„Diktatur der vielen Namen“
Korpuslinguistische Untersuchung des Austrofaschismus-Begriffs und konkurrierender Bezeichnungen in österreichischen Tageszeitungen ab 2000.
DOI:
https://doi.org/10.48646/zisch.251308Schlagworte:
Austrofaschismus, Korpuslinguistik, Austrian Media Corpus, Diskursanalyse, DIMEANAbstract
In den österreichischen Medien kursieren viele Bezeichnungen für das österreichische Herrschaftssystem von 1933-1938. In diesem Beitrag werden die Ergebnisse einer korpuslinguistischen Diskursanalyse auf Grundlage des Austrian Media Corpus (AMC) präsentiert. Es wurde untersucht, welche Ausdrücke in österreichischen Tageszeitungen seit 2000 gebräuchlich sind. Dafür wird die Verwendung der Bezeichnungen Austrofaschismus, Ständestaat, autoritärer Ständestaat und Ständestaat-Diktatur, Kanzler- und Regierungsdiktatur und Dollfuß-Schuschnigg-Regime bzw. -Diktatur in vier österreichischen überregionalen Tageszeitungen analysiert. Dabei wurde der Frage nachgegangen, inwiefern sich die Verwendung bestimmter Ausdrücke mit den Werten der jeweiligen Medien in Verbindung bringen lässt. Eine begriffsgeschichtliche Einordnung gibt Aufschluss darüber, welche Ideologien hinter den unterschiedlichen Ausdrücken stecken und welche Narrative mit deren Verwendung verfolgt werden. So spiegelt z.B. der Ausdruck Ständestaat die Konzeption des Herrschaftssystems wider, verdeckt aber – im Gegensatz zum Ausdruck Austrofaschismus – dessen faschistische Züge. Der Hauptteil des Beitrags widmet sich der Untersuchung der Ausdrücke in den Tageszeitungen „Der Standard“, „Die Presse“, „Salzburger Nachrichten“ und „Wiener Zeitung“. Es wurde analysiert, welche Ausdrücke in welchen Medien vorherrschen und wie sich die Frequenz der Bezeichnungen im Laufe der Zeit verändert hat.
Die Ergebnisse zeigen, dass in allen vier Tageszeitungen der Ausdruck Ständestaat auch im 21. Jahrhundert noch am häufigsten gebraucht wird. Das lässt vermuten, dass der mediale Diskurs dem wissenschaftlichen Konsens hinterherhinkt, in dem dieser Ausdruck mittlerweile als verharmlosend angesehen wird. Als liberales, oft politisch links eingeordnetes Medium, ist der „Standard“ die einzige Zeitung, in der das Wort Austrofaschismus vergleichbar oft verwendet wird. Grundsätzlich lassen sich also Verbindungen zwischen Blattlinie und Begriffswahl herstellen. Auffällig ist, dass sich trotz der Skepsis gegenüber dem Ausdruck Austrofaschismus und der Kritik an Ständestaat keine andere Bezeichnung richtig etablieren konnte.
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