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                <title type="main" xml:lang="de">Eine Faszinationsgeschichte mörderischer
                    Männlichkeit</title>
                <title type="sub" xml:lang="de">Brigitte Schwaiger auf den Spuren von Helmut Frodl
                    und Gabor Pesti</title>
                <author>
                    <name>
                        <forename>Stefan</forename>
                        <surname>Maurer</surname>
                    </name>
                    <affiliation>Literaturhaus Wien</affiliation>
                    <idno type="ORCID">0000-0001-6360-6251</idno>
                </author>
            </titleStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Wiener Digitale Revue</publisher>
                <date>2024</date>
                <availability>
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/"><p>For this
                            publication, a Creative Commons Attribution 4.0 International license
                            has been granted by the author(s), who retain full
                        copyright.</p></licence>
                </availability>
                <idno type="DOI">10.25365/wdr-05-02-04</idno>
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                <title>Wiener Digitale Revue</title>
                <biblScope unit="issue">5</biblScope>
                <idno type="ISSN">2709-376X</idno>
            </seriesStmt>
            <sourceDesc>
                <p>born digital</p>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
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                <keywords xml:lang="de">
                    <term xml:lang="de">Brigitte Schwaiger</term>
                    <term xml:lang="de">Helmut Frodl</term>
                    <term xml:lang="de">Fiktionalisierung</term>
                    <term xml:lang="de">Mord</term>
                </keywords>
                <keywords xml:lang="en">
                    <term xml:lang="en">Brigitte Schwaiger</term>
                    <term xml:lang="en">Helmut Frodl</term>
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    </teiHeader>
    <text>
        <front>
            <div type="abstract" xml:lang="de">
                <p>Die österreichische Autorin Brigitte Schwaiger (1949–2010) und ihre Faszination
                    sowie Recherche eines Mordfalls, der in den frühen 1990er Jahren für
                    öffentliches Aufsehen sorgte, stehen im Mittelpunkt dieses Essays. Schwaiger,
                    die ein Sachbuch über den Mord an dem Regisseur Fritz Köberl plante, wurde im
                    Zuge ihrer Recherchen sukzessive immer mehr in den Fall involviert, der zu einer
                    quälenden Art der Obsession wurde. Anhand bislang unbekannter Archivmaterialien
                    aus Schwaigers Nachlass wird ihre eigenartige persönliche Einmischung in den
                    Mordfall und dessen juristische Nachwirkungen dargestellt.</p>
            </div>
            <div type="abstract" xml:lang="en">
                <p>The essay discusses the Austrian writer Brigitte Schwaiger (1949–2010) and her
                    fascination with, as well as her investigation into, a popular murder case that
                    occurred in the early 1990s, which she was attempting to turn into a non-fiction
                    book. In her efforts to exonerate one of the perpetrators involved in the murder
                    of film director Fritz Köberl, her engagement became increasingly obsessive.
                    Drawing on previously unknown archival material, the essay seeks to reconstruct
                    her unusual involvement in the murder case and its legal aftermath.</p>
            </div>
        </front>
        <body>
            <div xml:id="wdr05_02-04_01">
                <head>1. Vor dem Gesetz</head>
                <p>In <title>Vor dem Gesetz</title> (1914) schildert Franz Kafka gleichnishaft und
                    eindrücklich die Mechanismen des juristischen Ein- und Ausschlusses – auch die
                    Unmöglichkeit eines chiliastischen Heilsversprechens –, anhand eines Mannes vom
                    Lande, der in das Gesetz ‚eintreten‘ möchte und den das Portal bewachenden
                    Türhüter. Als <quote source="#ref_Kafka1994-269">Glanz, der unverlöschlich aus
                        der Türe des Gesetzes bricht</quote> (<ref type="bibl" target="#Kafka1994"
                        xml:id="ref_Kafka1994-269">Kafka 1994: 269</ref>), strahlt dem Mann vom
                    Lande etwas aus der Dunkelheit entgegen, aber auch nach seinem Tod wird er nicht
                    eintreten können. In Kafkas Parabel bleibt das Gesetz für den Mann vom Lande
                    unerreichbar, ebenso entzieht es sich den Leser*innen, ob es nun in seiner
                    juristischen, sozialen, politischen oder gar theologischen Gegenständlichkeit zu
                    verstehen ist.</p>
                <p>Auch der vormaligen Bestsellerautorin Brigitte Schwaiger (1949–2010), die mit dem
                    Roman <title>Wie kommt das Salz ins Meer</title> im Jahr 1977 einen Bestseller
                    gelandet hatte (vgl. <ref type="bibl" target="#Strigl2007"
                        xml:id="ref_Strigl2007-249-250">Strigl 2007: 249f.</ref>), entzog sich die
                    Sphäre des Rechts, auch ihr blieb der Eintritt, – ein Erfolg in diesem Bereich
                    –, schlussendlich verwehrt. Zahlreiche Dokumente, Briefe und Texte, die sich in
                    ihren auf verschiedene Institutionen verstreuten Vor- und Nachlassteilen
                    erhalten haben, legen davon Zeugnis ab, denn diese Dokumente wechseln von der
                    literarischen Sphäre in jene des Rechts und <term>vice versa</term>, manche
                    Dokumente bleiben ununterscheidbar. Das betrifft nicht nur ihr veröffentlichtes,
                    sondern auch ihr unveröffentlichtes und unabgeschlossenes bzw. fragmentarisch
                    gebliebenes Werk. Damit in Zusammenhang stehen unvollendete Projekte, die sich
                    auch daraus erklären, dass die Schriftstellerin doch immer wieder mit diversen
                    Institutionen, nicht zuletzt jenen Verlagen, die ihre Bücher publizierten, aber
                    auch verschiedenen Privatpersonen, im juristischen Clinch lag.</p>
                <p>Ein großer Teil ihres Nachlasses – insgesamt 36 Boxen – wird am Literaturarchiv
                    der Österreichischen Nationalbibliothek verwahrt, weitere Teile finden sich u.
                    a. im Archiv des Literaturhaus Wien. Ein größeres Konvolut jener Rechtssachen
                    und -angelegenheiten, die Schwaiger im Lauf der 1990er Jahre verfolgte,
                    verwahrte der Wiener Rechtsanwalt Nikolaus Lehner, der auch als einer jener
                    Anwälte fungierte, die Schwaigers rechtliche Belange betreuten, darunter eine
                    Scheidungsangelegenheit und damit versuchte Klage gegen ihren ersten Ehemann,
                    einen spanischen Offizier und Veterinär, mit dem sie von Ende der 1960er Jahre
                    wenige Jahre verheiratet gewesen war. Schwaiger selbst verfuhr mit ihrem eigenen
                    literarischen Erbe widersprüchlich und hatte die Neigung, Dokumente und
                    Manuskripte zu vernichten (vgl. <ref type="bibl" target="#Maurer2023"
                        xml:id="ref_Maurer2023-43-52">Maurer 2023: 43–52</ref>).</p>
                <p><quote source="#ref_Schwaiger2014-IV">In ihrem Wohnbezirk, Wien-Neubau, galt sie
                        als ‚verrückte Schriftstellerin‘, und in Literaturkreisen hatte sie den Ruf,
                        ‚schrecklich‘ zu sein</quote> (<ref type="bibl" target="#Schwaiger2014"
                        xml:id="ref_Schwaiger2014-IV">Schwaiger 2014: IV</ref>), heißt es in
                        <title>Der Selbstmord der Brigitte Schwaiger</title>. Der gespenstische
                    Trick dieses Textes: Was hier als Nachruf eines Dritten verfasst zu sein
                    scheint, ist von der Schriftstellerin selbst geschrieben worden, bereits sieben
                    Jahre vor ihrem Selbstmord im Jahr 2010 inszeniert sie hier den Nachruf auf sich
                    selbst zu Lebzeiten. Die Veröffentlichung des Textes erfolgt dann erst vier
                    Jahre später. Es ist eine radikale Abrechnung mit sich selbst, mit der eigenen
                    Biographie, mit einem Leben, aber auch einem literarischen Werk, das Schwaiger
                    sich selbst und allen ihren Leser*innen als eine Erzählung des Scheiterns und
                    der eigenen Schicksallosigkeit vorführt, die zu einem fiktionalen Projekt der
                    gnadenlosen ‚Selbst(zer)schreibung‘ wird. Schwaiger hat dabei, ähnlich wie die
                    in Auschwitz internierte und dem Tod ausgelieferte Figur György Köeves im
                        <title>Roman eines Schicksallosen</title> (<title>Sorstalanság</title>,
                    1975/1990) des Nobelpreisträgers Imré Kertesz, einen starken Willen zum
                    Schicksal und entwickelt literarische Strategien des Umgangs damit und das ist
                    durchaus als produktive Triebfeder ihres Œuvres zu verstehen. Denn diese
                    literarischen Strategien manifestieren sich in 17 Büchern, sieben – auch
                    international inszenierten – Theaterstücken (eines davon sogar Off-Broadway)
                    sowie Regiearbeiten an Linzer und Wiener Theatern und einigen Hörspielen,
                    Übersetzungsarbeiten aus dem Spanischen, sowie einem – noch großenteils –
                    unbekannten bildnerischen Werks. Dies alles zeugt von ungebrochenem Talent seit
                    ihrer ersten bislang nachgewiesenen Veröffentlichung, einem Kurzprosastück mit
                    dem Titel <title>Was ist Glück</title>? in den <title>Tiroler
                        Nachrichten</title> im Jahr 1966, im Alter von siebzehn Jahren. Evelyne
                    Polt-Heinzl gruppiert Schwaigers literarisches Werk rund um die Themenkreise
                    Traumata und Wunschprojektionen einer Jugend in kleinbürgerlicher Enge des
                    Wiederaufbaus, die Aufarbeitung ihrer katholischen Kindheit im Kontext der
                    Antiheimat-Literatur, aber auch der <quote source="#ref_Polt-Heinzl2012-103"
                        >Analyse der Pathologisierung der Frau als der radikal Fremden in der [...]
                        Männerwelt</quote> (<ref type="bibl" target="#Polt-Heinzl1012"
                        xml:id="ref_Polt-Heinzl2012">Polt-Heinzl 2012: 103</ref>).</p>
                <p><term>En passant</term> geht sie in <title>Der Selbstmord der Brigitte
                        Schwaiger</title> auch auf jenen Sachverhalt ein, der im folgenden Beitrag
                    im Zentrum stehen wird:</p>
                <cit>
                    <quote source="#ref_Schwaiger2014-IV">Natürlich stellten ihr Eintreten für den
                        Mörder und Zerstückler Pesti (Fall Köberl, zweiter Verurteiler: der
                        ehemalige Fernsehmoderator Helmut Frodl) im Jahr 1994 […] einen Affront und
                        Eklat und eine schwere Belästigung der Öffentlichkeit dar. […] Was durch die
                        Krankheit der Schwaiger, Borderline, Nymphomanie und Promiskuität, jedoch
                        nahezu entschuldbar ist. (<ref type="bibl" target="#Schwaiger2014"
                            xml:id="ref_Schwaiger2014-IV">Schwaiger 2014: IV</ref>)</quote>
                </cit>
                <p>Daran anschließend bzw. parallel zu dieser Entwirrung und Literarisierung des
                    eigenen biographischen Fadenknäuels im Kontext erlittener Traumata verlief in
                    den 1990er Jahren eine Faszinationsgeschichte der mörderischen Männlichkeiten.
                    Schwaiger war nicht nur am Briefbombenattentäter und Terroristen Franz Fuchs –
                    dessen Prozess sie im Gerichtssaal mitverfolgte, unter nicht wenig medialem
                    Interesse (vgl. <ref type="bibl" target="#Red1999" xml:id="ref_Red1999-45">Red.
                        1999: 45</ref>)<note xml:id="endnote_01"><p><title>Profil</title> berichtete
                            ausführlich über diesen Zwischenfall beim Prozess: <quote
                                source="#ref_Red1999-45">Franz Fuchs lächelte, als er die Frau im
                                Prozeßpublikum sah. Und einen Augenblick lang schien es, der
                                mutmaßliche Bombenbauer habe die Schriftstellerin Brigitte Schwaiger
                                    (<title>Wie kommt das Salz ins Meer?</title>), die aus dem
                                Publikum seinen Namen rief, tatsächlich wiedererkannt. Doch dann
                                holte Fuchs wieder tief Luft und hob an, seine Parolen weiter zu
                                brüllen, als wäre nichts geschehen. Sie habe ihn 1986 durch ihren
                                damaligen Mann kennengelernt, behauptet Schwaiger. Der mutmaßliche
                                Attentäter sei zu Besuch in ihrer Wiener Wohnung gewesen, habe sich
                                als ‚Franz Fuchs aus Gralla‘ vorgestellt und einen sympathischen
                                Eindruck gemacht. Fuchs habe damals mit der linkssozialistischen
                                ‚Kooperative Longo Mai‘, der sie und ihr Ex-Mann angehörten,
                                sympathisiert. Schwaigers Ex-Ehemann Michael G. bestreitet gegenüber
                                    <title>profil</title>, Fuchs jemals gekannt zu haben, und führt
                                die Aussage der Schriftstellerin auf einen Rosenkrieg um das
                                Sorgerecht für das gemeinsame Kind zurück. Und auch der mutmaßliche
                                Attentäter selbst tat die Begegnung mit Schwaiger vergangenen
                                Freitag zumindest gegenüber seinem Verteidiger ab: ‚Da ist nichts
                                dran.‘ Überdies hat die Schriftstellerin bereits bei mehreren
                                Großprozessen auf sich aufmerksam gemacht. Sollte Schwaigers
                                Behauptung allerdings stimmen, wäre sie höchst brisant. Denn gegen
                                Mitglieder von ‚Longo Mai‘ liefen eine Zeitlang auch Ermittlungen
                                der Briefbomben-Fahnder im Zusammenhang mit Oberwart. Der Verdacht
                                ließ sich allerdings nicht erhärten.</quote> (<ref type="bibl"
                                target="#Red1999" xml:id="ref_Red1999-45">Red 1999: 45</ref>)
                            Transkription durch den Verfasser. </p></note> – interessiert, sondern
                    auch an Udo Proksch, dem Drahtzieher des Falls „Lucona“, des wegen sechsfachen
                    Mordes verurteilten Unternehmers, – dessen Fall sie neu aufzurollen gedachte –,
                    ebenso wie an dem grausamen Mord, den der ORF-Regisseur Helmut Frodl und der
                    Wirtschaftsanwalt Gabor Pesti an dem Filmproduzenten Fritz Köberl begangen
                    hatten.</p>
            </div>
            <div xml:id="wdr05_02-04_02">
                <head>2. Mord als schöne Kunst betrachtet</head>
                <p>Insbesondere ihre autobiografischen Romane <title>Ein langer Urlaub</title>
                    (1996) und <title>Ich suchte das Leben und fand nur dich</title> (2000)
                    illustrieren Schwaigers Bekanntschaft und Ehe mit Miguel Herreros Lopez. Die
                    damals 19-jährige Schwaiger dürfte durch den sechs Jahre älteren Tierarzt und
                    Offizier der Armee unter Diktator Francisco Franco und Verfechter des
                        <term>franquismo</term> psychische Zurichtungen erfahren haben und sie
                    wollte mehr als fünfundzwanzig Jahre später auch gegen ihn juristisch vorgehen.
                    Wie sie an ihre Anwaltskanzlei schreibt, ist zumindest <title>Ein langer
                        Urlaub</title>
                    <quote source="#ref_Schwaiger1996e-x">nur ein winziger Teil des von mir erlebten
                    </quote> und es <quote source="#ref_Schwaiger1996e">hätte, was ich mit Herrn
                        Herreros tatsächlich erlebte, jeden literarischen Rahmen gesprengt, hätte
                        ich alles in dem Buch erzählen wollen</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Schwaiger1996e" xml:id="ref_Schwaiger1996e-x">Schwaiger an Lehner
                        29.11.1996</ref>).</p>
                <p>Durchzogen sind die beiden Romane, welche ihre spanische Ehe behandeln, an
                    mehreren Stellen von Motiven und Beschreibungen, die Folter und Mord
                    thematisieren:</p>
                <cit>
                    <quote source="#ref_Schwaiger1996-35">Weißt du, daß einmal ein Mann Frauen in
                        sein Zimmer verschleppt hat, ihnen die Arme und die Beine am Bett
                        festgebunden hat, und dann hat er sie angeschaut. Nur angeschaut. / Und
                        umgebracht und in Stücke gehackt und in den Ofen gesteckt. Dann hat er sie
                        verbrannt, und er war immer sehr elegant gekleidet, mit Melone,
                        Spazierstock, Manschetten und polierten Schuhen. Aber der, den ich meine,
                        hat die Frauen gefesselt, hat ihnen die Beine auseinandergetan, und dann ist
                        er dort gesessen und hat geschaut. (<ref type="bibl" target="#Schwaiger1996"
                            xml:id="ref_Schwaiger1996-35">Schwaiger 1996: 35</ref>)</quote>
                </cit>
                <p>Solche Passagen aus Schwaigers <title>Ein langer Urlaub</title>, als
                    Referenzrahmen ihrer Ehe und Zeit im franquistischen Spanien der 1960er Jahre,
                    welche die Phänomene Folter und Mord thematisieren, können mit Thomas De Quincys
                        <title>Mord als schöne Kunst betrachtet</title> (<title>On Murder considered
                        one of the Fine Arts</title>) assoziiert werden. Dieser 1827 erstmals in
                        <title>Blackwood's Edinburgh Magazine</title> erschienene, satirische Essay,
                    der sich geschickt als <term>Herausgeberfiktion</term> tarnt, macht Mordfälle zu
                    zu einer künstlerischen Diskursform, indem Mordtaten parallel gesetzt werden zu
                    Werken der bildenden Kunst und Literatur. In De Qinceys Essay steht damit,
                    diametral zum Kriminalroman, nicht die Verfolgung und Bestrafung des Mörders,
                    sondern der Mord selbst, der nach ästhetischen Kriterien, wie ein Kunstwerk,
                    beurteilt wird, im Zentrum. Der Essay ist ein <quote source="#ref_Kraemer1999-9"
                        >ironische[r], provozierende[r] und vielschichtige[r] Versuch, eine
                        Affinität zwischen Kunst und Verbrechen herzustellen</quote> (<ref
                        type="bibl" target="#Kraemer1999" xml:id="ref_Kraemer1999-9">Krämer 1999:
                        9</ref>). Der Essay wird der literarischen Dekadenz zugeordnet, wobei der
                        <quote source="#ref_Kraemer1999-12">Keim morbider Faszination quasi noch
                        unter der Maske des Unernstes und der ironischen Groteske versteckt</quote>
                        (<ref type="bibl" target="#Kraemer1999" xml:id="ref_Kraemer1999-12">Krämer
                        1999: 12</ref>) wird.</p>
                <p><quote source="#ref_DeQuincey1913-x">Man beginnt allmählich einzusehen</quote>,
                    so heißt es bei De Quincy, dass <quote>zur künstlerischen Vollendung einer
                        Mordtat doch noch etwas mehr gehört als ein Messer, eine Börse, eine dunkle
                        Gasse und zwei Schafsköpfe, von denen der eine dem andern das Lebenslicht
                        ausbläst.</quote> (<ref type="bibl" target="#DeQuincey1913"
                        xml:id="ref_DeQuincey1913-x">De Quincey 1913</ref>) Seiner ästhetizistischen
                    Argumentation zufolge, sind die <quote source="#ref_DeQuincey1913-x">feinsinnige
                        Verteilung von Licht und Schatten, kurzum – ein hochentwickeltes
                        künstlerischen Empfinden –</quote> (<ref type="bibl" target="#DeQuincey1913"
                        xml:id="ref_DeQuincey1913-x">ebd.</ref>) die unerlässliche Vorbedingung zu
                    einer solchen Mordtat. Mit solchen Kontexten und diesem <quote
                        source="#ref_DeQuincey1913-x">künstlerischen Empfinden</quote> im
                    Zusammenhang mit einem Mordfall, wird sich in der ersten Hälfte der 1990er Jahre
                    auch Brigitte Schwaiger intensiv befassen.</p>
            </div>
            <div xml:id="wdr05_02-04_03">
                <head>3. Der Fall Köberl</head>
                <p>Es handelt sich bei dem Fall, der Schwaigers Interesse erregte, um den grausamen
                    Mord an dem Filmstudiobesitzer und Kameramann Fritz Köberl, der im Mai 1992 vom
                    Schauspieler, Produzenten und Regisseur Helmut Frodl und dem Anwalt Gabor Pesti
                    auf bestialische Weise – Köberl wurde mit vier Kopfschüssen getötet und sein
                    Körper anschließend in siebzehn Teile zerhackt – ermordet worden war. Das Thema
                        <quote source="#ref_Schwaiger1996g-x">Frodl</quote>, heißt es in einem
                    Brief, habe Schwaiger <quote source="#ref_Schwaiger1996g-x">ja nie als Literatur
                        betrieben</quote>, sondern vielmehr mittels auf Gesprächen basierenden
                    Recherchen <quote source="#ref_Schwaiger1996g-x">plus anschliessendem
                        automatischen Schreiben (mediales Schreiben, Versuche) plus wirklich sehr
                        viele Stunden Aktenstudium et cetera versucht, in die Gedankenräume eines
                        Helmut Frodl vorzudringen</quote> (<ref type="bibl" target="#Schwaiger1996g"
                        xml:id="ref_Schwaiger1996g-x">Schwaiger an Jancsi 1996</ref>).</p>
                <p>Den Mord, welchen Frodl und Pesti über Monate geplant hatten, führten sie in
                    einer Wohnung im Budapester Arbeiterbezirk Csepel aus, sogar einen Lockvogel
                    hatten die beiden engagiert. Es ging dabei vor allem um die Vertuschung eines
                    Wettbewerbsvorteils bei der Vergabe von Werbespots durch das
                    Unterrichtsministerium und somit um viel Geld, denn Köberl war dahintergekommen,
                    dass sich Frodl in dieser Hinsicht illegale Vorteile verschafft hatte, indem er
                    Beamte bestach.</p>
                <p>Sowohl Frodl als auch Pesti waren zwar bereits verurteilt und verbüßten ihre
                    jeweiligen Haftstrafen in den Justizanstalten Garsten in Oberösterreich bzw.
                    Graz-Karlau. Dennoch glaubte Schwaiger, als sie damit begann sich mit diesem
                    Fall zu befassen, was ca. ab 1994 erfolgte, in der Lage zu sein, <quote
                        source="#ref_Schwaiger1996g-x">da mitzuhelfen beim Aufdecken, wer wirklich
                        Köberl umgebracht hat</quote>, stellte aber retrospektiv fest, dass sie im
                    Zuge ihrer Recherchen in <quote source="#ref_Schwaiger-x">Teufels Küche</quote>
                    geraten sei: <quote source="#ref_Schwaiger-x">Ich will nicht näher beschreiben,
                        in was für Lügengespinste ich mich da leider begab, sodaß ich nach zwei
                        Jahren alles ruhen ließ.</quote> (<ref type="bibl" target="#Schwaiger-x"
                        xml:id="ref_Schwaiger-x">Schwaiger o. D. [Autobiografische Notizen und
                        Aufzeichnungen]: 28</ref>)</p>
                <p>Schwaiger kam im Zuge ihrer Recherche - geplant hatte sie ein Buch über den Fall,
                    ob es ein Roman oder Sachbuch werden sollte, lässt sich nicht letztgültig klären
                    - auch den beiden wegen Mordes Verurteilten nahe, besuchte sie in den
                    Justizanstalten bzw. führte Korrespondenz mit ihnen.</p>
                <p>Helmut Frodl dürfte Schwaiger seit dem Winter 1976/1977 gekannt haben, wie sie
                    selbst in einem Konvolut im unzugänglichen Teil des Nachlasses festgehalten hat,
                    der eine von ihr verfasste Entgegnung der Anklageschrift von Staatsanwalt Ernst
                    Kloyber vom Wiener Landesgericht für Strafsachen enthält.</p>
                <p>Frodl, so schrieb Peter Pelinka im <title>Falter</title>, sei <quote
                        source="#ref_Pelinka1992-8">ein Aufsteigerexemplar der Vor-Yuppie-Generation
                        aus dem besonders geld-, prestige-, status- und erfolgsorientierten
                        Medienbereich</quote> (<ref type="bibl" target="#Pelinka1992"
                        xml:id="ref_Pelinka1992-8">Pelinka 1992: 8</ref>) gewesen, dessen Biografie
                    –, geboren war er als Kind eines Straßenbahners aus Erdberg –, sich mit jener
                    des neuen Bundespräsidenten decken würde, wie Pelinka anmerkt. Frodl hatte
                        <quote source="#ref_Pelinka1992-8">frühes Interesse für die Filmwelt</quote>
                    und kam in den 1980er Jahren auch aufgrund seiner Nähe zur Sozialdemokratie zu
                        <quote source="#ref_Pelinka1992-8">schneller Karriere und großem
                        Geld</quote> (ebd.).</p>
                <p>In Gabor Pesti, den Bruder von Maria Eisenreich, der Frau des Schriftstellers
                    Herbert Eisenreich, war Schwaiger eigenen Aussagen zufolge sogar als junge Frau
                    verliebt gewesen, zumindest war er ihr unter dem Namen Géza seit 1978 bekannt,
                    da sie mit seiner Schwester eng befreundet war. Die dritte Ehefrau von
                    Eisenreich, der in den 1950er Jahren in Sandl bei Freistadt, also Schwaigers
                    Heimatstadt lebte, war auch eine Patientin von Herbert Schwaiger, ihrem Vater,
                    der als praktischer Arzt in der Region tätig war.</p>
                <p>Unter dem Titel <title>Der Komplice des Todes</title> erschien im Juni 1992 ein
                    Porträt des 1947 in Ungarn geborenen Pesti, der 1956 im Zuge der den Ungarischen
                    Volksaufstand begleitenden Welle von Flüchtlingen nach Österreich gelangt war,
                    dort die Staatsbürgerschaft erhalten hatte und in der Folge als
                    Wirtschaftsprüfer und Steuerberater tätig war. Er war an der Albatros
                    Filmproduktion-GmBH beteiligt, jener Gesellschaft, über die Frodl seine
                    Geschäfte abwickelte. Pesti hatte 1987 einen schweren Autounfall mit einem
                    Geisterfahrer nur knapp überlebt und hatte ein Jahr auf der Intensivstation
                    verbracht. <quote source="#ref_Himmelfreundpointner1992-52">Die Ärzte mußten
                        sein Gehirn komplizierten Operationen unterziehen und seine Hoden
                        amputieren</quote> (<ref type="bibl" target="#Himmelfreundpointner1992"
                        xml:id="ref_Himmelfreundpointner1992-52">Himmelfreundpointner 1992:
                    52</ref>), heißt es in dem Artikel, in dem auch unter Bezugnahme auf Interviews
                    von Freunden und Bekannten über Persönlichkeitsveränderungen und das entstellte
                    Äußere Pestis berichtet wird. Anlässlich des Prozesses, wie es ihn in der
                    Zweiten Republik noch selten gegeben hatte, überschlugen sich die Medien bereits
                    Monate zuvor förmlich in der Berichterstattung und den neuesten
                    Enthüllungen.</p>
            </div>
            <div xml:id="wdr05_02-04_04">
                <head>4. Der Prozess gegen Frodl und Pesti</head>
                <p>Im Dezember 1993 begann das Mordverfahren am Wiener Landesgericht, das auf drei
                    Wochen angesetzt war. Im Zuge des Prozesses fanden sich alle Beteiligten, von
                    den Staatsanwälten bis hin zu den Strafverteidigern Frodls und Pestis früher
                    oder später in den Schlagzeilen wieder. Wenige Tage vor Prozessbeginn hatte eine
                    Anschlagsserie mit Brief- und Rohrbomben begonnen, am 6. Dezember war Helmut
                    Zilk Opfer eines solchen hinterhältigen Attentats – für die der Terrorist Franz
                    Fuchs verantwortlich zeichnete – geworden. Der Andrang anlässlich des
                    Prozessauftakts war enorm, der größte Gerichtssaal Österreichs im Wiener
                    Landesgericht war überfüllt. Daniel Glattauer, zu diesem Zeitpunkt noch
                    Gerichtsberichterstatter, schreibt, dass es mehr Gedränge gegeben hätte als bei
                        <quote source="#ref_Glattauer1993a-12">Lucona, Noricum und Lainz</quote>
                        (<ref type="bibl" target="#Glattauer1993a" xml:id="ref_Glattauer1993a-12"
                        >Glattauer 1993a: 12</ref>). Während sich die Ereignisse rund um das
                    Stückgutschiff Lucona, das 1977 nach einer Explosion mit sechs Todesopfern im
                    Indischen Ozean versunken war, zu einem der größten politischen Skandale der
                    Zweiten Republik auswuchsen, stand die sogenannte „Norcium-Affäre“ mit
                    Waffenlieferungen des VÖEST-Tochterunternehmens Noricums in Zusammenhang. In den
                    1980er Jahren waren mehrere Patientinnen und Patienten im Lainzer Krankenhaus
                    von drei Krankenschwestern, den ‚Todesengeln von Lainz‘, ermordet worden.</p>
                <p>Sieben Prozesstage lang wurde die vierzigstündige Verhandlung im Fall Köberl
                    geführt, die Einvernahmen wurden immer wieder unterbrochen, es gab <quote
                        source="#ref_Glattauer1993b-8">wütende Proteste aus dem Publikum, der
                        Angeklagte wurde ausgelacht, der Richter schmunzelte unentwegt, weil auch er
                        nur ein Mensch sei, der Staatsanwalt konnte sich seine bissigen Kommentare
                        nicht verkneifen</quote>, berichtete Glattauer: <quote
                        source="#ref_Glattauer1993b-8">Und in den Geschworenenbänken funkelten die
                        Augen und zischten Empörungslaute, wie das bei großen Prozessen in Wien
                        schon seit Jahren nicht mehr der Fall war</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Glattauer1993b" xml:id="ref_Glattauer1993b-8">Glattauer 1993b:
                        8</ref>).</p>
                <p>Es gab keine Schuldausschließungsgründe, denn auch das von Verteidiger Nikolaus
                    Lehner in Auftrag gegebene Privatgutachten hinsichtlich eines bei seinem
                    Mandanten ansatzweise entdeckten Borderline-Syndrom war zu <quote
                        source="#ref_Peyerl1993-16">‚verdünnt‘, um von einer seelischen Störung
                        sprechen zu können</quote> (<ref type="bibl" target="#Peyerl1993"
                        xml:id="ref_Peyerl1993-16">Peyerl 1993: 16</ref>). Viele Prominente
                    verfolgten das Verfahren vor Ort mit, u. a. Hannes Androsch, Vera Russwurm, Nora
                    Frey und Barbara Stöckl. Frodl gestand die Tat nicht, was das Publikum
                    angesichts der erdrückenden und eindeutigen Beweislage als Provokation empfand
                    und für Verstörung sorgte. Denn selbst als die siebzehn Leichenteile Köberls
                        <quote source="#ref_Glattauer1993c-8">technisch nachbetrachtet</quote>
                    wurden, schildert Daniel Glattauer die Reaktion der Angeklagten folgendermaßen:
                        <quote source="#ref_Glattauer1993c-8">Gabor Pesti mit nach vorne gebeugtem
                        Kopf schwebt im Dauer-Dämmerzustand. Helmut Frodl hält den glasklaren,
                        engelhaften Blick durch. Er hat in 40 Prozeßstunden keine
                        Gefühlsschwankungen erkennen lassen.</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Glattauer1993c" xml:id="ref_Glattauer1993c-8">Glattauer 1993c:
                        8</ref>)</p>
                <p>Am 22. Dezember 1993 fiel dann das spektakuläre Urteil, während Frodl wegen
                    Mordes in erster Instanz verurteilt wurde und eine lebenslängliche Haftstrafe
                    erhielt, fasste Pesti – der auch als <quote source="#ref_Bobi1994-54"
                        >angebliches ‚Hirn‘ der Bluttat galt</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Bobi1994" xml:id="ref_Bobi1994-54">Bobi 1994: 54</ref>) –, wegen
                    Beihilfe zum Mord 20 Jahre aus. Allerdings gingen beide im Oktober des
                    Folgejahres in Berufung gegen diese Urteile. Frodl beharrte nämlich darauf, dies
                    hatte er bereits im Verlauf des Prozesses ausgesagt, dass ein KGB-Mann Köberl
                    erschossen hätte und er selbst sowie Pesti vollkommen unschuldig seien.</p>
            </div>
            <div xml:id="wdr05_02-04_05">
                <head>5. Fiktionalisierung(en) eines Mordes</head>
                <p>Obwohl Helmut Frodls Mordplan eher einem schlechten „Tatort“-Krimi glich, so
                    konstatiere Peter Pelinka im <title>Falter</title>, waren die unterschiedlichen
                    Bemühungen um die Literarisierung des Mordfalles (vgl. <ref type="bibl"
                        target="#Pelinka1992" xml:id="#Pelinka1992-8">Pelinka 1992: 8</ref>)
                    auffällig. Das Feuilleton sah sogar Parallelen zu einem Klassiker der
                    Kriminalliteratur: Patricia Highsmiths <title>Der talentierte Mr. Ripley</title>
                        (<title>The Talented Mr. Ripley</title>, 1955). Dies vor allem deswegen,
                    weil Frodl im Anschluss an den Mord versucht hatte, die Identität von Köberl
                    anzunehmen, wie auch Ripley das Weiterleben seines Opfers „Dickie“ Greenleaf
                    vortäuschte. <quote source="#ref_Pelinka1992-8">Der Mord an sich freilich findet
                        nicht so leicht eine prominente Parallele, weder in der Kriminalliteratur
                        noch in der realen Kriminalgeschichte</quote> konstatierte Pelinka, weil die
                    Leiche Köberls <quote source="#ref_Pelinka1992-8">auf besonders tabubrechende
                        Art</quote> (<ref type="bibl" target="#Pelinka1992"
                        xml:id="ref_Pelinka1992-8">Pelinka 1992: 8</ref>) von Frodl beseitigt worden
                    sei.</p>
                <p>Frodl selbst schrieb während seiner Haft einen Roman sowie ein Drehbuch über die
                    „Mordgeschichte“ mit dem Titel <title>Außer Kontrolle. Im Netz der
                        Agenten</title>. Dieser „Psychothriller“ – wie die Gattungsbeschreibung
                    lautet – erschien 1993, nur wenige Tage vor Prozessbeginn in der Edition Va
                    Bene. Nikolaus Lehner präsentierte das „Buch zum Prozeß“ nur wenige Tage vor
                    dessen Beginn, dazu zeigte er Dias aus Frodls Kindheit und ließ den
                    Medienvertreter*innen Gulaschsuppe servieren. Es komme <quote
                        source="#ref_Red1993-8">selten vor, daß der Inhalt eines
                        Psycho-Agenten-Thrillers die Verantwortung eines Mordangeklagten vor Gericht
                        vorwegnimmt</quote> (<ref type="bibl" target="#Red1993"
                        xml:id="ref_Red1993-8">Red. 1993: 8</ref>), hieß es in <title>Der
                        Standard</title>. Im Roman tritt der Geheimagent Fjodor Rybakow auf, der
                    Franz Kober in Budapest in eine Wohnung lockt und ermordet. Die Leiche wird
                    zerstückelt und in Müllsäcke verpackt. Die Protagonisten Herbert Fried und
                    László Kotay – durchaus als Frodl und Pesti lesbar – sind in Frodls Narrativ
                    natürlich unschuldig, ersterer nimmt aber den Mord aus Angst vor dem
                    sowjetischen Auslandsgeheimdienst KGB auf sich (vgl. <ref type="bibl"
                        target="#Frodl1993" xml:id="ref_Frodl1993">Frodl 1993</ref>).</p>
                <p>Aber was hat dieser Mordfall und die juristischen Folgeerscheinungen nun mit
                    Brigitte Schwaiger zu tun? Schwaiger plante ebenfalls ein Buch, für das sich ein
                    Wiener Verlag interessierte, der Lektor <quote source="#ref_Schwaiger1996b-x"
                        >findet manche Texte gut</quote> (<ref type="bibl" target="#Schwaiger1996b"
                        xml:id="ref_Schwaiger1996b-x">Schwaiger an Lehner: 3.5.1996</ref>).
                    Tatsächlich hat sich kein größerer, geschlossener Entwurf dieses Buchs erhalten,
                    nur verschiedene kürzere Entwürfe, Vorarbeiten und Studien.</p>
                <p>Schwaiger war bei dem Berufungsverfahren im Oktober 1994 im Saal C des Wiener
                    Justizpalastes selbst anwesend, bei dem Lehner eine <quote
                        source="#ref_Grotter1994-20">geharnischte Nichtigkeitsbeschwerde</quote>
                        (<ref type="bibl" target="#Grotter1994" xml:id="ref_Grotter1994-20">Grotter
                        1994: 20</ref>) vortrug – auch hier bestand wieder großes mediales
                    Interesse. In einem Brief an Lehner äußerte sie sich über ihr Interesse an dem
                    Fall wie folgt:</p>
                <cit>
                    <quote source="#ref_Schwaiger1996a-x">Ich war damals in einer sehr labilen
                        Stimmung. Nicht nur sah ich Helmut Frodl zum ersten Mal, sondern hatte mein
                        Gefühlsleben damals wirklich, von mir distanziert nun und beinah (im
                        Schmerz) zynisch so formuliert „Hollywood-Format“. / Ich meine, dass ich
                        wegen Gabor Pesti, in den ich einmal sehr verliebt war, etwas erlebte
                        damals, was in einem Film als Kitsch bezeichnet werden würde. Eine
                        „Lovestory“, bei der eine Frau einen Mann wiedersieht, den sie kaum mehr
                        erkennt, weil sein Gesicht verschwunden ist, und dann sitzt er noch dazu in
                        Handschellen da und soll ein Mörder sein. (<ref type="bibl"
                            target="#Schwaiger1996a" xml:id="ref_Schwaiger1996a-x">Schwaiger an
                            Lehner 25.1.1996</ref>)</quote>
                </cit>
                <p> In der Zwischenzeit waren bereits einige Bücher erschienen, u. a. mit Herbert
                    Gnedts <title>Lockruf nach Budapest</title> (1993) ein Text, der den Fall aus
                    der Sicht der Freunde des Mordopfers Köberl schildert und Textstellen aus
                    Originaldokumenten sowie Protokollen wörtlich übernimmt. Gnedts Sachbuch liest
                    sich eher wie ein Kriminalroman, an dessen Konventionen er sich anlehnt und der
                    die – bereits als bekannt voraussetzbaren – Ereignisse rekonstruiert und am
                    minutiösen Ablauf der Ereignisse interessiert ist. Der grausige Fund der
                    einzelnen Leichenteile steht am Beginn:</p>
                <cit>
                    <quote source="#ref_Gnedt1993-8-9">Es ist Freitag, der 22. Mai 1992. Istvan
                        untersucht gerade einen Müllcontainer in der II. Rakoczi-Ferenc-Straße in
                        Csepel. Ein größerer Plastiksack, der mit einem braunen Klebeband verknouet
                        [sic!] ist, interessiert ihn. [...] Als Istvan in den Sack fährt, greift er
                        in eine andere Hand. So, wie man jemanden begrüßt. Aber die Hand im
                        Plastiksack ist kalt. [...] Insgesamt sind es 17 Stück Mensch, die die
                        ungarische Polizei aus den Mülltonnen in den Straßen von Csepel herausholt.
                        Brustkorb und Schulterteile fehlen. Der grausige Fund ist ein Zufall. Er war
                        nur möglich, weil sich die Müllabfuhr verspätet hatte. (<ref type="bibl"
                            target="#Gnedt1993" xml:id="ref_Gnedt1993-8-9">Gnedt 1993:
                        8–9</ref>)</quote>
                </cit>
                <p>Im Berufungsverfahren bäumten sich sowohl Lehner als auch Pestis Verteidiger
                        <quote source="#ref_Bobi1994-54">ein letztes Mal auf und beschworen die
                        Obersten Richter in über 100 Seiten langen Nichtigkeitsbeschwerden, die
                        Strafen herabzusetzen oder die Urteile überhaupt aufzuheben</quote> (<ref
                        type="bibl" target="#Bobi1994" xml:id="ref_Bobi1994-54">Bobi 1994: 54</ref>)
                    und begründeten ihre Forderungen mit massiven Verfahrensmängeln. Pesti, so
                    berichtete <title>News</title>, habe dann auch <quote source="#ref_Bobi1994-54"
                        >literarische ‚Unterstützung‘ von einer prominenten alten Freundin erhalten:
                        Christine Schwaiger [sic!]</quote> (<ref type="bibl" target="#Bobi1994"
                        xml:id="ref_Bobi1994-54">ebd.</ref>). Schwaiger war <quote
                        source="#ref_Bobi1994-54">von der Unschuld Gabors zutiefst überzeugt</quote>
                    und gab im Interview mit <title>News</title> zu Protokoll, dass sie bereits seit
                    einiger Zeit an einem <quote source="#ref_Bobi1994-54">Roman über Pestis
                        ‚schwieriges Leben‘ arbeiten</quote> würde, der klarmachen würde, <quote
                        source="#ref_Bobi1994-54">‚daß Gabor, das nie erwachsen gewordene Kind,
                        nicht mehr als der wehr- und ahnungslose Handlanger des Mörders Frodl
                        gewesen ist‘</quote> (<ref type="bibl" target="#Bobi1994"
                        xml:id="ref_Bobi1994-54">Bobi 1994: 54</ref>).</p>
                <p>Auch wenn man Schwaigers literarischem Vorhaben grundsätzlich positiv
                    gegenüberstehen kann, sind ihre <quote source="#ref_Bobi1994-54"
                        >Verteidigungs-Reime</quote> (<ref type="bibl" target="#Bobi1994"
                        xml:id="ref_Bobi1994-54">ebd.</ref>), die <title>News</title> anlässlich des
                    Berichts über die Ereignisse vor dem Obersten Gerichtshof rund um die Berufung
                    der Urteile abdruckte, schwer verdaulich. Denn es klaffen hier locker-naive
                    Verse und mörderischer Inhalt auseinander, falls man nicht auch den satirischen
                    Subtext dieser <quote source="#ref_Bobi1994-54">Mörderballade</quote>
                    mitliest:</p>
                <cit>
                    <quote source="#ref_Bobi1994-54">[...] nach budapest mitten im mai / fuhren
                        wiener freunde zwei / zum helmut ist köberl frech gewesen / sie werden ihm
                        leviten lesen / statt daß er seinen zorn ergießt / der frodl helmut
                        plötzlich schießt / köberl mit kugeln im genick / kehrt aus ungarn nicht
                        zurück. // ... von der bluttat ganz verwirrt / ist gabor durch die stadt
                        geirrt / will bei verwandten eine pause / die sind leider nicht zuhause /
                        und der helmut, dieses schwein / schnitt derweil den leichnam klein / mit
                        dem häcksler, mit der säge / ging er seine eigenen wege / sehr elektrisch
                        und fast leise / arbeitet auf schnelle weise / und er putzte dann zusammen /
                        die verdreckte badewanne [...]“ (Schwaiger zit. n. <ref type="bibl"
                            target="#Bobi1994" xml:id="ref_Bobi1994-54">Bobi 1994: 54</ref>)</quote>
                </cit>
                <p>Im Interview mit <title>News</title> verlautbarte Schwaiger auch, dass sie
                    geneigt war, Pesti zu heiraten, wobei ihr gleichzeitig die Aussichtslosigkeit
                    ihres Unterfangens bewusst war: <quote source="#ref_Bobi1994-54">Das hilft ihm
                        wohl sicher nicht.</quote> (<ref type="bibl" target="#Bobi1994"
                        xml:id="#ref_Bobi1994-54">Bobi 1994: 54</ref>) Während von diesem
                    Heiratsantrag im <title>Kurier</title> falsch berichtet wurde – bei Schwaiger
                        <quote source="#ref_NN1994-11">rufen jetzt alle an und fragen, ob sie nicht
                        ganz g’scheit sei</quote> (<ref type="bibl" target="#NN1994"
                        xml:id="ref_NN1994-11">N.N.: 1994: 11</ref>) –, gab auch die
                        <title>Mühlviertler Rundschau</title> ihre Meinung zu dieser Causa ab:</p>
                <cit>
                    <quote source="#ref_Ehrgang1994-4">Sie möchte den ‚flotten‘ Gabor retten,
                        behauptet, er sei unschuldig und legt sogar ein Gedichterl bei, das dies
                        beweisen soll. [...] Sie würde den Pesti, der keine (P)Bestie sei, am
                        liebsten heiraten, um ihm zu helfen, sagt die Freistädterin in ‚News‘. [...]
                        Widerlich, daß manche Autoren aus einem der grauslichsten Mordfälle des
                        Jahrhunderts auch noch Kleingeld und Publicity machen möchten. (<ref
                            type="bibl" target="#Ehrgang1994" xml:id="ref_Ehrgang1994-4">Ehrgang
                            1994: 4</ref>)</quote>
                </cit>
                <p>Ihr öffentliches Engagement rund um diese Ereignisse sollte Schwaiger noch
                    längere Zeit verfolgen. Denn 1999 kam der Vorwurf, sie wolle durch ihre
                    Interventionen nur selbst wieder im öffentlichen Rampenlicht stehen und sich
                    selbst vermarkten, in einer Kolumne in <title>Täglich Alles</title> zur Sprache.
                    Schwaiger reagierte und schrieb in einem Leserbrief: <quote
                        source="#ref_Schwaiger1999">Weder waren mein jahrelanges Recherchieren des
                        Mordfalls Fritz Köberl, Budapest 1992, noch mein Interesse am Fall
                        ‚Versicherungsbetrug Lucona‘ [...] dazu angetan, dass ich mich selbst in
                        irgendeiner Weise vermarkten hätte können oder wollen.</quote> (<ref
                        type="bibl" target="#Schwaiger1999" xml:id="ref_Schwaiger1999">Schwaiger an
                            <title>Täglich Alles</title> 7.2.1999</ref>) Schwaigers Interesse an dem
                    Fall, den Tätern und deren Persönlichkeitsstruktur, die sich auf ernsthafte und
                    aufwendige Recherche stützte, kann nicht letztgültig geklärt werden. Ihr
                    Interesse mutet auch angesichts einer Fülle von Schriftstücken, Briefen und
                    Dokumenten bizarr an.</p>
                <p>Immerhin findet sich ein eigenhändig angefertigter Arbeitsbericht – der
                    eigentlich ein <quote source="#ref_Schwaiger1996c-1"
                        >Kosten-Aufstellungs-Entwurf</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Schwaiger1996c" xml:id="ref_Schwaiger1996c-1">Schwaiger 27.7.1996:
                        1</ref>) ist, wie eine handschriftlich angefertigte Notiz am Rand festhält
                    –, der die wesentlichen Punkte von Schwaigers Beschäftigung mit diesem Fall
                    zusammenfasst. Sie hielt fest, dass sie insbesondere dort <quote
                        source="#ref_Schwaiger1996c-6">Verfahrensmängel</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Schwaiger1996c" xml:id="ref_Schwaiger1996c-6">ebd.: 6</ref>) sah,
                    wo es um den Sachverhalt ging, dass Frodl Pesti am <quote
                        source="#ref_Schwaiger1996c-5">Mord-Tag</quote> mit dem Benzodiazepin
                    Rohypnol betäubt habe (<ref type="bibl" target="#Schwaiger1996c"
                        xml:id="ref_Schwaiger1996c-5">Schwaiger 27.7.1996: 5</ref>).</p>
                <p>Über ihre persönliche Bekanntschaft mit Pesti und Frodl hinaus, spiegelt sich in
                    dieser emotionalen Überidentifikation vielleicht auch die eigene psychische
                    Erkrankung. Das „Warum“ – auch angesichts ihrer Verpflichtungen als Mutter,
                    ihrer finanziellen und privaten Schwierigkeiten, die während der 1990er Jahre
                    einen Zenit erreichten, lässt sich auf den ersten Blick schwierig
                    nachvollziehen. Eventuell könnte Schwaiger noch Hybristophilie – das sogenannte
                    „Bonnie-und-Clyde-Syndrom“ – vermutet werden, denn es sind zahlreiche Fälle
                    bekannt, in denen Frauen sich von Straftätern, auch Gewaltverbrechern, angezogen
                    fühlen (vgl. <ref type="bibl" target="#Pfister2013" xml:id="ref_Pfister2013"
                        >Pfister 2013</ref>). Vielleicht ist der Grund ihrer Faszination und
                    anhaltenden Beschäftigung literarischer Natur, musste sie doch mit Frodl umgehen
                        <quote source="#ref_Schwaiger1996f-x">wie mit einer Romanfigur, die ich
                        ertaste: kenne ihn nur schriftlich, doch ist er real und sorgt für
                        Überraschungen</quote> (<ref type="bibl" target="#Schwaiger1996f"
                        xml:id="ref_Schwaiger1996f-x">Schwaiger an Nochta 1996</ref>). </p>
                <p>Schwaiger zeigte sich über Frodls <quote source="#ref_Schwaiger1996d-x">wirklich
                        überraschende[s] Talent</quote> erstaunt und sie verglich ihn gegenüber
                    Lehner mit Jean Genet, der, so schreibt sie, auch als Mörder inhaftiert gewesen
                    sei, <quote source="#ref_Schwaiger1996d-x">als Sartre und Zeitgenossen ihn
                        entdeckten. [...] Helmut ist, sollte er ein Mörder sein, so doch eine
                        Entdeckung wert: ich gebe mir diesbezüglich zwei, drei Jahre, ihn
                        literarisch durch Lektoren-Arbeit zu fördern. Wenn Helmut gemordet hat/haben
                        sollte, so, weil ein Teil seines Ich dies tun mußte</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Schwaiger1996d" xml:id="ref_Schwaiger1996d-x">Schwaiger an Lehner,
                        30.7.1996</ref>).</p>
                <p>Bald glaubte sie nicht mehr an Pestis Unschuld, wie sie dessen Strafverteidiger
                    schreibt. Schließlich konnte sie nicht verstehen, warum Frodl – mit dem sie im
                    brieflichen Austausch stand – noch immer glaube, dass <quote
                        source="#ref_Schwaiger1995-x">alles nicht wahr ist</quote> und <quote
                        source="#ref_Schwaiger1995-x">seine Tat verdrängt</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Schwaiger1995" xml:id="ref_Schwaiger1995-x">Schwaiger an News
                        1995</ref>). Auch die Aussicht mit diesem Fall oder einem Buch über den Mord
                    und seine Hintergründe Geld zu verdienen, war schnell vom Tisch, denn <quote
                        source="#ref_Schwaiger1996g-x">[o]b und wann ein Verlag meine Arbeit als
                        Buch bringen wird, kann ich nicht bestimmen</quote> und die <quote
                        source="#ref_Schwaiger1996g-x">meisten Verleger</quote> (<ref type="bibl"
                        target="#Schwaiger1996g" xml:id="ref_Schwaiger1996g-x">Schwaiger an Jancsi:
                        1996</ref>) würden es ablehnen, schreibt Schwaiger an eine Bekannte. Auch
                    der Theaterverlag Sessler wollte ihr auf ihre Entwürfe keinen Vorschuss zahlen.
                    Aus der Zeit stammt ein Hörspiel betitelt <title>Der Prozess Hänsel und
                        Gretel</title>, das 1995 entstand und auf Ö1 in der Reihe <title>Literatur
                        am Sonntag</title> im März 1997 ausgestrahlt wurde. Dieses Hörspiel, bei dem
                    Heide Stockinger Regie führte, ist eine Paraphrase des bekannten Grimm’schen
                    Märchens, das sich in einen Mordfall verwandelt, denn die Geschwister haben die
                    alte Frau auf heimtückische Weise ermordet und müssen sich nun vor Gericht
                    verantworten. Das Hörspiel beginnt mit der Verlesung der Anklage nach
                    Paragraphen 75 StGB durch den Staatsanwalt. Die Geschwister hätten</p>
                <cit>
                    <quote source="#ref_Schwaiger1997-x">in bewusstem und gewolltem Zusammenwirken
                        nach vorausgegangener gemeinsamer Planung in allen Details vorgehabt, eine
                        betagte Dame, die in einem kleinen Haus in einem Wald lebte, zuerst zu
                        betrügen, indem sie vortäuschten, bei ihr arbeiten zu wollen, bei ihr
                        gelebt, sie ausgenutzt und beschlossen, einen günstigen Moment abzuwarten,
                        in dem sie sie töten und zugleich, ohne Spuren zu hinterlassen, beseitigen
                        konnten. Dazu bedienten sie sich eines Backofens, den sie heimtückischer
                        Weise von der alten Frau selbst anheizen ließen. (<ref type="bibl"
                            target="#Schwaiger1997" xml:id="ref_Schwaiger1997-x">Schwaiger
                            1997</ref>)<note xml:id="endnote_02"><p>Transkription durch den
                                Verfasser.</p></note></quote>
                </cit>
                <p>Während eines Aufenthalts in Spanien im November 1993 malte sie darüber hinaus
                    die Bilder <title>Ein Gerichtsurteil</title> und <title>Eine Verhandlung</title>
                    und versuchte auch mittels eines <quote source="#ref_Schwaiger1996g-x">grossen
                        Bildertreatments</quote> (<ref type="bibl" target="#Schwaiger1996g"
                        xml:id="ref_Schwaiger1996g-x">Schwaiger an Jancsi 1996</ref>), also eines
                    sogenannten Storyboards, wie diese in frühen Phasen des Filmemachens üblich
                    sind, den ungarischen Produzenten und Regisseur György Gát auf dieses Projekt
                    aufmerksam zu machen, allerdings ohne damit Erfolg zu haben. Wie intensiv sie
                    sich mit dem Thema befasste, obwohl sie damit literarisch nicht reüssieren
                    konnte und allerorts nur auf Ablehnung stieß, zeigte sich noch Jahre später.
                    Hinsichtlich der Zurechnungsfähigkeit Frodls war sich Schwaiger nicht sicher, ob
                    dieser überhaupt psychisch krank sei, denn ihrer Meinung nach, konnte er <quote
                        source="#ref_Schwaiger1996h-x">ja eine Bestialität ausgelebt haben, von der
                        niemand etwas weiss und wusste</quote>. Er habe <quote
                        source="#ref_Schwaiger1996h-x">Köberls Leichnam nicht ‚zerfleischt‘, nicht
                        ‚gemetzelt‘</quote>, schreibt sie in einem Brief an Lehner, <quote
                        source="#ref_Schwaiger1996h-x">sondern er hat kühl mit elektrischer Säge ein
                        ‚Werk‘ vollbracht: das ist meiner Meinung nach krank und ein Beweis für
                        Krankheit</quote> (<ref type="bibl" target="#Schwaiger1996h"
                        xml:id="ref_Schwaiger1996h-x">Schwaiger an Lehner 7.5.1996</ref>). Wie sie
                    an Nikolaus Lehner schreibt, gab es</p>
                <cit>
                    <quote source="#ref_Schwaiger1996a-x">so merkwürdige Parallelen zwischen Helmut
                        Frodl und mir. Nicht nur glaube ich, dass ich im Jahr 1976 einmal bei Fritz
                        Köberl, Helmut Frodl und anderen in einem Studio war [...]. [...] Dort war
                        Helmut Frodl, noch sehr jung, sehr lieb und lustig. Ich habe an Fritz Köberl
                        die Erinnerung, dass er ein wenig hämisch war oder spöttisch, nicht zu
                        durchschauen, für mich, und dass er langes Haar hatte, damals, [...] aber
                        dann das Eis brach durch Helmut Frodl, der alles auf die leichte Tour, sehr
                        lustig, lieb machte, sich benahm wie ein männliches Elfenwesen eigentlich
                        aus einem Theaterstück von Shakespeare [...]. (<ref type="bibl"
                            target="#Schwaiger1996a" xml:id="ref_Schwaiger1996a-x">Schwaiger an
                            Lehner: 25.1.1996</ref>)</quote>
                </cit>
                <p>Im August 2001 besuchte sie Frodl noch einmal im Gefängnis – der letzte Besuch
                    war im Herbst 1996 erfolgt – und schrieb in einem Brief, von dem nicht sicher
                    ist, ob sie ihn abgeschickt hat, dass sie nach allem </p>
                <cit>
                    <quote source="#ref_Schwaiger2001-x">was ich in den letzten Wochen mit Helmut an
                        Informationen ausgetauscht habe, die ich vorher aus seinem und die er aus
                        meinem Leben nicht wusste, glaube ich, dass es eine Parallele gibt in
                        Helmuts und meinem Leben. Und zwar, dass sowohl sein wie mein Lebensweg von
                        manipulativ herbeigefuehrten Schicksalsschlaegen begleitet war. (<ref
                            type="bibl" target="#Schwaiger2001" xml:id="ref_Schwaiger2001-x"
                            >Schwaiger an Lehner: 20.8.2001</ref>)</quote>
                </cit>
                <p>Obwohl sich kein vollendetes literarisches Projekt an Schwaigers intensive
                    Recherchen zum Mord an Fritz Köberl anschließt, erzählen die in ihrem Nachlass
                    erhalten gebliebenen Dokumente von ihrer Faszinationsgeschichte mörderischer
                    Männlichkeit. <quote source="#ref_Schwaiger1996g-x">Meine literarische
                        Arbeit</quote>, so merkt sie in einem Brief an, <quote>ist nicht[,] wenn ich
                        viele Seiten schreibe</quote>, vielmehr, so erklärt sie, ging es ihr darum,
                    in <quote source="#ref_Schwaiger1996g-x">Gedankenräume</quote> vorzudringen und
                    bezeichnet dies als <quote source="#ref_Schwaiger1996g-x"
                        >Gedankenversuche</quote> (<ref type="bibl" target="#Schwaiger1996g"
                        xml:id="ref_Schwaiger1996g-x">Schwaiger an Jancsi 1996</ref>).</p>
            </div>
        </body>
        <back>
            <div type="bibliography">
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                            >www.projekt-gutenberg.org/quincey/mord/chap001.html</ref> (Zugriff am
                        17.01.2024).</bibl>
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                        Wie die Schriftstellerin Brigitte Schwaiger dem Angeklagten ein Lächeln
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                    <bibl xml:id="Schwaiger1995">Schwaiger an News, 19.5.1995, Literaturarchiv der
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                        Nikolaus Lehner.</bibl>
                    <bibl xml:id="Schwaiger1996a">Schwaiger, Brigitte an Nikolaus Lehner
                        (25.1.1996), Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, LIT
                        491/19: B. Schwaiger / Sammlung Nikolaus Lehner.</bibl>
                    <bibl xml:id="Schwaiger1996b">Schwaiger, Brigitte an Nikolaus Lehner (3.5.1996),
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                        Schwaiger / Sammlung Nikolaus Lehner.</bibl>
                    <bibl xml:id="Schwaiger1996c">Schwaiger, Brigitte (27.7.1996): Arbeitsbericht,
                        Manuskript, 7 Bl., Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek,
                        LIT 491/19: B. Schwaiger / Sammlung Nikolaus Lehner.</bibl>
                    <bibl xml:id="Schwaiger1996h">Schwaiger an Nikolaus Lehner (7.5.1996),
                        Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, LIT 491/19: B.
                        Schwaiger / Sammlung Nikolaus Lehner.</bibl>
                    <bibl xml:id="Schwaiger1996d">Schwaiger, Brigitte an Nikolaus Lehner
                        (30.7.1996), Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, LIT
                        491/19: B. Schwaiger / Sammlung Nikolaus Lehner.</bibl>
                    <bibl xml:id="Schwaiger1996e">Schwaiger, Brigitte an Nikolaus Lehner
                        (29.11.1996), Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, LIT
                        491/19: B. Schwaiger / Sammlung Nikolaus Lehner.</bibl>
                    <bibl xml:id="Schwaiger1996f">Schwaiger, Brigitte an Eva Nochta (8.7.1996),
                        Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, LIT 491/19: B.
                        Schwaiger / Sammlung Nikolaus Lehner.</bibl>
                    <bibl xml:id="Schwaiger1996g">Schwaiger, Brigitte an Jancsi (1996),
                        Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, LIT 491/19: B.
                        Schwaiger / Sammlung Nikolaus Lehner.</bibl>
                    <bibl xml:id="Schwaiger1997">Schwaiger, Brigitte (1997): Der Prozess Hänsel und
                        Gretel. Ein Hörspiel. Literaturhaus Wien / Archiv, DST-DAT 745.</bibl>
                    <bibl xml:id="Schwaiger1999">Schwaiger an „Täglich Alles“ (7.2.1999),
                        Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, LIT 491/19: B.
                        Schwaiger / Sammlung Nikolaus Lehner.</bibl>
                    <bibl xml:id="Schwaiger2001">Schwaiger an Nikolaus Lehner (20.8.2001),
                        Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, LIT 491/19: B.
                        Schwaiger / Sammlung Nikolaus Lehner.</bibl>
                    <bibl xml:id="Schwaiger1996">Schwaiger, Brigitte (1996): Ein langer Urlaub.
                        Roman. München: Langen Müller.</bibl>
                    <bibl xml:id="Schwaiger2014">Schwaiger, Brigitte (2014): Der Selbstmord der
                        Brigitte Schwaiger. In: Die Presse/Spectrum (6. September 2014), S.
                        IV.</bibl>
                    <bibl xml:id="Schwaiger-x">Schwaiger, Brigitte (o. D.): Autobiografische Notizen
                        und Aufzeichnungen, 43 Bl. Literaturhaus Wien / Archiv, Sign.:
                        H1:Schwaiger,B. unpag.</bibl>
                    <bibl xml:id="Strigl2007">Strigl, Daniela (2007): Brigitte Schwaiger: „Wie kommt
                        das Salz ins Meer“ (1977). Rückblick auf ein „Fräuleinwunder“ – cum grano
                        salis. In: Klaus Kastberger/Kurt Neumann (Hrsg.): Grundbücher der
                        österreichischen Literatur seit 1945. 1. Lieferung. Wien: Zsolnay, S.
                        249-258.</bibl>
                </listBibl>
            </div>
        </back>
    </text>
</TEI>
