Suizidbezogene Postings auf TikTok

Der Zusammenhang von algorithmischer Sichtbarkeit und Kommunikationspraktiken

Autor/innen

  • Marla Bader Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft, Universität Augsburg
  • Sidney Grunenberg Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft, Universität Augsburg

DOI:

https://doi.org/10.25365/mz-2026-41-1-5

Schlagworte:

Gesundheitskommunikation, Suizidkommunikation, TikTok, algorithmische Verbreitung, Community Building, Kommunikationspraktiken, Engagement

Abstract

Digitale Netzwerkplattformen dienen als Kommunikations- und Interaktionsräume für Gesundheits- und Krankheitsthemen, einschließlich suizidbezogener Inhalte, in denen individuelle Erfahrungsdarstellungen, gemeinschaftliche Aushandlungsprozesse und algorithmische Selektionsmechanismen eng miteinander verknüpft sind. Dieser Beitrag untersucht den Zusammenhang zwischen algorithmischer Sichtbarkeit, Engagement-Raten und kommunikativen Praktiken suizidbezogener TikTok-Postings. Methodisch kombiniert der Artikel eine qualitative Inhaltsanalyse von Postings und Kommentaren mit einer „Social-Media-Ethnografie“ zur Rekonstruktion algorithmischer Ausspielungslogiken. Die Ergebnisse zeigen, dass der TikTok-Algorithmus insbesondere emotional aufgeladene, narrative und authentische Lai*inneninhalte bevorzugt, während professionell eingeordnete Expert*innenbeiträge unterrepräsentiert bleiben. Diese Verstärkung emotionaler Inhalte begünstigt Prozesse des Community Buildings, die sich in Erfahrungs- und Unterstützungsaustausch, solidarischen Kommentaren sowie plattformcharakteristischen Praktiken manifestieren. Musik, Text-Overlays, Emojis und thematische Hashtags dienen sowohl der emotionalen Rahmung als auch der Steigerung algorithmischer Reichweite. Die Analyse verdeutlicht, dass algorithmische Sichtbarkeit durch Nutzer*innen mitproduziert wird. TikTok bietet einerseits Chancen für Entstigmatisierung, Unterstützung und präventive Effekte, andererseits steigert die Priorisierung hoch emotionaler, fachlich ungefilterter Inhalte das Risiko von übermäßiger Konfrontation und Nachahmungseffekten. Der Artikel bietet einen qualitativen Zugang zu suizidbezogener Kommunikation und grundlegenden algorithmischen Plattformlogiken auf TikTok. Damit stellt er einen Beitrag für die digitale Gesundheitskommunikation und für Forschungen zu mentalen und psychischen Belastungen im Netz dar.

 

Autor/innen-Biografien

Marla Bader , Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft, Universität Augsburg

B. A., ist Masterstudentin der Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Augsburg. Aufbauend auf ihrer Bachelorarbeit zur algorithmischen Verbreitung von Expert*innen- und Lai*inneninhalten zum Thema Suizid auf TikTok und zum Einfluss des Nutzer*innenverhaltens entwickelt sie eine Publikation, die diese Dynamiken mit den kommunikativen Praktiken verschiedener Arten suizidbezogener Posts verknüpfen. Im Masterstudium liegt ihr Schwerpunkt auf Gesundheits-, Umwelt- und Wissenschaftskommunikation.

Sidney Grunenberg, Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft, Universität Augsburg

B.A., studiert im Master Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Augsburg. In ihrer Bachelorarbeit beschäftigte sie sich mit digitalen Netzwerkplattformen. An dieses Forschungsinteresse knüpft sie im Masterstudium an, in dem sie den Major Gesundheitskommunikation gewählt hat. Ihr Schwerpunkt liegt auf Gesundheitskommunikation mit besonderem Fokus auf Mental Health und digitalen Unterstützungspraktiken.

Downloads

Veröffentlicht

2026-05-11

Zitationsvorschlag

Bader , M., & Grunenberg, S. (2026). Suizidbezogene Postings auf TikTok: Der Zusammenhang von algorithmischer Sichtbarkeit und Kommunikationspraktiken. Medien & Zeit. Kommunikation in Vergangenheit Und Gegenwart, 41(1), 42–52. https://doi.org/10.25365/mz-2026-41-1-5

Ausgabe

Rubrik

Research Corner

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