Enorme Fallhöhe oder eh schon immer gewusst?
Die Verhandlung der Causa BUWOG und Karl-Heinz Grasser in digitalen Öffentlichkeiten
DOI:
https://doi.org/10.25365/mz-2026-42-1-5Schlagworte:
Politische Skandale, Digitale Öffentlichkeiten, Journalistische Erinnerung, BUWOG‑Affäre, Karl-Heinz GrasserAbstract
Der Beitrag untersucht, wie österreichische politische Journalist*innen den BUWOG‑Skandal und die Person Karl‑Heinz Grasser im Moment des finalen Urteilsspruchs im März 2025 in den digitalen Öffentlichkeiten von ???? und Bluesky erinnern und einordnen. Ausgangspunkt ist die Frage, wie sich journalistische Praxis in einem langjährigen, stark moralisch aufgeladenen politischen Skandal unter digitalen Bedingungen gestaltet. Die qualitative Inhaltsanalyse von 141 Posts und Reposts von 28 Politikjournalist*innen zeigt, dass digitale Plattformen primär als Arenen professioneller Selbstpositionierung genutzt werden. Journalist*innen erinnern selektiv, aktivieren etablierte Deutungsmuster und verweisen häufig auf eigene oder kollektive redaktionelle Leistungen. Während faktenorientierte Informationen und verdichtete historische Hinweise situativ bereitgestellt werden, dominieren Hinweise auf journalistischen Content und normative Kurzkommentare zu Rechtsstaatlichkeit, Prozessführung und moralischer Verantwortung. Persönliche Bewertungen erscheinen eingebettet in professionelle Rollenperformanz, insbesondere bei reichweitenstarken Akteur*innen. Das digitale Erinnern bleibt damit in hohem Maße feldlogisch gerahmt und reproduziert die elitär strukturierte Binnenöffentlichkeit des österreichischen Politikjournalismus. Die Studie zeigt, dass digitale Plattformen im Kontext politischer Skandale weniger Orte breiter öffentlicher Aushandlung sind als vielmehr Räume der Aktualisierung journalistischer Deutungshoheit und symbolischen Kapitals.
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