Die OeZG als Inkubationsraum der New Diplomatic History
Falko Schnicke
Diplomatiegeschichte war in der OeZG lange kein Thema. Außenpolitik, internationale Beziehungen oder diplomatische Praktiken kamen, bevor das Heft New Diplomatic History (NDH) (35/2/2024) erschien, nur vereinzelt vor. Gerade das weitgehende Fehlen explizit diplomatiehistorischer Themen verweist auf eine historiographisch aufschlussreiche Konstellation, denn die Zeitschrift gehörte seit den 1990er Jahren zu jenen Orten, an denen methodische und theoretische Perspektiven diskutiert wurden, aus denen sich die New Diplomatic History später speisen sollte. Die klassische Diplomatiegeschichte blieb lange stark staats-, ereignis- und entscheidungszentriert und passte damit nur bedingt zum Profil der OeZG, die sich früh zu einem Ort kultur-, wissens- und praxishistorischer Öffnungen entwickelt hatte. Fragen nach Diskursen, Körpern, Räumen, Wissen, Medien, Praktiken oder transnationalen Verflechtungen standen dabei im Zentrum. Gerade deshalb war die OeZG seit langem anschlussfähig für die New Diplomatic History. Die Pointe liegt also darin: Nicht die OeZG musste sich der Diplomatiegeschichte annähern; vielmehr veränderte sich die Diplomatiegeschichte so grundlegend, dass sie für eine Zeitschrift wie die OeZG anschlussfähig wurde.
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