„[W]ie kranke wildgewordene Männer eben sind“:

Strategien der Nomination, Prädikation und Argumentation im Online-Diskurs zur Causa Rammstein

Autor/innen

  • Rumpler Carolin

DOI:

https://doi.org/10.48646/zisch.251309

Schlagworte:

Kritische Diskursanalyse, Diskurshistorischer Ansatz, Diskursstrategien, Online Diskurse

Abstract

Die im Juni 2023 gegen Till Lindemann erhobenen Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs (i.e. Causa Rammstein) lösten eine internationale Debatte über sexuelle Gewalt und die ihr zugrundeliegenden Geschlechterdynamiken in der Musikbranche aus. Den unmittelbaren Kontext für die öffentliche Rezeption dieser Anschuldigungen stellte die #MeToo-Bewegung dar, die eine Intensivierung der Diskurse über sexuelle Gewalt auf globaler Ebene zur Folge hatte. Die gegen Lindemann erhobenen Vorwürfe spiegeln somit nicht nur individuelle Verfehlungen wider, sondern verweisen auf die gesellschaftliche Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit Machtstrukturen, Konsens und der Glaubwürdigkeit von Betroffenen. Vor diesem Hintergrund wurden im Rahmen der Masterlehrveranstaltung Sprache.Macht.Politik: Kritische Sprachreflexion im Deutschunterricht unter der Leitung von MMag. Dr. Niku Dorostkar (Universität Wien, Institut für Germanistik) die diskursiven Strategien im Online-Diskurs zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Lindemann und die daraus resultierenden Diskurspositionen sowie Machtverhältnisse untersucht. Unter Einsatz des Diskurshistorischen Ansatzes (DHA) nach Reisigl & Wodak (2011, 2016) werden Nominations-, Prädikations- und Argumentationsstrategien in Leser:innenkommentarforen zweier ausgewählter Online- Zeitungsartikel der österreichischen Tageszeitung derStandard zu den Vorwürfen gegen Lindemann analysiert. Die Untersuchung von insgesamt 400 Kommentaren zeigt, dass bestimmte diskursive Strategien die (Re-)Produktion diskriminierender Praktiken begünstigen. Diese Strategien umfassen i. die häufigere namentliche Nennung Lindemanns im Vergleich zur generischen Benennung der Opfer, wodurch der mutmaßliche Täter diskursiv sichtbarer gemacht und die Opfer einer Entindividualisierung unterzogen werden, ii. die Betonung der vermeintlichen Naivität und Leichtsinnigkeit der Opfer in Kombination mit dem Topos der Mitschuld, sowie iii. die Pathologisierung des Charakters Lindemanns mittels stark negativ konnotierter Prädikation und dem Topos der pathologischen Abnormität, die zur Entkopplung sexualisierter Gewalt von gesellschaftlichen Strukturen beitragen. Die Ergebnisse dieser Analyse liefern nicht nur aufschlussreiche Einblicke in die Konstruktion von Opfer- und Täterrollen sowie die Legitimation bestimmter Positionen und daraus resultierender Machtasymmetrien innerhalb des Diskurses zur Causa Rammstein, sondern unterstreichen zudem die Rolle von Online-Diskursen in der (Re-)Produktion diskriminierender bzw. anti-feministischer Diskursstrategien.

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Veröffentlicht

2025-12-17