Wo Digitalisierung analog wird
Dirk Baeckers systemtheoretischer Blick auf lernende Daten, fremde Intelligenz und Medienbildung
DOI:
https://doi.org/10.21243/mi-26-03-12Schlagworte:
Digitalisierung, Systemtheorie (Luhmann), Medienbildung, Lernende Daten, Fremde Intelligenz, Vier-Systemreferenzen-Architektur, Nächste Gesellschaft, Datafizierung, Digitaler Kapitalismus, Algorithmische MündigkeitAbstract
Besprochen wird Dirk Baeckers Essay Digitalisierung (Suhrkamp 2026), der Digitalisierung systemtheoretisch als analoges Phänomen bestimmt: als störanfällige Vermittlung, die „mithilfe der Gesellschaft gegen die Gesellschaft“ gelingt. Baecker entfaltet sein Argument entlang von vier Systemreferenzen – Technik, Organismus, Bewusstsein, Gesellschaft –, deren flüchtige Synchronisation er über Begriffe lernender Daten, der Kontingenz und einer „fremden Intelligenz“ der Maschinen fasst. Die Rezension würdigt die konzeptuelle Verschiebung gegenüber datafizierungszentrierten Diagnosen, die Pluralisierung des Intelligenzbegriffs und die Plattformanalyse, benennt aber auch Schwächen: eine überdehnte Formalisierung im Anschluss an Spencer-Brown, eine unterspezifizierte Diagnose der Netzwerk-Differenzierung sowie die asymmetrische Behandlung des Erziehungssystems. Abschließend wird gezeigt, wie sich Baeckers Architektur medienbildungstheoretisch produktiv machen lässt und inwiefern seine Diagnose algorithmischer „Granularität“ das aufklärerische Mündigkeitsversprechen herausfordert.
Literaturhinweise
Dirk Baecker: Digitalisierung. Berlin: Suhrkamp 2026. 159 S., ISBN 978-3-518-58848-2.
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