Schreibrecht und Zeitgenossenschaft

Max Frischs ‚Tagebuch 1946–1949‘ und seine Entstehung aus den Notizheften

Autor/innen

  • Ulrich Weber Schweizerisches Literaturarchiv

DOI:

https://doi.org/10.25365/wdr-01-02-04

Schlagworte:

Max Frisch, Tagebücher, Diaristik, Nachkriegszeit, Max Frisch-Archiv

Abstract

Während der Nazizeit und des Zweiten Weltkriegs hatte Max Frisch das in der Schweiz verbreitete intellektuelle Selbstverständnis des verschonten, aber „gefesselten Betrachters“ geteilt, der sich auf die Orientierung an zeitlosen humanistischen Werten zurückzog. Nach dem Kriegsende jedoch war er angesichts der nun empfundenen „Irrelevanz der Schweizer Existenz“ einem besonderen Legitimationsdruck ausgesetzt, zugleich sah er es nachgerade als seine Pflicht, im zerstörten Europa herumzureisen, zu schauen, zu fragen, zu berichten. „Jetzt ist Sehenszeit“, war Frischs Selbstapell, und „Graphomanie“ seine Selbstdiagnose.

The right to write and testifying to the contemporary. Max Frisch’s ‘Diary 1946-1949’ and its genesis from notebooks: In his contribution Ulrich Weber explains, how during the Nazi era and World War II, Max Frisch had shared the widespread intellectual attitude of the spared but “captivated observer” who retreated into orienting himself towards timeless humanistic values. After the end of the war, however, when confronted with a new sense of the “irrelevance of Swiss existence”, he felt a pronounced need to justify himself; at the same time, he practically felt it to be his duty to travel across devastated Europe, to see, to ask, to report. “Now it’s seeing time”, was Frisch’s appeal to himself, and “graphomania” his self-diagnosis.

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Veröffentlicht

2020-10-01

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