Erste Einblicke in die Assoziationsmuster der Symbiosepartner von Flechten entlang eines Sukzessionsgradienten im Gletschervorfeld des Ödenwinkelkees (Hohe Tauern, Österreich)
DOI:
https://doi.org/10.25365/azba.162.22Schlagworte:
saxicolous lichens, terricolous lichens, successional gradient, chronosequence, lichen symbionts, photobiont guilds, glacier forefield, primary successionAbstract
Obwohl Flechten eine zentrale Rolle in der Primärsukzession einnehmen, werden sie in der ökologischen Forschung zu Gletschervorfeldern bislang kaum berücksichtigt. Diese Studie präsentiert erstmals mit molekularen Methoden die Assoziationsmuster der dominanten Flechtensymbionten entlang eines Sukzessionsgradienten im Gletschervorfeld des Ödenwinkelkees (Hohe Tauern, Österreich). In einer Pilotstudie wurden Flechtenvielfalt und -bedeckung auf 11 permanent markierten 1 × 1 m großen Parzellen der Research Platform Ödenwinkel untersucht, die ~225 Jahre seit der Entgletscherung abdecken. Die dominante Flechtensymbionten (Mykobiont [Pilz], Photobiont [Alge]) wurden mit Hilfe des klassischen Barcodemarker ITS molekular identifiziert und die Bedeckung wurde aus orthorektifizierten Bildaufnahmen quantifiziert. Gemeinschaftsmuster wurden mithilfe von Netzwerk- und multivariater Statistik analysiert. Die Artenvielfalt folgte einem unimodalen Muster mit einem Höhepunkt etwa 100 Jahre nach der Entgletscherung. In frühen Stadien dominierten steinbewohnende Flechten, während bodenbewohnede Arten nach ~46 Jahren zunahmen und in mittleren Stadien vorherrschten (mittlere Bedeckung ~36 %). Die Identität des Photobionten schien das ökologische Spektrum des Mykobionten zu beeinflussen, wobei Generalisten mit mehreren Algenpartnern assoziiert waren. Feldbestimmbare ökologische Gruppen erwiesen sich als effektive Indikatoren für das Sukzessionsstadium, und die gemittelte Thallusfläche gelber Rhizocarpon-Arten zeigte Potenzial als Indikator des Moränenalters. Diese Studie untersucht die Dynamik von Flechtengemeinschaften sowie die Assoziationen dominanter Symbiosepartner entlang eines Gradienten und liefert damit eine Grundlage für ein besseres Verständnis von Sukzessionsprozessen genauso wie für zukünftige molekulare und bildbasierte Untersuchungen.