Call for Abstracts/Papers

2026-06-30

Der Verein Migrationspädagogische Zweitsprachdidaktik (MPZD) gründete sich im Jahr 2016 mit dem Anliegen, machtkritische Arbeitsweisen im Feld der (Zweit-)Sprachdidaktik zu stärken. Ein zentraler Bezugspunkt war und ist dabei die von Paul Mecheril geprägte Perspektive der Migrationspädagogik, die migrationsgesellschaftliche Unterscheidungspraxen und deren Bedeutung in und für Bildungsräume fokussiert, um darauf aufbauend nach Wegen zu suchen, pädagogische Zusammenhänge weniger machtvoll zu gestalten. Mit der vorliegenden Doppelausgabe begeht der Verein ein Jahrzehnt dieser kritischen Auseinandersetzung – und blickt zugleich nach vorn.

Die Vereinszeitschrift MPZD, die seit 2022 als Open-Access-Publikation jährlich erscheint, versammelt in dieser Doppelausgabe Beiträge, die thematisch an die beiden jüngsten Jahrestagungen des Vereins anknüpfen: die 9. Jahrestagung (November 2025, Europa-Universität Flensburg) zum Verhältnis von migrationspädagogischer Zweitsprachdidaktik und Bildungspolitik sowie die 10. Jubiläumstagung (Oktober 2026, Universität Wien), die Anlass gibt, auf ein Jahrzehnt der Analyse, Reflexion und Modellierung zurückzublicken und Perspektiven für die Zukunft des Vereins und der Zeitschrift zu entwickeln. Beiträge zu (einer der) beiden Teilausgaben sind willkommen.

Teilausgabe 1 (9. Jahrestagung 2025, Flensburg)

Migrationspädagogische (Zweitsprach-)Didaktik in Zusammenarbeit mit der Bildungspolitik? – Argumente, Erfahrungen, Strategien

Um didaktische Konzepte in der Praxis zu implementieren, bedarf es zahlreicher Aktivitäten, u.a. ihrer Dissemination. Die Bildungspolitik spielt dabei eine zentrale Rolle, da das, was in Bildungsinstitutionen realisiert werden kann, zu einem großen Teil von bildungspolitischen Entscheidungen, Vorgaben, Maßnahmen und Ressourcenzuweisungen abhängig ist. Sowohl bildungspolitische Empfehlungen (etwa die KMK-Empfehlungen in Deutschland) als auch ministerielle Entscheidungen (wie die Einführung segregierter Deutschförderklassen in Österreich) gestalten sprach(en)bezogene Maßnahmen in Bildungsinstitutionen der Migrationsgesellschaft maßgeblich mit.

Die migrationspädagogische Zweitsprachdidaktik stellt sich die Aufgabe auszuarbeiten, wie Deutschlernende unter Rahmenbedingungen, die migrationspädagogisch perspektiviertes Handeln häufig strukturell erschweren, bestmöglich unterstützt werden können.

Die Teilausgabe lädt dazu ein, konkrete Erfahrungen und Beispiele für gelungene wie misslungene Kooperationsprojekte vorzustellen sowie (strategische) Überlegungen zum Transfer migrationspädagogischer Perspektiven in die zweitsprachdidaktische (Bildungs-)Praxis zu diskutieren. Ausgehend von den Anliegen des Vereins MPZD interessieren uns insbesodere folgende Fragen:

  • Bildungspolitische Rahmenbedingungen: Welche strukturellen Bedingungen ermöglichen oder erschweren die Umsetzung migrationspädagogisch fundierter (Zweitsprach-)Didaktik in Bildungsinstitutionen? Welche Rolle spielen bildungs-politische Empfehlungen, Ressourcenzuweisungen und Entscheidungen auf der Mesoebene?
  • Kooperationserfahrungen: Welche Erfahrungen liegen mit Kooperationsprojekten zwischen migrationspädagogischer Zweitsprachdidaktik und Bildungspolitik bzw. -administration vor? Was hat sich als produktiv oder hinderlich erwiesen?
  • Strategien und Perspektiven: Welche Strategien und Argumente eignen sich, um migrationspädagogische Perspektiven in bildungspolitische Prozesse einzubringen? Welche Handlungsspielräume bestehen für Lehrpersonen, Forschende und zivil-gesellschaftliche Akteur:innen?

 

Teilausgabe 2 (10. Jubiläumstagung 2026, Wien)

Was bewegt die Migrationspädagogische Zweitsprachdidaktik? Perspektiven zu einem Jahrzehnt der Analyse, Reflexion und Modellierung

Zehn Jahre nach der Vereinsgründung lädt die Jubiläumsausgabe zu einer gemeinsamen Bestandsaufnahme ein: Was hat die Migrationspädagogische Zweitsprachdidaktik in den vergangenen Jahren hervorgebracht? Welche theoretischen, methodologischen und didaktischen Zugänge haben sich etabliert, welche Leerstellen sind sichtbar geworden, und welche Fragen drängen sich für die nächste Dekade auf?

In den vergangenen zehn Jahren sind im Dreiklang von Analyse, Reflexion und Modellierung Arbeiten entstanden, die sich verschiedenen Bereichen der (Zweit-)Sprachdidaktik zugewandt haben: Das Unbehagen an der DaZ-Förderung wurde ebenso diskutiert wie Ebenen von Sprachalternation und sprachlicher Hybridisierung, intersektionale Perspektiven oder die von İnci Dirim in den deutschsprachigen Diskurs eingeführte Linguizismuskritik.

Die Jubiläumsausgabe bietet einen Raum, diese Entwicklungen zu würdigen, zu befragen und weiterzudenken:

  • Rückblick und Bestandsaufnahme: Welche thematischen Felder, (Selbst-)Positionierungen und theoretischen wie method(olog)ischen Zugänge haben die MPZD in den vergangenen zehn Jahren geprägt? Was hat sich verändert, was ist geblieben?
  • Kritische Reflexion: Wo stoßen die bisherigen Ansätze an ihre Grenzen? Welche blinden Flecken, Widersprüche oder uneingelösten Versprechen lassen sich identifizieren?
  • Modellierung und Perspektiven: Welche didaktischen, theoretischen oder methodologischen Entwicklungen zeichnen sich für die nächste Dekade ab? Welche Bündnisse, Diskurse und Praxen braucht es?

 

Zusätzliche Beiträge

Ergänzend zu Beiträgen, die an den Tagungsthemen anknüpfen, begrüßen wir ausdrücklich:

  • Einen rahmenden Beitrag zur Geschichte des Vereins und der Zeitschrift MPZD – wer Interesse hat, ist eingeladen, sich mit dem Redaktionsteam in Verbindung zu setzen.
  • Die Ausarbeitung von Beiträgen auf der Grundlage der Podiumsdiskussion der 10. Jahrestagung.
  • Beiträge von Personen, die an den Jahrestagungen 2025 oder 2026 nicht teilnehmen konnten, aber zu den Themen beider Teilausgaben arbeiten.

 

Einreichungsmodalitäten

Wir laden zur Einreichung von Beiträgen ein, die sich den oben genannten und vergleichbaren Themenstellungen widmen. Die Beiträge werden in einem Double-Blind-Peer-Review-Verfahren begutachtet.

Abstracts (max. 300 Wörter) exkl. bibliographischer Angaben können bis zum 15. September 2026 unter Angabe der gewünschten Teilausgabe (1 oder 2) eingereicht werden beim Herausgeberinnenteam der Doppelausgabe Aleksandra Brill, İnci Dirim und Nina Simon:

Aleksandra Brill: a12354205@unet.univie.ac.at

İnci Dirim: inci.dirim@univie.ac.at

Nina Simon: nina.simon@uni-leipzig.de

 

Zeitplan

Abstract-Einreichung: bis 15. September 2026

Rückmeldung zu den Abstracts: vor der 10. Jahrestagung (Oktober 2026)

Einreichung der Manuskripte: Frühjahr 2027 (genaues Datum folgt)

Begutachtung: Frühjahr/Sommer 2027

Abgabe überarbeiteter Manuskripte: Sommer 2027

Erscheinungstermin: Herbst 2027