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            <titleStmt>

                <title type="main" xml:lang="de">„Hast du Töne?“</title>
                <title type="sub" xml:lang="de">Elfriede Jelineks Essay <hi rend="italic">Gut Lied!
                        Besser wirds nicht</hi> *</title>
                <author>
                    <name>
                        <forename>Christian</forename>
                        <surname>Schenkermayr</surname>
                    </name>
                    <affiliation>Elfriede Jelinek-Forschungszentrum</affiliation>
                    <email>christian.schenkermayr@univie.ac.at</email>
                    <idno type="ORCID">0000-0001-7239-8140</idno>
                </author>
            </titleStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Wiener Digitale Revue</publisher>
                <date>2021</date>
                <availability>
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/"><p>For this
                            publication, a Creative Commons Attribution 4.0 International license
                            has been granted by the author(s), who retain full
                        copyright.</p></licence>
                </availability>
                <idno type="DOI">10.25365/wdr-02-02-02</idno>
                <idno type="URL"/>
            </publicationStmt>
            <seriesStmt>
                <title>Wiener Digitale Revue</title>
                <biblScope unit="issue">2</biblScope>
                <idno type="ISSN">2709-376X</idno>
            </seriesStmt>
            <sourceDesc>
                <p>born digital</p>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
        <profileDesc>
            <langUsage>
                <language ident="de"/>
            </langUsage>
            <textClass>
                <keywords xml:lang="de">
                    <term xml:lang="de">Liederbuch</term>
                    <term xml:lang="">Elfriede Jelinek</term>
                    <term xml:lang="de">Essay</term>
                </keywords>
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    <text>
        <front>
            <div type="abstract" xml:lang="de">
                <!--Abstract-->
                <p>2018 berichteten Medien über rassistische und antisemitische Liedtexte in
                    Liederbüchern österreichischer Burschenschaften. Elfriede Jelinek reagierte
                    darauf mit dem Essay <title>Gut Lied! Besser wirds nicht</title>. Christian
                    Schenkermayr legt Jelineks Bezüge zur „Liederbuchaffäre“ dar und untersucht die
                    lange und vielschichtige Beschäftigung der Autorin mit Form und Inhalt von
                    Liedern. </p>
            </div>
            <div type="abstract" xml:lang="en">
                <p>In 2018, the media reported on racist and antisemitic lyrics in the songbooks of
                    Austrian student fraternities. Elfriede Jelinek reacted to this with her essay
                        <title>Gut Lied! Besser wirds nicht.</title> Christian Schenkermayr
                    demonstrates Jelinek’s references to the “songbook affair” and explores the
                    author’s long and complex preoccupation with the form and content of songs.</p>
            </div>
        </front>
        <body>
            <div xml:id="wdr02_02-02_01">
                <p>Als im Jänner 2018 in der Wiener Wochenzeitung <title>Falter</title> über
                    rassistische und antisemitische Liedtexte in einem Liederbuch der Burschenschaft
                    ,Germania zu Wiener Neustadt‘ <ref xml:id="ref_d2e3" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Horacek2018a">vgl. Horacek 2018a</ref> und in weiterer Folge auch
                    der Burschenschaft ,Bruna Sudetia‘ <ref xml:id="ref_Horacek2018b" type="bibl"
                        rend="brackets" target="#Horacek2018b">vgl. Horacek 2018b</ref> berichtet
                    wurde, reagierte Elfriede Jelinek mit dem Essay <title>Gut Lied! Besser wirds
                        nicht</title>, der am 26. 2. 2018 auf ihrer Website veröffentlicht wurde.
                    Dieser ersten Fassung folgte am 4. 7. 2018 eine aktualisierte und überarbeitete
                    Version des Textes, in der auf aktuelle politische Entwicklungen des Falles
                    Bezug genommen wurde. Der Auseinandersetzung mit den besagten Liedtexten geht
                    allerdings eine lange und vielschichtige Beschäftigung der Autorin mit der Form
                    und Inhalt von Liedern voraus, die vor der Analyse von <title>Gut Lied!</title>
                    zusammenfassend skizziert werden soll, um Anknüpfungspunkte und Gegensätze zu
                    den Verfahren und Themenfeldern des Essays auszuloten.</p>
            </div>
            <div xml:id="wdr02_02-02_02">
                <head>1. Lieder bei Jelinek – Inhalte, Form, Publikationsstrategien und
                    performatives Potenzial</head>
                <p>Noch vor Jelineks erster Buchpublikation, dem Gedichtband <title>Lisas
                        Schatten</title> (1967), komponierte Elfriede Jelinek drei Lieder in
                    Zwölftontechnik: <title>Klage</title> (1965), <title>meine liebe</title> (1966)
                    sowie <title>Die Ballade von Villon und seiner dicken Margot</title> (1966).
                    Auch einige von Jelineks frühen Gedichten – <title>tanzlied</title> oder
                        <title>fieberlied</title> – tragen die Bezeichnung „Lied“ im Titel. In
                    Hinblick auf die mit der Entscheidung für diese Kompositionsform
                    zusammenhängenden Motive der Autorin weist Irene Suchy auf die Möglichkeit der
                    schnellen Veröffentlichung und Aufführbarkeit des Liedes hin: Die Autorin stelle
                    sich mit ihren Kompositionen <quote source="#ref_d2e3">in eine Tradition der
                        weiblichen Musikschaffenden, die sich mit dem Lied eine gewisse
                        Aufführbarkeit sichern</quote>
                    <ref xml:id="ref_Suchy2007-377" type="bibl" rend="brackets" target="#Suchy2007"
                        >Suchy 2007: 377</ref>. Diese Überlegung zu besseren oder schlechteren
                    Aufführungsmöglichkeiten wirft noch weitere grundlegende Fragen nach der
                    Öffentlichkeit und den damit verbundenen Publikationsstrategien von Texten, bzw.
                    im konkreten Fall von Liedern, auf.</p>
                <p>Tatsächlich eignen sich die im <title>Österreichischen Musiklexikon</title>
                    angeführten gattungsspezifischen Charakteristika des Liedes, etwa die <quote
                        source="#ref_Krones2019">sprachähnliche metro-rhythmische Struktur</quote>,
                    dessen (in häufigen Fällen) Kürze und die <quote source="#ref_Krones2019"
                        >affektiv-musikalisiert überhöhte Rede</quote>
                    <ref xml:id="ref_Krones2019" type="bibl" rend="brackets" target="#Krones2019"
                        >Krones 2019</ref>, eine schnellere Veröffentlichung als aufwendige
                    musiktheatralische Werke zu ermöglichen. Im Falle von Elfriede Jelinek zeigt ein
                    Blick ins Werk- und Rezeptionsverzeichnis aber, dass die Anzahl der Aufführungen
                    der Lieder nicht annähernd an die Aufführungen der meisten ihrer Werke fürs
                    Theater herankommt <ref xml:id="ref_Janke2014-97-200" type="bibl"
                        rend="brackets" target="#Janke2014">vgl. Janke 2014: 97–200 u.
                    251–255</ref>. Jedoch klingen in Bezug auf Jelineks Gesamtwerk in den frühen
                    Liedtexten/-kompositionen bereits einige relevante Aspekte an, die in späteren
                    Arbeiten aufgegriffen und weiterentwickelt wurden. </p>
                <p>Neben dem Hinweis auf die komplexe Zwölftontechnik, in der die Lieder komponiert
                    sind <ref xml:id="ref_Suchy2007-379" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Suchy2007">vgl. dazu Suchy 2007: 379–380</ref> erscheint ein Blick
                    auf die inhaltliche Ebene der Liedtexte aufschlussreich (im Falle von
                        <title>Klage</title> und <title>meine liebe</title> handelt es sich um im
                    gleichen Zeitraum entstandene Gedichte der Autorin). Ein zentraler Aspekt der
                    Texte ist, wie Pia Janke deutlich macht, die <quote source="#ref_d2e3"
                        >versprachlichte existenzielle Fremdheit und Isolation</quote>
                    <ref xml:id="ref_Jake2013" type="bibl" rend="brackets" target="#Janke2013">Janke
                        2013: 229</ref> eines im Text in Erscheinung tretenden Ichs. So heißt es
                    etwa in <title>Klage</title>: </p>

                <cit>
                    <quote source="#ref_Jelinek1980-36">
                        <lg>
                            <l>du hast mich</l>
                            <l>durch die flöte gezogen</l>
                            <l>wie einen schrei…</l>
                            <l>die saiten deiner harfe</l>
                            <l>haben löcher</l>
                            <l>in mein gesicht</l>
                            <l>gerissen…</l>
                            <l>du hast mir mein rot </l>
                            <l>genommen – </l>
                            <l>und meine stimme […]</l>
                        </lg>
                    </quote>
                    <ref xml:id="ref_Jelinek1967-00" rend="brackets" target="#Jelinek1967">Jelinek
                        1967: unpag.</ref>
                </cit>


                <p>Oder in <title>meine liebe</title>:</p>

                <cit>
                    <quote source="#ref_Jelinek1980-36">
                        <lg>
                            <l>[…] warum verströmt der garten</l>
                            <l>mich</l>
                            <l>deine ringe</l>
                            <l>an schmetterlingsfremdheit…</l>
                            <l>ich kenne</l>
                            <l>deine leeren hände</l>
                            <l>nicht…</l>
                        </lg>
                    </quote>
                    <ref xml:id="ref_Jelinek1980-36" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Jelinek1980">Jelinek 1980: 36</ref>
                </cit>




                <p>Besonders auffällig ist, dass in den Texten scheinbar gegensätzliche
                    Assoziationsfelder miteinander in Beziehung gesetzt werden, etwa durch die
                    Verknüpfung von Musikinstrumenten mit Verletzungen und Verlust oder den
                    Neologismus „schmetterlingsfremdheit“. Als Beilage zu <title>meine liebe</title>
                    fügte Jelinek – wohl in <quote source="#ref_Suchy2007-379">Anlehnung an Anton
                        Weberns</quote> musikalische Auseinandersetzung mit dem <quote
                        source="#ref_Suchy2007-379">vierfache[n] Satz-Palindrom SATOR AREPO TENET
                        OPERA ROTAS</quote>
                    <ref xml:id="ref_Suchy2007" type="bibl" rend="brackets" target="#Suchy2007"
                        >Suchy 2007: 379</ref> – ihrer Komposition folgenden handschriftlichen
                    Vierzeiler bei: </p>

                <cit>
                    <quote source="#ref_Jelinek1938-unpag">
                        <lg>
                            <l>BIN ICH ES NICHT</l>
                            <l>ES BIN ICH NICHT</l>
                            <l>BIN ICH NICHT ES</l>
                            <l>ICH BIN ES NICHT</l>
                        </lg>
                    </quote>
                    <ref xml:id="ref_Jelinek1938-unpag" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Jelinek1983">Jelinek 1983: unpag.</ref>
                </cit>


                <p>Die hier offenkundig zutage tretende Negation festgefügter
                    Identitätskonstruktionen zieht sich nicht nur wie ein roter Faden durch Jelineks
                    Gesamtwerk, sondern steht bei ihr auch explizit in Zusammenhang mit dem Genre
                    Lied. Denn auch wenn die Autorin nach den drei genannten Werken keine Lieder
                    mehr komponiert hat, thematisiert sie in ihrem Œuvre immer wieder ästhetische
                    und motivische Gesichtspunkte verschiedener Lieder.</p>
                <p>Ein für Jelinek zentraler Bezugspunkt, der an dieser Stelle zumindest kurz
                    erwähnt werden soll, sind die Lieder Franz Schuberts, die sie in Theatertexten
                    wie <title>Macht nichts. Eine kleine Trilogie des Todes</title>, <title>Der Tod
                        und das Mädchen I-V</title> und <title>Winterreise</title> intertextuell
                    verarbeitet hat. Für eine eingehendere Beschäftigung mit den jeweiligen
                    Intertexten, die den Rahmen dieses Beitrags erheblich sprengen würde, sei auf
                    einige ausgewählte wissenschaftliche Untersuchungen verwiesen (vgl. <ref
                        xml:id="ref_hayer2012" type="bibl" target="#Hayer2012">Hayer
                        2012</ref>, <ref xml:id="ref_arteel2013" type="bibl"
                        target="#Arteel2013">Arteel 2013</ref>, <ref xml:id="ref_Kecht2013"
                        type="bibl" target="#Kecht2013">Kecht 2013</ref>, <ref
                        xml:id="ref_smith2018" type="bibl" target="#Smith2018">Smith
                        2018</ref>). Von besonderer Relevanz für den vorliegenden Beitrag ist der
                    Umstand, dass der in Jelineks Liedern zentrale Aspekt der brüchigen Identität,
                    der eigenen Fremdheit und Isolation auch in diesen Texten eine substanzielle
                    Rolle spielt. So spricht Jelinek in ihrer zur Verleihung des Mülheimer
                    Dramatikerpreises 2011 (für <title>Winterreise</title>) verfassten Dankesrede
                        <title>Fremd bin ich</title> im Zusammenhang mit Schuberts Liederzyklus von
                    einem <quote source="#ref_d2e3">Werk der Heimatlosigkeit</quote>, an das sie
                    sich mit ihrer <quote source="#ref_d2e3">eigenen Sprache andocke.</quote>
                    <ref xml:id="ref_Jelinek2011" type="bibl" rend="brackets" target="#Jelinek2011"
                        >Jelinek 2011</ref>
                </p>
                <p>Im Gegensatz zu Jelineks Beschäftigung mit Schuberts Liedern – laut der Autorin
                    die <quote source="#ref_d2e3">nichtsgewisseste Musik, die ich kenne</quote>
                    <ref xml:id="ref_Jelinek1998" type="bibl" rend="brackets" target="#Jelinek1998"
                        >Jelinek 1998</ref> – steht ihre kritische Auseinandersetzung mit Liedern,
                    die bestimmte Inhalte schnell und vereinfachend, in knapper, komprimierter Form
                    an die AdressatInnen bringen. Als Beispiel wäre hier etwa die Analyse der
                    Trivialmythen in Udo Jürgens’ Liedtexten im Essay <title>Udo. untersuchungen zu
                        udo jürgens liedtexten</title><note xml:id="endnote_01"><p>Z.B.: <quote
                                source="#ref_d2e3">wenn udo der doch so viel klüger ist als wir das
                                nicht weiß brauchen wir gar nicht erst zu denken beginnen. und wenn
                                ihm dem hörer etwas einleuchtet etwas ‚allgemein gültiges‘ dann hat
                                er sich das auch schon immer gedacht.</quote><ref
                                xml:id="ref_Jelinek1978-29" type="bibl" rend="brackets"
                                target="#Jelinek1978">Jelinek 1978: 29</ref>.</p></note> zu
                    nennen.</p>
                <p>Spezifisch für das ,Genre‘ Lied ist die Vermittlung vereinfachender Inhalte,
                    beispielsweise die <quote source="#ref_d2e3">Mitteilung“ und „Belehrung über
                        historische […], weltanschauliche […], gesellschaftliche und politische […]
                        Sachverhalte</quote>
                    <ref xml:id="ref_Krones2019_2" type="bibl" rend="brackets" target="#Krones2019"
                        >Krones 2019</ref>. Das spezielle performative Potenzial des Liedes entsteht
                    dabei durch die Verknüpfung unterschiedlicher Gattungsmerkmale lyrischer und
                    erzählender Texte sowie (bedingt durch die Aufführungssituation) dramatischer
                    Werke, und zwar – und das ist entscheidend – sowohl auf formaler als auch
                    inhaltlicher Ebene. Insbesondere die spezifische Kombination von Sprache und
                    Musik ist für die Wirkung des jeweiligen Liedes auf die Rezipienten
                    ausschlaggebend. Indem das politische Lied häufig <quote
                        source="Kämper-Jensen2012-2">sprachliche Merkmale politischer Lyrik</quote>
                    <ref xml:id="ref_Kämper-Jensen2012-2" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Kämper-Jensen2012">Kämper-Jensen 2012: 2</ref> mit eingängigen,
                    häufig bekannten Melodien vereint, wird die Vermittlung der jeweiligen
                    Botschaften noch zusätzlich vereinfacht. Dementsprechend wird auch in Simone
                    Burels linguistischer Analyse politischer Lieder auf deren <quote
                        source="#ref_Burel2013-21">direkte Hinwendung zum Rezipienten</quote> und
                    das damit verbundene „emotional[e] Potenzial“ sowie die <quote
                        source="#ref_Burel2013-21">ästhetisch[e] Erfahrung für Individuum und
                        Kollektiv</quote>
                    <ref xml:id="ref_Burel2013" type="bibl" rend="brackets" target="#Burel2013"
                        >Burel 2013: 21</ref> hingewiesen. </p>
                <p>So überrascht es wenig, dass dieses performative Potenzial des Liedes im Laufe
                    seiner gattungsgeschichtlichen Entwicklung auch immer wieder für die Verbreitung
                    radikaler politischer Positionen und Ideologien missbraucht wurde und wird. In
                    besonderem Maße gilt dies für die Lieder deutschnationaler bzw. völkischer<note
                        xml:id="endnote_02"><p>Die Differenzierung der Begrifflichkeiten orientiert
                            sich an den Erläuterungen auf der Website des DÖW. Vgl. dazu: <ref
                                xml:id="ref_peham2019-d2e3" type="bibl" rend="brackets"
                                target="#Peham2019">Peham 2019</ref>.</p></note> Burschenschaften,
                    nicht zuletzt auch für <quote source="#ref_d2e3">offen rechtsextreme
                        Verbindungen</quote>
                    <ref xml:id="ref_Peham2019" type="bibl" rend="brackets" target="#Peham2019"
                        >Peham 2019</ref>. Insbesondere die <quote source="#ref_wodak2016-19"
                        >[d]ynamische Mischung aus Inhalt und Form</quote> (<ref
                        xml:id="ref_Pels2012_32" target="#Pels2012">Pels 2012: 32</ref>, zit. n.:
                        <ref xml:id="ref_wodak2016-19" type="bibl" target="#Wodak2016">Wodak 2016:
                        19</ref>), die zuvor als charakteristisch für die Wirkungsweise des Liedes
                    beschrieben wurde, dient seit jeher auch den rhetorischen Strategien
                    rechtspopulistischer Diskurse, wie sie u.a. von Ruth Wodak beschrieben werden:
                    etwa die Reduktion komplexer Argumente auf einfache Behauptungen, Erfindung von
                    Sündenböcken, Instrumentalisierung von Ängsten, Schaffung von Wir-Diskursen,
                    Freund-Feind-Schemata und Identitätskonstruktionen zum Zwecke der Ausgrenzung
                        <ref xml:id="ref_Wodak2016-19-23" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Wodak2016">vgl. Wodak 2016: 19-23</ref>. Gerade diese Strategien,
                    die den brüchigen Identitäten und der Stimmenvielfalt bei Jelinek diametral
                    gegenüberstehen, werden von der Autorin, wie im Folgenden gezeigt werden soll,
                    gezielt unterlaufen. </p>
                <p>Gerade weil und indem rechtspopulistische Propaganda <quote source="#ref_d2e3"
                        >immer Form und Inhalt verbindet und integriert, bestimmte Zielgruppen ins
                        Auge fasst und sich den spezifischen situativen Kontexten anpasst</quote>
                    <ref xml:id="ref_Wodak2016-20" type="bibl" rend="brackets" target="#Wodak2016"
                        >ebd.: 20</ref>, stoßen ihre Botschaften oftmals auf entsprechende Resonanz.
                    Durch den gezielten Einsatz von Liedern, sowohl bei öffentlichen Veranstaltungen
                    als auch im privaten Umfeld, lässt sich die affirmative Wirkung dieser
                    Propaganda noch weiter verstärken. Das Repertoire des Liedguts umfasst dabei
                    nicht nur Volks- und Studentenlieder seit dem 15. Jahrhundert, sondern explizit
                    auch Lieder aus der Zeit des Austrofaschismus, des Nationalsozialismus sowie
                    gegenwärtige neonazistische Liedtexte. Die vielfältigen aktenkundigen
                    Vernetzungen österreichischer Burschenschaften zu Liedermachern der deutschen
                    Neonazi-Szene werden beispielsweise von Andreas Peham in seinem Aufsatz
                        <title>Durch Reinheit zur Einheit</title> dokumentiert.<note
                        xml:id="endnote_03"><p>Eingegangen wird darin etwa auf die Einladungen der
                            NPD-Aktivisten Frank Rennicke und Jörg Hähnel sowie den Liederabend mit
                            dem Neonazi Michael Müller (am 25.1.2003), der mit Liedtexten wie <quote
                                source="#ref_Peham2019">Mit 6 Millionen Juden, da fängt der Spaß
                                erst an, bis 6 Millionen Juden, da ist der Ofen an. […] </quote>in
                            Deutschland <quote source="#ref_Peham2019">Eingang in den Verbotsantrag,
                                der vom Deutschen Bundestag und -rat beim Bundesverfassungsgericht
                                in Karlsruhe gegen die NPD eingebracht wurde, gefunden hat.</quote>
                            <ref xml:id="ref_Peham2019_2" type="bibl" rend="brackets"
                                target="#Peham2019">Peham: 2019</ref></p></note> Ganz in diesem
                    Sinne betonte auch der Journalist und Autor Hans-Henning Scharsach, dass <quote
                        source="#ref_d2e3">viele Texte von Nazipoeten […] immer noch
                        burschenschaftliches Allgemeingut</quote>
                    <ref xml:id="ref_Roessler_Scharsach2019" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Roessler_Scharsach2019">Rössler/Scharsach 2019</ref> sind.</p>
                <p>Hat Elfriede Jelinek schon in ihren frühen Werken die normativen
                    Identitätskonstruktionen von Heimatliedern mit antisemitischen Ressentiments
                    oder der Verharmlosung nationalsozialistischer Verbrechen in Beziehung
                        gesetzt,<note xml:id="endnote_04"><p>Als Beispiel sei an dieser Stelle auf
                            ihren Theatertext Burgtheater verwiesen; verarbeitet wurden darin unter
                            anderem Franz Alfred Muths Lied <title>Heimweh</title> (<quote
                                source="#ref_jelinek1992-154">Waldgrün der Heimat so duftig und
                                traut. Itzig belästigt das daitsche Weib mit seiner abnormen
                                Ungeschschsch – <hi rend="italic">stammelt</hi> – itzlichkeit! […]
                                Schleichen sie nicht mehr über die Wiesen und Auen unseres lieben
                                Alpenvorlands? Jene spitznasigen, plattfüßigen kleinen
                                Gesellen?</quote>
                            <ref xml:id="ref_jelinek1992-154" type="bibl" rend="brackets"
                                target="#Jelinek1992">Jelinek 1992: 154</ref>) und Karl Kromers
                                <title>Nach der Heimat möchtʼ ich wieder</title>, das in dem
                            nationalsozialistischen Propagandafilm <title>Heimkehr</title> gesungen
                            wird <ref xml:id="ref_Jelinek1992-166" type="bibl" rend="brackets"
                                target="#Jelinek1992">vgl. ebd.: 166</ref>.</p></note> fällt die
                    Auseinandersetzung mit Burschenschaftsliedern – konkret gesprochen den Texten im
                    Liederbuch der Burschenschaft ,Germania zu Wiener Neustadt‘ und der ,Bruna
                    Sudetia‘ – in eine spätere Schaffensphase. Bevor nun auf Form und Inhalt des
                    Essays <title>Gut Lied! Besser wirds nicht</title> näher eingegangen wird,
                    sollen – korrespondierend mit den anfangs angestellten Überlegungen zu
                    Veröffentlichungsstrategien in Hinblick auf das Lied – noch einige Gedanken über
                    die Möglichkeiten von Jelineks Publikationstätigkeit im Netz ergänzt werden.
                </p>
            </div>
            <div xml:id="wdr02_02-02_03">
                <head>2. Digitale Gegenstimme(n): Elfriede Jelineks Essay <title><hi rend="bold">Gut
                            Lied! Besser wirds nicht</hi></title></head>
                <p>In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten veränderten sich die Möglichkeiten
                    massenmedialer Publikations- und Verbreitungsformen durch die <quote
                        source="#ref_d2e3">medienvermittelte[n] Kommunikationsräume</quote>
                    <ref xml:id="ref_Krotz2001-91" type="bibl" rend="brackets" target="#Krotz2001"
                        >Krotz 2001: 91</ref> des Internets grundlegend. Die weitgehend
                    uneingeschränkte (und oft – scheinbar – anonyme) Veröffentlichungsform in dem
                        <quote source="#ref_Parker2002-129">weltweit am schnellsten wachsenden
                        Kommunikationsmedium</quote> hatte aber auch – gerade in den letzten Jahren
                    – eine besorgniserregende Zunahme an „rechtsextremistische[r] Hetze“, die <quote
                        source="#ref_Parker2002-129">als eine Form des Mißbrauches im Netz betrieben
                        wird</quote>
                    <ref xml:id="ref_Parker2002" type="bibl" rend="brackets" target="#Parker2002"
                        >Parker 2002: 129</ref> zur Folge. Von speziellem Interesse für die
                    vorliegende Untersuchung sind hier die Parallelen zu den anfangs konstatierten
                    Publikationsstrategien und dem performativen Potenzial des Liedes. Neben der –
                    vor allem in Sozialen Medien genutzten – direkten Adressierung der
                    RezipientInnen, der Möglichkeit der schnellen Veröffentlichung sowie der
                    Verknüpfung von eingängigen formalen Gestaltungsprinzipien mit den zu
                    vermittelnden Inhalten spielt aber auch das Spannungsfeld von affirmativem und
                    subversivem Potenzial digitaler Kommunikationsformen eine essenzielle Rolle. </p>
                <p>Denn nicht nur die extreme Rechte macht sich die partizipativen Möglichkeiten des
                    Mediums zunutze. Gerade auch kritische Gegenstimmen, wie beispielsweise Elfriede
                    Jelinek, wissen die Möglichkeiten einer <quote source="#ref_Weibel2007-443">voll
                        und ganz durchmediatisierte[n] Literatur</quote>
                    <ref xml:id="ref_Weibel2007-443" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Weibel2007">Weibel 2007: 443</ref>, etwa die schnelleren
                    Verbreitungsmöglichkeiten der Texte, entsprechend zu nutzen.<note
                        xml:id="endnote_05"><p>Belegen lässt sich dies etwa in Bezug auf die
                            internationale wissenschaftliche Rezeption, wie zahlreiche Zitate von
                            online veröffentlichten Texten der Autorin verdeutlichen. Zum Beispiel
                            ist <quote source="#ref_Kastberger_Lamb2011-126">der problemlose Zugang
                                zu Jelineks Homepage für die Lehre (nicht nur an deutschsprachigen
                                Unis, sondern auch in den USA […])</quote>
                            <ref xml:id="ref_Kastberger_Lamb2011-126" type="bibl" rend="brackets"
                                target="#Kastberger_Lamb2011">Kastberger/Lamb-Faffelberger 2011:
                                126</ref> von substanzieller Bedeutung.</p></note> So sind viele
                    der auf ihrer Website veröffentlichten Werke <quote
                        source="#ref_Schenkermayr2015-196">unmittelbare Reaktionen auf
                        gesellschaftliche Missstände</quote>
                    <ref xml:id="ref_Schenkermayr2015-196" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Schenkermayr2015">Schenkermayr 2015: 196</ref> und überdies –
                    bedingt durch die Umgehung des traditionellen Verlagswesens – <quote
                        source="#ref_Kastberger_Lamb2011-132">immer und überall lesbar</quote>
                    <ref xml:id="ref_Kastberger_Lamb2011-132" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Kastberger_Lamb2011">Kastberger/Lamb-Faffelberger 2011: 132</ref>.
                    Eine Erweiterung des Rezipientenkreises ist insbesondere bei jenen Texten
                    möglich, die vor der digitalen Publikation nur verstreut in Programmheften,
                    Anthologien, Literatur- und Theaterzeitschriften veröffentlicht wurden und nur
                    schwer bzw. für ein zahlenmäßig begrenztes Lesepublikum zugänglich waren (dies
                    betrifft v.a. essayistische Texte und kürzere Arbeiten fürs Theater). </p>
                <p>Bereits 2010 veröffentlichte die Autorin anlässlich des Brandanschlags auf ein
                    Klagenfurter Asylheim während der Fußball-Europameisterschaft 2008 den Essay
                        <title>Kärntner Lied: gut</title> auf ihrer Website. Die
                    Verharmlosungstendenzen in den 2009 im <title>Falter</title> veröffentlichten
                    Justizakten, die den Anschlag als einen Unfall auswiesen, werden von der Autorin
                    mit der heimelig-melancholischen Ästhetik des Kärntner Volkslieds enggeführt: </p>
                <cit>
                    <quote source="#ref_Jelinek2010">
                        <p>Die Kärntner Stimmen haben sich aufeinander eingestimmt, sie werden ihre
                            traurigen Lieder in Moll anstimmen, dieselben, die sie immer schon
                            gesungen haben, mit einem Solo des inzwischen fast unbezahlbaren
                            Verblichenen mittendrin, nein, der ist kein Solist mehr, der ist immer
                            mehr wie alle, Kärnten wird nie in die Einsamkeit seiner Schuld gestoßen
                            werden, weil sie stets in Chören singen, und wo man singt, dort laß dich
                            ruhig nieder, böse Menschen kennen keine Lieder, jedenfalls keine
                            solchen, keine so schönen. <ref xml:id="ref_Jelinek2010" type="bibl"
                                rend="brackets" target="#Jelinek2010">Jelinek 2010</ref></p></quote>
                </cit>
                <p>Es sei betont, dass in diesem Essay auf keine konkreten Kärntner Lieder bzw.
                    Liedtexte direkt Bezug genommen wird. Vielmehr werden durch Wortspiele,
                    ironische Brechungen und die Anspielung auf den 2008 verstorbenen Kärntner
                    Landeshauptmann Jörg Haider die im Text verarbeiteten „Kärntner Stimmen“ zum
                    Brandanschlag (beispielsweise Polizisten und Politiker) als „traurige Lieder“
                    apostrophiert, wodurch das vermeintlich „Heimelige“ des Kärntner Liedguts
                    zunehmend zum Un-Heimlichen wird. </p>
                <p>Konkrete Bezüge zu Liedtexten werden in dem anlässlich der Liederbuch-Affäre um
                    die Burschenschaft ,Germania zu Wiener Neustadt‘ 2018 von Jelinek verfassten
                    Essay hergestellt. In Umkehrung des Titels wurde aus dem <title>Lied:
                        gut</title> das <title>Gut Lied!</title> Jene Liedtexte aus dem Buch der
                    Burschenschaft ,Germania‘, die aufgrund ihrer extremen rassistischen bzw.
                    antisemitischen Tendenzen zum Zeitpunkt des Erscheinens von Jelineks Essay
                    besonders häufig in den Medien problematisiert wurden, werden auf Jelineks
                    Homepage in Form von Abbildungen wiedergegeben. <ref xml:id="ref_Jelinek2018"
                        type="bibl" rend="brackets" target="#Jelinek2018">Vgl. Jelinek 2018</ref>
                    Auf Textebene dominiert zunächst ein anderes Lied als prägender Intertext den
                    Beginn des Essays: das 1932 von Hans Baumann verfasste (und 1934 in <title>Die
                        weiße Trommel</title> erstmals veröffentlichte) Lied der deutschen
                    Arbeiterfront <title>Es zittern die morschen Knochen</title>. Schon anhand der
                    Art und Weise, wie Jelinek die berüchtigte Textzeile „Denn heute gehört uns
                    Deutschland und morgen die ganze Welt“ aus Baumanns Lied thematisiert, lässt
                    sich einiges über die ästhetischen Verfahrensweisen der Autorin aussagen. So
                    greift Jelinek die Diskussion um die vom Autor selbst vorgenommene Änderung des
                    Textes, bei der das Verbum „gehört“ durch „da hört“ ersetzt wurde, auf und führt
                    sie durch Unterbrechung, Zuspitzung und die Ergänzung klanglicher sowie
                    inhaltlicher Assoziationsfelder weiter:<quote source="#ref_Jelinek2018ebd"> […]
                        nein, gehört ist schon mal ganz falsch und ungehörig, das sagt man nicht,
                        denn heute, da hört uns Deutschland, muß es heißen. Oder es erhört uns halt
                        nicht, wenns am Brenner mal brennt. […] Bei uns hört Deutschland auf, da ist
                        eine Grenze</quote>
                    <ref xml:id="ref_Jelinek2018ebd" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Jelinek2018">ebd.</ref>. Dieses semantische Vexierspiel von Hören
                    und Gehören (in weiterer Folge auch: ungehörig, erhören, aufhören) prägt den
                    weiteren Verlauf des Textes. </p>
                <p>In der Jelinek-Forschung herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass Jelinek
                    durch den Einsatz von Wortspielen in vielen ihrer Texte den ideologischen Gehalt
                    der Sprache entlarvt und die sich darin manifestierenden Beschwichtigungs-,
                    Verdrängungs- und Verharmlosungstendenzen ad absurdum führt. Im Zusammenhang mit
                    der Form des Liedes lässt sich dies allerdings besonders deutlich zeigen. So
                    klingt etwa das omnipräsente Wir-Kollektiv, das Jelinek nicht nur in diesem,
                    sondern auch in zahlreichen anderen Texten auf ideologiekritische Weise zum
                    Einsatz bringt, auch in den – v.a. völkischen und faschistischen – Liedern an
                    bzw. wird durch diese konstituiert. Das Angebot, sich mit diesem Wir-Kollektiv
                    zu identifizieren, wird von Jelinek ebenso aufs Korn genommen wie der pathetisch
                    martialische Gestus der Lieder: <quote source="#ref_Jelinek2018ebd">Und sehend
                        und singend gehen wir in den Kampf für Deutschland, billiger geben wirs
                        nicht, kleinere Münze geben wir gar nicht erst heraus, die behalten wir, wir
                        Burschen, wir haben unsere Schäfte, jawoll!, und wir sitzen fest, weil wir
                        uns festgesetzt haben.</quote>
                    <ref xml:id="ref_Jelinek2018ebd." type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Jelinek2018">ebd.</ref> Hier rührt Jelinek an einem der
                    Kernelemente jeglicher rechtspopulistischer Rhetorik, der <quote
                        source="#ref_Kernmayer2019-143">Herstellung von vermeintlich homogenen
                        Wir-Gruppen, die sich durch die Konstruktion eines inneren oder äußeren
                        ‚Anderen‘ als homogene Gemeinschaften imaginieren</quote>
                    <ref xml:id="ref_Kernmayer2019" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Kernmayer2019">Kernmayer 2019: 143</ref>. In <title>Gut
                        Lied!</title> besteht dieses „Andere“ etwa aus jenen <quote
                        source="#ref_d2e3">Leute[n], mit denen wir nicht verwandt sind, und andre,
                        mit denen wir nicht verwandt sein wollen, die aber ausgerechnet zu uns
                        wollen, es sind zuviele</quote>. <ref xml:id="ref_Jelinek2018_2" type="bibl"
                        rend="brackets" target="#Jelinek2018">Jelinek2018</ref></p>
                <p>Wie auch in Jelineks Liedtexten und ihrer Beschäftigung mit Schuberts Liedern
                    wird durch die Verknüpfung unterschiedlicher Assoziationsfelder auch in diesem
                    Essay die Brüchigkeit scheinbar festgefügter Identitätskonstruktionen
                    aufgezeigt, beispielsweise durch die Engführung der singenden und tanzenden
                    „Burschen“ mit dem Treiben untoter Zombies: <quote source="#ref_Jelinek2018">Sie
                        werden sich selbst wieder auferwecken, die tanzenden Burschen, das schafft
                        kein Jüngstes Gericht, das wäre zu endgültig, da müßten sie ihre Meinung zu
                        oft ändern […]. Sie kommen immer wieder aus ihren Gräbern, sie singen, damit
                        man merkt, sie sind am Leben.</quote>
                    <ref xml:id="ref_Jelinek2018_3" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Jelinek2018">Ebd.</ref> So überrascht es auch nicht, dass die zuvor
                    angesprochene Wir-Perspektive im Essay alles andere als homogen ist und immer
                    wieder durch Wechsel in die erste Person Singular oder die dritte Person
                    (Singular oder Plural) gebrochen wird<note xml:id="endnote_06"><p>Zum Beispiel
                            wechselt in folgender Textstelle die Perspektive innerhalb weniger Sätze
                            von den Burschen (3. Person) zum „wir“, danach zum „ich“ und wieder
                            zurück zur 1. Person Plural: <quote source="#ref_Jelinek2018">Das hätten
                                sie gern gehabt, die Burschen, und sie würden sich immer noch so
                                freuen, wenn sie wieder zu Deutschland gehören dürften, endlich,
                                endlich wieder und dann noch einmal, und nächstes Jahr wieder, und
                                daß sie Deutschland auch sind, das wäre fein, vielleicht kann man
                                das irgendwie bewerkstelligen, aber dazu müßte sich auch Deutschland
                                ändern, wo die Leute hinter ihren Fenstern flackern, diese kleinen
                                Lichter, anstatt zu tanzen wie wir. Es ist gerade dabei. Es ist
                                immer mit dabei, außer bei manchen Sportarten, die sie nicht so gut
                                beherrschen, die dafür aber sie beherrschen, ich meine, sie fühlen
                                mit sich, diese Leute, nicht mit anderen. Deutschland soll nicht nur
                                hören, es soll uns gehören und wir ihm</quote>. <ref
                                xml:id="ref_Jelinek2018_4" type="bibl" rend="brackets"
                                target="#Jelinek2018">Jelinek 2018</ref></p></note> – ein weiteres
                    Verfahren, durch das die dem politischen Lied sonst eigene emotionale Hinwendung
                    zum Publikum von vornherein unterbunden wird.</p>
                <p>Darüber hinaus werden, auch wenn im Text eine Ich-Stimme zu sprechen anhebt,
                    Bezüge zum Lied und dessen performativem Potenzial hergestellt und durch
                    semantische Verschiebungen demontiert. Deutlich wird dies etwa im Zusammenhang
                    mit dem intertextuellen Verweis auf das Volkslied <title>Im tiefen Keller sitz
                        ich hier</title> (1802), ein Paradebeispiel eines geselligen, volkstümlichen
                    Trinklieds: <quote source="#ref_Jelinek2018">Ich distanziere mich von diesem
                        Liedgut, es ist ja schon wieder neues ausgegraben und ausgegeben worden, und
                        auch ich will immer auf dem neuesten Stand sein; im tiefen Keller sitzt es
                        hier, das hohe Gut, bei einem Faß voll Regen, nein, Reben, oder so ähnlich,
                        aber lustig ist es schon, wenn wir beisammen sind</quote>
                    <ref xml:id="ref_Jelinek2018_5" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Jelinek2018">Jelinek 2018</ref>. Indem das inkriminierte Liedgut
                    selbst im Keller verschwindet, verschiebt sich das Bild des im Keller sitzenden
                    und saufenden Ichs zur Assoziation der verbotenen Lieder, die in diesem Keller
                    gehortet bzw. bei gegebenem Anlass gesungen werden. Der gesellige Charakter des
                    Bezugstextes geht dabei naheliegenderweise gänzlich verloren. Denn ebenso wie
                    die morschen Knochen bleiben bei Jelinek auch die verbotenen Liedtexte nicht
                    unter der Erde, sondern kommen immer wieder an die Oberfläche, wobei jegliche
                    Verantwortung in diesem Zusammenhang von den sprechenden Wir- und Ich-Stimmen
                    umgehend abgestritten wird: <quote source="#ref_Jelinek2018">dort liegen die
                        alten Lieder, im tiefen Keller, von dort kommen immer neue herbei, alte
                        Schachteln kommen herauf, die kennen wir zum Glück nicht.</quote>
                    <ref xml:id="ref_Jelinek2018_6" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Jelinek2018">Ebd.</ref> Die anfangs konstatierte schnelle und
                    einfache Aufführbarkeit von Liedern begünstigt diesen Prozess des
                    Immer-wieder-in-Erscheinung-Tretens.</p>
                <p>Besonders drastisch muten die von Jelinek im Zuge dessen zur Schau gestellten
                    Beschwichtigungs- und Verharmlosungsstrategien sowie scheinheilige
                    Distanzierungsversuche an, wenn es um die im Liederbuch der Burschenschaft
                    ,Germania‘ gefundene Liedzeile „Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die
                    siebte Million“ geht. In dieser Textsequenz werden nämlich die Millionen
                    Mordopfer des Nationalsozialismus mit der Möglichkeit der Bereicherung durch
                    Millionen an Geldmitteln enggeführt. Ein weiterer Bezug zu unserer
                    gesellschaftspolitischen Gegenwart wird darüber hinaus durch den Hinweis auf
                    Millionen Flüchtlinge, die kein Aufenthaltsrecht im Land bekommen,
                    hergestellt:</p>
                <cit>
                    <quote source="#ref_Jelinek2018_7">
                        <p>Wir erinnern uns, es war nicht schön, nicht mit uns!, es war schrecklich,
                            aber mit anderen ist es noch viel schrecklicher! Es gab entsetzliche
                            Verbrechen, wir distanzieren uns in aller Schärfe, bald werden wir es
                            besser machen, wenn man uns die Gelegenheit dazu gibt, und die eine
                            Million werden wir auch noch voll machen, dann sind es nämlich sieben
                            Stück Millionen, eine ordentliche Strecke, da kann keiner was sagen.
                            Diese Million nehmen wir halt von woanders, von wo wir sie kriegen
                            können, es gibt ja überall Millionen von Menschen, auch dort, wo sie
                            nicht hingehören, wo sie gar nicht sein sollten, wo sie keinen
                            Aufenthalt bekommen […]. Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die
                            siebte Million? Million? Welche Million? Die erste Million sollte man
                            noch vor dem zwanzigsten Geburtstag machen, das ist euch doch klar,
                            Burschen? <ref xml:id="ref_Jelinek2018_7" type="bibl" rend="brackets"
                                target="#Jelinek2018">Ebd.</ref></p></quote>
                </cit>
                <p>Durch die permanenten semantischen Sprünge und die damit einhergehende
                    Pluralisierung von Bedeutungsebenen, die in der zitierten Textsequenz besonders
                    offenkundig im Begriff „Million“ zutage treten, werden einfache
                    Identitätskonstruktionen verunmöglicht.<note xml:id="endnote_07"><p>Eine andere
                            Strategie als bei Jelinek kommt beispielsweise in den Aktionen der
                            Burschenschaft Hysteria zum Einsatz, die im Umgang mit
                            burschenschaftlichen Liedern und Ritualen auf ein Verfahren der das
                            Patriarchat angreifenden Umkehrung setzen. </p></note> Die Perspektive
                    der Millionen Geflohenen und Ermordeten wird der Perspektive der „Burschen“ und
                    ihrem Streben nach Profit unmittelbar gegenübergestellt. Wie eng die fröhlichen
                    Lieder der „Burschen“ und die gewaltsamen Verbrechen an den „Millionen“
                    miteinander verzahnt sind, veranschaulicht Jelinek in der Folge durch die
                    klangliche Nähe der Begriffe des „Tötens“ und „Trötens“: <quote
                        source="#ref_Jelinek2019_8">die siebte [Million] sollte man aber möglichst
                        auch noch in der Jugend machen, sonst kann man es nicht mehr genießen, da
                        macht das Töten oder wenigstens das Singen und Tröten vom Töten noch Spaß,
                        mehr als Singen ist derzeit nicht erlaubt.</quote>
                    <ref xml:id="ref_Jenlinek2018" type="bibl" rend="brackets" target="#Jelinek2018"
                        >Ebd.</ref></p>
                <p>Das performative Potenzial vieler politischer Lieder, dem Publikum bestimmte
                    Inhalte durch einfache einprägsame Formelemente nahezubringen, wird im Text
                    immer wieder dekonstruiert, indem die Autorin durch komplexe Textstrukturen die
                    Vielschichtigkeit der problematisierten Inhalte umso deutlicher aufs Tapet
                    bringt. Über verschiedene Umwege kommt der Text aber immer wieder auf die
                    tanzenden und singenden Burschenschaftler und deren Liedgut zurück, etwa wenn
                    nach einer Sequenz über das Sterben von Flüchtlingen im Mittelmeer und die
                    zunehmende Fremdenfeindlichkeit in Österreich (unter Rückgriff auf die
                    semantische Mehrfachcodierung einer internationalen Sportveranstaltung und der
                    gleichnamigen Burschenschaft) das <quote source="#ref_Jelinek2018">Ertrinken
                        [als] ein neuer Sport für Olympia</quote>
                    <ref xml:id="ref_Jelinek2018_9" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Jelinek2018">ebd.</ref> vorgeschlagen wird. Diese
                    Assoziationsketten werden auf Jelineks Website auch auf Bildebene evident, indem
                    auf die Abbildungen der rassistischen Liedtexte, ein Foto von Flüchtlingen im
                    Mittelmeer und ein Bild von schlagenden Burschenschaftlern mit überdeutlich
                    sichtbaren Narben im Gesicht folgt.</p>
                <p>Auf die Abbildungen der Liedstrophen folgt unter dem Zwischentitel <title>Und
                        jetzt alle!</title> ein weiterer Kommentar der Autorin. Darin werden erneut
                    die Rechtfertigungsversuche der Burschenschaften in Bezug auf den Verbleib der
                    Liederbücher thematisiert:</p>
                <cit>
                    <quote source="#ref_Jelinek2018_10">
                        <p>Das sind die Gesänge aus dem alten Liederbuch, das keiner mehr kennt, das
                            geschwärzt wurde, das zerrissen wurde, das teilweise zerrissen wurde,
                            das gar nicht da war, da fehlen ja Seiten, die wir noch nie gesehen
                            haben, woher kommen die plötzlich wieder?, das zerfleddert ist und
                            geschändet, das arme!, oje, da ist was durchgestrichen, was, das soll
                            nicht leben dürfen?, das bewegt sich doch längst nicht mehr und bewegt
                            auch sonst niemanden! <ref xml:id="ref_Jelinek2018_10" type="bibl"
                                rend="brackets" target="#Jelinek2018">Ebd.</ref></p></quote>
                </cit>
                <p>In dieser Textpassage wird die Auseinandersetzung mit den Liederbüchern noch auf
                    eine weitere Ebene geführt, nämlich in Hinblick auf deren Materialität:
                    geschwärzt, zerrissen, zerfleddert, geschändet wirken die Bücher aus der
                    Perspektive ihrer Nutzer nicht mehr wie ein Mittel der rassistischen und
                    antisemitischen Diskriminierung, sondern wie die Opfer materieller Zerstörung.
                    In das Lamento um die Schwärzungen und Streichungen der Texte mischen sich aber
                    auch Stimmen, die darauf hoffen, dass durch die Verbindung mit den <quote
                        source="#ref_d2e3">lieben, freundlichen Christeln</quote>
                    <ref xml:id="ref_Jelinek2018_11" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Jelinek2018">ebd.</ref>
                    <note xml:id="endnote_08"><p>Angespielt wird hier offenbar auf die damals
                            (2017-2019) bestehende Regierungskoalition zwischen FPÖ und
                        ÖVP.</p></note> etwas <quote source="#ref_d2e3">andres […] umso lebendiger
                        […] aus der Erde steigt</quote>
                    <ref xml:id="ref_Jelinek2018_12" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Jelinek2018">ebd.</ref>. Auf die erneute Beteuerung <quote
                        source="#ref_d2e3">Wir bestreiten, solche Lieder zu singen oder gesungen zu
                        haben</quote>
                    <ref xml:id="ref_Jelinek2018_13" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Jelinek2018">ebd.</ref> folgt ein intertextueller Verweis auf einen
                    weiteren Liedtext, nämlich die sogenannte „Kernstock-Hymne“ <title>Sei gesegnet
                        ohne Ende</title>, also die Bundeshymne der Ersten Republik und des
                    Austrofaschismus: <quote source="#ref_Jelinek2018">Heimaterde wunderhold!
                        Freundlich schmücken dein Gelände Tannengrün und Ährengold. Deutsche Arbeit,
                        ernst und ehrlich, deutsche Liebe, zart und weich. Vaterland, wie bis du
                        herrlich. So geht das und nicht anders, warum sollten wir etwas anderes
                        wollen?</quote>
                    <ref xml:id="ref_Jelinek2018_14" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Jelinek2018">ebd.</ref>. Von den rassistischen, antisemitischen
                    Burschenschaftsliedern ist nun keine Rede mehr, <quote source="#ref_d2e3">denn
                        wir wissen sicher, daß wir diese Lieder wollen und andre eben nicht</quote>
                    <ref xml:id="ref_Jelinek2018_15" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Jelinek2018">ebd.</ref>. </p>
                <p>Diese Sequenz stammt bereits aus der nachträglichen Überarbeitung von Jelineks
                    Essay, in der die Autorin auf den <title>Falter</title>-Artikel <title>Alte
                        Lieder</title> Bezug nimmt. In diesem Artikel werden die Comeback-Wünsche
                    des wegen der Liederbuch-Affäre zurückgetretenen FPÖ-Politikers Udo Landbauer
                    sowie die Gutachter-Ergebnisse des Büros für Kriminaltechnik, die mit der
                    Untersuchung der Liederbücher befasst waren, thematisiert. Das pessimistische
                    Fazit am Ende des Essays legt nahe, dass die Beschwichtigungsstrategien der
                    gerade sprechenden Ich-Stimme erfolgreich waren und antizipieren damit bereits
                    die Einstellung des Verfahrens und das Herausschneiden der rassistischen,
                    antisemitischen Liedtexte in den beschlagnahmten Liederbüchern als einzige
                    Konsequenz für die Burschenschaft ,Germania‘:</p>
                <cit>
                    <quote source="#ref_Jelinek2018_16">
                        <p>Ein neues Lied, ein besseres Lied? Hast du Töne? […] Was für Töne sollen
                            das sein? Sollen das die großen Töne sein, die da jemand gespuckt hat?
                            Wieso ich? Ich soll mal im Keller suchen und singen und tanzen und
                            lachen gehn? […] Da muß ich erst ein paar Kartons durchschauen und ein
                            paar Leute durchhauen. Nein, ich habe Ihre Töne nicht, suchen Sie
                            woanders, ich habe sie jedenfalls nicht. <ref
                                xml:id="ref_Jelinek2018_16" type="bibl" rend="brackets"
                                target="#Jelinek2018">Ebd.</ref></p></quote>
                </cit>
                <p>Der intertextuelle Verweis auf Heines <title>Deutschland. Ein
                        Wintermärchen</title><note xml:id="endnote_09"><p>Bei Heine heißt es: <quote
                                source="#ref_Heine1998-545">Ein neues Lied, ein besseres Lied, // O
                                Freunde, will ich euch dichten! // Wir wollen hier auf Erden schon
                                // Das Himmelreich errichten.</quote>
                            <ref xml:id="ref_Heine1998-545" type="bibl" rend="brackets"
                                target="#Heine1998">Heine 1998: 545</ref></p></note> verdeutlicht
                    sowohl das resignative Moment als auch das subversive Potenzial von Jelineks
                    Text. Auf ein neues, besseres Lied wartet man (wie schon im Titel <title>Besser
                        wirds nicht</title> anklingt) vergebens. Von Heines kritischer
                    Reflexionsfähigkeit sind die zur Entstehungszeit des Essays gespuckten Töne der
                    Liederbuchbesitzer, die von deren Inhalten nichts mehr zu wissen vorgaben,
                    jedenfalls meilenweit entfernt. Dies aufgreifend wird bei Jelinek auch Heine zum
                    Opfer der antisemitischen Rhetorik: <quote source="#ref_Jelinek2018">Der Jud
                        Heine spricht ja immer noch, wie kann das sein? Der ist doch tot! Genau das
                        hätten wir für ihn auch vorgesehen gehabt.</quote>
                    <ref xml:id="ref_Jelinek2018_17" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Jelinek2018">Ebd.</ref> In Jelineks Texten ist jedoch nichts und
                    niemand endgültig tot, sondern kehrt immer wieder und mengt sich (wie auch
                    Heine) als eine Stimme von vielen in das komplexe Stimmengewirr, um als nicht
                    zum Schweigen zu bringende Gegenstimme die Banalität und Niedertracht der
                    antisemitischen Hassgesänge nur umso deutlicher zur Geltung zu bringen. Durch
                    die gezielte Nutzung des Internets als Distributionsmedium sind diese von der
                    Autorin in Szene gesetzten Gegenstimmen immer und überall präsent.</p>
                <p>In diesem Sinne lässt sich zusammenfassend festhalten, dass Jelinek mit
                        <title>Gut Lied! </title>wie auch anderen politischen Essays auf ihrer
                    Website für die Verbreitung und Rezeption ihrer Texte an den Möglichkeiten des
                    Internets partizipiert, auf ästhetischer und inhaltlicher Ebene aber – wie schon
                    in ihren frühen Liedkompositionen – keinerlei Kompromisse in Form von
                    Anbiederungen oder Vereinfachungen macht. Im Gegenteil: Gerade durch die
                    Polyvalenzen des Textes, die perspektivischen Brüche und ironisierenden
                    Kommentierungen werden die rhetorischen Strategien des Rechtspopulismus, die
                    sich nicht zuletzt in den thematisierten Liedtexten manifestieren, <quote
                        source="#ref_Jelinek_Meyer1995-49">zur Kenntlichkeit entstellt</quote>
                    <ref xml:id="ref_Jeline_Meyer1995-49" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Jelinek_Meyer1995">Jelinek/Meyer 1995: 49</ref> und dadurch
                    letztlich ad absurdum geführt. Damit werden auch jene Gattungsmerkmale des
                    Lied-Genres problematisiert, die diesen Strategien in die Hände spielen, und
                    dadurch (sozusagen ex negativo) einige substanzielle Denkanstöße für die
                    Voraussetzungen eines <quote source="#ref_Jelinek2018">neue[n] […] bessere[n]
                        Lied[es]</quote>
                    <ref xml:id="ref_Jelinek2018_18" type="bibl" rend="brackets"
                        target="#Jelinek2018">Jelinek 2018</ref> gegeben.</p>
            </div>
        </body>
        <back>
            <div type="bibliography">
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                            Stuart; Über Tiere; Schatten (Eurydike sagt); Die Straße. Die Stadt. Der
                            Überfall</title>, in: <editor>Pia Janke</editor> (Hg.):
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                            <title>Jetzt bin ich aus mir selbst verwiesen worden. (Anti-)Identitäten
                            in Elfriede Jelineks „Winterreise“ und Wilhelm Müllers „Die
                            Winterreise“</title>. <pubPlace>Marburg</pubPlace>:
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                        (<date>1980</date>): <title>meine liebe, in: Elfriede Jelinek: ende.
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                        (<date>1983</date>): <title>meine liebe. Abbildung der zweiten Seite des
                            Autographs, in: Sepp Dreissinger: Hauptdarsteller. Selbstdarsteller. Ein
                            Portraitbuch für Links- und Rechtshänder mit 66 Portraits und 66
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                        (<date>1992</date>): <title>Burgtheater, in: Elfriede Jelinek:
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                            Adolf-Ernst</author> (<date>1995</date>): <title>Elfriede Jelinek im
                            Gespräch mit Adolf-Ernst Meyer, in: Elfriede Jelinek/Jutta
                            Heinrich/Adolf-Ernst Meyer: Sturm und Zwang. Schreiben als
                            Geschlechterkampf.</title>. <pubPlace>Hamburg</pubPlace>:
                            <publisher>Klein</publisher>, S. 7–74.</bibl>
                    <bibl xml:id="Kämper-Jensen2012"><author>Kämper-Jensen, Heidrun</author>
                            (<date>2012</date>): <title>Lieder von 1848: politische Sprache einer
                            literarischen Gattung</title>. <pubPlace>Berlin</pubPlace>:
                            <publisher>de Gruyter</publisher>.</bibl>
                    <bibl xml:id="Kastberger_Lamb2011"><author>Kastberger, Klaus; Lamb-Faffelberger,
                            Margarete </author> (<date>2011</date>): <title>„Der universelle Raum
                            des Nichts“: Elfriede Jelineks Texte im Internet. E-Mail-Wechsel
                            zwischen Klaus Kastberger und Margarete Lamb-Faffelberger, in: Pia Janke
                            (Hg.): JELINEK[JAHR]BUCH. Elfriede Jelinek-Forschungszentrum</title>.
                            <pubPlace>Wien</pubPlace>: <publisher>Praesens Verlag</publisher>, S.
                        125–133.</bibl>
                    <bibl xml:id="Kecht2013"><author>Kecht, Maria-Regina </author>
                            (<date>2013</date>): <title>er nicht als er (zu, mit Robert Walser); Das
                            Schweigen; Der Wanderer; Winterreise, in: Pia Janke (Hg.):
                            Jelinek-Handbuch</title>. <pubPlace>Stuttgart</pubPlace>:
                            <publisher>Metzler</publisher>, S. 167–174.</bibl>
                    <bibl xml:id="Kernmayer2019"><author>Kernmayer, Hildegard </author>
                            (<date>2019</date>): <title>„Wir sind wir, und wir bleiben da.“ Zu
                            Elfriede Jelineks Texten „Die Österreicher als Herren der Toten“ (1991),
                            „Was zu fürchten vorgegeben wird“ (1999) und „Das Kommen“ (2016), in:
                            Susanne Teutsch (Hg.): „Was zu fürchten vorgegeben wird“. Alterität und
                            Xenophobie</title>. <pubPlace>Wien</pubPlace>: <publisher>Praesens
                            Verlag</publisher>, S. 139–156.</bibl>
                    <bibl xml:id="Krones2019"><author>Krones, Hartmut</author> (<date>2019</date>):
                            <title>Lied (= Österreichisches Musiklexikon online). URL:
                            www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_L/Lied.xml</title>.</bibl>
                    <bibl xml:id="Krotz2001"><author>Krotz, Friedrich</author> (<date>2001</date>):
                            <title>Die Mediatisierung kommunikativen Handelns. Der Wandel von Alltag
                            und sozialen Beziehungen, Kultur und Gesellschaft durch die
                            Medien</title>. <pubPlace>Wiesbaden</pubPlace>: <publisher>Westdt.
                            Verl.</publisher>.</bibl>
                    <bibl xml:id="Parker2002"><author>Parker, Klaus </author> (<date>2002</date>):
                            <title>Rechtsextremismus im Internet, in: Thomas Grumke/Bernd Wagner
                            (Hg.): Handbuch Rechtsradikalismus. Personen – Organisationen –
                            Netzwerke</title>. <pubPlace>Opladen</pubPlace>: <publisher>Leske +
                            Budrich</publisher>, S. 129–139.</bibl>
                    <bibl xml:id="Peham2019"><author>Peham, Andreas </author> (<date>2019</date>):
                            <title>„Durch Reinheit zur Einheit“. Zur Kritik des deutschnationalen
                            Korporationswesens in Österreich unter besonderer Berücksichtigung
                            antisemitischer Traditionslinien und nationalsozialistischer Bezüge.
                            URL:
                        www.doew.at/cms/download/6or5r/peham_burschenschaften.pdf</title>.</bibl>
                    <bibl xml:id="Pels2012"><author>Pels, Dick</author> (<date>2012</date>):
                            <title>The new national individualism – populism is here to stay, in:
                            Eric Meijers (Hg.): Populism in Europe</title>.
                            <pubPlace>Linz</pubPlace>: <publisher>Planet</publisher>, S.
                        25-46.</bibl>
                    <bibl xml:id="Roessler_Scharsach2019"><author>Rössler, Wolfgang/Scharsach,
                            Hans-Henning </author> (<date>2019</date>): <title>Hans-Henning
                            Scharsach im Interview: „Die FPÖ gehört den Burschenschaften.“ URL:
                            www.gmx.at/magazine/politik/hans-henning-scharsach-interview-fpoe-gehoert-burschenschaften-32769828</title>.</bibl>
                    <bibl xml:id="Schenkermayr2015"><author>Schenkermayr, Christian </author>
                            (<date>2015</date>): <title>Elfriede Jelinek: Empörung in Werk und
                            Wirkung. Tendenzen und Entwicklungen, in: Alexandra Millner/Bernhard
                            Oberreither/Wolfgang Straub (Hg.): Empörung! Besichtigung einer
                            Kulturtechnik. Beiträge aus Literatur- und Sprachwissenschaft</title>.
                            <pubPlace>Wien</pubPlace>:<publisher>Facultas</publisher>, S.
                        189–205.</bibl>
                    <bibl xml:id="Smith2018"><author>Smith, Tom</author> (<date>2018</date>):
                            <title>Emotional Ambivalence and the Musical Canon. Elfriede Jelinek’s
                            Restaging of Schubert’s Songs in „Winterreise“ (2011), in: German Life
                            and Letters 3/2018, S. 331–352.</title>.</bibl>
                    <bibl xml:id="Suchy2007"><author>Suchy, Irene</author> (<date>2007</date>):
                            <title>Die Komponistin Elfriede Jelinek, in: Pia Janke (Hg.): Elfriede
                            Jelinek: „Ich will kein Theater“. Mediale Überschreitungen</title>.
                            <pubPlace>Wien</pubPlace>: <publisher>Paresens</publisher>, S. 377–387.</bibl>
                    <bibl xml:id="Weibel2007"><author>Weibel, Peter</author> (<date>2007</date>):
                            <title>Mediale Montagen. Literatur im elektronischen Zeitalter zwischen
                            Massenmedien und Subjektaussagen, in: Pia Janke (Hg.): Elfriede Jelinek:
                            „ICH WILL KEIN THEATER“. Mediale Überschreitungen</title>.
                        <pubPlace>Wien</pubPlace>: <publisher>Praesens</publisher>, S. 437–445.</bibl>
                    <bibl xml:id="Wodak2016"><author>Wodak, Ruth</author> (<date>2016</date>):
                            <title>Politik mit der Angst. Zur Wirkung rechtspopulistischer
                            Diskurse</title>. <pubPlace>Wien</pubPlace>: <publisher>Edition
                            Konturen</publisher>.</bibl>
                </listBibl>
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