„… dass DaZler von Muttersprachlern umgeben sein sollten“
Gruppenkonstruktion und Othering durch sprachliche Bezeichnungen in Sprachbiografien von Lehramtsstudierenden
DOI:
https://doi.org/10.48646/zisch.251306Schlagworte:
Deutsch als Zweitsprache, Othering-Prozesse, Lehrer:innenbildung, Gruppenkonstruktionen, Benennungen, Akteur:innenanalyseAbstract
Der Beitrag stellt Ergebnisse einer Seminararbeit vor, bei der zwei Sprachbiografien untersucht wurden, die von Lehramtsstudierenden im Rahmen eines verpflichtenden „DaZ-Moduls“ verfasst worden waren. Der Fokus lag dabei auf der Analyse von Gruppenkonstruktionen durch sprachliche Bezeichnungen, also welche Gruppen durch die verwendeten Bezeichnungen konstruiert, welche Eigenschaften dabei fokussiert (z.B. „spricht Deutsch als Zweitsprache“) und welche Attribute der so konstruierten Gruppe zugeschrieben werden (z.B. „braucht zusätzliche Hilfe und Förderung“). Ein wesentlicher Faktor bei Othering-Prozessen ist auch, welche Gruppen nicht explizit benannt werden, da sie (in der beschriebenen Gruppe/Gesellschaft) als „natürlich“ bzw. „selbstverständlich“ gelten (Hornscheidt 2020: 478–479). Daher wurde eine Akteur:innenanalyse durchgeführt, um aufzeigen zu können, welche der Akteur:innen im Text nicht explizit genannt werden. Durch die Analyse konnte gezeigt werden, dass in beiden untersuchten Sprachbiografien eine stark defizitorientierte Perspektive vorherrscht. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass in der Biografie des Studierenden, der Deutsch als einzige Erstsprache erworben hat, den Lehrenden und der Schule zugeschrieben wird, Probleme zu erkennen und die Schüler:innen zu unterstützen, während in der Biografie der Studierenden, die Deutsch als frühe Zweitsprache (im Kindergarten) erworben hat (insbesondere, wenn die Studierende Erfahrungen aus ihrer eigenen Schulzeit schildert) die Lehrkräfte vor allem mit den Attributen „differenziert nicht“ und „stellt keine Hilfe/Förderung zur Verfügung“ dargestellt werden. Bei beiden Sprachbiografien findet eine Hierarchisierung durch Nicht-Benennung statt: Menschen mit (auch) einer anderen zugeschriebenen Erstsprache als Deutsch werden explizit benannt und damit als „Abweichung von der Normalität“ dargestellt, während Menschen mit Deutsch als einziger Erstsprache nur selten explizit erwähnt und damit implizit als „Normalfall“ dargestellt werden. Die starke Defizitorientierung der angehenden Lehrer:innen kann auch durch das DaZ-Modul ausgelöst bzw. verstärkt worden sein (Hägi-Mead et al. 2021: 25). Das macht das Thema für Österreich gerade besonders relevant und aktuell, da hier auch im Zuge der Reform der Lehramtsstudien ein verpflichtendes DaZ-Modul für alle Lehramtsstudierenden eingeführt werden soll.
Downloads
Veröffentlicht
Ausgabe
Rubrik
Lizenz
Copyright (c) 2025 Klaudia Fuchs

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung - Keine Bearbeitungen 4.0 International.
Sofern nicht anders angegeben, sind die Inhalte dieses Journals lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz. Das Copyright bleibt bei den Autor*innen.
