltenen Notizen bis heute nahezu unveröffentlicht. Ein Teil der blauen Hefte
                wurde – neben anderen Dokumenten – erstmals <date>1998</date> im Rahmen der
                Ausstellung <title>Jetzt ist Sehenszeit</title> gezeigt. Einzelne Notate sind im
                Katalog zur Ausstellung abgedruckt (<ref type="bibl" target="#frisch1998b">Frisch
                    1998</ref>) und werden in verschiedenen wissenschaftlichen und biographischen
                Arbeiten zitiert (<ref type="bibl" target="#schuett2011">vgl. etwa Schütt
                2011</ref>). Im Jahr <date>2018</date> zeigte das Max Frisch-Archiv eine
                Ausstellung, die sich ausschließlich den Notizen widmete und neben ihrer
                inhaltlichen Spannbreite die Masse und Materialität der Hefte, Blöcke und Zettel ins
                Zentrum rückte. Die Ausstellung präsentierte verschiedene Ordnungssysteme und
                brachte die Aufzeichnungen in unterschiedlichen Konstellationen zusammen: Eine
                Vitrine widmete sich den Reiseeindrücken des Autors, eine andere seinen Notizen über
                Freundschaften; eine dritte Vitrine versammelte Bemerkungen über das
                Tagebuchschreiben. Großformatige fotografische Reproduktionen, die an der Wand zu
                sehen waren, ordneten die Hefte nach ihrer Farbigkeit: blaue, schwarze und <q
                    rend="single-qm">bunte</q> Hefte.</p>

            <figure xml:id="wdr01-03-04_Abb_01">
                <graphic url="wdr01-03-04_Abb_01.jpg" width="400px" height="599px"/>
                <head type="legend">Ausstellungsansicht <title>Max Frischs Notizhefte</title>, 2018
                    (Foto: Alan Maag / Max Frisch-Archiv)</head>
            </figure>

            <p>Die physische Ausstellung erlaubt verschiedene Gruppierungen einer Materialgattung,
                die in ihrer Gesamtheit eben keinen linearen Charakter aufweist. Frisch trug seine
                Notizhefte auf Reisen bei sich, er beschrieb sie im Café oder im Museum, er notierte
                darin Termine, Telefonnummern, politische Betrachtungen, literarische Skizzen oder
                zeichnete auf einer Reise ein architektonisches Detail. Den Drang, permanent zu
                notieren, bezeichnete er selbst einmal als <quote source="#ref_schuett2011-344"
                    >Graphomanie</quote> (<ref type="bibl" target="#schuett2011"
                    xml:id="ref_schuett2011-344">vgl. Schütt 2011: 344</ref>).</p>
            <p>Von außen betrachtet, verraten die Hefte wenig über ihren Inhalt. Max Frisch hat
                manche mit seinem Namen, seiner Anschrift oder einem Datum versehen, andere
                Beschriftungen verweisen auf Werke wie <title>Don Juan</title> oder auf
                Reisestationen wie <title>New York</title>. Manche Titel geben Hinweise auf den
                Arbeitsprozess (z.B. <title>Zeitstücke. erledigt</title>). Andere sind überhaupt
                nicht beschriftet.</p>

            <figure xml:id="wdr01-03-04_Abb_02">
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                <head type="legend"><q rend="single-qm">Milchbüchlein</q> aus dem Jahr
                        <date>1951</date> (MFA, A-N-6)</head>
            </figure>

            <p><quote source="#ref_frisch1949a">Tagebuchblätter</quote>, notierte Max Frisch im Jahr
                    <date>1949</date>, würden <quote source="#ref_frisch1949a">geschrieben auf einen
                    Briefumschlag, eine Zigarettenschachtel, meinetwegen in ein kleines
                    Heftlein</quote>, es seien <quote source="#ref_frisch1949a">Erzeugnisse in den
                    Pausen, Notizen unterwegs, Einfälle in einem Wartezimmer, im Kaffeehaus, in der
                    Bahn oder am Feierabend, bevor man das Licht löscht</quote>, und <quote
                    source="#ref_frisch1949a">immer Notizen an den Schreiber selbst, Briefe ohne
                    Empfänger</quote>; ihr wesentlicher Reiz sei <quote source="#ref_frisch1949a"
                    >das Selbstgespräch, die Aussage ohne Stimme, der Umgang eines Geistes mit sich
                    selbst</quote> (<ref type="bibl" target="#frisch1949a" xml:id="ref_frisch1949a"
                    >Frisch 1949a</ref>).</p>
            <p>Dieser Stilisierung eines selbstbezogenen Schreibens steht der konkrete Zweck der
                Notizhefte als Materialsammlung für die publizierten Werke gegenüber – etwa für die
                kunstvoll durchkomponierten <title>Tagebücher</title>. Gleichzeitig macht Frisch an
                einer Stelle deutlich, dass <quote source="#ref_frisch1949b">höchstens ein
                    Drittel</quote> (<ref type="bibl" target="#frisch1949b" xml:id="ref_frisch1949b"
                    >Frisch 1949b</ref>) Eingang ins Buch finden wird. Die Notiz dient ihm auch als
                Erkenntnisinstrument. Sie soll dabei helfen, in einer <quote
                    source="#ref_frisch1949b">durch und durch entdeckten Welt</quote> (<ref
                    type="bibl" target="#frisch1949b">ebd.</ref>) trotzdem noch etwas Neues zu
                entdecken. Immer wieder finden sich Zeichnungen in den Heften, die der ausgebildete
                Architekt Max Frisch zur Erinnerung an Gesehenes aufs Papier brachte.</p>

            <figure xml:id="wdr01-03-04_Abb_03">
                <graphic url="wdr01-03-04_Abb_03.jpg" width="300px" height="399px"/>
                <head type="legend">Aus den <hi rend="italic">GRIECHENLAND NOTIZEN</hi>,
                        <date>1957</date> (MFA, A-N-129)</head>
            </figure>

            <p>Alle erhaltenen materiellen Notizträger wurden zwischen <date>2014</date> und
                    <date>2018</date> im Rahmen eines Projektes zur Digitalisierung des gesamten
                Nachlasses eingescannt und in der Archivdatenbank <ref
                    target="http://maxfrischarchiv-online.ethz.ch">Max Frisch-Archiv Online</ref>
                erschlossen. Die Digitalisierung dient einerseits dem Schutz der empfindlichen
                physischen Originale, andererseits stellt sie die Voraussetzung für einen besseren
                Zugang dar. Aus urheber- und persönlichkeitsrechtlichen Gründen sind die
                Digitalisate derzeit nur vor Ort einsehbar. Inhaltliche Recherchen werden von einer
                Stichwortsuche in der Archivdatenbank unterstützt. Doch eine zielführende Recherche
                ist für Forschende mit Hindernissen belegt, weil die Hefte in sich kaum strukturiert
                und für ungeübte Leserinnen und Leser nur mit Mühe zu entziffern sind. Ihr großes
                Potential für die Forschung können sie derzeit nur bedingt entfalten.</p>
            <p>Die Max Frisch-Stiftung hat sich deshalb zu einer Edition der Notizen entschlossen,
                die die Hefte, Blöcke und losen Zettel als Faksimiles sowie als transkribierten Text
                wiedergeben und verschiedene Zugangswege zu den heterogenen Inhalten ermöglichen
                soll. Für die Umsetzung wird ein rein digitales Konzept entwickelt, das der
                besonderen Art der Materialien gerecht wird: Texte, die für sich stehen,
                gleichzeitig anderen Texten vorausgehen oder jenen folgen, verschiedene Textsorten
                und große Textmengen, die nur partiell einer linearen Ordnung unterliegen, dazu
                Zeichnungen, unterschiedliche Stiftfarben und Materialitäten sollen dargestellt und
                für unterschiedliche Forschungsfragen zugänglich gemacht werden.</p>

            <figure xml:id="wdr01-03-04_Abb_04">
                <graphic url="wdr01-03-04_Abb_04.jpg" width="450px" height="366px"/>
                <head type="legend">Notizheft aus dem Jahr <date>1949</date> (MFA, A-N-99)</head>
            </figure>

            <p>Der nichtlineare, multimediale und verweishafte Charakter von Notizen und
                Notizbüchern lässt diese geradezu als Idealfälle für digitale Editionen erscheinen.
                In den letzten Jahren wurde eine Reihe solcher Projekte begonnen (<ref type="bibl"
                    target="#jaeger2017">vgl. Jäger 2017</ref>). Exemplarisch verwiesen sei auf die
                die vielbeachtete digitale genetisch-kritische und kommentierte Edition der
                Notizbücher von Theodor Fontane (<ref type="bibl" target="#radecke2015">Radecke
                    2015ff.</ref>). Die dynamische Generierung von Inhalten erlaubt es, im Internet
                nicht nur Faksimile und Transkription darzustellen, sondern die Inhalte
                nutzungsorientiert auszugeben. Forschende können Notizen anhand verschiedener
                Register (z.B. Personen und Werke) synoptisch darstellen lassen oder im Volltext
                durchsuchen.</p>

            <figure xml:id="wdr01-03-04_Abb_05">
                <graphic url="wdr01-03-04_Abb_05.jpg" width="300px" height="414px"/>
                <head type="legend">Undatierte Notiz zu Friedrich Dürrenmatt (MFA, A-N-21)</head>
            </figure>

            <p>Ziel des Projekts einer digitalen Edition der Notizen von Max Frisch ist einerseits
                eine systematische Erschließung des umfangreichen werkgenetischen, biographischen
                und zeitgeschichtlichen Quellenmaterials. Gleichzeitig sind die Notizen mehr als
                bloße Materialien zu Leben und Werk, sondern können unter einem erweiterten
                Werkbegriff als integraler Bestandteil desselben gelten. Das Projekt antwortet auf
                ein wachsendes Forschungsinteresse an der <quote source="#ref_atze2017">Welt der
                    Notiz</quote> (<ref type="bibl" target="#atze2017" xml:id="ref_atze2017">vgl.
                    etwa Atze/Kaukoreit 2017</ref>) und verspricht einen neuen
                literaturgeschichtlichen Blick auf den Autor Max Frisch. Den <q rend="single-qm"
                    >klassischen</q>, kanonischen Werken steht ein Werkkomplex gegenüber, der sich
                gegen jede Klassiker-Zuschreibung sperrt: Schreiben als Entwurf.</p>
        </body>

        <back>
            <div type="bibliography">
                <listBibl>

                    <bibl xml:id="atze2017"><editor>Atze, Marcel</editor>/<editor>Kaukoreit,
                            Volker</editor> (Hg.) (<date>2017</date>): <title type="main" level="m"
                                ><q rend="double-qm">Gedanken reisen, Einfälle kommen
                        an</q></title>. <title type="sub" level="m">Die Welt der Notiz</title>.
                            <pubPlace>Wien</pubPlace>: <publisher>Praesens</publisher>.</bibl>

                    <bibl xml:id="frisch1949a"><author>Frisch, Max</author> (<date>1949</date>a):
                            <title type="main" level="u">Blaues Notizheft</title>. <title type="sub"
                            level="u">Max Frisch / Zürich (Aug. 49.)</title>, Max Frisch-Archiv,
                        A–N-99.</bibl>

                    <bibl xml:id="frisch1949b"><author>Frisch, Max</author> (<date>1949</date>b):
                            <title type="main" level="u">Blaues Notizheft</title>. <title type="sub"
                            level="u">Max Frisch / <hi rend="underline">Zürich 8</hi>. / X. 49.
                            –</title>, Max Frisch-Archiv, A–N-53.</bibl>

                    <bibl xml:id="frisch1950"><author>Frisch, Max</author> (<date>1950</date>):
                            <title type="main" level="m">Tagebuch 1946–1949</title>.
                            <pubPlace>Frankfurt a.M.</pubPlace>:
                        <publisher>Suhrkamp</publisher>.</bibl>

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                            Friedrich</author> (<date>1998</date>): <title type="main" level="m"
                            >Briefwechsel</title>. <title type="sub" level="m">Mit einem Essay des
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                            <title type="main" level="m">Jetzt ist Sehenszeit</title>. <title
                            type="sub" level="m">Briefe, Notate, Dokumente. 1943–1963</title>. Hg.
                        u. mit einem Nachwort versehen v. <editor>Julian Schütt</editor>.
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                            <title type="main" level="m">Antwort aus der Stille</title>. <title
                            type="sub" level="m">Eine Erzählung aus den Bergen</title>. Mit einem
                        Nachwort von Peter von Matt. <pubPlace>Frankfurt a.M.</pubPlace>:
                            <publisher>Suhrkamp</publisher>.</bibl>

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                            <title type="main" level="m">Entwürfe zu einem dritten Tagebuch</title>.
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                    <bibl xml:id="jaeger2017"><author>Jäger, Maren</author> (<date>2017</date>):
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                </listBibl>
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        </back>
    </text>
</TEI>
