Call 2/2022: Ästhetisch-künstlerische Auseinandersetzungen mit digitalen Medien im Schulunterricht

2022-01-27

Call MI 02/2022

Ästhetisch-künstlerische Auseinandersetzungen mit digitalen Medien im Schulunterricht

Hg. von Jan Torge Claussen, Nicola Przybylka, Alessandro Barberi und Petra Missomelius

Mit den coronabedingten Schließungen der Schulen und Universitäten hat der Bedarf an digitalen Lehr- und Lernangeboten für den Unterricht erneut bildungspolitische und gesellschaftliche Relevanz erreicht. In Diskussionen über Digitalisierungsstrategien in der Fortbildungskultur der (Hoch-)Schulen und über die Stärkung medienpädagogischer Kompetenzen von Lehrenden, Studierenden sowie Schülerinnen und Schülern scheinen medienkulturwissenschaftliche Zugänge jedoch noch wenig präsent (Bohnenkamp et al. 2020, Hagener/Hediger 2015, Gesellschaft für Medienwissenschaft 2016).

Angestoßen durch einen prekär gewordenen Präsenzunterricht widmete sich das Symposium der AG Medienkultur und Bildung der Gesellschaft für Medienwissenschaft im Juni 2021 der ästhetisch-künstlerischen und damit körperlich, sinnlich bzw. affektiv erfahrbaren Ebene des Lehrens und Lernens. Das Symposium sollte dabei als Angebot zur interdisziplinären Vernetzung zwischen Medienwissenschaft, Medienpädagogik und den Fachwissenschaften/-didaktiken verstanden werden.

Mit dem aus dem Symposium entstandenen Schwerpunkt der Ausgabe 02/2022 der MEDIENIMPULSE sollen Lehrformen in den Blick genommen werden, die durch digitale Medien wie beispielsweise Games, E-Portfolios, Videos, Webplattformen, AR- und VR-Anwendungen oder Apps unterstützt, erweitert, verändert oder womöglich ersetzt werden. Dabei fokussieren wir uns insbesondere auf die ästhetischen Dimensionen von Medien. Von Interesse sind die ästhetischen Einschreibungen in die spezifischen Materialitäten und Funktionsweisen der Medien einerseits, sowie die medialen Bedingungen ästhetischer Ausdrucksformen und Wahrnehmungen andererseits (Jörissen/Kröner/Unterberg 2019, Hug/Koh/Missomelius 2016). Medien sollen dabei nicht als neutrale Lehr- und Lernwerkzeuge, sondern als aktiv am Lehr- und Lernprozess beteiligte Akteurinnen und Akteure perspektiviert werden, die sich in die unterschiedlichen Vermittlungskulturen einschreiben (AG Medienkultur und Bildung 2013). Die einzureichenden Beiträge können unter anderem die folgenden Fragestellungen adressieren:

  • Wie können körperliche Ausdrucksformen und ästhetische Erfahrungen in digitale Formate überführt werden?

  • Welche Potenziale oder Herausforderungen lassen sich beim unterrichtlichen Einsatz von digitalen Medien im Hinblick auf ästhetische Praxis (Elberfeld/Krankenhagen 2017) ausmachen? Inwiefern sind dabei Fachperspektiven und unterrichtsspezifische Rollenzuschreibungen zu berücksichtigen?

  • Welche Formen der Bewertung von Leistung, Kompetenz und/oder Wissen werden durch digitale Medien etabliert oder in digitale Bildungsangebote eingeschrieben und inwiefern werden dabei inklusive Prozesse oder künstlerische Artikulationen mitgedacht (Claussen 2021)?

  • Werden im Rahmen der medialen Spezifikationen und Interfacegestaltungen von digitalen Bildungsangeboten bestimmte Körper idealisiert? Inwiefern findet eine Reflexion darüber statt, auf welche Körper- und Medienpraktiken und auf welche Körper die Applikationen rekurrieren und welche diese hervorbringen (Orland 2005, Margreiter 2016)?

  • Wie kann über ästhetisch-künstlerische/partizipative Umgangsformen ein medienkritischer Zugang zu digitalen Medien im Unterricht geübt werden (Niesyto 2012/2013, Wiesche/Lipinski 2020)?

Literatur

AG Medienkultur und Bildung (2013): „Medienkultur und Bildung“ Positionspapier der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM), online unter: https://gfmedienwissenschaft.de/gesellschaft/ags/medienkultur-und-bildung (letzter Zugriff: 25.01.2022).

Claussen, Jan Torge (2021): Musik als Videospiel. Guitar Games in der digitalen Musikvermittlung, Hildesheim: Olms, online unter: https://dx.doi.org/10.18442/167 (letzter Zugriff: 25.01.2022).

Elberfeld, Rolf/Krankenhagen, Stefan (Hg.) (2017): Ästhetische Praxis als Gegenstand und Methode kulturwissenschaftlicher Forschung, Paderborn: Wilhelm Fink Verlag, online unter: https://doi.org/10.30965/9783846761564 (letzter Zugriff: 25.01.2022).

Gesellschaft für Medienwissenschaft/AG Medienkultur und Bildung (2016): Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft ,Medienkultur und Bildung‘ der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) zum Entwurf der Strategie der Kultusministerkonferenz „Bildung in der digitalen Welt“ (Version 1.0 vom 27.04.2016), 1–5.

Hagener, Malte/Hediger, Vinzenz (Hg.) (2015): Medienkultur und Bildung: Ästhetische Erziehung im Zeitalter digitaler Netzwerke, Frankfurt/New York: Campus.

Hug, Theo/Kohn, Tanja/Missomelius, Petra (Hg.) (2016): Medien – Wissen – Bildung. Medienbildung wozu? Innsbruck: Innsbruck University Press, 9–14, online unter: DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/1303 (letzter Zugriff: 25.01.2022).

Jörissen, Benjamin/Kröner, Stephan/Unterberg, Lisa (Hg.) (2019): Forschung zur Digitalisierung in der Kulturellen Bildung, München: kopaed.

Margreiter, Reinhard (2016): Zwischen Goldenem Zeitalter und Apokalypse. Zur Dialektik medientheoretischer Körperdiskurse, in: Beinsteiner, Andreas/Kohn, Tanja (Hg.): Körperphantasien. Technisierung – Optimierung – Transhumanismus, Innsbruck: Innsbruck University Press, 19–39.

Niesyto, Horst (2012/2013): Medienkritik und pädagogisches Handeln, in: Kulturelle Bildung Online, online unter: https://www.kubi-online.de/artikel/medienkritik-paedagogisches-handeln (letzter Zugriff: 25.01.2022).

Orland, Barbara (2005): Wo hören Körper auf und fängt Technik an? Historische Anmerkungen zu posthumanistischen Problemen, in: Ebd.: Artifizielle Körper – Lebendige Technik. Technische Modellierungen des Körpers in historischer Perspektive. Reihe Interferenzen – Studien zur Kulturgeschichte der Technik Band 8, Zürich: Chronos, 9–42.

Wiesche, David/Lipinski, Kim (2020): Bewegung in, durch und mit Virtueller Realität. Forschend lernen in der Sportpädagogik, in: Mertens Claudia/Basten, Melanie/Schöning, Anke/Wolf, Eike (Hg.): Forschendes Lernen in der Lehrer/innenbildung. Implikationen für Wissenschaft und Praxis, Münster: Waxmann, 63–70.

Bohnenkamp, Björn/Burkhardt, Marcus/Grashöfer, Katja/Hlukhovych, Adrianna/Krewani, Angela/Matzner, Tobias/Missomelius, Petra/Raczkowski, Felix/Shnayien, Mary/Weich, Andreas/Wippich, Uwe (2020): Online-Lehre 2020 – Eine medienwissenschaftliche Perspektive. Diskussionspapier Nr. 10. Berlin: Hochschulforum Digitalisierung, online unter: DOI: 10.5281/zenodo.4058609 (letzter Zugriff: 25.01.2022).

Die Herausgeberinnen und Herausgeber dieser Schwerpunktausgabe sind:

Jan Torge Claussen, Leuphana Universität Lüneburg
(jan.claussen@leuphana.de)

Nicola Przybylka, Ruhr-Universität Bochum (RUB)
(Nicola.Przybylka@ruhr-uni-bochum.de)

Alessandro Barberi, OVGU Magdeburg / Universität Wien
(alessandro.barberi@medienimpulse.at)

Petra Missomelius, Universität Innsbruck
(petra.missomelius@uibk.ac.at)

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  • Redaktionsschluss:            15. Mai 2022
  • Erscheinungsdatum:         21. Juni 2022