Tagebuch im Krieg

Das ‚Echolot‘ von Walter Kempowski

Autor/innen

  • Arno Dusini Universität Wien

DOI:

https://doi.org/10.25365/wdr-01-02-06

Schlagworte:

Holocaust, Zweiter Weltkrieg, Memoria, Chronistik, Tagebücher, Walter Kempowski, Das Echolot

Abstract

In Form eines „kollektiven Tagebuchs“ verhandelt Walter Kempowskis Echolot nach fünf Jahrzehnten jene katastrophalen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit noch jeder chronikalischen Ordnung entbehrten. Bei Kempowski sollten die Betroffenen resp. ihre Aufzeichnungen und Briefe ‚selbst‘ zu Wort kommen und Geschichte schreiben. Doch diese Uniformierung von Selbstzeugnissen muss aufs Kritischste hinterfragt bleiben: Es ist nur scheinbar ein ‚neutrales‘ Vorhaben, Autorschaft vordergründig aus der Hand zu geben, Texte ihres Kontextes zu entheben und gerade für die Zeit des singulären Zivilisationsbruches eine totale Dialogizität zu suggerieren. Es scheint vielmehr, als führe die Chronik im Echolot noch in der Memoria Krieg.

The Diary at War: Walter Kempowski’s ‘Echolot’: With his “collective diary” Echolot, Walter Kempowski attempted from 1993 onwards to present a unified chronicle of World War II: by giving their ‘own’ voice to those concerned, or rather their diary records, and having them write history. Arno Dusini’s contribution shows the clear limits of such an endeavour and points out the huge problems of the claim of seemingly relinquishing authorship, taking texts out of their context and suggesting a total dialogue in a time of a singular breach of civilization. As a result, it seems the chronicle in the Echolot is still waging war even in memory.

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Veröffentlicht

2020-10-01

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