Ontologie und Semiotik fiktiver Figuren und historischer Personen
Die Eigennamen Don Juan und Casanova als Redensart
DOI:
https://doi.org/10.48646/ur.20230102/ur.20260704Abstract
Fiktionale Figuren und historische Personen unterscheiden sich offensichtlich durch ihre Ontologie. Sobald sie jedoch zu einer Redensart werden, kommt ihren Namen im allgemeinen Sprachgebrauch dieselbe Funktion zu. Die vorliegende Arbeit stellt einen Versuch dar, die Signifikate idiomatisch gewordener Eigennamen von fiktionalen Charakteren und historischen Personen ontologisch zu fassen sowie mögliche Gründe ihrer pragmatisch‐funktionalen Annäherung im Sprachgebrauch aufzuzeigen. Als exemplarischer Untersuchungsgegenstand dienen die Figur Don Juan und die Person Giacomo Casanova, die beide als fixierte Wortfolgen das Bild des Frauenhelden und Verführers aufrufen. Während der Eigenname einer historischen Person auf ein (zu Lebzeiten) existierendes Individuum in der Realität verweist, tritt bei Figuren eine fiktive Welt an die Stelle der realen. Sobald sie idiomatisch werden, rufen sowohl die Namen fiktiver Figuren als auch jene historischer Personen eine auf wenige Eigenschaften reduzierte Version ihrer komplexeren Charaktere auf, die jedoch weiterhin Anteil an der dreidimensionalen Figur hat. Sobald sich historische Personen einer literarischen oder außerliterarischen Zirkulation erfreuen, werden sie unweigerlich auch zu Figuren. Spätestens nach ihrem Tod erlangen sie zudem einen Status der Unveränderlichkeit, wie ihn fiktive Figuren besitzen. Als Voraussetzungen oder mögliche Gründe der pragmatisch‐funktionalen Annäherung historischer Personen an fiktive Figuren können folglich Zirkulation und Unveränderlichkeit gelten.
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