Sei oder nicht sei? Eine Untersuchung zur Funktion des Konjunktivs bei der schriftlichen indirekten Redewiedergabe

Autor/innen

  • Isabella Kieres
  • Eric Andreas Kunz
  • Jonas Schmutzer

DOI:

https://doi.org/10.48646/zisch.261417

Abstract

Intertextuelle Bezüge in Form von indirekten Redewiedergaben sind ein zentraler Bestandteil wissenschaftlicher Texte. Dabei ist umstritten, ob der Konjunktiv und der Indikativ in der indirekten Rede dieselbe Funktion erfüllen („Differenz-“ vs. „Äquivalenzthese“). Die vorliegende Studie untersucht diese Frage mit Blick auf die Sprachverwendung von Schüler:innen. Wegleitend sind die Forschungsfragen, wie viele Schüler:innen bei der indirekten Redewiedergabe eher dazu tendieren, den Konjunktiv zu verwenden, wenn sie dem Inhalt der wiederzugebenden Aussage nicht zustimmen, sowie die Frage, inwiefern Schüler:innen einen Bedeutungsunterschied zwischen dem Indikativ und dem Konjunktiv in der indirekten Rede wahrnehmen. Zur Beantwortung dieser Fragen wurde eine empirische Erhebung in vier Gymnasialklassen durchgeführt (n = 77). Im ersten Teil sollten die Schüler:innen polarisierende Aussagen in die indirekte Rede umformen und angeben, ob sie dem Inhalt zustimmen. Die Auswertung ergab, dass nur 29 % der Schüler:innen häufiger den Konjunktiv verwendeten, wenn sie dem Inhalt nicht zustimmten. Im zweiten Teil wurde den Teilnehmenden ein Minimalpaar aus zwei indirekten Redewiedergaben vorgelegt, die sich ausschließlich im Modus unterschieden. Der Großteil der Schüler:innen erkannte hier einen Bedeutungsunterschied und erklärte diesen im Sinne der Differenzthese. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Unterscheidung zwischen rezeptivem und produktivem Sprachgebrauch in der Debatte um die Differenz- und Äquivalenzthese relevant sein könnte.

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Veröffentlicht

2026-08-25

Zitationsvorschlag

Kieres, I., Kunz, E. A., & Schmutzer, J. (2026). Sei oder nicht sei? Eine Untersuchung zur Funktion des Konjunktivs bei der schriftlichen indirekten Redewiedergabe. Zeitschrift für interdisziplinäre Schreibforschung, 14(1), 118–131. https://doi.org/10.48646/zisch.261417