Zeitliche Dynamik von Arthropoden am „Hohen Sonnblick“ (3100 m)
DOI:
https://doi.org/10.25365/azba.162.07Schlagworte:
arthropod communities, biodiversity, community ecology, high alpine areas, National Park Hohe Tauern, Sonnblick ObservatoryAbstract
Der Verlust der Biodiversität wird durch Landschaftsveränderung, intensive Landwirtschaft und den Klimawandel vorangetrieben. Klimawandelbedingte Temperaturanstiege führen zudem zu Verschiebungen in der Verbreitung vieler temperaturempfindlicher Tier- und Pflanzenarten. Besonders sensibel reagieren alpine Arthropodengemeinschaften, wie sie am Gipfel des Hohen Sonnblicks (3106 m, Nationalpark Hohe Tauern, Salzburg) untersucht wurden. Ziel dieser Studie war es, die Effekte verschiedener Umweltparameter auf Vorkommen, Häufigkeit und zeitliche Dynamik von Arthropoden zu analysieren sowie die Effektivität unterschiedlicher Erfassungsmethoden zu vergleichen. Über einen Zeitraum von 28 Tagen im Juli und August 2023 wurden 3002 Arthropodenindividuen aus 109 Morphospezies und 13 Ordnungen gesammelt. Temperatur, Windgeschwindigkeit und Luftfeuchtigkeit beeinflussten Artenreichtum und Abundanz signifikant; starker Schneefall führte zu einem Massenauftreten von Desoria saltans (Collembola). Die verschiedenen Fangmethoden erfassten unterschiedliche Artengruppen: Barberfallen waren besonders geeignet für Laufkäfer und Spinnen, während Kreuzfenster- und Malaisefalle v. a. Dipteren und Falter erfassten. Alle Methoden erwiesen sich jedoch als wetteranfällig. Eine methodische Kombination bietet das vollständigste Bild der alpinen Wirbellosenvielfalt. Die Ergebnisse unterstreichen die Rolle alpiner Gipfel als Refugien von Endemiten und als potenzielle Trittsteine für Arten im Klimawandel. Ihr Schutz und die ökologische Vernetzung sind entscheidend, um klimabedingte Veränderungen abzufedern.