Why Soy Failed

Austria in Its Transnational Setting, 1870–1950

Autor/innen

  • Maximilian Martsch Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte, Johannes Kepler Universität Linz

DOI:

https://doi.org/10.25365/rhy-2025-4

Schlagworte:

Soja, Krise, Wandel der Landwirtschaft, Agro-Food Transition

Abstract

Dieser Beitrag untersucht, warum Soja trotz zahlreicher Versuche bis in die 1950er Jahre nicht erfolgreich in das österreichische Agrar und Ernährungssystem integriert werden konnte. Dieses Scheitern wird aufgrund des strukturell beeinträchtigten Wissenstransfers von der ‚Soja-Nische‘ in das breitere Agrarregime als bottleneck-Problem konzeptualisiert. Aus der agrarwissenschaftlichen Forschung des späten 19. Jahrhunderts hervorgegangen, entwickelte sich die Soja-Nische zu einem Experimentierraum, der von Akteursnetzwerken bestehend aus Experten, Publizisten und der allgemeinen Öffentlichkeit getragen wurde. Der bottleneck entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als Soja im Ersten Weltkrieg als potenzieller Ersatz für knappe Öle und Lebensmittel wieder ins Blickfeld rückte. Widerstreitende Positionen und mangelnde Koordination zwischen Institutionen, politischen Akteuren und Maßnahmen verhinderten jedoch eine breite Durchsetzung. Bemühungen, den Sojaanbau und die Verwendung von Soja in der Lebensmittelproduktion zu fördern, scheiterten vor allem an ideologischen Gräben sowie am Gegensatz zwischen agrarautarkistischen Politiken und marktorientierten Initiativen. Obwohl das NS Regime diesen ,Flaschenhals‘ vorübergehend ausweitete, indem es Soja in die Kriegswirtschaft eingliederte, führten die sozioökonomischen Verschiebungen der Nachkriegszeit zu einem Rückgang. Mit der wirtschaftlichen Erholung wurde Soja zunehmend als minderwertiger Ersatzstoff stigmatisiert, während Fleisch seine dominante Rolle als bevorzugte Proteinquelle zurückgewann.

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Veröffentlicht

2026-09-22