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            <titleStmt>
                <title type="main" xml:lang="de">Polyphonie und Intermedialität – und Literatur als
                    Zeugnis</title>

                <author>
                    <name>
                        <forename>Boris</forename>
                        <surname>Previšić</surname>
                    </name>
                    <affiliation>Universität Luzern</affiliation>
                    <email>boris.previsic@unilu.ch</email>
                </author>
            </titleStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Wiener Digitale Revue</publisher>
                <date>2021</date>
                <availability>
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/"><p>For this
                            publication, a Creative Commons Attribution 4.0 International license
                            has been granted by the author(s), who retain full
                        copyright.</p></licence>
                </availability>
                <idno type="DOI">10.25365/wdr-03-0-01</idno>
                <idno type="URL"/>
            </publicationStmt>
            <seriesStmt>
                <title>Wiener Digitale Revue</title>
                <biblScope unit="issue">3</biblScope>
                <idno type="ISSN">2709-376X</idno>
            </seriesStmt>
            <sourceDesc>
                <p>born digital</p>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
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            <langUsage>
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                <keywords xml:lang="de">
                    <term xml:lang="de">Polyphonie</term>
                    <term xml:lang="">Intermedialität</term>
                    <term xml:lang="de">Simultaneität</term>
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    <text>
        <front>
            <div type="abstract" xml:lang="de">
                <p>Der Beitrag geht von der Prämisse aus, dass Literatur, wenn man von einer
                    ,stummen‘ Referenzlogik absieht, Intermedialität inhärent ist, sowohl in
                    supponierter als auch in realisierter Form. Besonders Literatur, die sich
                    visuell versteht, verweist aufs Akustische. Previšić geht in der Folge auf die
                    Begriffsgeschichte der Polyphonie – eine primär sprachliche Kategorie – ein und
                    befragt die Zusammenhänge zu intermedialen Phänomenen. Dabei greift er auf Roman
                    Jakobsons Kommunikationsmodell zurück und sucht polyphone Erzählstrukturen in
                    der ,testimonialen Literatur‘ auf, etwa in Melinda Nadj Abonjis Roman <hi
                        rend="italic">Schildkrötensoldat</hi> (2017).</p>
            </div>
            <div type="abstract" xml:lang="en">
                <p>The contribution starts from the assumption that, disregarding a ‘mute’ logic of
                    reference, intermediality is inherent to literature, in the supposed as well as
                    in the realized form. Literature that sees itself as visual in particular refers
                    to the acoustic dimension. Boris Previšić also discusses the conceptual history
                    of polyphony – a primarily linguistic category – and analyzes connections to
                    intermedial phenomena, falling back on Roman Jakobson’s model of communication
                    and visiting polyphonous narrative structures in ‘testimonial literature’, for
                    instance in Melinda Nadj Abonji’s novel <hi rend="italic"
                        >Schildkrötensoldat</hi> (Tortoise Soldier, 2017).</p>
            </div>
        </front>
        <body>
            <div xml:id="wdr03_02-01_01">
                <p>Der Literatur in ihrer vermeintlichen Angewiesenheit auf Schriftlichkeit und in
                    ihrer Rekonstruktion sowie Idealisierung von Mündlichkeit, der Literatur in
                    ihrer Produktion im Schreibprozess und in ihrer imaginierten, aber auch
                    realisierten mündlichen Performanz, der Literatur, abgespeichert im Buch, im
                    Pamphlet, im Entwurf als hingeworfene Notiz, als Notula, aber auch in Ton und
                    Bild, der Literatur schließlich, die sich nicht nur an uns wendet, sondern schon
                    vorgängig an eine Adressatin richtet, dieser Literatur ist die Intermedialität
                    inhärent – in supponierter, aber auch in realisierter Form. Was wäre Literatur,
                    hätte sie nicht ihre Rhapsoden. Was wäre Literatur, würde sie nicht wenigstens
                    als innere Stimme mitgehört. Natürlich gibt es die reine Referenzlogik, die
                    stumm bleibt. Doch im literarischen Normalfall ertönt die Rezitation homerischer
                    Verse, der Chor sophokleischer Dramen, der wilde Rhythmus pindarischer Oden.
                    Gibt es einen Grund, dass dem heute anders ist? Vielleicht ihre multimediale
                    Auffächerung und ihr transmediales Potential. Intermedialität schärft lediglich
                    unseren Sinn für die medialen Divergenzen, für die jeweils visuelle und
                    akustische Eigenheit der Literatur. </p>
            </div>
            <div xml:id="wdr03_02-01_02">
                <head>1. Polyphonie, eine sprachliche Kategorie</head>
                <p>So verweist gerade Literatur, wenn sie sich visuell versteht, aufs Akustische –
                    und umgekehrt: Wie sehr präzisiert die Typographie die akustisch verstandene
                    Literatur im Hinblick auf ihre akustische Performanz gerade in der Moderne (<ref
                        type="bibl" target="#Herrmann2015b">Hermann 20015b</ref>). Denken wir an die
                    konkrete Poesie, denken wir an Dada, denken wir an Mallarmés <title>Coup de
                        dés.</title> Hier fügt sich die Linearität des Verses in die simultane
                    Vertikalität idealiter gleichzeitig erklingender Verse. Die Gedichtpartitur
                    lehnt sich an die Mehrstimmigkeit in der Musik an und durchbricht dadurch ihre
                    Linearität (<ref type="bibl" target="#Previšić2017">Previšić 2017</ref>). Rein
                    begrifflich rekurriert aber Polyphonie auf ihre sprachliche Verfasstheit. Sie
                    setzt sich aus dem altgriechischen <q rend="double-qm">πολύ</q> (<q
                        rend="double-qm">poly</q> = <q rend="double-qm">viel, mehr</q>) und <q
                        rend="double-qm">φωνή</q> (<q rend="double-qm">phoné</q> = <q
                        rend="double-qm">Stimme, Ton</q>) zusammen. Wir kennen das <q
                        rend="double-qm">Phonem</q> als kleinste klingende Einheit in der Sprache.
                    Und so wäre Polyphonie eigentlich ein genuin literarisches Phänomen. Wie Wolf
                    Frobenius in Eggebrechts <title>Handwörterbuch der musikalischen Terminologie
                    </title>1980 festhält, wird Polyphonie erst um 1800 aus dem sprachlichen in
                    einen musikalischen Kontext übertragen. Die Ironie der Begriffsgeschichte möchte
                    es, dass erst das 19. Jahrhundert eine Epochalisierung der Musikgeschichte
                    vorschlug, welche Polyphonie dem sprachlichen Bereich entriss. In den 1980er
                    Jahren wurde die Polyphonie explizit für die Linguistik fruchtbar gemacht. Doch
                    dies jenseits von akustischen Paradigmen, nämlich im Hinblick auf die
                    Mehrdeutigkeit – explizit im rhetorischen Tropus der Ironie (<ref type="bibl"
                        target="#Ducrot1984">Ducrot 1984</ref>).</p>
                <p>Ebenso metaphorisch findet der Begriff der Polyphonie in die
                    Literaturwissenschaft Eingang, insbesondere in die Intertextualitätsforschung
                        (<ref type="bibl" target="#Harkness2011">Harkness/Wright 2011</ref>) und in
                    den Bereich der Polyglossie (<ref type="bibl" target="#Bürger-Koftis2010"
                        >Bürger-Koftis et al. 2010</ref>, <ref type="bibl" target="#Küpper2017"
                        >Küpper 2017</ref>). Während die historische Verortung der
                    Begriffsgeschichte und die Linguistik eine eigenständige Traditionslinie
                    verfolgen, ist in der Literaturwissenschaft Bachtin omnipräsent (<ref
                        type="bibl" target="#Hawthorn1994">Hawthorn 1994</ref>, <ref type="bibl"
                        target="#Aczel2005">Aczel 2005</ref>, <ref type="bibl"
                        target="#Hansen-Kokoruš2001">Hansen-Kokoruš 2001</ref>). Doch so musikalisch
                    sich Bachtin in seiner Metaphorik im Bild der Orchestrierung auf die Polyphonie
                    bezieht (<ref type="bibl" target="#Bachtin1979">Bachtin 1979</ref>), so wenig
                    hat sein narratologisches Konzept etwas mit der akustischen Realisierung konkret
                    erklingender Stimmen zu tun. Vielmehr interessiert er sich für die Vielfalt von
                    Meinungsäußerungen beispielsweise in Dostojewskjis Romanwerk (<ref type="bibl"
                        target="#Bachtin1971">Bachtin 1971</ref>). Die narratologische Sichtung der
                    Vielfalt von Weltbildern ist insbesondere aus der stalinistischen Zeit
                    gewaltsamer ideologischer Vereinheitlichung zu verstehen. Ebenso Bachtins
                    Schwerpunkt auf dem Werk eines Rabelais – weniger im Sinne einer abstrakten
                    Dialogizität als vielmehr im Sinne von Text als Körper, Körper als Text und
                    Umkehr hierarchischer Verhältnisse (<ref type="bibl" target="#Previšić2010"
                        >Previšić 2010</ref>). Daraus erklärt sich auch, warum sich die
                    narratologischen Konzepte von Polyphonie und Multiperspektivität weiterhin
                    gegenseitig beeinflussen (<ref type="bibl" target="#Lindemann1999">Lindemann
                        1999</ref>, <ref type="bibl" target="#Nünning2000">Nünning 2000</ref>, <ref
                        type="bibl" target="#Zeman2018">Zeman 2018</ref>). </p>
            </div>
            <div xml:id="wdr03_02-01_03">
                <head>2. Intermedialität zwischen Musik und Literatur </head>
                <p>Buchstabieren wir also nochmals zurück. Wie kann man das Konzept der Polyphonie
                    im Sinne einer inter- und transmedialen Differenz anderweitig fruchtbar machen?
                    Das war die Hauptfrage, die wir uns, Silvan Moosmüller und ich, im Band <ref
                        type="bibl" target="#Moosmüller2020a"><title>Polyphonie und
                            Narration</title> (2020)</ref> stellten. Der Weg, den wir einschlugen,
                    war grundsätzlich intermedial ausgelegt und durch die musikalische Paradigmatik
                    geprägt. Die akustische Komponente des sprachlichen Phonems impliziert eine sich
                    artikulierende Stimme zunächst jenseits ihrer metaphorischen Verwendung. Erst
                    die Stimme in ihrer körperlichen Gebunden- und Bedingtheit im Sinne von Roland
                    Barthes akustischer Irreduzibilität, im Sinne von <q rend="double-qm">le grain
                        de la voix</q>, erlaubt den transmedialen Sprung von der Sprache in die
                    Musik. Die akustische Irreduzibilität verweist uns auf ein a-referentielles bzw.
                    prä-referentielles Klangbild der Sprache.</p>
                <p>Aufbauend auf diesem Paradigma erlauben wir uns den Rückgriff auf die
                    Organisation Polyphonie, welche – wie bereits erwähnt – ab dem 19. Jahrhundert
                    als Epochenbegriff für die franko-flämische Vokalpolyphonie im 15. und 16.
                    Jahrhundert eingesetzt wird. Die hochgradig komplexe Organisation melodischer
                    und unabhängiger Singstimmen (<ref type="bibl" target="#Bossuyt1994">Bossuyt
                        1994: 24</ref>) setzt mit dem Beginn der frühen Neuzeit ein. Parallel dazu
                    findet die zentrifugale Narration im Roman eines Cervantes oder Rabelais zu
                    einem ersten Höhepunkt. Die Polyphonie hinterlässt uns historisch damit eine
                    wichtige intermediale Wegmarke.</p>
                <p>Gleichzeitig gibt uns die musikalische Polyphonie wichtige strukturelle Hinweise
                    auf die Organisation der einzelnen Stimmen. Als terminus technicus, der das
                    Handwerk des Komponierens seit Beginn der musikalischen Anfänge der Polyphonie
                    bestimmt, figuriert der Kontrapunkt. Der Kontrapunkt bezeichnet zunächst das
                    Verhältnis von einer Stimme zu einer zweiten Stimme, wie sie sich von Note gegen
                    Note (also punctus contra punctum) zu bewegen hat, umfasst aber letztlich die
                    ganze Lehre, wie Stimmen am besten simultan überlagert werden und ein
                    harmonisches Ganzes bilden, ohne dass die einzelne Stimme verschwindet. Folgen
                    wir dem musikhistorischen Abriss Adornos, dem Aufsatz <title>Die Funktion des
                        Kontrapunkts in der neuen Musik</title>, so erreicht dessen Kunst in der
                    Fugenkunst eines Johann Sebastian Bach ihren Höhepunkt. Selbständigkeit der
                    einzelnen Stimme und die damit verbundene dissonante Umspielung der Harmonie
                    erreichen den höchsten Komplexitätsgrad und zugleich ihre beste Durchhörbarkeit.
                    Da sämtliche Stimmen immer als Komplement zu den anderen Stimmen figurieren,
                    fällt die ganze harmonisch-kontrapunktische Struktur in sich zusammen, sobald
                    eine Stimme in der Fuge wegfällt. Und hier liegt der eigentliche Unterschied
                    zwischen Polyphonie und Multiperspektivität. </p>
            </div>
            <div xml:id="wdr03_02-01_04">
                <head>3. Simultaneität </head>
                <p>Kommen wir also zurück zur intermedialen Übertragung von der Musik auf die
                    Literatur. So ist insbesondere in der jüngeren Multiperspektivitätsforschung zu
                    beobachten, wie man das zu einseitig an Bachtin orientierte Polyphoniekonzept
                    kritisiert (<ref type="bibl" target="#Steinby2013">Steinby 2013</ref>). Es gehe
                    bei der Polyphonie weniger um die Tatsache, dass unterschiedliche Meinungen über
                    eine Autorstimme artikuliert werden, sondern um die materialiter umgesetzte
                    künstlerische Organisation innerhalb des Werks. Damit nähern wir uns dank einer
                    vertieften Reflexion in der Intermedialitätsforschung sowohl in Bezug auf den
                    Übergang von visueller Perspektive zu akustischer Polyphonie als auch in Bezug
                    der Analogiebildung zwischen musikalischem und literarischem Werk – was alle
                    Dimensionen von Melodie und Harmonie, von Figuren, Ereignissen und Objekten
                    einer erzählten Welt miteinschließt. Kronzeugen einer solchen doppelten
                    Übertragung sind zum einen Edward Said mit seinen vor allem aus der romantischen
                    Musik gespeisten kontrapunktischen postkolonialen Lektüren (<ref type="bibl"
                        target="#Said2018">Said 2018</ref>), zum anderen Milan Kunderas Konzeption
                    des romanesken Kontrapunkts (<ref type="bibl" target="#Kundera2010">Kundera
                        2010</ref>). Sie besteht darin, gleichzeitig verschiedene Stimmen bzw.
                    melodische Linien zu bilden, welche sich unter einem gemeinsamen Thema, aber
                    unter Berücksichtigung verschiedener Genres entwickeln. Sowohl Said als auch
                    Kundera beziehen sich somit nicht mehr auf die Polyphonie als beschreibende
                    Kategorie, sondern auf den Kontrapunkt als terminus technicus.</p>
                <p>Erzähltheoretisch kommt dieses Verfahren nahe der Auffassung von Wolf Schmid zur
                        <quote source="#ref_Schmid2005-30">unzeitlichen Verknüpfung</quote>.
                    Erzählungen, Motive, Chronologie orientieren sich nicht mehr einfach am
                    narrativ-logischen Desiderat der Sukzessivität und Kausalität, sondern schaffen
                    eine <quote source="#ref_Schmid2005-30">Simultaneität</quote> von Elementen der
                    Erzählung, die weit auseinanderliegen können (<ref xml:id="ref_Schmid2005-30"
                        type="bibl" target="#Schmid2005">Schmid 2005, 30</ref>). Wir müssen uns
                    nichts vormachen: Die intermediale Differenz der Literatur zur Musik erlaubt
                    ersterer nicht, realiter gleichzeitig verschiedene Erzählebene zu konstituieren,
                    solange die Erzählung an die lineare Leseführung gebunden ist. Vielmehr
                    generiert die intermediale Anlehnung an die Musik in der Literatur eine
                    Simultaneität idealiter (<ref type="bibl" target="#Previšić2017">Previšić 2017,
                        49</ref>). Einer suggerierten Synchronisierung von Sukzession gilt somit das
                    Hauptaugenmerk der Zeitkünste – wie der Literatur, aber auch wie des Films (<ref
                        type="bibl" target="#Huber1992">Huber 1992, 163</ref>). Wie bereits in
                    Mallarmés <title>Coup de dés</title> skizziert, transferiert die Zeitkunst des
                    Gedichts ihre Gleichzeitigkeit in Anlehnung an das visuelle Pendant der Musik,
                    an die Partitur. Zentral ist also nicht mehr die Produktionsästhetik wie in der
                    Kompositionstechnik des Kontrapunkts, sondern die Rezeptionslenkung. Es geht
                    darum, den Eindruck der Simultaneität bei der supponierten Rezeptionsinstanz zu
                    erzeugen. Mit der Rückübersetzung des musikalischen Paradigmas der Polyphonie
                    auf die Literatur geht somit Hand in Hand ein Wechsel von einer Produktions- in
                    eine Rezeptionsästhetik. </p>
            </div>
            <div xml:id="wdr03_02-01_05">
                <head>4. Polyphone Rezeption </head>
                <p>Auf das rezeptionsästhetische Moment ist die Literatur seit ihren Anfängen
                    hochgradig erpicht – denken wir an das Magnetmodell des Rhapsoden Ion bei
                    Platon, denken wir an die Verschachtelung der Erzählebenen in der
                        <title>Odyssee</title> oder im <title>Decameron</title>. Im Erzählen über
                    das Erzählen wird die Situation der aktualisierten Erzählung reflektiert. Dass
                    gerade dadurch Gleichzeitigkeit von Ungleichzeitigem, das Ineinander
                    verschiedener diegetischer Rahmungen und somit Polyphonie erzeugt wird, zeigt
                    sich in der Literatur ebenso im Theater in der Rahmung der theatralen Performanz
                    – am eindrücklichsten wohl beim Meister des klassischen Theaters, dessen Einheit
                    sich ständig selber unterminiert, so bei Molière im <title>L’impromptu de
                        Versailles</title> (1663). Hier erscheint der Autor Molière als Schauspieler
                    auf der Bühne, auf welcher er den Autor spielt, sowie die anderen Schauspieler
                    unter ihrem eigenen Namen auftreten. Anlass des Stücks ist die Ankündigung, der
                    König habe soeben eine kurze Komödie bestellt, welche nun möglichst schnell
                    eingeprobt werden soll. Man erlebt im Stück, wie Molière in seinen
                    unterschiedlichen Funktionen als Direktor und Regisseur Anweisungen gibt. Es
                    geht um die Interpretation von Rollen, um Sprechtechnik, um Körperhaltung.
                    Corneille wird parodiert. Schlussendlich steht alles Kopf, weil man als
                    Zuschauerin nicht mehr weiß, in welchem Stück man sich befindet: Ist man nun
                    (frei nach Peter Handke) im Stück, im Stück zum Stück, im Stück zum Stück zum
                    Stück etc.? Die metaphorische Verschachtelung theatraler Performanz generiert so
                    eine Polyphonie, d.h. eine Gleichzeitigkeit von Stimmen, die in verschiedenen
                    Stücken artikuliert werden sollen.</p>
                <p>Für die literarische Erzeugung von Polyphonie ist eine im selben Medium
                    artikulierte Selbstreflexion dessen zentral, was Literatur in ihrer
                    Aktualisierung hinterlässt. Oder anders formuliert: Der Kommunikationsakt selber
                    wird kommuniziert. In der bekannten Triangulierung zwischen Senderin, Botschaft
                    und Empfängerin kann die Kommunikation im Hinblick auf die verschiedenen
                    Funktionen, wie sie Roman Jakobson definiert, wiederum – nun frei nach Molières
                    komödianten Experimentieranlage – in die Botschaft selbst zurückgespiegelt
                    werden. Im Hinblick auf die Literatur geht man in der Anwendung von Jakobson
                    meist fälschlicherweise davon aus, dass sich Literatur auf die poetische
                    Funktion oder umgekehrt die poetische Funktion auf die Literatur beschränke.
                    Doch bereits Jakobson selbst widerspricht diesem Fehlschluss (<ref type="bibl"
                        target="#Jakobson2016">Jakobson 2016, 92</ref>). </p>
            </div>
            <div xml:id="wdr03_02-01_06">
                <head>5. Konative und phatische Funktion, diegetisch gerahmt </head>
                <p>Die Literatur richtet ihre Aufmerksamkeit nicht nur auf ihre mediale, d.h. primär
                    sprachliche, Verfasstheit. Ebenso ist ihr die emotive Funktion (d.h. die
                    Befindlichkeit der Senderin), die referenzielle Funktion (Kontextualität der
                    Botschaft) oder die metasprachliche Funktion (<q rend="double-qm">Das <q
                            rend="single-qm">s</q> zischt</q>) zu eigen. Zentral in der polyphonen
                    Literatur ist jedoch die Botschaftsempfängerin. Denn Polyphonie und damit die
                    Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen versammelt sich erst in der Gesamtschau
                    bzw. im Gesamthöreindruck der Rezipientin. Damit hat die polyphone Literatur ein
                    bedingungsloses Interesse an der konativen (d.h. an der auf die Empfängerin
                    gerichteten) Funktion (<q rend="double-qm">Was meinen Sie?</q>) und an der
                    phatischen (d.h. an der kontakterhaltenden) Funktion (<q rend="double-qm">Guten
                        Tag, hören Sie mir zu?</q>). Aufseiten der Botschaftssenderin handelt es
                    sich bei der konativ-phatischen Kombination um den Appell. Aufseiten der
                    Botschaftsempfängerin ist das Hören Merkmal einer solchen Konzentration auf die
                    konative und phatische Funktion. In diesem doppelten Akt (Senderin-Empfängerin)
                    zweier Funktionen (konativ-phatisch) ist die Literatur auf Intermedialität
                    angewiesen, damit sie aus ihrer reinen Schriftlichkeit heraustritt und sich
                    entweder in der akustischen Realisierung (z.B. im Hörspiel oder im Theater) oder
                    zumindest als innere Stimme (<q rend="double-qm">inner voice</q> bzw. <q
                        rend="double-qm">inner speech</q>) als Appell hörbar wird.</p>
                <p>Thematisiert wird die Akustik explizit oder implizit innerhalb der diegetischen
                    Rahmung, der dramatischen Inszenierung oder der poetischen Funktion der
                    Dichtung. Innerhalb der Szene bzw. innerhalb der Erzählung wird die akustische
                    Wahrnehmung entsprechend thematisiert. Das gilt ebenso für das Drama eines
                    Gryphius wie für den zeitgenössischen Roman. Der Begriff der Filmwissenschaft,
                    der <q rend="double-qm">point-of-audition</q>, wird hier in Absetzung vom <q
                        rend="double-qm">point-of-view</q>, aber auch in Absetzung vom
                    narratologischen Begriff der <q rend="double-qm">Fokalisierung</q> (<ref
                        type="bibl" target="#Genette1989">Genette 1989</ref>, <ref type="bibl"
                        target="#Bal1997">Bal 1997</ref>) wirkmächtig. Interessanterweise eignet
                    sich die akustische Kategorie besonders, den Fiktionalitätsgrad des Mediums
                    selbst zu exponieren. Über Lautstärke, Hall und weitere Parameter der
                    Tonwiedergabe im Film nimmt man akustisch so wahr, als ob man innerhalb des
                    diegetischen Rahmens hören würde – <quote source="#ref_Altman1992-60">as it
                        would be heard from a point within the diegesis, normally by a specific
                        character or characters</quote> (<ref xml:id="ref_Altman1992-60" type="bibl"
                        target="#Altman1992">Altman 1992, 60</ref>). So überträgt sich die
                    Wahrnehmung des Handlungsträgers innerhalb der Erzählung bzw. innerhalb des
                    Films auf die extradiegetische Rezeption, auf mich als Zuhörer. </p>
                <p>Ein wunderbares Beispiel findet sich in Mauricio Kagels Film <title>Ludwig
                        van</title> (1970) anlässlich des 200. Geburtstags von Ludwig van Beethoven.
                    In diesem Film betritt man ein imaginäres Beethoven-Haus in Bonn und nimmt
                    akustisch wahr, wie Beethoven gehört haben könnte. Auf diese Weise hören wir
                    nicht einfach – wie beim multimedialen Film üblich –, sondern wir identifizieren
                    uns mit demjenigen, der für uns hört (<ref type="bibl" target="#Altman1992"
                        >ebd.</ref>). So artikuliert die innere Stimme nicht einfach fremde Stimmen.
                    Gleichzeitig hören wir ihnen zu. Die Kommunikation wird aus dem diegetischen
                    Rahmen in die extradiegetische Rezeption verlegt. So werden intradiegetischer
                    und extradiegetischer Raum – das Stück zum Stück zum Stück etc. (Molière) – in
                    mir über mich als Hörinstanz verknüpft. Indem ich also akustisch wahrnehme, wie
                    jemand Anderer hört, entsteht eine latente Zweistimmigkeit und eine Dissonanz
                    zwischen meinem und dem Hören des Andern – was meine Aufmerksamkeit für den
                    Anderen und dafür, was ihm widerfahren ist, steigert. </p>
            </div>
            <div xml:id="wdr03_02-01_07">
                <head>6. Zeugnis ablegen </head>
                <p>Genau in diese Bresche springt die testimoniale Literatur. Polyphone
                    Erzählstrukturen in der testimonialen Literatur werden zur Einbindung des
                    Lesers, der Leserin als Zeugen, Zeugin in den diegetischen Rahmen eingesetzt. Das
                    gilt für Zeugnisse von Kindheitstraumata (wie der beiden Schweizer Autorinnen
                        <ref type="bibl" target="#Veteranyi1999">Aglaja Veteranyi</ref> –
                        <title>Warum das Kind in der Polenta kocht</title>, 1999 – und <ref
                        type="bibl" target="#Mehr1995">Mariella Mehr</ref> – <title>Daskind</title>,
                    1995), von Shoah (wie im gleichnamigen Film von Claude Lanzmann) oder von
                    Zeugnissen aus dem Krieg (<ref type="bibl" target="#Previšić2014">vgl. dazu
                        Previšić 2014</ref>). In all diesen Beispielen testimonialer Literatur oder
                    filmischer Verarbeitung werden Zeit und Raum multipliziert sowie Erzählzeit und
                    erinnerte Zeit verschränkt. Erst die polyphonen Erzählstrukturen bilden die
                    Grundlage für die simultane Ein- und Auslagerung von Traumaerfahrung und
                    aktivieren immer wieder die phatische Funktion, denn die Traumata erfordern die
                    Empathie im aktiven Zuhören. </p>
                <p>Selbst die narrative Expositionstherapie, welche sich mit der aktiven
                    Verarbeitung von Traumata beschäftigt, fordert genau diese Empathie ein, auch
                    wenn ihr Lösungsansatz darin besteht, heiße Gedächtniselemente in bisherige
                    Lebenszusammenhänge narrativ kohärent einzubinden. Damit soll die aktive
                    Erinnerung, welche immer wieder zu einer Retraumatisierung führen,
                    heruntergekühlt und in eine stabile Struktur eingebunden werden. Hier spricht
                    man von narrativer Kohärenz. Soweit der Ansatz der narrativen
                    Expositionstherapie – natürlich stark verkürzt. Der Begriff der Kohärenz bleibt
                    aber unterbelichtet, denn letztlich bleibt eine kohärente Erzählung angesichts
                    des Erlebten nicht belastbar. Oder um es mit Caroline Emcke zu formulieren:
                        <quote source="#ref_Emcke2013-15">Zu harmlos wirken die üblichen Begriffe
                        angesichts des Schreckens, zu flach. […] Zu kurz scheint jede Erzählung
                        angesichts des Schreckens, zu dünn, um die Last der ganzen Erfahrung tragen
                        zu können.</quote> (<ref xml:id="ref_Emcke2013-15" type="bibl"
                        target="#Emcke2013">Emcke 2013, 15</ref>) </p>
                <p>Greifen wir nochmals auf das Kommunikationsmodell von Roman Jakobson zurück, so
                    stellt sich Kohärenz nicht in der referentiellen, sondern in der phatischen
                    Funktion ein. Angesichts des Erlebten und der Unmöglichkeit, das Erlebte adäquat
                    darzustellen, ist es umso wichtiger, die Kommunikation und somit den Empfang
                    sicherzustellen. Polyphonie entsteht also nicht nur aus der
                    produktionsästhetischen Notwendigkeit der kontrapunktischen Materialstruktur
                    heraus, sondern ebenso aus der rezeptionsästhetischen Notwendigkeit, den Empfang
                    bei unterschiedlichen Rezeptionsinstanzen sicherzustellen. Gerade weil die
                    Augenzeugenschaft angesichts der traumatischen Ursachen äußerst schwierig ist,
                    bleibt die Konzentration auf die akustische Vermittlung der einzige Weg. Das
                    Gesehene oder Nicht-Gesehene wird zwar in ein Wissen oder Nicht-Wissen
                    überführt. Doch verharrt dieses (Nicht-)Wissen in reiner Subjektivität, solange
                    der Beobachter in seiner Anonymität selber unbeobachtet bleibt und nicht Teil
                    des Geschehens wird. Erst die artikulierten und wahrgenommenen Stimmen öffnen
                    den kommunikativen Raum, welcher das Trauma als Ereignis außerhalb
                    lebensweltlicher und narrativer Kohärenz erahnen lässt. </p>
            </div>
            <div xml:id="wdr03_02-01_08">
                <head>7. Exemplifizieren </head>
                <p>Anhand von Nadj Abonjis Roman <ref type="bibl" target="#NadjAbonji2017"
                            ><title>Schildkrötensoldat</title> (2017)</ref> lässt sich der Befund
                    exemplifizieren. Er handelt vom jungen Erwachsenen Zoli. Wegen eines
                    traumatisierenden Unfalls in der Kindheit ist er leicht behindert, aber umso
                    fantasievoller, hochsensibel und naturverbunden. Er wird für den Krieg an der
                    serbischen Front zu Kroatien eingezogen. Eingebunden ist seine Geschichte in
                    einen doppelten Erzählstrang. Zum einen berichtet Hanna von ihm – aus ihrer
                    Jugenderinnerung und aufgrund ihrer Recherchen. Zolis Ich-Erzählung zum anderen
                    weist eine Zeugnisstruktur auf. Darin richtet er sich immer wieder an ein
                    mehrdeutiges polyvalentes <q rend="double-qm">Sie</q>. Exponiert am Schluss des
                    Kapitels, in dem er berichtet, wie er nachts zu Hause mit Gewalt für den
                    Militärdienst abgeholt wird, endet mit der eigenen Namensnennung: <quote
                        source="#ref_NadjAbonji2017-51">-Z-O-L-T-A-N- das bin ich -K-E-R-T-É-S-Z-
                        mein Nachname / und Sie? wer sind Sie eigentlich?</quote> (<ref
                        xml:id="ref_NadjAbonji2017-51" type="bibl" target="#NadjAbonji2017">Nadj
                        Abonji 2017, 51</ref>) Die Feststellung der und die Frage nach der Identität
                    übernimmt hier eine doppelte Funktion: Intradiegetisch richtet sie sich an die
                    beiden Männer, die ihn abschleppen. Auf der Grenze zwischen Diegese und
                    Extradiegese wiederum wird nach einem Gegenüber gesucht, welches das soeben
                    Erzählte gehört hat. Unklar bleibt, ob es sich um eine unbekannte oder bekannte
                    Person (wie z.B. an den Täter-Leutnant) innerhalb oder um die Leserin als
                    Ohrenzeugin außerhalb von Zolis Erzählrahmen handelt. </p>
                <p>Entscheidend ist nicht, an wen sich der intradiegetische Erzähler richtet,
                    sondern dass er sich an jemanden richtet. Die Zeugenschaft adressiert jemanden,
                    weil sie ein Gegenüber braucht. Zolis inzwischen verstummte Stimme aus der Warte
                    Hannas zielt auf die akustische Wahrnehmung, die auch in seiner Erzählung
                    explizit gemacht wird. Als der Leutnant nach dem Gewaltmarsch, auf dem sein
                    Kamerad Jenő umkommt, beim inzwischen für untauglich erklärten Zoli bei dessen
                    Eltern zu Hause auftaucht, um ihn stillzustellen, damit Jenős tatsächliche
                    Todesursache weiterhin verschwiegen wird, begehrt Zoli auf – <quote
                        source="#ref_NadjAbonji2017-156">und ich brülle meinem Vater ins Gesicht,
                        dass ich durchaus und ganz bestimmt fähig bin, eine Aussage zu
                        machen</quote> (<ref xml:id="ref_NadjAbonji2017-156" type="bibl"
                        target="#NadjAbonji2017">Nadj Abonji 2017, 156</ref>). Das Zeugnis ist auf
                    das Gehört-Werden angewiesen. Und so fragt Zoli: <quote
                        source="#ref_NadjAbonji2017-157">wie viele Ohren haben es gehört? ganz
                        bestimmt verklingen die Worte nie, und die Melodie, die süßliche, versickert
                        in allen geheimen Gängen des Ohres, um immer zu klingen, ich will singen,
                        Papa, lauthals</quote> (<ref xml:id="ef_NadjAbonji2017-157" type="bibl"
                        target="#NadjAbonji2017">Nadj Abonji 2017, 157</ref>). </p>
                <p>Damit rückt auch die spezifische Medialität in den Fokus des Erzählens. Zolis
                    Duktus ohne Interpunktion der Satzenden einerseits und mit seiner Vorliebe fürs
                    Ausbuchstabieren von Phonem zu Phonem wie im Kreuzworträtsel andererseits macht
                    seine Redeweise deutlich. So richtet sich Zolis Zeugnis gleichzeitig an ein
                    undefinierbares, aber angesprochenes Gegenüber und auf das Kontaktmedium der
                    Narration selbst. So vereinen sich phatische und konative Funktion. Mitten im
                    Bericht vom Gewaltmarsch, auf dem sein Militärkollege Jenő umkommt, werden die
                    beiden Funktionen als Appell explizit gemacht: <quote
                        source="#ref_NadjAbonji2017-141">wie soll ich mir das erzählen? [konative
                        Funktion] und Sie, hören Sie mir überhaupt noch zu? [phatische
                        Funktion]</quote> (<ref xml:id="ref_NadjAbonji2017-141" type="bibl"
                        target="#NadjAbonji2017">Nadj Abonji 2017, 141</ref>). </p>
            </div>
            <div xml:id="wdr03_02-01_09">
                <head>8. Grenzüberschreitungen </head>
                <p>Ziehen wir ein Fazit aus dieser Tour d’horizon: Literarische Polyphonie in ihrer
                    strukturellen Rückkopplung auf die Musik ist immer auf Intermedialität
                    angewiesen. Sie ist angewiesen auf die Überschreitung der Grenze erstens
                    zwischen stummem Text (auch in Form einer Partitur) und akustischer
                    Realisierung, zweitens in der Kommunikationsstruktur zwischen Produktions- und
                    Rezeptionsinstanz, drittens in ihrer Erzählanlage zwischen intra- und
                    extradiegetischer Wirklichkeit. Was wir in Bezug auf die testimoniale Literatur
                    als narrative Kohärenz zweiter Ordnung bezeichnen könnten, lässt sich
                    narratologisch – unabhängig vom literarischen Genre (ob nun Drama, Poesie oder
                    Hörspiel spielt keine Rolle) – als Ereignis zweiter Ordnung fassen. Die ominöse
                    Überschreitung der Grenze nach Lotman erzeugt ein Ereignis – und dies unabhängig
                    davon, ob es sich um die Grenzüberschreitung semantischer Räume durch eine
                    Figur, um die Transformation dieser semantischen Räume oder eben auch um die
                    Transformation der medialen und kommunikativen Räume handelt.</p>
            </div>
        </body>
        <back>
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                        polyphonique de l’énonciation, in: Le dire et le dit. Paris: Éditions de
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                    <bibl xml:id="Erpenbeck2015">Erpenbeck, Jenny (2015): Gehen, ging, gegangen.
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                    <bibl xml:id="Eggers2003">Eggers, Michael (2003): Texte, die alles sagen.
                        Erzählende Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts und Theorien der Stimme.
                        Würzburg: Königshausen + Neumann. </bibl>
                    <bibl xml:id="Felman1992">Felman, Shoshana (1992): The Return of the Voice.
                        Claude Lanzmann’s Shoah, in: dies. u. Dori Laub (Hg.): Testimony: Crises of
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                    <bibl xml:id="Frank2001">Frank, Dirk (2001): Narrative Gedankenspiele. Der
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                    <bibl xml:id="Frobenius1980">Frobenius, Wolf (1980): Polyphon, polyodisch, in:
                        Hans-Heinrich Eggebrecht (Hg.): Handwörterbuch der musikalischen
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                    <bibl xml:id="Genette1989">Genette, Gérard (1989): Figures III [1972]. Paris: ‎
                        Editions du Seuil. </bibl>
                    <bibl xml:id="Gratchev2018">Gratchev, Slav N. (2018): The Polyphonic World of
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                    <bibl xml:id="Grein2010">Grein, Marion/Souza, Miguel/Völkel, Svenja (Hg.)
                        (2010): Polyphonie, Intertextualität und Intermedialität – ein
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                    <bibl xml:id="Grugger2018">Grugger, Helmut (2018): Trauma – Literatur – Moderne.
                        Poetische Diskurse zum Komplex des Psychotraumas seit der Spätaufklärung.
                        Wiesbaden: Metzler. </bibl>
                    <bibl xml:id="Gülich2015">Gülich, Elisabeth/Schöndienst, Martin (2015): Brüche
                        in der Kohärenz bei der narrativen Rekonstruktion von Krankheitserfahrungen.
                        Konversationsanalytische und klinische Aspekte, in: Carl Eduard
                        Scheidt/Gabriele Lucius-Hoene/Anja Stukenbrock/Elisabeth Waller (Hg.):
                        Narrative Bewältigung von Trauma und Verlust. Stuttgart: Klett-Cotta, S.
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                    <bibl xml:id="Gumbrecht2015">Gumbrecht, Hans Ulrich (2015): Unsere breite
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                    <bibl xml:id="Hansen-Kokoruš2001">Hansen-Kokoruš, Renate (2001): Polyphonie, in:
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                    <bibl xml:id="Harkness2011">Harkness, Nigel/Wright, Jacinta (2011): George Sand:
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                    <bibl xml:id="Hartner2012">Hartner, Marcus (2012): Perspektivische Interaktion
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                    <bibl xml:id="Neuner2013">Neuner, Frank/Schauer, Maggie/Elbert, Thomas (2013):
                        Narrative Exposition, in: Andreas Maercker (Hg.): Posttraumatische
                        Belastungsstörungen. 4. Aufl. Berlin: Springer, S. 328–347. </bibl>
                    <bibl xml:id="Nünning2000">Nünning, Ansgar/Nünning, Vera (2000):
                        Multiperspektivität aus narratologischer Sicht. Erzähltheoretische
                        Grundlagen und Kategorien zur Analyse der Perspektivenstruktur narrativer
                        Texte, in: dies. (Hg.): Multiperspektivisches Erzählen. Zur Theorie und
                        Geschichte der Perspektivenstruktur im englischen Roman des 18. bis 20.
                        Jahrhunderts. Trier: WVT, 39‒77. </bibl>
                    <bibl xml:id="Otto2016">Otto, Sebastian (2016): Hans Henny Jahnns musikalisches
                        Erzählen in „Fluss ohne Ufer“. Polyphonie und Kontrapunkt als Elemente einer
                        dissonanten Utopie. Frankfurt/M.: Lang. </bibl>
                    <bibl xml:id="Pascal1977">Pascal, Roy (1977): The Dual Voice: Free Indirect
                        Speech and Its Functioning in the Nineteenth-Century European Novel.
                        Manchester: Manchester University Press. </bibl>
                    <bibl xml:id="Port2017">Port, Ariane (2017): Raum – Fokalisation – Polyphonie.
                        Narratologische Analysen dramatischer Darstellungsformen an Textbeispielen
                        von Heinrich von Kleist. Heidelberg: C. Winter. </bibl>
                    <bibl xml:id="Previšić2010">Previšić, Boris (2010): Rabelais-Bachtin: Offene
                        Körpertexte-Textkörper und ihre Nicht-Theoretisierbarkeit, in: ders. (Hg.):
                        Die Literatur der Literaturtheorie. Bern: Lang (=Collection Nr. 10), S.
                        73–86. </bibl>
                    <bibl xml:id="Previšić2014">Previšić, Boris (2014): Literatur topographiert. Die
                        postjugoslawischen Kriege im Kreuzfeuer des Erzählens. Berlin: Kadmos</bibl>
                    <bibl xml:id="Previšić2017">Previšić, Boris (2017). „Klanglichkeit und
                        Textlichkeit von Musik und Literatur“. In: Nicola Gess/Alexander Honold
                        (Hg.): Handbuch Literatur + Musik. Berlin/Boston: de Gruyter, S. 39–54. </bibl>
                    <bibl xml:id="Rabinowitz2008">Rabinowitz, Peter J. (2008): „They Shoot Tigers,
                        Dontʼt They?“ Path and Counterpoint in The Long Goodbye, in: James
                        Phelan/ders. (Hg.): A Companion to Narrative Theory. Oxford: Blackwell, S.
                        181–191. </bibl>
                    <bibl xml:id="Roggenbuck2015">Roggenbuck, Stefanie (2015): Zeit und Polyphonie.
                        Zum Verhältnis von verdoppelter Zeit und verdoppelter Stimmen in
                        Erzähltexten von Leo Perutz und Ambrose Bierce, in: Antonius Weixler/Lukas
                        Werner (Hg.): Zeiten erzählen. Berlin/Boston: de Gruyter, 407‒428. </bibl>
                    <bibl xml:id="Röhnert2008">Röhnert, Jan (Hg.) (2008): Lyrik im Spannungsfeld von
                        Authentizität und Polyphonie. Heidelberg: C. Winter. </bibl>
                    <bibl xml:id="Rösch2012">Rösch, Nicole (2012): Theorien ohne Ende? Grenzen,
                        Möglichkeiten und Perspektiven musikalischer Narratologie, in: Musiktheorie,
                        Nr. 27, S. 5‒18. </bibl>
                    <bibl xml:id="Said2018">Said, Edward W. (2018): Music at the Limits. New York:
                        Columbia University Press.</bibl>
                    <bibl xml:id="Salvato2005">Salvato, Lucia (2005): Polyphones Erzählen. Zum
                        Phänomen der Erlebten Rede in deutschen Romanen der Jahrhundertwende. Bern:
                        Lang. </bibl>
                    <bibl xml:id="Schmid2005">Schmid, Wolf (2005). Elemente der Narratologie.
                        Berlin/New York: de Gruyter. </bibl>
                    <bibl xml:id="Sternberg2010">Sternberg, Meir (2010): Narrativity. From
                        Objectivist to Functional Paradigm, in: Poetics Today, Jg. 31, H. 3, S. 507–
                        659. </bibl>
                    <bibl xml:id="Steinby2013">Steinby, Liisa (2013): Concepts of Novelistic
                        Polyphony: Person-Related and Compositional-Thematic, in: Liisa
                        Steinby/Tintti Klapuri (Hg.): Bakhtin and his Others. (Inter)subjectivity,
                        Chronotope, Dialogism. London: Anthem Press, S.&#160;37–54. </bibl>
                    <bibl xml:id="Tonger-Erk2016">Tonger-Erk, Lily (2016): Den Chor lesen.
                        Medialität der Vielstimmigkeit in Schillers <hi rend="italic">Die Braut von
                            Messina</hi>. In: Julia Bodenburg/Katharina Grabbe/Nicole Haitzinger
                        (Hg.): Chor-Figuren. Transdisziplinäre Beiträge. Freiburg i. Br.: Rombach,
                        S. 213–230. </bibl>
                    <bibl xml:id="Veteranyi1999">Veteranyi, Aglaja (1999): Warum das Kind in der
                        Polenta kocht. Stuttgart: DVA.</bibl>
                    <bibl xml:id="Waldenfels1999">Waldenfels, Bernhard (1999): Vielstimmigkeit der
                        Rede. Studien zur Phänomenologie des Fremden 4. Frankfurt/M.: Suhrkamp. </bibl>
                    <bibl xml:id="White1992">White, Hayden (1992): Historical Emplotment and the
                        Problem of Truth, in: Saul Friedlander (Hg.): Probing the Limits of
                        Representation. Nazism and the „Final Solution“. Cambridge/London: Harvard
                        University Press, S. 37–53. </bibl>
                    <bibl xml:id="Weigel1999">Weigel, Sigrid (1999): Télescopage im Unbewußten. Zum
                        Verhältnis von Trauma, Geschichtsbegriff und Literatur, in: Elisabeth
                        Bronfen/Birgit R. Erdle/Sigrid Weigel (Hg.): Trauma. Zwischen Psychoanalyse
                        und kulturellem Deutungsmuster. Köln u.a.: Böhlau, S. 51–76. </bibl>
                    <bibl xml:id="Zeman2018">Zeman, Sonja (2018): Perspektive Fokalisierung, in:
                        Wolf Schmid/Martin Huber (Hg.): Grundthemen der Literaturwissenschaft:
                        Erzählen. Berlin/New York: de Gruyter, S. 174–202. </bibl>
                </listBibl>
            </div>
        </back>
    </text>
</TEI>
