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                <title type="main" xml:lang="de">Lebensreformerisch und frauenbewegt</title>
                <title type="sub" xml:lang="de">Der Büstenhalter „Lada“, 1911</title>
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                        <forename>Michaela</forename>
                        <surname>Lindinger</surname>
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                    <affiliation>Wien Museum</affiliation>
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                <publisher>Wiener Digitale Revue</publisher>
                <date>2025</date>
                <availability>
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/"><p>For this
                            publication, a Creative Commons Attribution 4.0 International license
                            has been granted by the author(s), who retain full
                        copyright.</p></licence>
                </availability>
                <idno type="DOI">10.25365/wdr-06-04-01</idno>
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                <title>Wiener Digitale Revue</title>
                <biblScope unit="issue">6</biblScope>
                <idno type="ISSN">2709-376X</idno>
            </seriesStmt>
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                <p>born digital</p>
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                <keywords xml:lang="de">
                    <term xml:lang="de">Emanzipationsbestrebungen um 1900</term>
                    <term xml:lang="de">Korsett</term>
                    <term xml:lang="de">Büstenhalter</term>
                </keywords>
                <keywords xml:lang="en">
                    <term xml:lang="en">Emancipation efforts around 1900</term>
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                    <name>Thomas Zangl</name>
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    <text>
        <front>
            <div type="abstract" xml:lang="de">
                <p>Um 1900 forderten Lebensreformerinnen Möglichkeiten zur Verbesserung des
                    alltäglichen (Frauen-)Lebens. Entsprechend veränderte sich die Kleidung, die
                    mehr Beweglichkeit und Bequemlichkeit garantieren sollte. So gilt der Übergang
                    vom Korsett zum Büstenhalter als wichtiger Meilenstein weiblicher
                    Emanzipationsbestrebungen. In diesem Kontext präsentiert der vorliegende Beitrag
                    ein konkretes Modell: Den Büstenhalter namens „Lada“ aus dem Jahr 1911.</p>
            </div>
            <div type="abstract" xml:lang="en">
                <p>Around 1900, life reformers called for ways to improve everyday (women's) life.
                    Clothing changed accordingly to guarantee greater mobility and comfort. The
                    transition from the corset to the brassiere is considered an important milestone
                    in women's emancipation efforts. In this context, this article presents a
                    specific model: the “Lada” brassiere from 1911.</p>
            </div>
        </front>
        <body>
            <div xml:id="wdr06_04-01_01">
                <p>In den Jahren um 1900 tauschten viele fortschrittliche Frauen das jahrzehntelang
                    die Modelinie dominierende Korsett gegen ein heute ganz alltägliches
                    Wäschestück: den BH. Die ersten Büstenhalter waren wohl wenig elegant und
                    „verführerisch“, dafür zweckmäßig und vor allem für sportliche Aktivitäten
                    geeignet. Der Übergang vom Korsett zum BH gilt als wichtiger Meilenstein
                    weiblicher Emanzipationsbestrebungen um 1900.</p>
                <p>Bürgerliche Frauen des 19. Jahrhunderts hatten vor allem repräsentative Aufgaben
                    zu übernehmen: Gäste empfangen, mehrgängige Diners organisieren, die Karriere
                    des Hausherrn und Ehemanns befördern. Ein Korsett war aus modischen Gründen
                    sowie zur Unterstützung der kerzengeraden Haltung und zur Formung der Figur
                    fixer Bestandteil des Frauenalltags. Wer sich maßangefertigte, perfekt
                    verarbeitete Korsetts leisten konnte, riskierte zumindest keine Schnürfurchen
                    oder andere unangenehme Begleiterscheinungen dieses Unterwäschestücks, das wie
                    kaum ein anderes als Mittel zur Unterdrückung der Frauen angesehen wird.</p>
                <p>Um 1900 forderten viele Frauen mehr Bewegungsfreiheit ein. Lebensreformerinnen
                    verlangten Möglichkeiten zur Verbesserung des alltäglichen (Frauen-)Lebens: Neue
                    Kleider ohne viele Bordüren und Schärpen sollten korsett-freie Bequemlichkeit
                    garantieren. Für den Modesport Radfahren benötigte man einen beweglichen Körper:
                    Hosen machten bald das Rennen, zumindest bei den ganz jungen Frauen. Besonders
                    Wagemutige trugen dazu den 1909 in Paris vorgestellten Bubikopf zur Schau. Ab
                    mit den alten Zöpfen!</p>
                <p>Und für darunter? Ein von Medizinern empfohlener, vielleicht nicht sehr schicker,
                    aber auf jeden Fall moderner BH! Beispielsweise wies der deutsche Gynäkologe
                    Carl Heinrich Stratz in einem seiner Hauptwerke, der im Jahr 1900 erschienenen
                    Studie <title>Die Frauenkleidung und ihre natürliche Entwicklung</title>,
                    eindringlich und unterstützt von zahlreichen Abbildungen auf die Verformung der
                    Körper und Verlagerung der inneren Organe durch qualitativ schlechte Korsette
                    hin.</p>
                <p>Das elastische und verstellbare Stück namens „Lada“ stammt aus dem Jahr 1911 und
                    könnte als früher Sport-BH bezeichnet werden. Laut einem Inserat in der
                    führenden Wiener Modezeitschrift <title>Wiener Mode</title> konnte diese neue
                    Unterwäsche im Geschäft Pohl &amp; Rosenthal in der Valeriestraße (heute
                    Böcklinstraße) im zweiten Wiener Gemeindebezirk erworben werden (vgl. <ref
                        type="bibl" target="#WienerMode1911" xml:id="ref_WienerModel1911-1289"
                        >Wiener Mode 1911: 1289</ref>).</p>
                <p>Das Korsett kam deswegen noch lange nicht aus der Mode. Ältere Damen trugen es
                    noch weit bis in die 1920er Jahre hinein. Sie waren es so gewohnt und konnten
                    sich die modischen Seidenfähnchen ohne Halt, die die Anhängerinnen der „Girl
                    Culture“ favorisierten, nicht als Unterwäsche vorstellen. In den späten 1940ern
                    fanden modebewusste Frauen vieler Altersklassen den Weg zurück zum Korsett.
                    Christian Diors New Look-Kostüme (ab 1947) waren ohne formendes „Darunter“ mehr
                    oder weniger untragbar.</p>
                <p>Ob mit oder ohne Korsett, ob mit Spitzen-BH, Push-Up oder Sport-BH – oder gleich
                    „braless“: Heute gibt es ausreichend Möglichkeiten, dass jede/r ihre/seine
                    Unterwäsche frei, ganz ohne Zwang wählen kann.</p>
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                    <head type="legend">Büstenhalter „Lada“, 1911 (Dauerausstellung des Wien
                        Museums)</head>
                </figure>
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                    <bibl xml:id="WienerMode1911">Wiener Mode, 1.9.1911, S. 1289.</bibl>
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