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            <titleStmt>
                <title type="main" xml:lang="de">Der Ost-West-Konflikt im österreichischen
                    Science-Fiction-Heftroman <hi rend="italic">Tom Sharg</hi></title>
                <author>
                    <name>
                        <forename>Marie</forename>
                        <surname>Holzer</surname>
                    </name>
                    <affiliation>Universität Wien, Institut für Germanistik</affiliation>
                </author>
            </titleStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Wiener Digitale Revue</publisher>
                <date>2022</date>
                <availability>
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/"><p>For this
                            publication, a Creative Commons Attribution 4.0 International license
                            has been granted by the author(s), who retain full
                        copyright.</p></licence>
                </availability>
                <idno type="DOI">10.25365/wdr-04-04-04</idno>
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                <title>Wiener Digitale Revue</title>
                <biblScope unit="issue">4</biblScope>
                <idno type="ISSN">2709-376X</idno>
            </seriesStmt>
            <sourceDesc>
                <p>born digital</p>
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                    <term xml:lang="de">Tom Sharg</term>
                    <term xml:lang="de">Kalter Krieg</term>
                    <term xml:lang="de">Heftromane</term>
                    <term xml:lang="de">Romanheftreihen</term>
                    <term xml:lang="de">Groschenhefte</term>
                    <term xml:lang="de">Populärliteratur</term>
                    <term xml:lang="de">Pulp</term>
                </keywords>
                <keywords xml:lang="en">
                    <term xml:lang="en">Tom Sharg</term>
                    <term xml:lang="en">Cold War</term>
                    <term xml:lang="en">Dime novels</term>
                    <term xml:lang="en">popular literature</term>
                    <term xml:lang="en">pulp</term>
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                    <name>Laura Tezarek</name>
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    </teiHeader>
    <text>
        <front>
            <div type="abstract" xml:lang="de">
                <p>In ihrem studentischen Beitrag kommt Marie Holzer auf die Ursprungsform des Pulps
                    zurück: die Groschenhefte. Nach einem Überblick über die Geschichte der
                    Heftromanserien wird die frühe österreichische Science-Fiction-Reihe <title>Tom
                        Sharg</title> von Ernst A. Dolak aus einer kulturwissenschaftlichen Sicht
                    analysiert, um Parallelen zu den politischen und kulturellen Entwicklungen der
                    1940er und 1950er Jahre aufzuzeigen. Es zeigt sich, dass gerade Beispiele aus
                    der ‚Trivialliteratur‘ ausgezeichnete Quellen zur Untersuchung historischer
                    Kontexte abgeben können, die sich unter Umständen – Stichwort Kalter Krieg – als
                    gar nicht so abgeschlossen erweisen, wie man eigentlich gedacht hat.</p>
            </div>
            <div type="abstract" xml:lang="en">
                <p>In her student contribution, Marie Holzer returns to an original form of pulp:
                    the dime novel series. After providing an overview of dime novel series in
                    general, she examines the Austrian Science Fiction series <title>Tom
                        Sharg</title> by Ernst A. Dolak from a cultural studies perspective in order
                    to show parallels to political and cultural developments in the 1940s and 1950s.
                    This demonstrates that examples from ‘trivial literature’ in particular are
                    excellent sources for the examination of historical contexts that may not be as
                    closed we had thought before– as for instance the Cold War.</p>
            </div>
        </front>
        <body>
            <div xml:id="wdr04_04-04_01">
                <head>1. Heftromane</head>
                <div xml:id="wdr04_04-04_01-01">
                    <head>1.1. Entstehung und Verbreitung</head>
                    <p>Das Format der Groschenhefte geht, wie der bedeutende
                        Unterhaltungsliteraturforscher Heinz J. Galle aufgearbeitet hat, auf die in
                        den USA um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstandenen ‚Dime Novels‘ zurück,
                        die man damals für eine Dime, also ein Zehn-Cent-Stück, erwerben konnte
                        (vgl. <ref type="bibl" target="#Galle1988">Galle 1988: 14</ref>). Inhaltlich
                        schöpften die Autoren und Verleger aus den Geschichten des Wilden Westens,
                        den Kämpfen mit der indigenen Bevölkerung, den Bandenkriegen und dem
                        Bürgerkrieg. Auch zu Zeiten des Sezessionskrieges sollen die Soldaten schon
                        Dime-Novels im Rucksack getragen haben, die damals allerdings noch deutlich
                        größer waren und heutigen Zeitschriften ähnelten. Die Blütezeit der
                        Heftromane war in den USA zwischen den 1860er und den 1910er Jahren, in
                        denen sie die Unterhaltungsfunktion für weite Teile der Bevölkerung
                        übernahmen. So verkaufte etwa der Verlag Streeth and Smith in New York in
                        dieser Zeit bis zu vier Millionen Exemplare der <title>Nick
                        Carter</title>-Heftreihe (vgl. <ref type="bibl" target="#Galle1988">ebd.:
                            15f.</ref>).</p>
                    <p>Um 1905 wurden die US-amerikanischen Verkaufsschlager auch nach Europa
                        importiert, wo sie übersetzt auf den Markt gebracht wurden. Der Beginn der
                        Groschenhefte im deutschsprachigen Raum ist nicht vollends geklärt, fest
                        steht aber: Alwin Eichler, zunächst ein deutscher Verleger in den USA,
                        brachte bei seiner Rückkehr nach Deutschland 1903 die Urheberrechte der
                            <title>Nick Carter</title>- und vieler anderer Heftreihen mit. Er machte
                        sich in Dresden selbstständig und begann die deutschsprachige
                            Übersetzung<note xml:id="endnote_01"><p>Die Urheberrechte umfassten auch
                                die Titelblätter der Reihen, in denen der englische Titel integriert
                                war. So erschienen die Reihen zu Beginn immer unter den englischen
                                Titeln mit originalem Titelbild.</p></note> und den Druck dieser
                        Reihen, die schließlich 1905 veröffentlicht werden konnten.<note
                            xml:id="endnote_02"><p>Besonders berühmt wurde <title>Buffalo
                                    Bill</title>, sein echter Name: William Cody. In der Zeit der
                                ‚Eroberung des Westens‘ in den USA war es die Aufgabe der
                                sogenannten ‚Büffeljäger‘, alle Arbeiter des Schienennetzes zu
                                verpflegen. William Cody alias Buffalo Bill war besonders geschickt
                                und machte sich als Büffeljäger einen Namen. Seine Geschichte wurde
                                später von Judson alias Ned Buntline in Groschenheften
                                veröffentlicht. Buffalo Bill wurde darüber hinaus zur Frontfigur
                                seiner Wildwest-Show, mit der er auch in Europa auftrat und die
                                sogar Kaiser Wilhelm II. besucht haben soll.</p></note> Diese
                        Heftromane erschienen auch in Österreich, wo die großen Titel allerdings
                        unter anderem Namen veröffentlicht wurden, um den strengen
                        Sittenwächter*innen zu entgehen (vgl. <ref type="bibl" target="#Galle1988"
                            >ebd.: 49</ref>).</p>
                    <p>Die neuen Heftchen verdrängten die älteren Bände der Jugend- und
                        Volksbibliotheken. Durch die immer wiederkehrenden Helden, die reißerischen
                        Titel und die gewagteren Inhalte wurden die amerikanischen Dime-Novels zum
                        vollen Erfolg. Zeitweise konnte der Eichler Verlag eine wöchentliche Auflage
                        von 80.000 Heften umsetzen, die für 20 Pfennige verkauft wurden (vgl. <ref
                            type="bibl" target="#Galle1988">ebd.: 18f.</ref>). Ausgehend von
                        Deutschland öffnete er in zehn europäischen Ländern Zweigstellen, um in der
                        jeweiligen Landessprache zu publizieren, bis der Umsatz 1911 ins Stocken
                        geriet.</p>
                    <p>Die Jahre zwischen 1905 und 1914 werden von Galle als die <quote
                            source="#ref_Galle1988-46">goldenen Jahre des deutschen
                            Heftromans</quote> (<ref type="bibl" target="#Galle1988"
                            xml:id="ref_Galle1988-46">ebd.: 46</ref>) beschrieben, zu keiner Zeit
                        wurden so viele Reihen publiziert und verkauft wie in jener. Vor dem Ersten
                        Weltkrieg erschienen in Deutschland ca. 100 verschiedene Reihen, deren
                        Verkauf dann jedoch während des Kriegs verboten wurde. Mit dessen Ende
                        wurden auch neue Genres in den Heftromanen bevorzugt: Besonders der
                        Detektiv- und Kriminalroman beherrschte den deutschsprachigen Markt bis 1933
                        (vgl. <ref type="bibl" target="#Galle1988">ebd.: 100</ref>). Aufgrund der
                        Mangelwirtschaft nach dem Weltkrieg und der Wirren durch die
                        Weltwirtschaftskrise schrumpfte das Format der Heftromane, um Papier und
                        andere Ressourcen zu sparen (vgl. <ref type="bibl" target="#Galle1988">ebd.:
                            113</ref>). Von der Zensur des nationalsozialistischen Regimes
                        schließlich wurde die Veröffentlichung der Heftchen streng geprüft und der
                        Ideologie angepasst. Während des Zweiten Weltkrieges gab es eine sogenannte
                        Papiergenehmigungspflicht, wodurch das Drucken noch weiter eingeschränkt und
                        kontrolliert werden konnte (vgl. <ref type="bibl" target="#Galle1988">ebd.:
                            118–121</ref>).</p>
                </div>
                <div xml:id="wdr04_04-04_01-02">
                    <head>1.2. Die Verbreitung der Heftromane in Österreich</head>
                    <p>In Österreich wurde bereits knapp nach Ende des Zweiten Weltkriegs wieder
                        angefangen, Heftromane zu drucken und zu publizieren, weil hier im Gegensatz
                        zu Deutschland die Verhältnisse günstiger lagen: Nach dem Zusammenbruch des
                        Nazi-Regimes war es einerseits um die Papiersituation in Österreich besser
                        bestellt als in Deutschland,<note xml:id="endnote_03"><p>Wobei es auch in
                                Österreich durchaus Papiermangel gab und die Titelblätter
                                beispielsweise auf Karten oder anderen Papieren gedruckt wurden, um
                                sparsam damit umzugehen. So wurde beispielsweise das
                                    <title>Hawaii-Abendteuer-Magazin</title> auf altem
                                Kartenmaterial gedruckt (vgl. <ref type="bibl" target="#Galle2005"
                                    >Galle 2005: 11</ref>).</p></note> andererseits waren in
                        Österreich die Besatzungsmächte großzügiger mit der Erteilung der
                        Genehmigungen zu Druck und Verbreitung (vgl. <ref type="bibl"
                            target="#Galle2005">Galle 2005: 11</ref>). Es kam zu einem Boom der
                        Heftromane zwischen den 1946er und 1950er Jahren, auch wenn sie meist nur in
                        wenigen Stückzahlen gedruckt wurden (wie auch <title>Tom Sharg</title> mit
                        sechs Ausgaben) oder häufig auch nur in einer einzigen Ausgabe erschienen
                        (vgl. <ref type="bibl" target="#Galle1988">Galle 1988: 140</ref>). Bereits
                        im ersten Jahr nach Kriegsende wurden 16 Heftreihen gestartet, von denen
                        neun Reihen auf über vier Ausgaben kamen. Zwischen 1946 und 1949 erschienen
                        insgesamt 134 kleinformatige Romanhefte, von denen ca. 46 % erfolgreich
                        waren und nicht nach zwei bis drei Ausgaben eingestellt wurden. Dennoch kann
                        man anhand der Neuerscheinungen und der Veröffentlichungen beobachten, dass
                        mit der Stabilisierung der österreichischen Wirtschaftssituation auch die
                        Anzahl der veröffentlichten Heftromane anstieg.</p>
                    <p>Um 1950 kam es jedoch zu einer Zäsur durch das <title>Gesetz zum Schutz der
                            Jugend gegen sittliche Gefährdung</title>, mit dem die Behörden
                        verstärkt gegen die Verleger von Groschenheften vorgehen konnten (vgl. <ref
                            type="bibl" target="#Galle1988">ebd.</ref>). Nun bemühten sich auch
                        vermehrt andere Herausgeber um eine ‚gute Jugendliteratur‘, um die Jugend
                        vor dem ‚Verderben‘ zu beschützen. Inhalt der neuen und ‚guten‘ Reihen waren
                        Novellen der bekannten Dichter, Sagen oder Märchen. Auch die
                        Jugendorganisationen der Parteien übernahmen selbst die Herausgabe von
                        Groschenheften oder unterstützen Verlage ihrer Wahl. So gab die Freie
                        Österreichische Jugend 1946 die Reihe <title>Das neue Abenteuer</title>
                        heraus und die Sozialistische Jugend Österreichs publizierte im
                        Vorwärtsverlag die Serie <title>Alaska Kid</title>. Beide Organisationen
                        bekämpften sich bei den Behörden und ließen die jeweils anderen Heftromane
                        verbieten.</p>
                    <p>Eine weitere Besonderheit der österreichischen Heftromane liegt im Bereich
                        der Autorenschaft. Die Herausgeber*innen und Verleger*innen übernahmen in
                        vielen Fällen auch die Autor*innenrolle. Beispielsweise wurde im Steffek
                        Verlag, der sich im Besitz von Josef und Maria Steffek befand und in dem die
                        bekannten Science-Fiction-Reihen <title>Star Utopia</title> und
                            <title>Uranus</title> erschienen, unter englischen Pseudonymen
                        veröffentlicht – wobei sich einmal der Name ‚Jo Steff‘ auf das Cover
                        ‚verirrte‘ und sich somit der eigentliche Autor bekannte, nämlich der
                        Verleger selbst (vgl. <ref type="bibl" target="#Galle1988">ebd.: 141</ref>).
                        In diesen Jahren des Aufschwungs und der gesteigerten Produktion taten sich
                        Namen wie Rolf Mauerhardt hervor. Dieser Autor wurde so bekannt, dass er
                        einen eigenen Verlag eröffnete und zu dem meistgelesenen und produktivsten
                        Autor Österreichs avancierte. Jedoch machten auch ihm Verbote und Zensuren
                        zu schaffen, sodass ein und dieselbe Reihe mit verschiedenen Titeln immer
                        wieder neu verlegt werden musste. So wurde die Serie <title>Kansas
                            Kidd</title> zum <title>Kidd Wild West Roman</title> und schließlich zur
                            <title>Kansas Story</title> bzw. <title>Kansas Collection</title>, unter
                        welchen Namen sie schließlich publiziert werden konnte (vgl. <ref
                            type="bibl" target="#Galle1988">ebd.: 143</ref>).</p>
                    <p>Der Vorsprung zu Deutschlands Produktion hielt sich in Österreich bis in die
                        1960er Jahre, bis der bundesdeutsche Markt schließlich dominant wurde und
                        die österreichischen Kioskausgaben übernahm. Gegen die mächtigen deutschen
                        Unternehmen konnten die österreichischen Kleinverleger wenig ausrichten und
                        der Druck der inländischen ‚Jugendschutz‘-Behörden nahm ständig zu. Von den
                        über 25 Verleger*innen und 300 Heftserien aus den einstigen <quote
                            source="#ref_Galle1988-144">Hochburgen</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Galle1988" xml:id="ref_Galle1988-144">ebd.: 144</ref>) Wien und
                        Graz sollte nur ein einziger Verleger bis in die 1980er Jahren hinein
                        publizieren: der Hiro-Verlag in Wien, der 1949 mit der Krimi-Serie
                            <title>Der Kriminalroman der Woche</title> gestartet war, in welcher der
                        Hauptkommissar Wiltons in über tausend Ausgaben ermittelte.</p>
                </div>
                <div xml:id="wdr04_04-04_01-03">
                    <head>1.3. Science Fiction in Heftromanen</head>
                    <p>Nach Heinz J. Galle kann die Thematik der Heftromanreihen in der ersten
                        Hälfte des 20. Jahrhunderts in drei gleich große Blöcke unterteilt werden,
                        die mit ähnlichen Prozentanteilen den Markt in Österreich beherrschten: Mit
                        34 % ist der Detektiv-Roman das am stärksten vertretene und bevorzugt
                        gelesene Genre, dahinter liegen mit 32 % Wildwest-Erzählungen und
                        Abenteuer-Romane bilden mit 27 % den kleinsten Block. Liebesromane seien mit
                        nur 5 % ziemlich unbeliebt gewesen und utopisch-phantastische Inhalte sollen
                        in diesem Zusammenhang <quote source="#ref_Galle2005-12">noch keine
                            Rolle</quote> (<ref type="bibl" target="#Galle2005"
                            xml:id="ref_Galle2005-12">Galle 2005: 12</ref>) gespielt haben.
                        Allerdings wurden in dieser Statistik nur Heftreihen berücksichtigt, die
                        über zehn Hefte publizierten.</p>
                    <p>Relativ schwierig ist die Genrebeschreibung ‚Science-Fiction‘, da sich dieser
                        Terminus erst als Markenbezeichnung der Unterhaltungskultur etablieren
                        sollte. Einige Literaturwissenschaftler*innen sprechen sich bei
                        Inhaltsanalysen für das <quote source="#ref_Becker1993-142">Prinzip des
                            Phantastischen</quote> (<ref type="bibl" target="#Becker1993"
                            xml:id="ref_Becker1993-142">Becker/Hallenberger 1993: 142</ref>) aus,
                        das im Kontrast zu unserer gewohnten Welt zu begreifen ist; in Osteuropa
                        spricht man auch von <quote source="#ref_Becker1993-142">wissenschaftlicher
                            Phantastik</quote> (<ref type="bibl" target="#Becker1993">ebd.</ref>).
                        Der Bereich ‚Fantasy‘ wurde anfangs noch diesem Bereich der Literatur
                        zugeordnet und konnte sich erst um 1960 als eigenständiges Genre etablieren.
                        Das erste Science-Fiction-Magazin <title>Amazing Stories</title> soll 1926
                        von Hugo Gernsback veröffentlicht worden sein, der auch den Begriff
                        ‚Science-Fiction‘ initiiert und geprägt haben soll (vgl. <ref type="bibl"
                            target="#Seesslen1977">Seeßlen/Kling 1977: 72</ref>). Ab den 1960er
                        Jahren setzte sich das Genre auch in Fernsehserien und anderen Medien durch
                        und wurde zum Kernelement der Unterhaltungsliteratur (vgl. <ref type="bibl"
                            target="#Becker1993">Becker/Hallenberger 1993: 141</ref>).</p>
                    <p>Auch in Österreich kam es in dieser Zeit zu einem regelrechten Boom der
                        Science Fiction, während es vorher zu den Ausnahmen auf dem Markt gehört
                        hatte. Immerhin gab es aber bereits in den 1950er Jahren in Wien und Graz
                        neun Publikationen in diesem Genre, die auch jeweils mehrere Nummern zählten
                        und unter denen die bereits erwähnten Steffek-Reihen, <title>Uranus</title>
                        mit 18 Titeln und <title>Star Utopia</title> mit zehn Titeln, zu den
                        zahlenmäßig stärksten Heftreihen zählten. Es gab darüber hinaus fünf weitere
                        utopisch-phantastische Serien, die jedoch nicht über zwei Ausgaben
                        hinauskamen (vgl. <ref type="bibl" target="#Galle2005">Galle 2005:
                        17</ref>). Die <title>Tom Sharg</title>-Reihe, um die es im Folgenden gehen
                        soll, kam auf immerhin sechs Ausgaben, wurde aber, aus unbekannten Gründen,
                        ebenfalls frühzeitig eingestellt. Das Besondere an ihr ist der Umstand, dass
                        darin bereits in den Jahren 1949/50 eine Weltraummission geschildert wird
                        und sie somit zu den frühesten Science-Fiction-Publikationen gezählt werden
                        kann (vgl. <ref type="bibl" target="#Galle2005">ebd.: 19</ref>).</p>

                    <figure xml:id="wdr04_04-04_Abb_01">
                        <graphic width="200px" height="290px" url="media/wdr04_04-04_Abb_01.jpg"/>
                        <head type="legend">Erster Band der <title>Tom Sharg</title>-Reihe von Ernst A. Dolak aus
                            dem Jahr 1948.</head>
                    </figure>

                </div>
                <div xml:id="wdr04_04-04_01-04">
                    <head>1.4. Der Inhalt von <hi rend="italic">Tom Sharg</hi></head>
                    <p>Der Name der von Ernst A. Dolak geschriebenen Reihe geht auf ihre Hauptfigur
                        Tom Sharg zurück, die an den Kriminalhelden Tom Shark angelehnt war.<note
                            xml:id="endnote_04"><p>Die Reihe <title>Tom Shark der König der
                                    Detektive</title> wurde schon in den 1930er Jahren herausgegeben
                                und spielt in Berlin und Umgebung. Hauptakteur ist Tom Shark, ein
                                Kriminalkommissar. Die Geschichte wurde unter dem Pseudonym ‚Pitt
                                Strong‘ von Elisabeth von Aspern-Buchmeier geschrieben. Die Reihe
                                wurde auch nach dem Zweiten Weltkrieg mit Rückgriffen auf zuvor
                                publizierte Auflagen weitergeführt und wurde letztlich 1951 vom
                                Markt genommen. Grund war die Anti-Schundkampf-Bewegung, die den
                                Band 39 ‚Die würgende Schlinge‘ für den Angriff eines Jugendlichen
                                auf einen Taxifahrer verantwortlich machte (vgl. <ref type="bibl"
                                    target="#Galle2005">Galle 2005: 147f.</ref>).</p></note> Auch
                        Sharg hat wie sein Vorbild die Aufgabe, verschiedene Fälle von Spionage zu
                        lösen, die sich hauptsächlich in Europa, später aber auch im Weltall des 21.
                        Jahrhunderts abspielen. Nach Verlagsangabe sollte in dieser Reihe <quote
                            source="#ref_Galle2005-19">die Geschichte der Nutzung der Atomkraft
                            erzählt werden</quote> (<ref type="bibl" target="#Galle2005"
                            xml:id="ref_Galle2005-19">ebd.: 19</ref>).</p>
                    <p>Tom Sharg ist Leiter der Spionageabwehrzentrale des sogenannten
                        ‚Mammutversuchswerk X00‘, einem westeuropäischen Unternehmen, welches durch
                        die Entwicklung eines Eiweißpräparates die ausreichende künstliche Ernährung
                        der Menschheit anstrebt und über enormen Einfluss in der Welt verfügt. Das
                        Versuchswerk, dessen Vorsteher der Generaldirektor M. A. Snyder ist, liegt
                        am Rhein, ohne dass der Standort genauer beschrieben wird. Der Erzähler der
                        Geschichte ist Rolf Hansen, der aus einer personalen Ich-Perspektive die
                        Geschichte Tom Shargs erzählt. Rolf und Sharg sind in allen Bänden ein Team
                        und lösen jegliche Probleme, die sich ihnen in den Weg stellen.</p>
                    <p>Im ersten Band (<ref type="bibl" target="#Dolak1948-1">Dolak 1948/1</ref>)
                        geht es um ein Uranvorkommen der Versuchswerke X00 in der Arktis, welches
                        ein unbekannter Spion aus den eigenen Reihen versucht auszubeuten. Diesen
                        können die Hauptakteure fassen, jedoch kommt es gegen Ende zu einer
                        Katastrophe: Sigho-ma, der als Spion für den ostasiatischen Machtblock
                        arbeitet, hat mit seinen Komplizen eine Atombombe auf das Uranvorkommen
                        geschossen, um darauf zugreifen zu können. Im zweiten Teil der Reihe (<ref
                            type="bibl" target="#Dolak1948-2">Dolak 1948/2</ref>) ist es nun das
                        Ziel, die Erde vor diesem riesigen Atombrand in der Arktis zu retten und das
                        Feuer zu löschen. Auch in diesem Heft ist ein Mitglied des Teams ein
                        geheimer Verbündeter eines feindlichen Machtblocks, nämlich des südlichen
                        Machtblocks, Südafrika. Durch ein Bündnis versuchen nun nordamerikanische,
                        europäische und auch ostasiatische Kräfte gemeinsam die Katastrophe
                        aufzuhalten, was schließlich im dritten Band auch gelingt (<ref type="bibl"
                            target="#Dolak1948-3">Dolak 1948/3</ref>).</p>
                    <p>Durch den Atombrand wurde der verschollen geglaubte Kontinent Atlantis an die
                        Wasseroberfläche gedrückt und von fremden Raketen in Beschlag genommen.
                        Dieser Kampf um Atlantis wird im vierten Teil der Reihe (<ref type="bibl"
                            target="#Dolak1949-4">Dolak 1949/4</ref>) geschildert. Doch der Titel
                        ‚Kampf im Weltraum‘ führt in die Irre, der Weltraum wird erst in einem
                        späteren Band bereist. Durch Detektivarbeiten wollen sich Sharg und Rolf in
                        diesem Band die fremden Raketen ansehen und werden wieder Opfer eines
                        Verrats. Ein Mitarbeiter der Mammutwerke X00 arbeitet auch für den
                        ostasiatischen Machtblock und will sie ausliefern. Doch dies können die
                        Hauptcharaktere verhindern und setzen sich zum Ziel, mit der neu entdeckten
                        Technik als erste den Weltraum zu besetzten. Im fünften Teil der Reihe (<ref
                            type="bibl" target="#Dolak1949-5">Dolak 1949/5</ref>) wird vom Bau eines
                        neuen Raumschiffes erzählt, wobei die Pläne wiederum von Verrätern in den
                        eigenen Reihen gestohlen und kopiert werden. Doch gelingt es Tom Sharg
                        wieder, diese Gefahr zu bannen, und so kann die Weltraummission im sechsten
                        Teil (<ref type="bibl" target="#Dolak1950-6">Dolak 1950/6</ref>) starten. In
                        ‚Fahrt zu fremden Planeten‘ wird die erste Weltraummission der Menschheit
                        geschildert, wobei sich wiederum ein Mörder und Verräter an Bord der Rakete
                        befindet und vom Tom Sharg-Team außer Gefecht gesetzt wird. Schließlich muss
                        die Mannschaft zur Erde zurückkehren, ohne einen fremden Planeten besucht zu
                        haben.</p>
                    <p>Aus den Inhalten der sechs Bände ist zu entnehmen: Die Verräter und Spione
                        befinden sich immer in den eigenen Reihen, sind Mitarbeiter in den
                        Versuchswerken X00 und arbeiten für andere Machtblöcke. Im zweiten Teil ist
                        es der südliche, in den anderen Teilen der ostasiatische Machtblock. Hierbei
                        nehmen Mongolen wichtige Rollen ein: Sowohl Sigho-ma im ersten Teil als auch
                        ‚der gelbe Kobold‘ im fünften Teil werden beide als mongolische Staatsbürger
                        identifiziert und explizit genannt. Tom Sharg und sein Kollege Rolf Hansen
                        übernehmen die Rollen der Guten, die das Leben der ganzen Menschheit immer
                        wieder aufs Neue retten. Durch ihren Scharfsinn, ihr enormes Wissen und ihre
                        Fähigkeiten entlarven sie die Übeltäter immer rechtzeitig und können noch
                        größere Katastrophen verhindern.</p>
                </div>
            </div>
            <div xml:id="wdr04_04-04_02">
                <head>2. <hi rend="italic">Tom Sharg</hi> im kulturellen Kontext </head>
                <div xml:id="wdr04_04-04_02-01">
                    <head>2.1. Politik und Kulturpolitik in Österreich zwischen 1945 und 1950</head>
                    <p>Bevor der Inhalt der <title>Tom Sharg</title>-Reihe eingehender interpretiert
                        wird, soll Bekanntes zum historischen Kontext in Erinnerung gerufen werden:
                        Österreich wurde mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 in
                        Besatzungszonen der Siegermächte aufgeteilt. Bis zur Unterzeichnung des
                        Staatsvertrags 1955 und seiner Neutralitätserklärung war Österreich von den
                        Alliierten besetzt und wird heute als Nebenschauplatz des Kalten Krieges
                        gesehen (vgl. <ref type="bibl" target="#Graf2016">Graf/Meisinger 2016:
                            12</ref>). In dieser Zeit, als sich die Seiten verhärteten und sich die
                        Machtblöcke immer mehr konstituierten, galt die Kooperation mit den USA für
                        Österreich als die einzige <quote source="#ref_Graf2016-17">reale
                            Option</quote> (<ref type="bibl" target="#Graf2016"
                            xml:id="ref_Graf2016-17">ebd.: 17</ref>).</p>
                    <p>1949 erhöhten sich die internationalen Anspannungen aufgrund des
                        stalinistischen Vormarschs in Asien, insbesondere mit der Proklamation der
                        Volksrepublik Chinas 1949 und dem Angriff auf Korea 1950. Daraufhin
                        verhärteten sich die Seiten, es wurden Verträge zum Schutz unterzeichnet
                        sowie die Armeen verstärkt (vgl. <ref type="bibl" target="#Stourzh2020"
                            >Stourzh/Müller 2020: 189</ref>). In Österreich herrschte zu dieser Zeit
                        ein breiter Unmut angesichts der Vier-Mächte-Beziehung, die den Eisernen
                        Vorhang militärisch gesehen quer durch das Land gezogen hatten. In weiterer
                        Folge kam es 1950 zu einer Streikbewegung, die die Kommunistische Partei
                        Österreichs massiv unterstützte, sodass ihr später vorgeworfen wurde, <quote
                            source="#ref_Stourzh2020-201">die Blockierung aller Verbindungen
                            zwischen Wien und den Westzonen und den Sturz der Regierung</quote>
                            (<ref type="bibl" target="#Stourzh2020" xml:id="ref_Stourzh2020-201"
                                >ebd.:&#160;201</ref>) beabsichtigt gehabt zu haben. Demnach könne dies auch
                        als Provokation für eine US-Intervention aufgefasst werden. Doch während die
                        Lebensverhältnisse in den Westzonen immer günstiger wurden, gab es in der
                        sowjetischen Besatzungszone zunehmend Spannungen zwischen der
                        Besatzungsmacht und österreichischen Regierungs- und Verwaltungsorganen
                        (vgl. <ref type="bibl" target="#Stourzh2020">ebd.: 202f.</ref>). Die
                        Anstrengungen seitens der Regierung, alle Ost-West-Polarisierungen zu
                        vermeiden, um Unruhen aus dem Weg zu gehen, dauerten schließlich bis 1955
                        an, bis es zur Unterzeichnung des Staatsvertrages und der
                        Neutralitätserklärung Österreichs kam.</p>
                    <p>Abseits der ideologischen Spannungen kam es nach nach dem Zweiten Weltkrieg
                        aber auch zu großen Anstrengungen, das Land mit einer <quote
                            source="#ref_Sieder1996-16">Re-Austrifizierung</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Sieder1996" xml:id="ref_Sieder1996-16">Sieder/Steinert/Tálos
                            1996: 16</ref>) wieder ‚nationalstolz‘ und ‚österreichisch‘ werden zu
                        lassen. So wurden Gendarmen, Schulkinder und Verwaltungsbeamt*innen auf die
                        rot-weiß-rote Fahne eingeschworen und im Kultur- und Bildungssektor wurde
                        ausschließlich die als ‚österreichisch‘ geltende Kultur gefördert. Das Bild
                        Österreichs wurde mit idyllischen Bergbildern und romantisierten Almbildern
                        gefestigt und neu aufgeladen. Auch spielt in diesem Zusammenhang der
                        ‚Opfermythos‘ eine entscheidende Rolle, sodass ideologisch durchgehend noch
                        die Ästhetik des Austrofaschismus und des Nationalsozialismus erhalten
                        blieb.</p>
                    <p>Währenddessen kam es dennoch zunehmend zu einer <quote
                            source="#ref_Sieder1996-16">Verwestlichung</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Sieder1996">ebd.</ref>) nach nordamerikanischem Vorbild. Durch
                        Carepakete wurde den Menschen <quote source="#ref_Sieder1996-17">das Leben
                            wie die Amerikaner</quote> (<ref type="bibl" target="#Sieder1996"
                            xml:id="ref_Sieder1996-17">ebd.:17</ref>) angeboten und auch weitgehend
                        dankbar angenommen. Wohlstand und Regenerierung wurden zum obersten Ziel der
                        Trümmerzeit und der westliche Traum schien Stück für Stück in greifbare Nähe
                        zu kommen. US-Amerika galt schließlich auch als die kulturell und
                        ideologisch aktivste Besatzungsmacht und unterstütze diesen Prozess
                        tatkräftig: Durch Radio, Zeitung, Musik, Literatur und Schallplatten nahm
                        ihr kultureller Einfluss immer weiter zu (vgl. <ref type="bibl"
                            target="#Sieder1996">ebd.: 17f.</ref>).</p>
                    <p>Demgegenüber musste die sowjetische Kulturdiplomatie gegen jene
                        Kriegspropaganda vorgehen, die sich aus der Zeit des Nationalsozialismus in
                        die Köpfe der Menschen eingebrannt hatte. Auch die Besatzungszeit hatte
                        negative Russlandbilder wie die der raubenden und missbrauchenden Soldaten
                        hervorgebracht, galt die Sowjetunion doch als der größte ‚Sündenbock‘ der
                        Besatzungsmächte. Deshalb war es das Ziel der Sowjetregierung, den
                        anti-russischen Stereotypen entgegenzuwirken und das Image durch kulturelle
                        Einflüsse aufzupolieren. Demgemäß wurde US-Amerika als kulturlos
                        dargestellt, wohingegen die Sowjetunion als der Bewahrer der europäischen
                        Kultur hinaufgehoben wurde. So wurde die ehemalige prominente Stellung des
                        Russischen Reiches aufgewertet und die Kultur der deutschen und
                        österreichischen Faschisten sowie die amerikanisch-kapitalistische
                        Massenkultur abgewertet (vgl. <ref type="bibl" target="#Gololev2016"
                            >Golovlev 2016: 235f.</ref>).</p>
                    <p>Allerdings konnten die sowjetischen Kulturbemühungen in Österreich nur schwer
                        Fuß fassen: Einflussnahmen insbesondere durch Fernsehen, Theater und Radio
                        fielen sehr schwer, da die Sendungsinhalte entweder von Österreich selbst
                        oder von amerikanischen Vertretern koordiniert wurden (vgl. <ref type="bibl"
                            target="#Gololev2016">ebd.: 237f.</ref>). Letztlich sind lediglich im
                        Bereich der Musik größere Auswirkungen der sowjetischen Bemühungen bemerkbar
                        – wobei allgemein aber von <quote source="#ref_Gololev2016-257">eine[r]
                            begrenzte[n], sicherlich limitiert[en] programmierbare[n] Möglichkeit
                            der Beeinflussung der österreichischen Wahrnehmung durch die
                            Besatzungsmächte</quote> (<ref type="bibl" target="#Gololev2016"
                            xml:id="ref_Gololev2016-257">ebd.: 257</ref>) ausgegangen werden
                        kann.</p>
                </div>
                <div xml:id="wdr04_04-04_02-02">
                    <head>2.2. <hi rend="italic">Tom Sharg</hi> im Ost-West-Kontext </head>
                    <p>Was bereits auf der ersten Seite der Heftromanserie ins Auge springt, ist die
                        freundschaftliche Nähe der Hauptfiguren zu den amerikanischen Nachbarn:
                            <quote source="#ref_Dolak1948-1-3">Das Abschiedsessen bei unseren
                            Bekannten in Chicago – amerikanische Gastfreundschaft ist ebenso
                            herzlich als massiv […].</quote> (<ref type="bibl" target="#Dolak1948-1"
                            xml:id="ref_Dolak1948-1-3">Dolak 1948/1: 3</ref>) Bereits diese drei
                        Zeilen lassen auf ein freundschaftliches Verhältnis zum US-Besatzer
                        schließen, der zeitgenössisch bereits mit dem Marshallplan punktete. Etwas
                        weiter wird eine Figur als <quote source="#ref_Dolak1948-1-4">Boy in
                            schnittiger Uniform</quote> (<ref type="bibl" target="#Dolak1948-1"
                            xml:id="ref_Dolak1948-1-4">Dolak 1948/1: 4</ref>) beschrieben, und in
                        der Tat durchziehen Anglizismen alle Bänder der <title>Tom
                        Sharg</title>-Reihe. Ob es nun kurze Ausrufe wie <quote
                            source="#ref_Dolak1948-1-9">Well, Herr Waag</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Dolak1948-1" xml:id="ref_Dolak1948-1-9">ebd.: 9</ref>) oder
                            <quote source="#ref_Dolak1948-2-19">Hell and Devil, Rolf!</quote> (<ref
                            type="bibl" target="#Dolak1948-2" xml:id="ref_Dolak1948-2-19">Dolak
                            1948/2: 19</ref>) sind oder ganze Sätze wie <quote
                            source="#ref_Dolak1948-3-7">Yes, sure! Take care, gentlemen!</quote>
                            (<ref type="bibl" target="#Dolak1948-3" xml:id="ref_Dolak1948-3-7">Dolak
                            1948/3: 7</ref>) oder <quote source="#ref_Dolak1950-6-14">Go back!!
                            Dynamite in the blast pipes</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Dolak1950-6" xml:id="ref_Dolak1950-6-14">Dolak 1950/6:
                        14</ref>). Auch wenn es meist nur kurze englischsprachige Aussprüche sind,
                        die in allen Bänden vorkommen, so kann man davon ausgehen, dass die damalige
                        Leserschaft ihren Sinn verstanden oder zumindest erahnen konnten.
                        Groschenhefte, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in relativ schwankender
                        Wirtschaftslage entstanden und direkt von den Verkaufszahlen abhängig waren,
                        konnten es sich nicht leisten, aufgrund sprachlicher Barrieren nicht mehr
                        gekauft zu werden. Daher liegt zumindest der Schluss nahe, dass die
                        damaligen Leser*innen zum Teil Englisch verstanden, vielleicht sogar selbst
                        verwendeten oder die Sprache zumindest nicht als störend empfanden und sie
                        sich in der Literatur und damit in der Kultur Österreichs zu etablieren
                        begann.</p>
                    <p>Ein weiterer Aspekt, der auf die Verarbeitung politisch aktueller Themen im
                        Heft schließen lässt, ist der Begriff ‚Machtblock‘. So wird der Bösewicht
                        aus Band Nummer eins als für den <quote source="#ref_Dolak1948-1-13">gelben
                            Machtblock Ostasiens</quote> (<ref type="bibl" target="#Dolak1948-1"
                            xml:id="ref_Dolak1948-1-13">Dolak 1948/1: 13</ref>) arbeitend entlarvt.
                        Dies <quote source="#ref_Dolak1948-1-13">bedeutet äußerste Gefahr. Diese
                            Herren sind skrupellos und brutal, wenn es um Macht und Geschäft
                            geht!</quote> (<ref type="bibl" target="#Dolak1948-1">ebd.</ref>), und
                        werden dadurch eindeutig als die Bösen identifiziert, wohingegen bei der
                        Tätersuche die amerikanischen Staatsmänner als Verdächtige sofort
                        ausgeschlossen werden, da die USA ja <quote source="#ref_Dolak1948-1-7"
                            >selbst genug Uranerz</quote> (<ref type="bibl" target="#Dolak1948-1"
                            xml:id="ref_Dolak1948-1-7">ebd.: 7</ref>) habe. Man kann an diesen
                        Passagen klar erkennen, dass US-amerikanische Verdächtige von vornherein
                        ausgeschlossen werden, im Gegensatz zu mongolischen oder sogar ungarischen
                        Bürgern (vgl. <ref type="bibl" target="#Dolak1948-1">ebd.</ref>).</p>
                    <p>Im weiteren Verlauf der Handlung werden Tom Sharg und Rolf Hansen an dem
                        Versuch, eine Atomkatastrophe zu verhindern, abermals von einem feindlichen
                        Machtblock gehindert. Der Atomphysiker Dr. Holz ist im Auftrag des südlichen
                        Machtblocks mit Zentrale in Südafrika unterwegs, um die Löschung des
                        Atombrandes zu verzögern, sodass Eurasien und Nordamerika entvölkert werden
                        und nur der Süden überlebt und die Macht über die gesamte Erde bekommt (vgl.
                            <ref type="bibl" target="#Dolak1948-2">Dolak 1948/2: 25</ref>). Im
                        dritten Teil jedoch können europäische, nordamerikanische und ostasiatische
                        Geschwader gemeinsam die Katastrophe verhindern (vgl. <ref type="bibl"
                            target="#Dolak1948-3">Dolak 1948/3: 9–11</ref>). Es ist der einzige
                        Band, in dem kein fremder Machtblock mit hinterhältigen Plänen gestoppt
                        werden muss und die Welt <hi rend="italic">zusammen</hi> gegen den
                        Weltuntergang kämpft. Im vierten Band vermuten Sharg und Rolf außerirdische
                        Wesen, die den neu entdeckten Kontinent Atlantis einzunehmen versuchen.
                        Schließlich stellt sich heraus, dass es erneut der ostasiatische Machtblock
                        ist, der über einen Spion Sabotageaktionen durchführte und Atlantis
                        einnehmen wollte. Im fünften Teil ist es wiederum ein Mongole, der für den
                        ostasiatischen Machtblock versucht, die Pläne für den Raketenbau zu stehlen
                        und so die neueste Technologie zur Durchführung einer Weltraummission zu
                        erhalten. Und auch im sechsten Band ist ein fremder Machtblock für das
                        Scheitern der schließlich gestarteten Weltraumfahrt verantwortlich, jedoch
                        wird dieser nicht ausdrücklich genannt (vgl. <ref type="bibl"
                            target="#Dolak1950-6">Dolak 1950/6: 31</ref>).</p>
                    <p>So kann man anhand des Begriffs ‚Machtblock‘ eine klare Trennlinie erkennen,
                        die die Welt in konkurrierende Lager einteilt, ein Gefälle zwischen einem
                        Wir und einem Anderen generiert und die Seiten als Gut und Böse konnotiert.
                        Die USA wird in diesem Kontext nicht direkt erwähnt, doch kann man davon
                        ausgehen, dass die westeuropäische Union zwar unabhängig von den Vereinigten
                        Staaten existiert, jedoch ein freundschaftliches Verhältnis zu ihnen pflegt.
                        Die Gegner werden als ostasiatischer und südlicher Machtblock spezifiziert,
                        wobei jeweils China (vgl. <ref type="bibl" target="#Dolak1949-5">Dolak
                            1949/5: 30f.</ref>), die Mongolei (vgl. <ref type="bibl"
                            target="#Dolak1948-1">Dolak 1948/1: 21</ref>; <ref type="bibl"
                            target="#Dolak1949-5">Dolak 1949/5: 30</ref>) und Japan (vgl. <ref
                            type="bibl" target="#Dolak1949-5">Dolak 1949/5: 22</ref>) sowie
                        Südafrika (vgl. <ref type="bibl" target="#Dolak1948-2">Dolak 1948/2:
                            25</ref>) zentrale Rollen spielen. Es überwiegt dabei eindeutig der
                        Anteil der Spione aus Ostasien, wie auch dieser Machtblock als der
                        gefährlichere und aktivere beschrieben wird.</p>
                    <p>Die <quote source="#ref_Maurer2017-351">Bipolarität zweier verfeindeter
                            Seiten ist die Voraussetzung für Spionageerzählungen</quote> (<ref
                                type="bibl" target="#Maurer2017" xml:id="ref_Maurer2017-351">Maurer et&#160;al.&#160;2017:&#160;351</ref>), wie auch auf <title>Tom Sharg</title> zutrifft.
                        Dabei findet sich das Motiv der Atomspionage auch in anderen
                        österreichischen Heftromanen in Verbindung mit Kriminal- und
                        Detektivarbeiten, etwa in den phantastischen Kriminalromanen <title>Achtung,
                            Atomspione. Särge für Ohio</title> von Frank Noel 1951 (vgl. <ref
                            type="bibl" target="#Maurer2017">ebd.: 354f.</ref>). Im Fall von
                            <title>Tom Sharg</title> werden aber nicht die ‚positiven‘ Seiten der
                        Spionage, also der Vorsprung durch Wissen über die Feinde fokussiert,
                        sondern die Gegner, die durch Spionage versuchen, die Macht an sich zu
                        reißen, und dabei fatale Folgen in Kauf nehmen. In für ‚Trivialliteratur‘
                        typische Weise werden die dargestellten Konflikte jedoch nicht kritisch
                        reflektiert, sondern zum Generieren von Spannung verwendet, wobei es mit
                        Hang zur <quote source="#ref_Maurer2017-357">Superlative und
                            Totalität</quote> (<ref type="bibl" target="#Maurer2017"
                            xml:id="ref_Maurer2017-357">ebd.: 357f.</ref>) häufig um die ganze
                        Weltherrschaft oder die totale Auslöschung der Menschheit geht.</p>
                    <p>Neben der Spionage als zentrales Thema zur Entstehungszeit der Heftromane –
                        in den ersten zehn Nachkriegsjahren wurden in Österreich etwa 2200 Personen
                        von der sowjetischen Besatzungsmacht unter ‚Spionageverdacht‘ festgenommen
                        (vgl. <ref type="bibl" target="#Maurer2017">ebd.: 365</ref>) – war es die
                        vorherrschende Angst vor atomarer Auslöschung (vgl. <ref type="bibl"
                            target="#Neumann2016">Neumann-Rieser 2016</ref>), die ebenfalls in
                            <title>Tom Sharg</title> Eingang fand. Um zu verhindern, dass die
                        Mammutwerke X00 an das Uranerz gelangen, lässt der ostasiatische Machtblock
                        Atombomben darauf fallen; doch wird damit eine Kettenreaktion ausgelöst,
                        sodass der Weltuntergang bevorsteht (vgl. <ref type="bibl"
                            target="#Dolak1948-1">Dolak 1948/1: 24f.</ref>). Die Romanheftreihe
                        Dolaks wird damit zu einem frühen Kommentar des ‚atomaren Zeitalters‘ – die
                        an sich unvorstellbare Apokalypse wird fiktionalisiert und die Gefahren und
                        Ängste können in niederschwelliger Form verhandelt werden (vgl. <ref
                            type="bibl" target="#Maurer2017">Maurer et al. 2017: 298</ref>).</p>
                </div>
                <div xml:id="wdr04_04-04_02-03">
                    <head>2.3. Science-Fiction-Elemente in <hi rend="italic">Tom Sharg</hi></head>
                    <p><title>Tom Sharg</title> zählt zu einer der ersten österreichischen
                        Geschichten, die dem Genre der Science Fiction zugeschrieben werden können
                        (vgl. <ref type="bibl" target="#Galle2005">Galle 2005: 19</ref>). Auch wenn
                        in den Heften viele Momente der Kriminalliteratur zu finden sind
                        (schließlich ist das Werk an <title>Tom Shark – Der König der
                            Detektive</title> angelehnt), sind sie zentral geprägt von
                        utopisch-phantastischen Aspekten.</p>
                    <p>Sind der Weltuntergang und das Katastrophenszenario zwei der häufigsten und
                        beliebtesten Thematiken in diesem Genre (vgl. <ref type="bibl"
                            target="#Seesslen1977">Seeßlen 1977: 96</ref>), so endet der erste Band
                        von <title>Tom Sharg</title> in genau dieser Tradition mit den Worten des
                        Protagonisten: <quote source="#ref_Dolak1948-1-25">Das Eis? Sie verstehen
                            nicht, Miller! Wenn der Atomzerfall von den Uranlagern auf das Gestein
                            übergreift – dann ist es zu Ende mit uns. Ein, zwei Monate – dann gibt
                            es kein Leben mehr auf dieser Erde!</quote> (<ref type="bibl"
                            target="#Dolak1948-1" xml:id="ref_Dolak1948-1-25">Dolak 1948/1:
                        25</ref>). Besonders das Moment der Atomkatastrophe bzw. des globalen
                        Atomkriegs findet sich häufig in den Romanheften jener Zeit eingeschrieben,
                        wobei daraus selten wirklich der Tod der Menschheit oder die Vernichtung der
                        Erde folgten. Der Atomkrieg wurde vorwiegend zum Symbol für einen Neuanfang
                        mit der Funktion der Katharsis (vgl. <ref type="bibl" target="#Seesslen1977"
                            >Seeßlen 1977: 96</ref>). In Dolaks Groschenheften kam es jedoch gar
                        nicht so weit: Der Weltuntergang wird durch die Intelligenz und die
                        Fähigkeit des Protagonisten (<quote source="#ref_Dolak1948-3-9">Tom – die
                            Idee ist glänzend</quote>, <ref type="bibl" target="#Dolak1948-3"
                            xml:id="ref_Dolak1948-3-9">Dolak 1948/3: 9</ref>) noch rechtzeitig
                        verhindert und die Erde kann in Zusammenarbeit den großen Nationen mit den
                        Waffenrückständen des Zweiten Weltkrieges gerettet werden.</p>
                    <p>Auch das Moment der ‚Space Opera‘, des Planeten- und Weltraumabenteuers (vgl.
                            <ref type="bibl" target="#Seesslen1977">Seeßlen 1977: 124</ref>), spielt
                        in der Geschichte um Tom Sharg eine Rolle. Jedoch irritieren die Titel: In
                        Band vier ‚Kampf im Weltraum‘ gibt es entgegen aller Erwartung keine Kämpfe
                        im All, auch im nachfolgenden Band fünf wird die Rakete erst gebaut, um
                        schließlich im sechsten und letzten Band erfolgreich abzuheben. Mit der
                        neuesten Technologie ist es dem Team der Mammutwerke X00 dann möglich, die
                        Erde und ihre sie umgebenden Lufthüllen zu verlassen. Doch eine wirkliche
                        Erkundung des Weltalls und der fremden Planeten ist auch in diesem Teil
                        nicht möglich, da das Team durch einen Spion zur Rückkehr gezwungen wird.
                        Die womöglich in weiteren Heften geplante Ausgestaltung der ‚Space Opera‘
                        blieb somit in ihren Anfängen stecken.</p>
                    <p>Die Genese der Science Fiction stand im Grunde in der Tradition Jules Vernes,
                        der fest an den Fortschritt und die Entwicklung der Technik glaubte, diese
                        überaus detailliert schilderte, aber dennoch in <quote
                            source="#ref_Seesslen1977-71">der gesellschaftlichen Situation seiner
                            Zeit verhaftete</quote> (<ref type="bibl" target="#Seesslen1977"
                            xml:id="ref_Seesslen1977-71">Seeßlen 1977: 71</ref>). So findet sich
                        auch bei Dolak die neuesten technologischen Erkenntnisse eingeschrieben und
                        extrapoliert. Er projiziert die Technik in die Zukunft, schreibt von
                        Techniken zur Bekämpfung von Atomzerfall (vgl. <ref type="bibl"
                            target="#Dolak1948-3">Dolak 1948/3: 9</ref>), von ferngelenkten
                        elektrischen Armbanduhren (vgl. <ref type="bibl" target="#Dolak1948-1">Dolak
                            1948/1: 27</ref>) oder von Düsenbeschleunigern, die bis zu 800
                        Stundenkilometern an Geschwindigkeit erreichen (vgl. <ref type="bibl"
                            target="#Dolak1948-1">ebd: 15</ref>). Auch im Bereich der Spionage ist
                        die Technik weit fortgeschritten, der ‚gelbe Kobold‘ verwendet in Band fünf
                        einen in Japan hergestellten Ring mit einer fein gearbeiteten
                        Präzisionskamera, um die Pläne für den Bau der Rakete zu stehlen (vgl. <ref
                            type="bibl" target="#Dolak1949-5">Dolak 1949/5: 22</ref>). Durch
                        Kapseln, die im Wasser unsichtbar werden, können die Pläne nach außen
                        gelangen und in die Hände der Verbündeten gespielt werden (vgl. <ref
                            type="bibl" target="#Dolak1949-5">ebd.: 17–20</ref>).</p>
                    <p>Technologie wird auch als Machtinstrument aufgefasst: Derjenige Machtblock,
                        der die fortschrittlichste Technik beherrscht, wird in der Welt führend und
                        kann andere Machblöcke sabotieren. Auch wenn es durch die neuesten
                        Entwicklungen in der Wissenschaft überhaupt erst zum Atombrand im ersten
                        Band kommt, ist es dieselbe Wissenschaft, die dieses Szenario wieder
                        entschärft und Schlimmeres verhindert. Durch die fortschrittliche Technik
                        und schlaue und innovative Köpfe werden die Welt und die Menschheit
                        letztlich gerettet. Damit können die <title>Tom Sharg</title>-Romanhefte dem
                        Untergenre der positiven Utopien zugeordnet werden, bei dem Technologie
                        weitgehend bewundert und als sinnvoll und hilfreich deklariert wird (vgl.
                            <ref type="bibl" target="#Seesslen1977">Seeßlen 1977: 72f.</ref>).</p>
                    <p>Ein weiteres interessantes Momentum in der Reihe stellen die Fußnoten dar,
                        die Ernst A. Dolak einfügt, um den Leser*innen wissenschaftliche und
                        technologische Passagen zu erklären. Beispielsweise wird das Emailglas in
                        einer Fußnote als <quote source="#ref_Dolak1948-1-11">Seit 1968
                            gebräuchlich[es] Glas mit zartester Kunststoff-Auflage</quote> (<ref
                            type="bibl" target="#Dolak1948-1" xml:id="ref_Dolak1948-1-11">Dolak
                            1948/1: 11</ref>) beschrieben. Dieser Vorgriff auf die Zukunft, die auch
                        für Dolak noch 20 Jahre entfernt liegt, ist eine besondere Entwicklung in
                        der Science Fiction und wird als Metafiktion bezeichnet, wobei sich die
                        Geschichte ihres fiktionalen Charakters bewusst ist und damit spielend
                        umgeht. Den Leser*innen kann dadurch eine technische Entwicklung präzise und
                        mit historischer Untermauerung geschildert werden, die meistens gar nicht
                        stattgefunden hat. Im ersten Band werden etwa auch die ferngelenkten
                        elektrischen Armbanduhren als seit 1995 gebräuchlich erklärt. In der Fußnote
                        wird dabei auf die elektrischen Uhren der 1930er Jahre verwiesen, wobei die
                        Energie für die Wechselstrom-Impulse bei den neueren Uhren drahtlos gesendet
                        werden und so <quote source="#ref_Dolak1948-1-27">vom Mikro-Empfänger dieser
                            Armbanduhr aufgenommen</quote> (<ref type="bibl" target="#Dolak1948-1"
                            xml:id="ref_Dolak1948-1-27">ebd.: 27</ref>) werden können.</p>
                    <p>Aus heutiger Sicht sind solche Fußzeilen von besonderem Interesse, um die
                        Vorstellungen der damaligen Menschen über die Zukunft zu erfahren. Im
                        zweiten Band wird von einer seit 1980 existierenden <quote
                            source="#ref_Dolak1948-2-8">internationalen Alarmfrequenz</quote> (<ref
                            type="bibl" target="#Dolak1948-2" xml:id="ref_Dolak1948-2-8">Dolak
                            1948/2: 8</ref>) mit einer Wellenlänge von 0,25 Metern gesprochen, die
                        es bis heute nicht gibt. Doch darauf kommt es der Science Fiction freilich
                        nicht an: Es geht ihr zentral um die Vermittlung von naturwissenschaftlicher
                        Plausibilität (vgl. <ref type="bibl" target="#Becker1993"
                            >Becker/Hallenberger 1993: 143f.</ref>). Diese kann noch so irrationale
                        Handlungen untermauern und es damit schaffen, über alternative Welten
                        Distanz zur Gegenwart aufzubauen</p>
                    <cit>
                        <quote source="#ref_Becker1993-154">Die Flucht in die Irrationalität ist
                            damit zugleich auch als Ausdruck einer Sehnsucht zu sehen: als ein
                            Gefühl der Unzufriedenheit, das keine Kompensation in Veränderungs- und
                            Bewältigungsutopien findet – Sehnsucht ohne Hoffnung. Die
                            Ersatzverzauberung wird zum Surrogat für diese Sehnsucht nach
                            Geborgenheit in einer Bewusstseinskrise der Gegenwart. (<ref type="bibl"
                                target="#Becker1993" xml:id="ref_Becker1993-154">Ebd.:
                            154</ref>)</quote>
                    </cit>
                    <p>Eben auch davon zeugt die frühe österreichische Science
                        Fiction-Heftromanserie <title>Tom Sharg</title>.</p>
                </div>
            </div>
            <div xml:id="wdr04_04-04_03">
                <head>3. Fazit </head>
                <p>Den Tendenzen einer kulturpolitischen ‚Verwestlichung‘ nach dem Zweiten Weltkrieg
                    entsprechend gibt es in der <title>Tom Sharg</title>-Reihe eindeutige Hinweise,
                    die auf ein freundschaftliches Verhältnis mit den USA schließen lassen,
                    wohingegen der Osten als Bedrohung wahrgenommen wird. Schließlich lässt auch das
                    verwendete Vokabular und die Anglizismen auf ein freundschaftliches Verhältnis
                    der Protagonist*innen zu Amerika schließen. Jedoch wird niemals direkt auf die
                    Sowjetunion angespielt, auch heißt es nicht etwa der ‚östliche‘ Machtblock,
                    sondern eben der ‚ostasiatische‘. Des Weiteren ist es der europäische Kontinent
                    bzw. sind es die darauf liegenden Mammutwerke X00, die den jeweiligen
                    Gegenspieler zum Osten darstellen, und nicht direkt die USA. Es lässt sich somit
                    nicht ganz klar behaupten, dass die Sowjetunion ausschließlich als Feind
                    dargestellt wird, doch aber, dass der Hintergrund des Kalten Krieges die
                    prägende Folie für die Darstellung von Stereotypen darstellt. Darüber hinaus
                    wird durch die Verwendung des Wortes ‚Machtblock‘ eine Polarität im Weltbild
                    erzeugt, die sich eindeutig auf die gesellschaftspolitischen Entwicklungen in
                    der Entstehungszeit zurückzuführen lassen. Die Diskrepanz der beiden Seiten,
                    welches ein Wir- bzw. Ihr-Gefühl vermittelt, wird ausgeprägt dargestellt und
                    bildet den Grundkern der Handlungen.</p>
                <p>Es gibt somit viele Hinweise darauf, dass jene starken Spannungen, die die
                    österreichische Literatur und Kultur jener Zeit maßgeblich beeinflusst haben,
                    auch in der Heftreihe <title>Tom Sharg</title> eingeschrieben sind. So lässt
                    sich an ihnen einerseits eine indirekte Politisierung populärkultureller Inhalte
                    und einer Forcierung des Denkens in Machtblöcken feststellen. Andererseits
                    konnten durch das Genre der Science Fiction viele Momente des Konflikts, wie
                    eben die technischen Entwicklungen, die Vormachtstellung in diesem Kontext
                    insbesondere durch die Raumfahrt oder die drohenden Atomkatastrophen,
                    ausführlich und reflexiv verhandelt werden. Das gewählte Genre sorgte somit auch
                    dafür, dass die relevanten Themen der jüngsten Vergangenheit und der
                    unmittelbaren Gegenwart, die von Krieg, Zerstörung und Angst geprägt waren, in
                    einem distanzierten Blickwinkel angesprochen werden konnten.</p>
                <p>Die entworfene Bild einer fortschrittlichen Technologie kann allerdings einen
                    Umstand selbst für die Zukunft nicht auflösen: Die Gesellschaft des
                    vorgestellten 21. Jahrhunderts bleibt den alten Mustern von 1950 verhaftet, die
                    Machtblöcke bleiben mit ihren konkurrierenden Verhalten bestehen, wetteifern um
                    die Vorherrschaft über die ganze Welt und führen die Menschheit dabei an den
                    Rand von globalen Katastrophen.</p>
            </div>
        </body>
        <back>
            <div type="bibliography">
                <listBibl>
                    <bibl xml:id="Becker1993">Becker, Siegfried/Hallenberger, Gerd (1993):
                        Konjunkturen des Phantastischen. Anmerkungen zu den Karrieren von Science
                        Fiction, Fantasy und Maerchen sowie verwandten Formen. Tides of the
                        Fantastic, in: LiLi. Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik
                        23, S. 141–156.</bibl>
                    <bibl xml:id="Dolak1948-1">Dolak, Ernst A. (1948/1): Tom Sharg, Bd. 1: Die
                        Arktis in Flammen. Wien: Schweidlenka.</bibl>
                    <bibl xml:id="Dolak1948-2">Dolak, Ernst A. (1948/2): Tom Sharg, Bd. 2: Nordland
                        stirbt. Wien: Schweidlenka.</bibl>
                    <bibl xml:id="Dolak1948-3">Dolak, Ernst A. (1948/3): Tom Sharg, Bd. 3: Atlantis
                        steigt auf. Wien: Schweidlenka.</bibl>
                    <bibl xml:id="Dolak1949-4">Dolak, Ernst A. (1949/4): Tom Sharg, Bd. 4: Kampf im
                        Weltraum. Wien: Schweidlenka.</bibl>
                    <bibl xml:id="Dolak1949-5">Dolak, Ernst A. (1949/5): Tom Sharg, Bd. 5: Der Gelbe
                        Kobold, Wien: Interlit-Verlag.</bibl>
                    <bibl xml:id="Dolak1950-6">Dolak, Ernst A. (1950/6): Tom Sharg, Bd. 6: Fahrt zu
                        Fremden Planeten. Wien: Interlit-Verlag.</bibl>
                    <bibl xml:id="Galle1988">Galle, Heinz J. (1988): Groschenhefte. Die Geschichte
                        der deutschen Trivialliteratur. Frankfurt a.M.: Ullstein.</bibl>
                    <bibl xml:id="Galle2005">Galle, Heinz J. (2005): Volksbücher und Heftromane.
                        Streifzüge durch über 100 Jahre populäre Unterhaltungsliteratur, Bd. 1: Der
                        Boom nach 1945. Von Billy Jenkins bis Perry Rhodan. Überarb. Neuausg.
                        Lüneburg: van Reeken.</bibl>
                    <bibl xml:id="Gololev2016">Golovlev, Alexander (2016): Zur Kulturpolitik der
                        UdSSR in Österreich 1945 bis 1955: Musik als Repräsentationsmittel und ihre
                        Auswirkungen auf österreichische Russlandbilder, in: Maximilian Graf/Agnes
                        Meisinger (Hg.): Österreich im Kalten Krieg: Neue Forschungen im
                        internationalen Kontext. Göttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, S.
                        231–258.</bibl>
                    <bibl xml:id="Graf2016">Graf, Maximilian/Meisinger, Agnes (2016): Österreich und
                        der Kalte Krieg: Forschungsstand und Desiderata, in: dies. (Hg.): Österreich
                        im Kalten Krieg: Neue Forschungen im internationalen Kontext. Göttingen:
                        Vandenhoeck &amp; Ruprecht, S. 9–48.</bibl>
                    <bibl xml:id="Maurer2017">Maurer, Stefan/Neumann-Rieser, Doris/Stocker, Günther
                        (2017): Diskurse des Kalten Krieges. Eine andere österreichische
                        Nachkriegsliteratur. Wien/Köln/Weimar: Böhlau (Literaturgeschichte in
                        Studien und Quellen 29).</bibl>
                    <bibl xml:id="Neumann2016">Neumann-Rieser, Doris (2016): Atomangst in
                        österreichsicher Literatur zwischen 1945 und 1966, in: Maximilian Graf/Agnes
                        Meisinger (Hg.): Österreich im Kalten Krieg: Neue Forschungen im
                        internationalen Kontext. Göttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, S.
                        97–120.</bibl>
                    <bibl xml:id="Seesslen1977">Seeßlen, Georg/Kling, Bernt (1977): Unterhaltung.
                        Lexikon zur populären Kultur, Bd. 1: Western, Science Fiction, Horror,
                        Crime, Abenteuer. Reinbek b.H.: Rowohlt.</bibl>
                    <bibl xml:id="Sieder1996">Sieder, Reinhard/Steinert, Heinz/Tálos, Emmerich (Hg.)
                        (1996): Österreich 1945–1995. Gesellschaft, Politik, Kultur. 2. Aufl. Wien:
                        Verlag für Gesellschaftskritik.</bibl>
                    <bibl xml:id="Stourzh2020">Stourzh, Gerald /Mueller, Wolfgang (2020): Der Kampf
                        um den Staatsvertrag 1945–1955. Ost-West-Besetzung, Staatsvertrag und
                        Neutralität Österreichs. Göttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht.</bibl>
                </listBibl>
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        </back>
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</TEI>
