Call 1/2022: Medien in der Jugendarbeit

2021-10-28

In der Folge der Studentinnen- und Studentenrevolte des Jahres 1968 hat sich seit den 1970er-Jahren im sozialwissenschaftlichen Umfeld der sich konstituierenden Medienpädagogik eine breite Erforschung von Jugendkulturen ergeben, die vom Rock ’n’ Roll bis hin zum Hip-Hop auf ihr Verhältnis zu Medien hin befragt wurden. So hat etwa Dieter Baacke bereits 1971 einen Artikel zu „Beatkultur – Jugendkultur – Popkultur“ verfasst, der auch als Beispiel für das medienpädagogische Interesse an randständigen Kulturen begriffen werden kann. Bis heute stehen deshalb Fragen nach den Spezifika von „Jugendkultur“ im Raum, wenn es um die pädagogische Rolle und Funktion von Sprach-, Schrift- und digitalen Medien geht: Von den jugendlichen Idiomen über die Lyrics von Popsongs bis hin zu Computerspielen werden Medien mithin als Teil von Jugend und Jugendarbeit beschreibbar und machen medienpädagogische Modelle zu ihrer praktischen Verwendung notwendig.

Dabei wurde auch mehr als deutlich, dass „Jugend“ eine Lebenszeit umfasst, die eng mit medialen Praktiken verbunden ist, die Erwachsene oft nicht wertschätzen. Dieser Umstand war und ist zutiefst mit den Diskussionen zur Bewahrpädagogik verbunden. Es handelt sich dabei also nicht um eine ganz neue Tendenz, und es scheint eine zu sein, die gekommen ist, um zu bleiben. Zwar gibt es gewisse Auflösungserscheinungen, denn Jugendliche verweigern zunehmend die Transition in das Erwachsenenalter und bleiben bei jugendlichen Rezeptions- und Produktionsmustern im Umgang mit Medien. Im Großen und Ganzen ist aber die jeweilige soziokulturelle Nutzung von Medien durch Jugendliche zur Abgrenzung der Jugendzeit eine stabile kulturelle Errungenschaft, die sozialwissenschaftlich auch angemessen erfasst werden sollte.

Medienarbeit mit Jugendlichen war daher lange das medienpädagogische Praxisfeld. In den letzten Jahren ist zwar die Diskussion zur Medienkompetenzvermittlung der Schule etwas intensiver geworden. Da über Empfehlungen hinausgehende verbindliche Einrichtungen wie etwa ein Unterrichtsfach Medienkunde aber nach wie vor selten sind, ist die Medienarbeit mit Jugendlichen in Institutionen, für die Jugendarbeit im Mittelpunkt steht, nach wie vor das medienpädagogische Praxisfeld schlechthin. Dabei steht im Blick auf die konkreten Unterrichtssituationen klar die handlungsorientierte Medienkompetenzvermittlung im Umfeld von Jugendkultur und Jugendarbeit im Mittelpunkt, weil unsere medienpädagogischen Räume schlussendlich aus interaktiven Praktiken bestehen.

Darüber hinaus ist durch aktuelle soziale und mediale Entwicklungen die Medienarbeit mit Jugendlichen zum Zwecke der Medienkompetenzvermittlung wichtiger geworden. Digitale Medien – u. a. Mobiltelefone, Rechner, Computerspiele und Social Media – werden zunehmend zur Kommunikation mit Jugendlichen auch für Bereiche wie die soziale Arbeit verwendet. In diesem Sinne wird die breite medienpädagogische Diskussion zur kommunikativen Kompetenz gerade angesichts des Verhältnisses von Medien und Jugendarbeit buchstäblich zu einer Debatte über Medienbildung und Medienkompetenz, weshalb auch die Mediendidaktik der Jugendarbeit zu einem wichtigen Thema geworden ist.

Für die Ausgabe 01/2022 der MEDIENIMPULSE freuen wir uns über Einreichungen, die zum Thema „Medien in der Jugendarbeit“ etwa folgende Fragen thematisieren:

  • Welche Jugendkulturen sind angesichts der aktuellen gesellschaftlichen und medienspezifischen Transformationsprozesse von Bedeutung?
  • Wie lassen sich „Jugend“ und „Jugendkulturen“ angesichts von Medien in der Jugendarbeit von anderen Lebensabschnitten und Kulturen abgrenzen?
  • Ist nach dem Verschwinden der Kindheit nun auch die Jugend vom Aussterben bedroht?
  • Welche Theorien und Studien zur Onlinejugendarbeit gibt es?
  • Wird Jugendarbeit durch Onlinemarketing, Onlineöffentlichkeitsarbeit und Onlinekundinnen- und -kundenbindung implizit kommerzialisiert?
  • Wie kann Jugendlichen die Organisation politischer Aktions-, Informations- oder Imagekampagnen vermittelt werden?
  • Welche politischen Rahmenbedingungen müssen für die produktive Arbeit mit digitalen Medien gesetzt werden?
  • Welche Rolle spielen Medien in der Jugendarbeit, wenn Mitbestimmung und Demokratie zur Debatte stehen?
  • Welche (medienpädagogischen) Richtlinien und Empfehlungen zur Verwendung digitaler Medien in der Jugendarbeit gibt es?
  • Welche medienpädagogischen Methoden für die handlungsorientierte Onlinemedienarbeit sind aktuell relevant?
  • Helfen Praktiken der Figurentwicklung bei der Konstruktion von Onlineidentitäten?
  • Sollten Jugendzentren Influencertrainings anbieten?

Die Herausgeberinnen und Herausgeber dieser Schwerpunktausgabe sind:

Alessandro Barberi, OVGU Magdeburg / Universität Wien
(alessandro.barberi@medienimpulse.at)

Christian Swertz, Universität Wien
(Christian.swertz@univie.ac.at)

Einreichung der Artikel

Bitte reichen Sie Ihre Beiträge auf unserer Homepage über das Redaktionssystem unter folgendem Link ein:

https://journals.univie.ac.at/index.php/mp/about/submissions

Umfang der Beiträge im Bereich Schwerpunkt: 20.000–45.000 Zeichen. Falls Ihr Beitrag ein Peer Review-Verfahren durchlaufen soll, reichen Sie ihn bitte bis zum 15. Februar 2022 ein. Beiträge ohne Peer-Review-Verfahren können bis zum 25. Februar 2022 eingereicht werden.

Neben der thematischen Schwerpunktsetzung können Beiträge für alle Ressorts der MEDIENIMPULSE eingereicht werden. Beiträge, die ein Peer Review-Verfahren durchlaufen haben, werden durch einen eigenen Vermerk kenntlich gemacht.

Wir freuen uns auf Ihre Einreichungen und stehen selbstverständlich gerne für eventuelle Rückfragen zur Verfügung!

  • Redaktionsschluss           15. Februar 2022
  • Erscheinungsdatum:       21. März 2022