Wolfgang Hilbigs »Ich« (1993) und die Sprache der Staatssicherheit
DOI:
https://doi.org/10.48646/ur.20250508Abstract
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit Wolfgang Hilbigs Roman »Ich«, dabei wird insbesondere die Sprache der Staatssicherheit ins Zentrum gestellt. Die Staatssicherheit verwendet unterschiedliche mündliche und schriftliche Strategien, um den Protagonisten zu manipulieren und zur Mitarbeit zu bewegen. Fragen, die sich aufdrängen, sind: Wie kommunizieren die Vorgesetzten mit dem Protagonisten? Wie funktionieren die Überwachungsberichte der Staatssicherheit? Und wie erzeugt die Staatssicherheit Fiktionen, die ihr helfen, Realität zu simulieren? Um diese Fragen zu beantworten, orientiert sich dieser Aufsatz streng am Primärtext und interpretiert ihn mittels historischer Quellen, Interviews und unterschiedlicher theoretischer Ansätze (z.B. Sprechakttheorie nach Ricoeur und Simulationstheorie nach Baudrillard). Die Überwachungsberichte der Staatssicherheit sowie die mündliche Kommunikation gegenüber dem Protagonisten zeigen, dass es ihr nicht darum geht, aufgrund von Fakten zu handeln oder auch nur eine objektive Aufzeichnung vorzunehmen, sondern ein Netz aus Simulationen, das ihr primär zur eigenen Expansion dient, zu errichten. Die Staatssicherheit zeigt sich nicht an der Überwachung der Realität interessiert, sondern vielmehr an der Hervorbringung der Realität.
Downloads
Veröffentlicht
Ausgabe
Rubrik
Lizenz
Copyright (c) 2025 Elias Taxacher

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung - Keine Bearbeitungen 4.0 International.
Sofern nicht anders angegeben, sind die Inhalte dieses Journals lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz. Das Copyright bleibt bei den Autor*innen.
