Enorme Fallhöhe oder eh schon immer gewusst?

Die Verhandlung der Causa BUWOG und Karl-Heinz Grasser in digitalen Öffentlichkeiten

Autor/innen

  • Gabriele Falböck University of Applied Sciences, St. Pölten; Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Universität Wien
  • Christina Krakovsky Institute for Comparative Media and Communication Studies, Österreichische Akademie der Wissenschaften & Universität Klagenfurt

DOI:

https://doi.org/10.25365/mz-2026-42-1-5

Schlagworte:

Politische Skandale, Digitale Öffentlichkeiten, Journalistische Erinnerung, BUWOG‑Affäre, Karl-Heinz Grasser

Abstract

Der Beitrag untersucht, wie österreichische politische Journalist*innen den BUWOG‑Skandal und die Person Karl‑Heinz Grasser im Moment des finalen Urteilsspruchs im März 2025 in den digitalen Öffentlichkeiten von ???? und Bluesky erinnern und einordnen. Ausgangspunkt ist die Frage, wie sich journalistische Praxis in einem langjährigen, stark moralisch aufgeladenen politischen Skandal unter digitalen Bedingungen gestaltet. Die qualitative Inhaltsanalyse von 141 Posts und Reposts von 28 Politikjournalist*innen zeigt, dass digitale Plattformen primär als Arenen professioneller Selbstpositionierung genutzt werden. Journalist*innen erinnern selektiv, aktivieren etablierte Deutungsmuster und verweisen häufig auf eigene oder kollektive redaktionelle Leistungen. Während faktenorientierte Informationen und verdichtete historische Hinweise situativ bereitgestellt werden, dominieren Hinweise auf journalistischen Content und normative Kurzkommentare zu Rechtsstaatlichkeit, Prozessführung und moralischer Verantwortung. Persönliche Bewertungen erscheinen eingebettet in professionelle Rollenperformanz, insbesondere bei reichweitenstarken Akteur*innen. Das digitale Erinnern bleibt damit in hohem Maße feldlogisch gerahmt und reproduziert die elitär strukturierte Binnenöffentlichkeit des österreichischen Politikjournalismus. Die Studie zeigt, dass digitale Plattformen im Kontext politischer Skandale weniger Orte breiter öffentlicher Aushandlung sind als vielmehr Räume der Aktualisierung journalistischer Deutungshoheit und symbolischen Kapitals.

Autor/innen-Biografien

Gabriele Falböck, University of Applied Sciences, St. Pölten; Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Universität Wien

Dr.in, ist Dozentin an der University of Applied Sciences (St. Pölten) und Lektorin am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien. Sie arbeitet im Bereich Kinder/ Jugend und Medien, zum Thema Exil/Migration und Exil- bzw. Ethnomedien, zu Diversity im Journalismus sowie zur zeitgenössischen Kommunikationsgeschichte. 2023–2024 arbeitete sie im Projekt „Influencer:innen in Österreich zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung“ an der USTP St. Pölten.

Christina Krakovsky, Institute for Comparative Media and Communication Studies, Österreichische Akademie der Wissenschaften & Universität Klagenfurt

Mag.a, forscht im Bereich Journalismus, mit Schwerpunkt auf Gender, Intersektionalität und zeitgenössischer Kommunikationsgeschichte. Seit 2019 ist sie am Institute for Comparative Media and Communication Studies (Österreichische Akademie der Wissenschaften & Universität Klagenfurt) in der Arbeitsgruppe „Media Accountability & Media Change“ tätig und seit 2023 Projektmitarbeiterin im EU-Horizon-2020-Forschungsprojekt DIACOMET („Fostering capacity building for civic resilience and participation: Dialogic communication ethics and accountability“). Von 2023 bis 2024 leitete sie das Projekt „Partizipativer Journalismus aus Wien: Geschlechtergerechtigkeit und Demokratie“ (MA7, Stadt Wien) und trug 2023 zur Entwicklung des Forschungsschwerpunkts „Gendered and intersectional perspectives on media change“ am CMC bei. Sie promoviert am Institut für Medienund Kommunikationswissenschaft der Universität Klagenfurt zum Thema „Skandalisierte Kunst. Werte- und Normdebatten in österreichischen Massenmedien von 1968 bis 1988“.

https://orcid.org/0009-0002-0914-1881

Downloads

Veröffentlicht

2026-09-14

Zitationsvorschlag

Falböck, G., & Krakovsky, C. (2026). Enorme Fallhöhe oder eh schon immer gewusst? : Die Verhandlung der Causa BUWOG und Karl-Heinz Grasser in digitalen Öffentlichkeiten. Medien & Zeit. Kommunikation in Vergangenheit Und Gegenwart, 41(2), 33–47. https://doi.org/10.25365/mz-2026-42-1-5

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