Crustaceen Stygofauna in den urbanen, oberflächennahen Grundwasserleitern von Wien, Österreich – Biodiversität, Gemeinschaftsdynamiken und umweltbedingte Einflussfaktoren
DOI:
https://doi.org/10.25365/azba.162.06Schlagworte:
stygofauna, groundwater biodiversity, urban aquifers, COI barcoding, environmental drivers, crustacea, groundwater ecology, AmphipodaAbstract
Diese Studie untersucht die Diversität und die ökologischen Muster stygobionter und stygophiler Krebstiere im oberflächennahen Grundwasser der Stadt Wien, Österreich, mit besonderem Fokus auf Amphipoden. Insgesamt wurden 47 Krebstiertaxa identifiziert, was eine unerwartet hohe Diversität für diesen urbanen Lebensraum offenbart. Darunter konnten sieben Amphipodenarten nachgewiesen werden, deren Vorkommen weitgehend den bekannten biogeographischen Verbreitungsmustern entspricht. Molekulargenetische Analysen auf Grundlage des COI-Gens präzisierten die auf morphologischen Merkmalen basierende Artbestimmung der Amphipoden und unterstreichen das Vorkommen eines potenziell unbeschriebenen Taxons (Niphargus aff. aquilex) sowie den bislang östlichsten Nachweis von Niphargus tonywhitteni. Die Verfügbarkeit von gelöstem Sauerstoff und damit verbundene Redoxbedingungen sowie mikrobiologisch-ökologische Indikatoren erwiesen sich als zentrale Faktoren zur Erklärung der räumlichen Verteilung der Fauna. Auch die Grundwassertemperatur und die Hydrogeologie (Aquifertyp) beeinflussten die Verteilungsmuster, insbesondere bei Amphipoden, die niedrigere Temperaturen und größere Porenräume im Sediment bevorzugten. Gemeinschaftsanalysen identifizierten darüber hinaus den Einfluss von Oberflächengewässern als einen signifikanten Treiber für die Zusammensetzung der Gemeinschaften. Saisonale Effekte waren weitestgehend nicht nachweisbar. Die insgesamt hohe Homogenität der Lebensgemeinschaften sowie die begrenzten artspezifischen Umweltpräferenzen der Amphipoden legen nahe, dass grundlegende Schutzmaßnahmen wahrscheinlich vielen Taxa gleichzeitig zugutekommen würden. Seltene Arten erfordern jedoch weiterhin gezielte weiterführende Untersuchungen. Insgesamt unterstreicht diese Studie den ökologischen Wert urbaner Grundwasser-Systeme.