Sisyphos im Kalten Krieg
Momente des Absurden in Milo Dors Salto Mortale (1960)
DOI:
https://doi.org/10.48646/ur.20250507Abstract
Milo Dors Erzählung Salto mortale (1960) beschreibt die Erfahrung eines sozialen Boykotts, die vor dem Hintergrund des Kalten Krieges als totalitäre Terrormaßnahme verstanden werden kann. Diese Ausgrenzungserfahrung lässt sich in ihren narrativen Kernelementen mit Albert Camus‘ Mythos des Sisyphos und dem dort beschriebenen Absurditätsempfinden in Verbindung bringen, während eine solche Parallellektüre auch in den realpolitischen Kontext des Kulturtransfers von Seiten der französischen Besatzungsmacht einzubetten ist. Dabei ergibt sich die Frage, auf welche Weise Salto mortale als produktive und insbesondere politische Rezeption von Camus‘ Mythos des Sisyphos aufgefasst werden kann und in welchem Verhältnis dabei die bei Dor identifizierbaren Momente des Absurden zur beschriebenen Boykotterfahrung stehen. In einer Analyse der intertextuellen Bezüge zwischen Dors Salto mortale und Camus‘ Mythos des Sisyphos zeigt sich, dass die Absurditätserfahrung in der Erzählung Dors auf den unumschränkten Zugriff eines politischen Systems auf das Leben der Einzelperson zurückzuführen sind, die im Kontext totalitärer Herrschaft innerhalb eines von Misstrauen und Verdächtigungen geprägten Machtsystems agiert.
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