Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm
Die besondere Theatralität in Schillers Drama Wilhelm Tell (1804)
DOI:
https://doi.org/10.48646/ur.20250502Abstract
Friedrich Schiller beschreibt sein Drama Wilhelm Tell in einem Brief als besonders effektreich auf der Theaterbühne. Anhand etablierter Konzepte wie der ,Theatralität‘ von Rudolf Münz und den ,Szenischen Vorgängen‘ von Andreas Kotte geht der Beitrag der Frage nach, wie Schiller zu dieser Einschätzung kam. Es zeigt sich, dass Schiller den Bühnenraum in seinem Text stärker strukturiert und mit metaphorisch aufgeladenen Bühnenelementen bestückt, die dem grundlegenden „Als-ob-Prinzip“ des Theaters nach Erika Fischer-Lichte ähneln. Zudem finden auch innerhalb der Diegese ‚Szenische Vorgänge‘ statt, oft in Form von Ritualen, deren theatrale Wirkung durch eine Präsentation auf der Bühne noch verstärkt wird. Darüber hinaus entfalten chorisch intonierte Passagen innerhalb der Rituale eine Wirkung, die Schiller bereits für seine „Schaubühne als moralische Anstalt“ imaginierte. Dennoch fällt auf, dass sich das Stück kaum auf den aktuellen Spielplänen wiederfindet. Die Abwesenheit kann allerdings mit einem hohen Personal- und Materialaufwand sowie einer stark regionalen Fixierung auf die Schweiz erklärt werden.
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