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                <title type="main" xml:lang="de">„Wir waren auf der Straße ein bisserl wie
                    Monster“</title>
                <title type="sub" xml:lang="de">Interview mit Eva Geber, jahrzehntelange
                    Herausgeberin der <hi rend="italic">AUF – Eine Frauenzeitschrift</hi></title>
                <author>
                    <name>
                        <forename>Katharina</forename>
                        <surname>Geiger</surname>
                    </name>
                    <affiliation>Universität Wien, Institut für Germanistik</affiliation>
                </author>
            </titleStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Wiener Digitale Revue</publisher>
                <date>2022</date>
                <availability>
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/"><p>For this
                            publication, a Creative Commons Attribution 4.0 International license
                            has been granted by the author(s), who retain full
                        copyright.</p></licence>
                </availability>
                <idno type="DOI">10.25365/wdr-04-04-07</idno>
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                <title>Wiener Digitale Revue</title>
                <biblScope unit="issue">4</biblScope>
                <idno type="ISSN">2709-376X</idno>
            </seriesStmt>
            <sourceDesc>
                <p>born digital</p>
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                    <term xml:lang="de">Eva Geber</term>
                    <term xml:lang="de">Aktion Unabhängiger Frauen (AUF)</term>
                    <term xml:lang="de">Frauenzeitschrift (Österreich)</term>
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                    <term xml:lang="en">Eva Geber</term>
                    <term xml:lang="en">Aktion Unabhängiger Frauen (AUF)</term>
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            <div type="abstract" xml:lang="de">
                <p>Im Interview mit Katharina Geiger erzählt die jahrzehntelange Herausgeberin der
                        <title>AUF</title> Eva Geber ausführlich über die Anfänge der von der Aktion
                    Unabhängiger Frauen begründeten ersten feministischen Zeitschrift Österreichs.
                    Sie erinnert sich an die Anfänge der Frauenbewegung aus den Erfahrungen
                    häuslicher Gewalt heraus und an die Arbeit im Redaktionskollektiv und in den
                    einzelnen Arbeitsgruppen – angereichert mit vielen persönlichen Anekdoten aus
                    der Zeit des feministischen Aufbruchs.</p>
            </div>
            <div type="abstract" xml:lang="en">
                <p>In an interview with Katharina Geiger, Eva Geber, long-time editor of
                        <title>AUF</title>, talks in detail about the beginnings of Austria’s first
                    feminist magazine founded by the Aktion Unabhängiger Frauen (AUF). She recalls
                    the beginnings of the women’s movement out of the experiences of domestic
                    violence and the work in the editorial collective and in the individual working
                    groups – together with many personal anecdotes from the time of the feminist
                    awakening.</p>
            </div>
        </front>
        <body>
            <p><hi rend="italic">Katharina Geiger: Liebe Eva Geber, ich möchte mich in meinem
                    Interview auf die österreichischen Emanzipationsbewegungen der 1970er Jahre
                    konzentrieren und inwieweit diese von der</hi> AUF <hi rend="italic">begleitet
                    wurden. Ich beginne mit einer allgemeinen Frage: Wie viel Zusammenhalt gab es
                    unter den Frauen? Oder waren die Frauen eher Einzelkämpferinnen?</hi></p>
            <p>Eva Geber: Nein, das waren wir nicht. Es gab verschiedene Meinungen – das kommt ja in
                der Zeitung AUF auch heraus. Ich habe das immer für gut gefunden, die Zeitung war
                extra als Plattform der Meinungen, des Diskurses da. Was man sieht – das sehen Sie
                wahrscheinlich auch hinten in der Zeitung –, sind diese vielen Arbeitskreise, die
                waren ziemlich faszinierend. Man hätte gerne Zeit gehabt, zu mindestens drei zu
                gehen oder vier. Und natürlich gab es verschiedene Ansichten, über die Organisation
                von Demos und so weiter. Da hat es einen Konsens gebraucht, besonders für den 8.
                März, den Internationalen Frauentag.</p>
            <p>Die AUF war immer autonom und das war auch der besondere Reiz und eine politische
                Haltung. Und dann gab es eben diejenigen, die von irgendetwas abhängig waren und
                darauf Rücksicht nehmen mussten, wie etwa die SPÖ-Frauen und auch die KPÖ-Frauen.
                Die katholischen und kommunistischen Gruppen – wir haben immer gesagt: die beiden
                K-Gruppen – hatten ziemlich viel Ähnlichkeit, in der Prüderie zum Beispiel, und so
                Sachen wie lesbisch waren ganz und gar nicht besonders angesehen. Es gab innerhalb
                der Autonomen also eine gewisse Differenz zwischen denen, die sich als politische
                Aktivistinnen empfunden haben, und den Lesben. Es gab in der Tendlergasse, das war
                der erste Versammlungsort, einen extra Raum, wo sich die lesbischen Frauen getroffen
                haben und der sehr umstritten war. Natürlich hatte man innerhalb der Autonomen eine
                Menge aktive lesbische Frauen, und da gab es sozusagen ein in den
                Nachbarraum-Hineinschauen und sich Denken: Mein Gott, ist das eine politische
                Aussage, dass ich eine Frau treffe? Es hat dann geheißen, das Private ist politisch,
                es geht um die Rechte der Lesben, und so weiter – ok, aber bitte kommt’s auch auf
                die 1. Mai-Demo.</p>
            <p>Herumgestritten wurde natürlich immer wegen der richtigen Meinung. Aber wir haben
                gesagt, die gibt es nicht, es gibt nur viele Meinungen und deswegen haben wir da
                alle Platz. Interessant war auch, dass es für die Produktion der Zeitschrift nach
                dem ersten Erscheinen ein Plenum gab, wo die letzte Ausgabe besprochen und
                kritisiert wurde. Da war mir natürlich ab dem Moment, wo ich in der Redaktion war,
                schon ein bisserl mulmig. Dann hat die Redaktion aber bald klargemacht: „Liebes
                Plenum, so geht das nicht. Wir können nicht jeden einzelnen Satz im Plenum
                abdiskutieren. Da machen wir überhaupt nie mehr Zeitung, das geht sich nicht aus.
                Und die Redaktion ist die Redaktion. Die muss autonom arbeiten können und ihr
                könnt’s nachher eure Kritiken hineinschmeißen, wir drucken sie alle ab. Oder auch
                Gegenartikel machen für das nächste Heft, das ist überhaupt kein Problem, aber die
                Redaktion muss frei sein. Kritik? Ja, sehr interessant, gib’s rein, das ist ein
                Diskurs.“</p>
            <p>Die reine feministische Lehre gibt es glücklicherweise nicht. Zuerst war es natürlich
                so, dass die meisten aus einer linken Gruppierung, aus der ’68er-Bewegung kamen, wie
                auch ich. Ich habe glücklicherweise eine Gruppierung gewählt, die wenig dogmatisch
                war, die FÖJ – Freie Österreichische Jugend. Die sind ’68 raus aus der KPÖ und haben
                sich auch dementsprechend denkfrei verhalten. Ich bin sehr gerne zu den
                Veranstaltungen der FÖJ, zu den Vorträgen und zu den Künstlern gegangen, aber ich
                habe dort keinen Anlass gesehen, mich selber aktiv einzubringen, weil eingebracht
                haben sich die Genossen und die Frauen haben Kaffee gekocht und abgetippt. In der
                FÖJ hat sich eine Gruppe für Frauenemanzipation gebildet, bei der auch Männer dabei
                waren. Dann war die erste Sitzung, es waren zwanzig Frauen da und zwei Männer, und
                die Männer haben die ganze Zeit geredet. Worauf es hieß: „Raus!“. Also das war dann
                schon ganz klar und das war ein riesen, riesen Theater unter den linken Männern.
                „Wieso hinaus?“ und „Das geht gar nicht!“. Und es gab natürlich auch Frauen, die
                gesagt haben: „Das ist faschistisch“ und so. Ich war einmal bei einem Abend nur für
                Frauen noch innerhalb der FÖJ und habe mir gedacht, jetzt höre ich mir mal an, was
                da so geredet wird, und vielleicht kann man ja da was machen. Dann war der ganze
                Abend darüber: „Er hat gesagt ...“ und „Er macht ...“ und „Er ...“ und „Ich koche
                immer für meinen Mann ...“. Da habe ich mir gedacht: Also, das wird nichts.</p>
            <p>Dann war ich okkupiert mit ganz vielen Sachen in der AUF. Ich bin ’75 aktiv
                reingegangen wegen der Gewaltfrage, das habe ich glücklicherweise nicht persönlich
                erlebt – also ich selber in meinem Leben als Ehefrau nicht, aber als Tochter schon.
                Darauf bin ich erst später gestoßen worden, davor habe ich gedacht: Ich bin
                emanzipiert, ich habe keinen Mann, der mich beeinflusst, also der mich stört, und
                ich schaffe mein Leben mit zwei Kindern wunderbar. Mein Ex war marginal, der war
                eigentlich gar nicht da. Ich habe feministische Literatur aus der Jahrhundertwende
                gelesen und einiges in Antiquariaten gefunden – die anderen Frauen wussten gar
                nichts davon, was es da schon für eine tolle Bewegung gab. Und eben auch die neuen:
                Betty Friedan und so weiter, wobei die noch zu milde war, da gab es viel schärfere.
                Und da habe ich mir gedacht, das reicht ja, mehr brauche ich nicht, wenn eine Demo
                ist, gehe ich natürlich hin, aber sonst muss ich nichts machen. Dann kam aber etwas
                auf mich zu: Im Haus bei mir lebte eine Freundin, die hatte wiederum eine Freundin
                mit einem netten Mann und einem Kind. Und kurz darauf – wichtig ist, ich habe damals
                bei einem Anwalt gearbeitet und habe ganz viel über Familienrecht gewusst – ruft
                mich diese Freundin an, die da oben gewohnt hat, und sagt, sie ruft im Auftrag
                dieser Mutter mit dem Mann und dem Kind an. Weil die schämt sich so, aber lässt mich
                fragen, ob er Recht hatte: Er war am Vortag spät nachhause gekommen und war sehr
                ekelhaft zu ihr und danach wollte er mit ihr schlafen. Sie hat Nein gesagt,
                daraufhin hat er sie grün und blau geschlagen, das erste Mal. Und ob das richtig
                war, weil er nicht gekriegt hat, was er wollte. Dann habe ich gewusst, so geht es
                nicht, da muss man etwas tun, und bin innerhalb dieser Woche noch zum nächsten
                Plenum in die AUF gegangen. Da habe ich aber gesehen, dass der Gewaltarbeitskreis
                gerade geschlossen war, aber es gab ein paar Frauen, die sich mit Recht
                beschäftigten, und dann war ich im JUS-Arbeitskreis.</p>
            <p>Ich weiß nicht, ob sich das so deutlich abzeichnet, dass fast immer eine
                Arbeitskreisgruppe das Heft getragen hat. Also die JUS-Frauen haben eben das Heft
                mit dem Recht gemacht. Das nächste Thema wurde dann besprochen, das sehr oft von
                außen herangetragen war, und dann hat eben eine bestimmte Gruppe oder die ganze
                Redaktion gesagt: „Ah, ich weiß da eine Frau, laden wir die ein zum Schreiben.“ Und
                natürlich wurde immer das nächste Thema ausgeschickt, zu dem sich auch Frauen
                gemeldet haben. Das hat bewirkt, dass viele Gesichtspunkte kamen. Innerhalb der
                ersten Zeit der AUF war es so, dass ganz viel aus Betroffenheit kam. Wir haben dann
                diese Opfergeschichten nicht mehr gern gelesen – natürlich gibt es Opfer, das heißt
                ja nicht, dass man sie wegschiebt, aber wir wollten die Opfer kämpferisch sehen und
                sich befreiend.</p>
            <space unit="lines" quantity="2"/>
            <p><hi rend="italic">Wie war die Stimmung unter den Frauen, also auch unter denen, die
                    nicht dabei waren? Wie groß war der Anteil der Frauen, die sich beteiligt
                    haben?</hi></p>
            <p>Es waren schon ein paar Hundert letztlich, sonst hätten wir auch keine Demos
                zusammengebracht. Das Hauptthema zuerst war natürlich Abtreibung. Da kamen sehr
                viele Frauen, die politisch gar nichts am Hut hatten und natürlich die unmöglichsten
                Wortmeldungen vorbrachten, wie: „Naja, es ist schon gut, wenn mein Mann mehr
                verdient, weil er muss ja die Familie erhalten.“ Es ist eigentlich sehr schnell
                gegangen, dass immer mehr Frauen dazukamen. Ganz naiv kamen viele nur wegen der
                Abtreibungsfrage und waren dann sehr schnell dabei zu sehen, dass das Private
                politisch ist: Ich muss mich auf die Füße stellen und etwas verlangen, woran ich
                vorher gar nicht gedacht habe. Das war das Hauptsächliche, und das war wirklich ein
                riesiger Zulauf. Die Demos waren groß und äußerst eindrucksvoll und kämpferisch,
                sehr stark. Bei der Abtreibungsdemo, ich weiß gar nicht, ob wir ein Foto drin haben,
                ist eine ganze Reihe, zehn, zwanzig Frauen, mit weißen Leintüchern mit Rot und Blut
                mitgegangen. Wenn man das gesehen hat, ist einem der Atem stehengeblieben. Da war
                wirklich viel Power dabei. Diese Power ist eingegangen in das Heft, in die Bewegung.
                Und auf der anderen Seite kamen uns die alten Leutchen entgegen, die auf jeden Fall
                dagegen waren. Es kamen aber auch die Ärzte, die um ihre Pfründe gefürchtet haben,
                denn wenn es nicht mehr verboten war, verdienten sie nicht mehr so viel.</p>
            <p><hi rend="italic">Wie hat das Umfeld der Aktivistinnen reagiert? Bekamen die Frauen
                    Unterstützung von ihren Familien?</hi></p>
            <p>Diese Frauen, diese Aktivistinnen, die Politischen hatten natürlich im Hintergrund
                Eltern, aber darüber weiß ich eigentlich nicht mehr. Ich habe mit meiner Mutter
                überhaupt nicht über so etwas reden können und auch gar nicht probiert. Meinen Vater
                habe ich sowieso nicht mehr gesehen. Ich weiß nur einmal, da hat meine Mutter den
                Club 2 zu dem Thema gesehen und hat dann das nächste Mal zu mir gesagt: „Stell dir
                vor, da hab ich diese Sendung gesehen, das war ein Wahnsinn. Da gibt’s so viele
                Frauen, die wurden geschlagen.“ Und sie war ganz weiß um die Nase, aber noch nicht
                ganz. Und ich sage: „Aber Mama, das kommt in den besten Familien vor, das weißt du
                doch.“ Und dann wurde sie wirklich käseweiß. Sie hatte es wirklich verdrängt: Mein
                Vater hat sie geschlagen, und zwar nicht einmal, oft, und mich auch. Also das
                weibliche Element in der Familie, meinen Bruder nicht. Mir ist das gar nicht
                aufgefallen, dass das nur ich war, weil ich ihn so geliebt habe. Nur einmal ist mein
                Bruder geschlagen worden, da habe ich einen solchen Radau gemacht, dass mein Vater
                aufhören musste, weil es sonst ein Skandal im ganzen Haus gewesen wäre. Mein Bruder
                hat nicht für mich geschrien, das ist mir damals auch nicht aufgefallen.</p>
            <p>Diese Gewaltsachen waren ganz wichtige Themen für uns, da war auch Einigkeit, da gibt
                es ja nichts, aber dann gab es auch Auseinandersetzungen. Es wurde im Konsens
                besprochen, aber es waren schon entsetzlich mühsame Veranstaltungen. Zum Beispiel
                haben sich alle Frauengruppen getroffen, um den 8. März zu besprechen – natürlich
                niemand von der FPÖ, aber ansonsten alle Engagierten. Was ist der Slogan, wie ist
                das gemeinsame Flugblatt, was kommen da für Forderungen rein? Jetzt haben die
                katholischen Frauen das Lesbisch-Sein und Selbstbestimmung über den eigenen Körper
                nicht drinnen haben dürfen. Wie kann man das formulieren, damit es trotzdem drinnen
                ist? Da haben wir dann gesagt, das ist nicht so ein Problem, wenn im Hauptflyer, in
                dem alle Gruppen unterschreiben, nicht alles drinnen ist, es darf nur nichts
                reinkommen, was gegen eine Gruppe spricht. Aber wenn etwas fehlt, machen eben die
                anderen ein Flugblatt, wo das, was fehlt, drinnen ist. So war dann der Konsens. Ein
                wichtiges Anliegen war, so breit wie möglich aufzutreten und sich zu helfen, wenn
                etwas fehlt. Wenn wir nicht breit auftreten, haben wir zu wenig politische
                Macht.</p>
            <p><hi rend="italic">Wie viele Frauen nahmen Angebote wie die INFRA, die Informations-
                    und Beratungsstelle für Frauen, an? Frauenhäuser hat es ja noch nicht
                    gegeben.</hi></p>
            <p>Das waren viele, das war ein Angebot, das gebraucht wurde. Die Frauenhäuser kamen
                danach, das hat Johanna Dohnal durchgebracht, das war eben auch so eine Geschichte.
                Es ist so, dass mit der Dohnal am Anfang gegenseitiges Misstrauen war: schon große
                Freude, dass es sie gibt, dass es ein Frauenstaatssekretariat gegeben hat, keine
                Frage. Aber oje, jetzt nimmt sie sich die Konzepte der Frauen im Zusammenhang mit
                Frauenhäusern und reißt sie sich unter den Nagel. Das war aber nicht so. Einerseits
                waren das nicht die Autonomen alleine, die da dran gearbeitet hatten, sondern die
                Idee und das Konzept für ein Frauenhaus für geschlagene Frauen hatte Irmtraut
                Karlsson, eine Begleiterin der Johanna Dohnal, aus England mitgebracht. Die Johanna
                hatte uns gegenüber auch Misstrauen, das hat sie uns einmal gesagt. Andererseits
                haben wir dann gesehen, dass sie das ja verwirklicht, und sie hat sich wiederum
                gedacht, mein Gott, diese tollen Frauen sollten doch in der richtigen Partei, in der
                SPÖ sein. Sie hat auch einmal gesagt: „Ohne euren Druck von der Straße hätte ich
                ganz viel nicht durchgebracht.“ Und wir waren auf der Straße ein bisserl wie
                Monster, weil wir uns nichts g’schiss’n haben.</p>
            <p>Früher war es unmöglich, eine Demo zu machen, die nicht angemeldet war. Die ist aber
                mal gewesen, da sind diese wilden Furien die Straße runtergelaufen in die
                Innenstadt. Da war in der Kronenzeitung ein Artikel: Diese schiachen Frauen – eine
                dicke, schiache mit roten Haaren und so weiter, diese Hexen. Die Beschreibung der
                dicken Rothaarigen hat eigentlich zwei Frauen beschrieben, die eine war nicht dick,
                die andere nicht rothaarig, und beide natürlich überhaupt nicht schiach. Aber wir
                hatten ja keinen BH und immer diese schiachen Latzhosen. Ich habe natürlich auch
                eine gehabt, war auch schiach, aber als politische Aussage bin ich zu den Demos
                immer sehr elegant gegangen. Ich musste ja für die Kanzlei, in der ich gearbeitet
                habe, aufs Gericht gehen, und da war ich natürlich elegant. Ich hatte also solche
                Kleider und war im eleganten Kostümchen und habe extra so Kontakt mit dem Publikum
                gesucht, und da war eine Frau, die hat gesagt: „Ah, alle sind so schiach.“ Und ich
                habe ihr daraufhin ein Flugblatt gegeben, elegant im Kostümchen, und gesagt: „Jaja,
                wir sind so schiach.“ Sowas habe ich ganz gerne gemacht, ich habe an sich immer
                gerne Kontakt gesucht zu den Leuten.</p>
            <p>Meine Mutter hat täglich Bridge gespielt und kam aus einem dieser Kaffeehäuser
                heraus, wo man Bridge gespielt hat, auf der Mariahilfer Straße, als wir als Demo
                gerade vorbeigingen. Ich habe sie nicht gesehen, sie hat auch mich nicht gesehen.
                Sie hat mir nachher nur erzählt, dass alle so schiach waren und Proleten und sonst
                irgendwas. Ich habe nur vorsichtig angedeutet, dass ich gesehen habe, dass welche
                dabei waren, die elegant waren. Ich habe mir gedacht, darüber kriegen wir keinen
                Diskurs, aber sie hat schon gemerkt, dass ich irgendwo anders stehe, und manche
                Sachen vorsichtig angesprochen. Es ging leider nicht mehr, dass ich mit ihr über all
                das redete. Ich habe mir das immer gewünscht, aber es ist sich nicht ausgegangen.
                Sie ist dann, nachdem sie erst mit 70 aufgehört hat zu arbeiten, ziemlich schnell in
                eine Demenz hineingefallen ... Dann war es eigentlich zu spät für alles. Aber sie
                konnte das noch eine ganze Weile hinausschieben, indem sie Bridge gespielt hat. Das
                erfordert eine geistige Leistung und das hat ganz gut geholfen.</p>
            <p><hi rend="italic">Wie sind Sie selbst zum Feminismus gekommen?</hi></p>
            <p>Ich stand vollkommen konträr zur Haltung meiner Eltern, und das schon ganz früh. Und
                das war einerseits damit verbunden, dass ich mit 2 Jahren und 9 Monaten, das weiß
                ich, weil es einen Brief gibt, ein traumatisierendes Erlebnis hatte. Meine Mutter
                hat uns aus dem Bomben-Wien weg und in die Nähe der Ostfront gebracht. Da war eine
                Lieblingscousine von ihr, und sie wollte uns eigentlich zu der bringen, aber die
                hatten selber nichts zu essen und wir sind zu einem Bauern gekommen, zusammen mit
                einem ukrainischen Mädchen, das meiner Mutter zugewiesen war. Es war nämlich kein
                Kindermädchen mehr da, die ‚arischen‘ jungen Frauen mussten alle beim Arbeitsdienst
                arbeiten, und meine Mutter war eine Chefin, die hatte eine sehr kleine Fabrik, und
                die hat gearbeitet und brauchte dieses Personal.</p>
            <p>Meine Mutter war eine illegale Nazi, beide Eltern. Sie war eine Abenteurerin. Ich
                habe das nachher recherchiert, sie war eigentlich gegen diese austrofaschistische
                Kerzerlschluckerpartei, weil sie für dieses Frömmlertum nichts übrighatte. Außerdem
                hat sie gesehen, in Deutschland zieht die Wirtschaft an – dass das vor allem wegen
                der Rüstung war, hat sie natürlich nicht überrissen. Sowieso war Österreich sehr
                klein geworden, sie hat natürlich noch die Monarchie erlebt – ich habe sehr alte
                Eltern, mein Vater war bis zum Schluss ein Monarchist. Was meine Mutter aber sicher
                nicht war, war ein Ekel gegenüber Juden. Sie war Parteimitglied, aber sie hat
                überhaupt nicht in der Frauenschaft oder so mitgetan. Aber erst wie der Krieg
                angefangen hat, da hat sie gesehen, dass das nur schiefgehen kann.</p>
            <p>Meine Mutter hat uns also dorthin gebracht, meinen Bruder, Nadja und mich, und ist am
                nächsten Tag verschwunden. Sie hat sich nicht getraut, mir zu sagen, dass sie nicht
                dort sein wird, und es war natürlich für mich ein totaler Schock. Ich war eben
                zweidreiviertel Jahre alt und wurde daraufhin zur Bettnässerin. Daraufhin hat der
                Bauer jeden Tag den Schulzen im Ort verlangt und der ist gekommen und hat mich über
                das Knie gelegt und geschlagen, täglich. Die Nadja konnte mich nicht schützen, auch
                mein Bruder konnte das nicht. Meine Mutter kam dann irgendwann und hat erfahren, wie
                es da zugeht mit mir, und hat uns sofort von dort weggenommen und dieser Tante
                aufgedrängt, wo meine Bettnässerei dann aufgehört hat.</p>
            <p>Dieses Trauma hat bewirkt, dass ich sozusagen das Gefühl hatte, dass ich mich um mich
                selber kümmern musste. Und das ist dann weitergegangen, aber durchaus auch positiv.
                Dann kam später nach dem Krieg mein Vater zurück und das war ab dem Moment
                grauenhaft. Ich sage immer, ich hatte eine duale Erziehung: Meine Mutter hat alles
                erlaubt und mein Vater hat alles verboten. Ich habe mich dann früh um alles selbst
                gekümmert. Mein Bruder war zuständig für meine Bildung, deswegen bin ich ins Lycée
                français gekommen, und der hat mir auch Bücher gegeben. Glücklicherweise haben wir
                in der Wohnung, die wir nach dem Krieg übernommen haben, einen großen Kasten mit
                Büchern gehabt. Ich habe die Bubensachen gelesen und mit 13 habe ich dann Kafka und
                die Franzosen, Sartre, Camus und so weiter, gelesen. Dann wurde diskutiert, also
                mein Bruder hat mit seinen Freunden die halbe Nacht über Bücher diskutiert und die
                Kleine saß daneben, hat den Mund gehalten, ist aber mit solchen Ohren dagesessen.
                Und so war das halt: Ich bin eben eine Linke geworden entgegen der familiären
                politischen Anschauung. Bei den anderen Linken waren alle Eltern tolle Linke, KP und
                Widerstand und weiß der Kuckuck was, das habe ich überhaupt nicht gehabt. Aber was
                ich gewusst hab, war besonders durch meinen Vater geprägt: Nachdem er vom Krieg
                zurückgekommen ist, habe ich gedacht, wenn ich diametral in die entgegengesetzte
                Richtung gehe – dann ist es richtig. Es war ein Wegweiser, auch in der Erziehung.
                Ich wollte nämlich schnell Kinder, um das, was ich für richtig fand, umzusetzen.
                Dann war sozusagen meine erste Liebe, nicht die erste, aber die erste mit Sex, und
                er wollte auch Kinder und ich habe mit 18 – bei der Matura war ich im 7. Monat,
                für’s Leben lernen heißt’s ja – das erste Kind bekommen. Die Ehe hat sehr kurz
                gehalten, ist sich gerade noch für ein zweites Kind ausgegangen, und dann war es
                ziemlich vorbei und ich habe mich scheiden lassen. Bei der Scheidung habe ich
                gemerkt, dass ich überhaupt kein Typ Ehefrau bin.</p>
            <p>Ich habe dann einen Mann aus der Linken, Bertram, kennengelernt, der hat mir den Karl
                Marx und den Friedrich Engels und so weiter beigebracht, das haben wir zusammen
                gelesen und diskutiert. Dann habe ich sozusagen das theoretische Zeug auch
                nachgeholt, in der Praxis war das für mich schon klar. Ich habe mich lange nicht
                getraut, SPÖ zu wählen, weil ich ungarische Verwandte habe und im Kommunismus haben
                da einige ins Gras gebissen, deswegen habe ich mir gedacht, da kann ich nicht einmal
                Rosa wählen. Doch dann bin ich ’68 draufgekommen, man kann auch links sein, ohne die
                Vorfahren zu verraten.</p>
            <p>Da haben sich damals zwei eingefleischte JunggesellInnen getroffen, und das ist noch
                immer die Beziehung – heuer das 48. Jahr, auch wenn wir nicht zusammenleben. Wenn
                ich ihn nicht vorher gehabt hätte, wäre es wahrscheinlich eine Frau geworden. Als
                ich in die AUF gegangen bin, war er aber schon da. Wir haben so lustige Ausflüge
                gemacht, meistens mit zwei, drei Autos, ziemlich zerlemperten und vollgestopft mit
                Leuten, auch meine Kinder sind immer mitgefahren. Mit vielen aus der Frauenbewegung
                sind wir auch Wandern gegangen und ein paar ausgesuchte Männer durften auch mit.</p>
            <p><hi rend="italic">Wie haben Sie die redaktionelle Arbeit für die AUF zeitlich mit
                    Ihrem Beruf und Ihrer Rolle als Mutter in Einklang gebracht?</hi></p>
            <p>Wie ich angefangen habe zu arbeiten, habe ich mir ein paar Jahre lang jedes halbe
                Jahr einen anderen Job gesucht und habe immer den nächsten Job gehabt, bevor ich
                noch gewechselt bin – ich habe also in der Urlaubszeit des alten Jobs schon im
                nächsten gearbeitet, so habe ich zwei Gehälter gehabt. Außerdem habe ich auch ganz
                lange einen zweiten Job in der Nacht gehabt. Und jeder Job war ein bisschen weniger
                mies als der vorige, bis ich dann zu einem Anwalt kam, bei dem ich sechs Jahre war
                und der sehr viel von mir gehalten hat. Ich habe überhaupt keine Diktate abgetippt,
                sondern war Sachbearbeiterin und habe bis zu Verwaltungsgerichtshofsbeschwerden
                alles gemacht, und auch gesiegt. Der Anwalt hat eigentlich gemeint, ich soll
                studieren und seine Nachfolge antreten. Ich bin aber aus zwei Gründen am Studium
                gescheitert: Der eine war, dass ich nur in Bürgerliches Recht gegangen und deshalb
                gescheitert bin, weil das unendlich fern von der Praxis war, von der ich ja gekommen
                bin. Und der andere war, dass ich keine Zeit hatte, die Kinder waren halbwüchsig und
                haben mich noch ziemlich gebraucht. Dazu habe ich noch teilzeitlich gearbeitet. Und
                dann gab es den Aufstand der Konzipienten, die gesagt haben: „Die Eva schreibt die
                Verfassungsgerichtshofbeschwerden und andere spannende Sachen und wir haben studiert
                und dürfen die Binnenbriefe schreiben.“ Ab dann war die Arbeit langweilig. Dann habe
                ich einmal in der Redaktion erwähnt, dass ich einen Job suche, und die Burgi Hirsch
                von der Gewerkschaftlichen Einheit, auch eine Ex-KP Organisation, hat gesagt, da
                gibt es eine Druckerei, die wollen aus der Hausdruckerei eine GesmbH machen und
                suchen eine Geschäftsführerin. Das war dann eine ganz schöne Arbeitserfahrung, die
                schönste überhaupt in meinem Leben. Das waren 22 Jahre in einem selbstverwalteten
                Betrieb, ohne Chefs, ohne Hierarchie.</p>
            <p><hi rend="italic">Und da ging sich das mit der Zeitschrift nebenbei noch
                aus?</hi></p>
            <p>Immer, ich bin irrsinnig arbeitsfähig, ich bin ein Arbeitsjunkie und ein
                Bewegungsjunkie. Aber natürlich lässt das jetzt nach mit 80. Aber auch die letzten
                zwei Bücher, die waren wahnsinnig lange Recherchearbeiten. Zu Louise Michel sicher
                vier Jahre, zu Dora Kallmus auch sehr lange, das Buch ist gerade im Mandelbaum
                Verlag erschienen. Das war ein irrsinniger Arbeitsaufwand und wenn man dann den
                Schreibrausch hat, dann fängt der Tag um 5 Uhr früh an und hört erst um Mitternacht
                auf. Ich habe Monate gebraucht, bis ich das wieder ausgeschlafen habe. Aber ich
                möchte ganz gerne wieder das eine oder andere kleine schriftliche Zeug machen,
                Herausgeberinnenarbeit, ich habe da noch etwas in der Schublade.</p>
            <p><hi rend="italic">Welcher sozialen Schicht gehörten die Frauen, die mitgemacht haben,
                    an? War das eher obere Schicht? Arbeiterklasse? Und war das nur eine Bewegung in
                    der Stadt?</hi></p>
            <p>Es war auch Arbeiterklasse, diese sehr politisch bewusste Arbeiterklasse, die habe
                ich immer ein bisschen beneidet. Und ansonsten waren alle sehr gebildet. Und ja, das
                war natürlich eine Bewegung der Stadt, das ist überall so. Ich habe das unglaubliche
                Glück und die noch größere Ehre gehabt, mit der Ruth Klüger befreundet zu sein – sie
                war ja sehr oft da, fast zweimal im Jahr, und dann hat sie sehr oft bei mir gewohnt,
                außer sie war länger da. Wir haben ganz, ganz viele Ausflüge gemacht, und ich habe
                gesagt, ja dort und dort hin, aber das Land, das stirbt aus, da ist nix mehr. Da
                kannst nicht mal mehr in einem Dorf in ein Kaffeehaus gehen, so etwas gibt es nicht
                mehr. Dann hat sie gesagt, weil dazwischen war das Trump-Wahlergebnis: „Die sollen
                alle raus, weg aus der Provinz, diese Vollidioten.“ Weil die natürlich den Trump
                gewählt haben.</p>
            <p>Aber es muss nicht so sein. Ich habe eine ganz tolle Erfahrung gehabt: Wir sind
                früher sehr oft nach Vorau in die Steiermark gefahren, ein Freund hatte dort ein
                kleines Häuschen und ein paar sind dort immer hingekommen. Die Frau, bei der ich
                war, hat sehr schnell gemerkt, mit mir kann man reden, und hat mir anvertraut, dass
                sie bei einer Gemeinderatswahl einen Frauennamen hineingeschrieben hat, und das hat
                einen riesen Wirbel gegeben. Diese Frau – sie war keine Bäuerin – hat sich auch sehr
                darüber aufgeregt, dass die Bäuerin am Nachbarhof immer so schwer arbeitet, auch
                gefährliche Arbeiten. Der Bauer war schon auch fleißig, aber der Hof gehörte ihm und
                sie ist als Bäuerin überhaupt nicht weiter angesprochen worden. Wir haben dann mit
                der Bäuerin darüber gesprochen – es war eines der frühesten Interviews, die ich
                gemacht habe –, und sie hat nur gelacht: „Ist halt so, naja, weißt eh.“ Wenn man ein
                bisschen mit ihnen zusammengesessen ist – selten hatten sie Zeit, aber manchmal
                hatten sie und wir haben so ein paar Frauen im Wirtshaus zusammenkriegt –, da hatten
                sie schon gefunden, dass es ungerecht ist, aber sie hätten nichts gemacht deswegen.
                Es haben sich mir viele anvertraut, weil ich ja dann wieder weggefahren bin, da kann
                man alles sagen und da kommt das nicht raus. Sie haben auch gewusst, dass ich mit
                meinem Freund nicht zusammenwohne, und da haben sie gesagt: „Das ist schon schön, da
                ist man sich ja immer fremd. Und dann freut man sich, wenn man sich sieht.“</p>
            <p>Wie ich in der AUF angefangen habe, waren ganz viele junge Frauen, die Psychoanalyse
                oder Psychotherapie brauchten wegen grässlicher Sachen, und ich habe mir gedacht,
                das habe ich mir erspart, weil mein Vater nicht gleich da war, erst später als
                grauenvolle, unnötige Person. Ich habe beim ersten Krach, den ich miterlebt habe, zu
                meiner Mutter gesagt: „Und jetzt schickst ihn wieder weg.“ „Psst, psst“, hat sie
                dann gesagt.</p>
            <p><hi rend="italic">Aber Ihre Eltern sind zusammengeblieben?</hi></p>
            <p>Ja, aber mein Vater ist dann im Alter weg, zu einer Frau, die mehr Geld hatte. Ich
                habe ihr immer gesagt, mein Vater hat nicht einen schlechten, er hat gar keinen
                Charakter. Absolutes Arschloch. Aber ich hatte davon gelernt, wie man nicht sein
                soll, und das war nicht nur Unglück. Also wir konnten uns ehrlich dazu verhalten,
                das war schon eine wichtige Sache. Und wenn er sich zu sehr aufgeführt hat, hat
                meine Mutter – sie war ja die Chefin – gesagt: „Du, es haben Kunden aus Vorarlberg
                angerufen. Du musst unbedingt hinfahren.“ Und dann musste er unbedingt weg, das
                konnte auch ein paar Wochen sein, wenn es weit weg war. Wenn er bei der Tür draußen
                war, haben wir aufgeatmet. So war es eben doch möglich zu leben, weil er viel weg
                war, sonst wäre das nicht gegangen und meine Mutter hätte sich schon scheiden
                lassen. Es gab zwei Gründe: Einerseits hat sie gesagt, er ist ein guter Vertreter,
                also wirtschaftliche Gründe, und andererseits hatte sie schon auch so eine Sturheit.
                Also im Sinne von: Ich habe einmal Ja gesagt. Das war auch etwas, wo mein Bruder und
                ich diametral in die andere Richtung aufbrechen mussten.</p>
            <p><hi rend="italic">Wie sehen Sie den heutigen Feminismus? Ist da noch ein weiterer
                    Fortschritt passiert oder eher ein Rückschritt? Denn zum Beispiel mit der
                    Fristenlösung – wenn es damals geheißen hat: Fristenlösung keine Lösung –, ich
                    habe heute noch nie jemanden getroffen, der sich darüber beschwert hätte, dass
                    das keine Lösung ist.</hi></p>
            <p>Wir fanden, dass der Strafparagraph weggehört und es auch auf Krankenschein gehört.
                Das sind so die zwei Sachen, die uns fehlen und die fehlen noch immer. Und es hat ja
                immer wieder Anläufe von Vollidioten gegeben, die die Fristenlösung neu besprechen
                wollen, noch immer. Als in der ÖVP wieder einmal die Rede darauf gekommen ist, dass
                man das mit der Abtreibung wieder rückgängig machen sollte, da weiß ich, dass intern
                die ÖVP-Frauen den Männern gesagt haben: „Ihr haltet darüber den Mund, das bleibt.“
                Und das haben sie nicht laut gesagt, aber das war so, und deswegen hat es gehalten.
                Und das andere, wo sich dann sogar die FPÖ-Frauen zu einer Unterstützung hinreißen
                haben lassen, war die Gewaltfrage, also Vergewaltigung in der Ehe.</p>
            <p><hi rend="italic">Schockierend, dass das bis 1989 gedauert hat. Und es gibt leider
                    immer noch Leute, die diese Ansichten teilen … Gibt es heutzutage überhaupt noch
                    so etwas wie die Frauenbewegung? Existiert die grundsätzlich noch?</hi></p>
            <p>Es gibt die 20.000 Frauen, die sich noch immer um den 8. März kümmern. Ich bin aus
                zwei Gründen nicht dabei: Der eine ist, dass wenn ich dort war und irgendeinen
                Einfall gehabt habe, ich gehört habe: „Ja, das ist fein. Mach das.“ Wollte ich also
                nicht mehr. Und der andere ist, dass dann irgendwann vor einigen Jahren plötzlich
                die Frauenbewegung auf zwei Demos ging, weil sich die Frauen nicht mehr einigen
                konnten. Und das war genau das, wozu ich immer gesagt habe, das ist absolut dumm. Es
                gibt sicher einige Fragen, die gegensätzlich sind, die spalten – die einen sagen,
                Prostitution, das muss man zur Gänze verhindern, die anderen sagen, man muss die
                Frauen unterstützen, dass es ihnen dabei nicht schlecht geht, wenn sie sie selber
                wollen. Da gibt es offenbar Spaltung, und deswegen kann man jetzt nicht
                nebeneinander in der Demo gehen. Und die andere Sache ist die LGBTQI. Da im
                Frauencafé haben sie die Transfrauen nicht wollen. Vor einiger Zeit bin ich
                eingeladen gewesen, über die Louise Michel zu reden, und habe gesagt, es sind
                eigentlich wenig Frauen da, wieso? Und dann haben die gesagt: „Naja, wir sind jetzt
                auf der schwarzen Liste, weil wir mögen diese Transfrauen-Transmänner nicht. Da sind
                wir die ganz Bösen, wir werden geschnitten.“ Da gehen dann natürlich auch Frauen
                nicht hin, die das gar nicht so genau wissen und keine Ahnung haben, aber weil sie
                halt mit anderen zusammen sind, die dort nicht hingehen, kommen sie nicht. Und die
                machen jetzt eben zwei verschiedene Demos und da geh ich nicht mehr mit. Das ist ja
                einfach vollidiotisch.</p>
            <p><hi rend="italic">Liebe Eva Geber, vielen Dank für dieses aufschlussreiche
                    Gespräch!</hi></p>
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