_ute/s/ Schreiben
DOI:
https://doi.org/10.48646/zisch.251304Abstract
Meine geschriebenen Worte wurden weggebracht. Sind im Schlund verschwunden, hinter sanft quietschenden, knallgelben beweglichen Metallplatten. Dort sind sie hindurchgerutscht, hinein in den Bauch. Wurden vermutlich einmal gelesen und liegen jetzt in Laden, Schachteln, größeren Umschlägen, Schuhkartons, Mappen, unter Staub, vielleicht gesammelt und sortiert, vielleicht willkürlich zusammengeworfen mit den Worten anderer. Ich werde sie vielleicht nie wieder lesen. Höchstwahrscheinlich sogar. Denn sie gehören nicht mehr mir. Sie haben oft auch nie mir gehört. Diese Worte waren immer für jemand anderes gedacht. Waren Botschaften, Floskeln, Banalitäten, Höflichkeiten, Plattitüden, Phrasen, Reaktionen, Berichte, Antworten – so oft waren es Antworten. Ausstehende Antworten. Und Grüße. Waren Beziehungen. Ja, die meisten meiner geschriebenen Worte waren analoge Stimmungsbarometer und Kommunikationskanäle und Beziehungen.
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