From the Anthropocene to the Soyacene
Writing Planetary History through a Commodity Lens
DOI:
https://doi.org/10.25365/rhy-2025-3Schlagworte:
Anthropozän, Soja, Brasilien, Mato Grosso, Entwaldung, VerunreinigungAbstract
Dieser Essay verfolgt eine zweifache Zielsetzung: Zum einen entwirft er eine Forschungsagenda für eine planetare Warengeschichte. Dabei wird argumentiert, dass eine warenzentrierte Perspektive es ermöglicht, die theoretischen Prämissen der planetaren Geschichte in historiographische Praxis zu überführen. In diesem Zusammenhang sollten Historiker*innen den planetaren Fußabdruck des mehr-als-menschlichen Akteursnetzwerks einer Ware nachzeichnen – unter Berücksichtigung der Vertiefung und Ausweitung von Warenketten sowie ihrer flexiblen Kombinationen in verschiedenen Zeiten und Räumen. Soja fungiert dabei als Leitware der Globalisierung von Landwirtschaft und Ernährung im „langen zwanzigsten Jahrhundert“. Vor diesem Hintergrund lässt sich der universalistische Begriff des Anthropozäns zu dem des Kapitalozäns oder gar des Sojazäns präzisieren. Zum anderen präsentiert der Essay eine Fallstudie planetarer Warengeschichte am Beispiel des brasilianischen Bundesstaates Mato Grosso im Anthropozän seit dem sechzehnten Jahrhundert im Allgemeinen bzw. im Sojazän seit dem späten zwanzigsten Jahrhundert im Besonderen. Dabei wird untersucht, wie sich der planetare Fußabdruck von Soja in Bezug auf Entwaldung und globale Erwärmung ausweitet und im Zusammenhang mit Herbizidbelastung und der planetaren Gesundheit vertieft. Als Soja-Hotspot offenbart Mato Grosso nicht nur die sozio-ökologischen Dynamiken von Warenfronten, sondern verdeutlicht auch die transregionale Einbindung dieser Region in nationalstaatliche und globale Marktdynamiken über hierarchische Warenketten und andere Formen asymmetrischer Verflechtungen. Nicht zuletzt liefert diese Fallstudie Belege für eine regional verankerte Periodisierung des Anthropozäns.
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