Call 1/2021: Mediale Gewalt als Problem: Darstellungen, Reflexionen und Herausforderungen

2021-02-06

Seit den 1970er Jahren sind die medienpädagogischen Diskussionen zutiefst mit Fragen nach dem Verhältnis von Medien und Gewalt verbunden. Denn schon früh stellte sich das Problem, welche Auswirkungen Gewaltdarstellungen (etwa im Fernsehen) auf die Rezipientinnen und Rezipienten und dabei vor allem auf Jugendliche haben. Auch heute noch markiert die mediale Alltäglichkeit von Gewalt – oft im Blick auf Computerspiele – eine weite Problemzone zwischen physischer, symbolischer und struktureller Gewalt: Gewalt in den Medien, Gewalt durch Medien, Gewalt mit Medien usw. Deshalb soll diese Schwerpunktausgabe aus Sicht der Medienpädagogik und verwandter Disziplinen eine (medien-)pädagogische Argumentationsbasis für die Zukunft schaffen.

Denn das Verhältnis von Medien und Gewalt hat eine problematische Erfolgsgeschichte, die mit einschlägigen Diskussionen zur Rolle von Macht, Souveränität und Herrschaft im Klassenraum verbunden ist. So hat (nicht zuletzt nach Pierre Bourdieu) die symbolische (auch als psychologische) Gewalt durchaus physische Auswirkungen und umgekehrt ist materielle Gewalt mit symbolischen Komponenten verbunden. In diesem Sinne ist auch das Bildungswesen – wie im Rahmen der Corona-Pandemie mehr als deutlich wurde – angesichts des digital divide mit gravierenden sozialen Ungleichheiten konfrontiert, die ohne Reflexion des Medialen nicht angemessen verstanden werden können.

Die Verbindung von Medien und Gewalt steht mithin immer wieder vor Augen, wenn etwa das (mediale) Inszenieren von Gewalt auf tieferliegende gesellschaftliche Verhältnisse verweist. Insofern kann (Medien-)Pädagogik die Möglichkeit einer Medienethik unterstreichen, die einen gewaltfreien Medienumgang möglich werden lässt. Medienpädagogik setzt deshalb oft auf Medienkompetenz, um mündige Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sowie einen aufgeklärten Umgang mit Medien und Gewalt im Blick zu haben. Dabei spielen immer auch Formen ritualisierter und sublimierter Gewalt eine Rolle, die in gesellschaftliche Organisationen, rechtliche Vorgaben und politische Rahmungen eingelassen sind. So verweist etwa die Geschichte der (Kinder-)Erziehung u. a. auf Disziplinierungen und gewalthaltige Formen einer „schwarzen Pädagogik“. All dies macht deutlich, dass mediale Gewalt nach wie vor ein dringliches und aktuelles Problem für die (medienpädagogische) Forschung und Praxis bedeutet. Daher wollen wir die Darstellungen, Reflexionen und Herausforderungen des Verhältnisses von Medien und Gewalt diskutieren.

Ob all der genannten thematischen Aspekte hat die Redaktion der MEDIENIMPULSE sich mithin entschlossen, dem Thema Mediale Gewalt als Problem eine eigene Schwerpunktausgabe zu widmen. Wir stellen als erste Anregung folgende Fragen in den Raum:

  • Wie genau unterscheiden sich (vor allem im Klassenraum und anderen didaktischen Kontexten) physische, symbolische und strukturelle Gewalt aus medienpädagogischer Sicht?

  • Welche Verschiebung und Veränderung des Verhältnisses von Medien und Gewalt – als auch der damit verbundenen Akteurinnen und Akteure innerhalb des medialen, politischen usw. Systems – sind beobachtbar und auch beschreibbar?

  • Wo verlaufen die Grenzen zwischen realer und fiktionaler Gewalt, insbesondere unter Berücksichtigung von Medien wie dem Computerspiel?

  • Was bedeutet das Verhältnis von Medien und Gewalt auf theoretischer wie auch praktischer Ebene für aktuelle Debatten, die von der „Freiheit zur Kunst“ bis hin zu sogenannten „Mikroaggressionen“ reichen?

  • Wie hat sich der Umgang mit Gewaltdarstellungen in den Medien – parallel zur Medienentwicklung von Radio über Fernsehen bis zum Computer – innerhalb der letzten Jahre und Jahrzehnte verändert?

  • Welche medienpädagogischen Modelle können uns bei der Verhandlung gewaltspezifischer Themen im Unterricht nützlich sein? Welche Möglichkeiten und Herausforderungen stellen sich bei einer reflexiven Sensibilisierung für ein entsprechend medienkompetentes Verhalten?

  • Welches Verständnis von Gemeinschaft, Gesellschaft oder auch Recht bzw. Gerechtigkeit benötigt die Medienpädagogik insbesondere in Zeiten von Terror, Pandemie und ideologischer Extreme?

  • Auf welche Weise kann hier auch in diesem Bereich der Auseinandersetzung mit Medien und Gewalt, insbesondere auch für die Unterrichtspraxis, eine kritische und kontextualisierende Auswahl probater Quellen und Beispiele erfolgen?

Diese und weiterführende Fragen stellen die Herausgeber zur Diskussion und laden daher zur Einreichung von Beiträgen ein, die sich auf theoretischer oder praktischer Ebene dem für die Medienpädagogik hochgradig relevanten, vielfältigen Themenfeld der Gewalt widmen.

Die Herausgeberinnen und Herausgeber dieser Schwerpunktausgabe sind:

Alessandro Barberi, Universität Wien
(alessandro.barberi@medienimpulse.at)

Thomas Ballhausen
(thomas.ballhausen@medienimpulse.at)

Stefan Iske
(stefan.iske@ovgu.de)

Johanna Lenhart
(johanna.lenhart@medienimpulse.at)

Christian Swertz
(christian.swertz@medienimpulse.at)

Einreichung der Artikel

Bitte reichen Sie Ihre Beiträge auf unserer Homepage über das Redaktionssystem unter folgendem Link ein:

https://journals.univie.ac.at/index.php/mp/about/submissions

Umfang der Beiträge im Bereich Schwerpunkt: 20.000–45.000 Zeichen. Falls Ihr Beitrag ein Peer Review-Verfahren durchlaufen soll, reichen Sie ihn bitte bis zum 15. Februar 2021 ein. Beiträge ohne Peer-Review-Verfahren können bis zum 25. Februar 2021 eingereicht werden.

Neben der thematischen Schwerpunktsetzung können Beiträge für alle Ressorts der MEDIENIMPULSE eingereicht werden. Beiträge, die ein Peer Review-Verfahren durchlaufen haben, werden durch einen eigenen Vermerk kenntlich gemacht.

Wir freuen uns auf Ihre Einreichungen und stehen selbstverständlich gerne für eventuelle Rückfragen zur Verfügung!

 

Redaktionsschluss:        25. Februar 2021

Erscheinungsdatum:     21. März 2021