Leiblichkeit als medienanthropologische Frage

Über verborgene Menschenbilder in der Medienbildung und die Dringlichkeit ihrer Explikation

Autor/innen

DOI:

https://doi.org/10.21243/mi-02-26-17

Schlagworte:

Medienanthropologie, Leiblichkeit, Medienmündigkeit, Simulakrum, Medienbildung, virtueller Realismus

Abstract

Der Beitrag nimmt Kants vierte Frage („Was ist der Mensch?“) zum Ausgangspunkt einer medienanthropologischen Reflexion. Er argumentiert, dass die dominierenden Konzepte der Medienbildung von impliziten Menschenbildern durchzogen sind, die selten expliziert, geschweige denn kritisch befragt werden. Methodisch verfährt der Beitrag begriffsanalytisch und theorievergleichend: Er rekonstruiert einen in reformpädagogischen Kontexten entwickelten Ansatz, der zwischen direkter und indirekter Medienpädagogik unterscheidet und das Ziel der Medienmündigkeit verfolgt, und konfrontiert dessen anthropologische Grundannahme mit zwei konkurrierenden philosophischen Positionen: Jean Baudrillards Theorie des Simulakrums und David Chalmers' virtuellem Realismus. Das Besondere des reformpädagogischen Ansatzes liegt in seiner anthropologischen Grundausrichtung: Der Mensch wird als leibliches Wesen gefasst, dessen Entwicklung eine Eigenzeit besitzt. Dieses Leiblichkeitsargument, so die zentrale These, verdient medienanthropologische Aufmerksamkeit auch jenseits seines ursprünglichen Begründungskontextes und in Auseinandersetzung mit konkurrierenden Positionen. Im Horizont algorithmischer Medienumgebungen, die affektive Dispositionen und Selbstverhältnisse mitformen, bevor ein Subjekt sich seiner eigenen Positionierung bewusst werden kann, erweist sich die Leiblichkeitsfrage als pädagogisch virulente Gegenwartsfrage.

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Veröffentlicht

21.06.2026

Zitationsvorschlag

Damberger, T. (2026). Leiblichkeit als medienanthropologische Frage: Über verborgene Menschenbilder in der Medienbildung und die Dringlichkeit ihrer Explikation. Medienimpulse, 64(2), 28 Seiten. https://doi.org/10.21243/mi-02-26-17

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