Re‐making the Monster
Das Re‐writing des frankensteinischen Doppelgängers in Alasdair Gray’s Poor Things
DOI:
https://doi.org/10.48646/ur.20230102/ur.202607010Abstract
Poor Things (1992) von Alasdair Gray ist ein Re‐writing von Mary Shelleys Frankenstein, in dem der Wissenschaftler Godwin Baxter einer toten Frau das Gehirn ihrer ungeborenen Tochter einpflanzt, um sich so die perfekte Gefährtin zu schaffen. Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Poor Things das Doppelgängermotiv aus Frankenstein neu interpretiert. Psychoanalytisch gedeutet lässt sich Bella als Doppelgängerin von Godwin sehen, als seine unterdrückte Sexualität und sein Todesengel. Als Doppelgängerin ihrer toten Mutter ist sie deren unheimliche Wiederkehr aus dem Verdrängten. Innerhalb der Diegese ist Bella ein diskursives Konstrukt ihres Ehemanns Archibald McCandless, der die Geschichte ihrer fantastischen Entstehung und Bildungsreise durch Europa in Romanform festhält. In der Rahmenhandlung ist sie wiederum ein Konstrukt des fiktionalisierten Autors Alasdair Gray, der wiederum Archibald McCandless’ Werk kommentiert und veröffentlicht. Schließlich ist Bella auch noch die Doppelgängerin von Archibalds Ehefrau Victoria, die möglicherweise die Vorlage für Bella war und die Geschehnisse des Romans abstreitet. Die Frage nach Bellas/Victorias wahrer Identität wird zu einer Kritik an der patriarchalen Konstruktion der monströsen weiblichen Doppelgängerin.
Letztendlich bleibt die Frage nach der Wahrheit unaufgeklärt, aber die Doppelgängerbeziehung zwischen Kreatur und Schöpfer wird über die Diegesen hinaus meta‐ und transfiktional ausgeweitet. Das Re‐writing wird zu einem Doppelgänger seiner Vorlage.
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