Die Anerkennung der Anderen als Grundlage der Demokratie?

Eine konzeptionelle Betrachtung am Beispiel der französischen Öffentlichkeit

Autor/innen

  • Erik Bauer Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Universität Wien
  • Johanna zum Felde Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Freie Universität Berlin

DOI:

https://doi.org/10.25365/mz-2026-41-1-7

Schlagworte:

Anerkennung, Demokratie, Fragmentierung, Grand Débat, Habermas, Mouffe

Abstract

In westlichen Demokratien, darunter auch Frankreich, werden zunehmend Fragmentierungen sichtbar. Die französische Regierung reagierte auf die sogenannte Gelbwestenbewegung mit einem groß angelegten Kommunikationsinstrument, der Grand Débat National, bei der die Bürger*innen aufgefordert wurden, sich über verschiedene Kanäle zu äußern. Darauf Bezug nehmend geht dieser Beitrag der Frage nach, auf welche Weise die „Anerkennung der Anderen" eine Grundlage der Demokratie darstellt und sozialen Zusammenhalt im öffentlichen Raum fördert. Dazu werden zunächst zwei scheinbar gegensätzliche konzeptionelle Ansätze von Jürgen Habermas und Chantal Mouffe verglichen, wobei sich Anerkennung als ein gemeinsamer qualitativer Aspekt darstellt. Nach einer Bezugnahme auf Nancy Fraser werden diese Betrachtungen zur Relevanz von Anerkennung in der Öffentlichkeit schließlich auf den öffentlichen Raum in Frankreich während der französischen Grand Débat National angewendet. Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung basieren auf Hintergrundinterviews mit aktuellen und ehemaligen Mitarbeiter*innen der Regierung und von Subunternehmen, die an der Grand Débat National mitarbeiteten, sowie mit sachkundigen Außenstehenden und Medien. Die Untersuchung schließt mit der Erkenntnis, dass Kommunikation ohne Anerkennung schief läuft. Die Grand Débat National sollte die fehlende Anerkennung der Opposition übertünchen. Politisch gesehen hat dies kurzfristig funktioniert, um die Situation zu beruhigen. Längerfristig bleibt diese Anerkennung jedoch ein leeres Versprechen, ohne eine tatsächliche Möglichkeit, auf die politische Entscheidungsfindung einzuwirken.

Autor/innen-Biografien

Erik Bauer, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Universität Wien

Dr. phil., ist Kommunikationswissenschafter, freier Journalist und Vortragender. Lehrbeauftragter am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien, Lehraufträge bisher auch am Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien, an der Fachhochschule St. Pölten, sowie Gastlektor am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin. Vorstandsmitglied des Arbeitskreis für historische Kommunikationsforschung. Arbeitsschwerpunkte sind Medien- und Kommunikationstheorien, Medienpolitik, Journalismus, Multimedia, Integration und Nachhaltigkeit.

Johanna zum Felde, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Freie Universität Berlin

(M.A.) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Arbeitsstelle Internationale Kommunikation am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin. In ihrer Forschung untersucht sie den Zusammenhang von politischer Kommunikation und Demokratie in einer sich wandelnden französischen Öffentlichkeit, wobei sie qualitative sowie computergestützte sozialwissenschaftliche Methoden einsetzt. Diese Kenntnisse teilt sie auch mit Studierenden in ihrer Lehre. Die Idee für diesen Artikel ist ursprünglich im Rahmen einer Lehrkooperation der beiden Autor*innen entstanden

Downloads

Veröffentlicht

2026-05-11

Zitationsvorschlag

Bauer, E., & zum Felde, J. (2026). Die Anerkennung der Anderen als Grundlage der Demokratie? Eine konzeptionelle Betrachtung am Beispiel der französischen Öffentlichkeit. Medien & Zeit. Kommunikation in Vergangenheit Und Gegenwart, 41(1), 65–74. https://doi.org/10.25365/mz-2026-41-1-7